Amt Limburg (Nassau)

Das Amt Limburg mit Sitz in Limburg an der Lahn war ein Verwaltungs- und Gerichtsbezirk, der ursprünglich Kurtrier, 1803 bis 1806 zu Nassau-Weilburg und von 1806 bis 1866 als Amt zum Herzogtum Nassau gehörte.

Karte des Amtes Limburg 1828

GeschichteBearbeiten

KurtrierBearbeiten

Amt BalduinsteinBearbeiten

Ab dem 14. Jahrhundert gelang es Kurtrier, in den Besitz von Stadt und Amt Limburg zu kommen. Den Ursprung der kurtierischen Herrschaft im Lahngebiet war Balduinstein. Erzbischof Balduin begann im Jahr 1319 mit dem Bau der Burg Balduinstein unterhalb der Schaumburg. Das Amt Balduinstein war damals eines von 30 Ämtern des Hochstiftes Trier. In der einer Aufstellung, die Kurfürst Johann II. von Baden 1498 beauftragt hatte, sind schon 59 Ämter erwähnt. Darunter sind das Amt Balduinstein und das Amt Limburg.[1]

Erzbischof Johann VI. (1556–1567) ordnete am 26. November 1556 mit Zustimmung der Landstände in Koblenz eine vierjährige Landsteuer an. Je 1000 Gulden Vermögen betrug die Steuer 3,5 Gulden. Am 20. Juli 1563 forderte er Berichte aller Ämter an, die über die Orte und die dortigen Steuerzahler Auskunft geben sollte. Im Amt Balduinstein gab es danach 34 Feuerstellen in folgenden Orten:

Ortschaft Zahl Feuerstellen Trierer Untertanen
Balduinstein 24 24
Hausen 10 10

[2]

Andere Teile des Amtes LimburgBearbeiten

1344 wurde die Stadt Limburg zur Hälfte an Kurtrier verpfändet. Mit dem Tod von Johann II. im Jahr 1406 war der letzte männliche Vertreter des Hauses Limburg gestorben. Dem Trierer Erzbischof gelang es, nachdem Stadt und Burg bereits zur Hälfte an ihn verpfändet waren und 1380 die Reichslehnsherrschaft über die Stadt an sie übergegangen war, die gesamte Herrschaft zu übernehmen. 1420 ging sie ganz in kurtrierischen Besitz über. Die Herrschaft Limburg umfasste neben der Stadt Limburg noch Elz, Oberbrechen, Werschau und Bergen.

Niederbrechen und Niederselters gehörten ursprünglich den Herren von Molsberg. 1368 erwarb das Erzbistum Trier zur Sicherung seines Einflusses gegen das Haus Nassau die Grund- und Lehensherrschaft über Niederselters sowie Niederbrechen von den inzwischen verarmten Molsbergern. Mit dem Diezer Vertrag von 1564 verzichtete Nassau auf alle Rechte in Niederselters und Niederbrechen, so dass Kurtrier von da an unumschränkt Landesherr war.

1348/1359 wurden die Isenburgische Burg und die Stadt Villmar durch Trier erobert und 1362 zum Reichslehen des Erzstifts Trier erklärt. Zum Amt bzw. zur Vogtei gehörten neben Villmar noch Arfurt.

Trier hatte auf dem Erbwege ein Viertel der Grafschaft Diez erhalten. Mit dem Diezer Vertrag von 1564 erfolgte eine Realteilung der Grafschaft und Trier erhielt in diesem Zusammenhang das Kirchspiel Lindenholzhausen zu dem noch Eschhofen, Mühlen, Dietkirchen und Kraich (Wüstung) gehörten. Damit hatte das Amt Limburg seinen Endstand erreicht.[3]

Am Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1803 umfasste das Amt Arfurt, Balduinstein, Dietkirchen, Elz, Eschhofen, Hausen, Langhecke (Anteil), Limburg, Lindenholzhausen, Mühlen, Niederbrechen, Niederselters, Oberbrechen, Villmar und Werschau.

BrandschutzBearbeiten

Nachdem in Kurtrier in vielen Dörfern ganzen Häuserreihen abbrannten, erließ das Kurfürstentum Trier am 27. November 1783 eine Gesamtverordnung über den vorbeugenden Feuerschutz und die Feuerbekämpfung. Darin hatten ihre Ämter gemäß § 17 „große dauer- und meisterhafte Feuerspritzen“ anzuschaffen, und zwar kleinere Ämter eine, größere, aber zwei.[4] Damit waren erstmals nicht nur die einzelnen Bewohner und Gemeinden in der Pflicht, Vorsorge zu treffen, sondern auch die untersten Verwaltungseinheiten.

NassauBearbeiten

Im Reichsdeputationshauptschluss 1803 erhielt Nassau-Usingen das Amt. Im Rahmen der Ibellschen Reformen wurden 1816 28 Ämter gebildet. Das Amt Limburg erhielt die Orte des bisherigen Amtes Dauborn und einige Nachbarorte zugeordnet. Es bestand dann bis zum Ende des Amtes aus Dauborn, Dehrn, Dietkirchen, Eschhofen, Eufingen, Heringen, Kirberg, Limburg, Lindenholzhausen, Linter, Mensfelden, Mühlen, Nauheim, Neesbach, Niederbrechen, Oberbrechen, Ohren, Staffel und Werschau.

Nach der Märzrevolution 1848 wurde die Verwaltung neu geordnet. Mit Gesetz vom 4. April 1849 wurden in Nassau Verwaltung und Rechtsprechung auf unterer Ebene getrennt. Die Reform trat zum 1. Juli 1849 in Kraft.[5] Für die Verwaltung wurden 10 Kreisämter gebildet, die Ämter als Justizämter (also Gerichte der ersten Instanz) weitergeführt. Die Verwaltungsaufgaben des Amtes Idstein wurden vom Kreisamt Limburg wahrgenommen, die Rechtsprechung vom Justizamt Limburg. Die Reform wurde jedoch bereits am 1. Oktober 1854 wieder rückgängig gemacht, die Kreise wieder abgeschafft und die vorigen Ämter wiederhergestellt.[6]

Beibehalten wurde jedoch die Einrichtung des Bezirksrats als Volksvertretung, die mit der Bildung der Kreisämter 1849 geschaffen wurden. Im Amt Limburg bestand der Bezirksrat aus folgenden Personen:

1854 bis 1856 1857 bis 1859 1860 bis 1862 1863 bis 1866
Joh. Georg Bellinger, Eschhofen 0 0 0
0 Bürgermeister Hilb, Dehrn Hilb, Dehrn Hilb, Dehrn
Johann Knapp, Dauborn Johann Knapp, Dauborn Johann Knapp, Dauborn 0
0 0 Joseph Königstein, Niederbrechen Joseph Königstein, Niederbrechen
Joh. Nepomuk Kremer, Limburg Joh. Nepomuk Kremer, Limburg Joh. Nepomuk Kremer, Limburg Joh. Nepomuk Kremer, Limburg
Martin Mohr, Limburg Martin Mohr, Limburg Martin Mohr, Limburg Martin Mohr, Limburg
0 0 0 Jacob Otto, Lindenholzhausen
Schnug, Tierarzt, Limburg Schnug, Tierarzt, Limburg Schnug, Tierarzt, Limburg Schnug, Tierarzt, Limburg
Peter Stilger, Niederbrechen Peter Stilger, Niederbrechen Peter Stilger, Niederbrechen 0

PreußenBearbeiten

Mit der Annexion Nassaus durch Preußen werden auch die Ämter in ihrer alten Form aufgelöst und durch Kreise ersetzt. Aus dem Amt Limburg und den Ämtern Diez, Nassau und Nastätten entstand 1867 der Unterlahnkreis. Erst im Rahmen dieser Neuordnung werden Verwaltung und Rechtsprechung getrennt. Für die Rechtsprechung in erster Instanz, die bisher durch das Amt vorgenommen wurde, wurde, zunächst die richterlichen Beamte in den Ämtern zuständig und zum 1. September 1867 das Amtsgericht Limburg gebildet.[7]

Aber auch nach der Kreisgründung bleibt die bisherige Amtsstruktur erhalten. Die Königliche Verordnung vom 22. Februar 1867 regelte: „Die Amtsbezirke als engere Verwaltungsbezirke in ihrer bisherigen Begrenzung bestehen“[8] Die ehemaligen Ämter bilden die vier Bezirke des Kreises. Gemäß § 13 der Kreisverfassung entsendeten die Bezirke also die ehemaligen Ämter jeweils sechs Vertreter in den neuen Kreistag. Der Amtmann hatte die Aufsicht über die Ortspolizei und Organ des Landrates.

Mit der Verwaltungsreform von 1885/1886 wurden die Ämter endgültig aufgelöst.[9]

AmthausBearbeiten

 
kurtriersches Amthaus (links)

Das kurtrierische Amthaus in der Kolpingstraße 9 wurde um 1695 von Wilhelm Lothar von Hohenfeld errichtet.[10]

BeamteBearbeiten

AmtmännerBearbeiten

KurtrierBearbeiten

Amtmänner (unvollständig):

NassauBearbeiten

LandesoberschultheißenBearbeiten

MedizinalräteBearbeiten

  • Dr. Georg Bonifaz Rusticus Coels (bis 1808)
  • Dr. Heinrich Rudio, vorher Weilburger Stadt- und Landphysikus (1809 bis 1814)
  • Medizinalrat Johann Benedikt Daniel Nückel (1818 bis 1821)
  • Medizinalrat Carl Thomas Wilhelm (1821 bis 1825)
  • Obermedizinalrat Peter Thewalt, vorher in Wallmerod (1825 bis 1851)
  • Medizinalrat Dr. Theodor Heydenreich, vorher in gleicher Funktion in Dillenburg (1851 bis 1854)
  • Medizinalrat Dr. Wilhelm Göbell, vorher in Hadamar (1854 bis 1866)

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Otto Rudolf Kissel: Neuere Territorial- und Rechtsgeschichte des Landes Hessen, 1961, S. 151
  • Thomas Klein: Band 11: Hessen-Nassau, der Reihe: Walther Hubatsch: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945, 1979, ISBN 3-87969-126-6, S. 164–185
  • Franz-Karl Nieder: Das Herzoglich-nassauische Amt Limburg 1802 bis 1866, online

WeblinksBearbeiten

Commons: Amt Limburg – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Richard Laufner: Die Ämterorganisation unter Balduin von Luxemburg; in: Johannes Mötsch, Franz-Josef Heyen (Hrsg.): Balduin von Luxemburg. Erzbischof von Trier – Kurfürst des Reiches. Festschrift aus Anlass des 700. Geburtsjahres. (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte. Bd. 53). Verlag der Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte, Mainz 1985 S. 289 ff., Digitalisat
  2. Peter Brommer: Die Ämter Kurtriers: Grundherrschaft, Gerichtsbarkeit, Steuerwesen und Einwohner; Edition des sogenannten Feuerbuchs von 1563, 2003, ISBN 3-929135-40-X, S. 19.
  3. Peter Brommer: Kurtrier am Ende des alten Reichs: Edition und Kommentierung der kurtrierischen Amtsbeschreibungen von (1772) 1783 bis ca. 1790, Mainz 2008, Band 1, ISBN 978-3-929135-59-6, S. 367–436.
  4. Franz-Josef Sehr: Brandschutz im Heimatgebiet vor 300 Jahren. In: Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg (Hrsg.): Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2022. Limburg 2021, ISBN 3-927006-59-9, S. 223–228.
  5. Gesetz vom 4. April 1849 (VBl S. 87); Gesetz, die Vollziehung des Gesetzes über die Trennung der Rechtspflege von der Verwaltung in der unteren Instanz betreffend vom 31. Mai 1849, (VBl S. 409).
  6. Gesetz vom 24. Juli 1854 (Bvl. S. 160).
  7. VO vom 26. Juni 1867, GS S. 1094
  8. Königliche Verordnung vom 22. Februar 1867 Beilage zum Intelligenzblatt für Nassau vom 11. März 1867, § 8 und 9
  9. GS 1885, S. 229
  10. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Ehem. Kurtrierer Amtshaus In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen