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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Leun
Leun
Deutschlandkarte, Position der Stadt Leun hervorgehoben

Koordinaten: 50° 33′ N, 8° 22′ O

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Lahn-Dill-Kreis
Höhe: 155 m ü. NHN
Fläche: 28,66 km2
Einwohner: 5728 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 200 Einwohner je km2
Postleitzahl: 35638
Vorwahlen: 06473, 06442
Kfz-Kennzeichen: LDK, DIL
Gemeindeschlüssel: 06 5 32 016
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bahnhofstraße 25
35638 Leun
Website: www.leun.de
Bürgermeister: Björn Hartmann (CDU)
Lage der Stadt Leun im Lahn-Dill-Kreis
DietzhölztalHaigerEschenburgSiegbachDillenburgBreitscheid (Hessen)DriedorfGreifenstein (Hessen)BischoffenHerbornSinn (Hessen)MittenaarHohenahrEhringshausenAßlarLahnauWetzlarHüttenberg (Hessen)SolmsLeunBraunfelsSchöffengrundWaldsolmsNordrhein-WestfalenRheinland-PfalzLandkreis Marburg-BiedenkopfLandkreis GießenWetteraukreisHochtaunuskreisLandkreis Limburg-WeilburgKarte
Über dieses Bild
Leuner Mühle Obere Bachstr. 40

Leun ist eine Kleinstadt im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Leun liegt etwa 10 km westlich von Wetzlar zwischen den Ausläufern des nördlichen Taunus und des Westerwaldes im Lahntal, auf 150 bis 330 m über dem Meeresspiegel.

NachbargemeindenBearbeiten

Leun grenzt im Norden an die Gemeinden Greifenstein und Ehringshausen, im Osten an die Stadt Solms, im Süden an die Stadt Braunfels (alle im Lahn-Dill-Kreis), sowie im Westen an die Gemeinde Löhnberg (Landkreis Limburg-Weilburg).

Greifenstein
16 km
Ehringshausen
7 km
Löhnberg
10 km
  Solms
6 km
Braunfels
7 km

GliederungBearbeiten

Die Stadt besteht aus den fünf Stadtteilen Biskirchen, Bissenberg, Lahnbahnhof, Leun und Stockhausen.

 
Historischer Ortskern (Limburger Straße)

GeschichteBearbeiten

Leun wurde als Liuun bereits im Jahre 771 erstmals urkundlich erwähnt.[2] Eine Abschrift der ursprünglichen Urkunde findet sich im Lorscher Codex. Im Jahre 1469 erhielt der kleine Ort von Kaiser Friedrich III. das Recht, Markt (insbesondere Wollmarkt) abzuhalten. Dies und die 1481 errichtete steinerne Brücke über die Lahn führten zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der 1664 in der Verleihung der Stadtrechte durch die Grafen von Solms gipfelte[3].

1816 wurde die Stadt Leun Teil des Kreises Braunfels, der wiederum der preußischen Provinz Großherzogtum Niederrhein unterstand, die 1822 in der preußischen Rheinprovinz aufging[4]. 1822 wurde dieser Kreis dem Kreis Wetzlar beigeordnet. Leun gehörte daher bis 1932 zur preußischen Exklave, die der Kreis Wetzlar bildete, bevor er der preußischen Provinz Hessen-Nassau zugeordnet wurde. Die Exklavenstellung ist noch heute an der Zugehörigkeit zur Evangelischen Kirche im Rheinland zu bemerken.

Im 19. Jahrhundert und beginnendem 20. Jahrhundert gab es intensiven Eisenerzbergbau auf dem Territorium von Leun, siehe: Liste von Bergwerken im Lahn-Dill-Gebiet.

GebietsreformBearbeiten

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen entstand durch den freiwilligen Zusammenschluss der Stadt Leun und der Gemeinden Biskirchen, Bissenberg und Stockhausen am 31. Dezember 1971 die neue Stadt Leun.[5] Das heutige Rathaus befindet sich im Stadtteil Stockhausen.

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Leun unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

  • Liuun, in (771) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3646]
  • Liûna (912) [MGH DD Konrad I, Nr. 8][6]
  • Liuni (912) [MGH DD Konrad I, Nr. 8]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Leun lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][7]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Leun: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
834
1840
  
906
1846
  
983
1852
  
1.009
1858
  
1.064
1864
  
1.154
1871
  
1.206
1875
  
1.192
1885
  
1.169
1895
  
1.094
1905
  
1.059
1910
  
1.032
1925
  
1.240
1939
  
1.255
1946
  
1.998
1950
  
2.005
1956
  
1.858
1961
  
1.845
1967
  
1.841
1970
  
1.913
1972
  
4.482
1976
  
4.535
1984
  
4.945
1992
  
5.422
2000
  
6.000
2004
  
6.035
2010
  
5.848
2015
  
5.900
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]; 1972:[8]; 1976:[9]; 1984:[10]; 1992:[11]; 2000, 2015:[12]; 2004:[13]; 2010:[14]
Ab 1972 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

  • 1834: 807 evangelische, 2 katholische, 23 jüdische Einwohner
  • 1961: 1460 evangelische (= 79,13 %), 357 katholische (= 19,35 %) Einwohner

ReligionenBearbeiten

Bereits vor der Reformation ist eine Pfarrei für Leun bezeugt. Seit der Reformation war die überwiegende Bevölkerung der Stadt Leun evangelisch. 1582 führte Graf Konrad zu Solms-Braunfels das evangelisch-reformierte Bekenntnis ein[15]. Die Leuner Protestanten entwickelten eine starke Bindung zum reformierten Glauben, die bis heute an der inneren Gestaltung der Kirchengebäude in Leun und Biskirchen zu sehen ist. Der Leuner Pfarrer Robert Steiner nahm 1934 an der Barmer Bekenntnissynode teil und wurde Mitglied der Bekennenden Kirche, die aus religiösen Gründen Widerstand gegen die Nationalsozialisten leistete. Im gleichen Jahr hielt er einen Gemeindetag mit mehr als 80 Pfarrern und Ältesten, die sich zur Bekennenden Kirche hielten, im Leuner Pfarrhaus ab.[16]

Eine jüdische Gemeinde ist seit dem 17. Jahrhundert mit eigener Synagoge überliefert.[17] Letztere wurde vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts baufällig und nicht wiedererrichtet. Die jüdische Bevölkerung hatte zu diesem Zeitpunkt ihren Schwerpunkt in Biskirchen. Dennoch zeugen mehrere hebräische Inschriften an Leuner Fachwerkhäusern von dieser Zeit.

Im Jahr 1949 wurde im Stadtteil Leun die katholische Kirche Maria Himmelfahrt errichtet.

PolitikBearbeiten

StadtverordnetenversammlungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[18] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[19][20]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
     
Insgesamt 25 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 33,3 8 34,3 9 33,9 8 28,8 7
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 30,6 8 30,4 8 34,0 8 39,7 10
FWG Freie Wählergemeinschaft 13,7 3 16,4 4 18,5 5 11,4 3
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 11,2 3 13,7 3 7,4 2 6,6 2
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 11,2 3 5,2 1 6,2 2 8,9 2
FDP Freie Demokratische Partei 4,6 1
gesamt 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 25
Wahlbeteiligung in % 47,9 42,9 46,4 56,9

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister in Leun in seit dem 1. März 2018 Björn Hartmann (CDU).

Zeitraum Name Partei Bemerkung
01.01.1972–31.03.2001 Karl-Heinz Straßheim SPD
01.04.2001–31.03.2007 Peter Kaufmann SPD
01.04.2007–31.03.2013 Birgit Sturm parteilos
01.04.2013 – 08.05.2017[21] Joachim Heller parteilos
09.05.2017 – 28.02.2018 Ralf Schweitzer CDU 1. Stadtrat
seit 01.03.2018 Björn Hartmann CDU

Wahl 2012Bearbeiten

Quelle:[22]

Am 4. November 2012 fand eine Bürgermeisterwahl statt. Folgende Kandidaten stellten sich zur Wahl:

Bewerber Partei % Stimmen
Heller, Joachim parteilos 33,0 830
Sturm, Birgit parteilos 26,1 658
Höllering, Jörg parteilos 23,6 595
Schäfer, Christoph CDU 17,2 434

Wahlbeteiligung: 56,1 %

Da sich kein Kandidat mit einer absoluten Mehrheit durchsetzten konnte, kam es am 18. November 2012 zu einer Stichwahl.

Bewerber Partei % Stimmen
Heller, Joachim parteilos 56,3 1260
Sturm, Birgit parteilos 43,7 979

Wahlbeteiligung: 50,1 %

Aus der Wahl ging Joachim Heller als Sieger hervor und trat am 1. April 2013 sein Amt als Bürgermeister an.

Wahl 2017Bearbeiten

Kandidaten zur Bürgermeisterwahl am 24. September 2017[23]

Name Partei/Unterstützer
Silke Interthal SPD
Björn Hartmann CDU
Andreas Voigtländer-Tetzner FWG (unterstützt)
Thomas Hantusch NPD

Ergebnis der Bürgermeisterwahl 2017[23]

Name Anzahl Prozent
Wahlberechtigte 4477 100 %
Wähler 3393 75,8 %
Björn Hartmann 1545 46,1 %
Silke Interthal 1370 40,9 %
Andreas Voigtländer-Tetzner 278 8,3 %
Thomas Hantusch 155 4,6 %

Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichte, war eine Stichwahl nötig. Diese fand am 8. Oktober 2017 statt.[24]

Ergebnis der Bürgermeister-Stichwahl 2017[24]

Name Anzahl Prozent
Wahlberechtigte 4483 100 %
Wähler 2569 57,3 %
Björn Hartmann 1394 55,6 %
Silke Interthal 1160 45,4 %

Damit ist Björn Hartmann als Bürgermeister gewählt.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Blau eine aus dem oberen dreier silberner Wellenbalken im Schildfuß wachsende, silberne, dreibogige Geländerbrücke, vorne erhöht um einen goldenen, gesichteten Halbmond, hinten um vier goldene, sechszackige Sterne (1/2/1).“

Wappenerklärung: Das Wappen geht auf das alte Stadtsiegel aus dem Jahre 1664 zurück. Damals dachte man, der Name Leun gehe auf das lateinische Wort für Mond „luna“ zurück, Leun müsse also von den Römern gegründet worden sein. Das Wasser auf dass er scheine symbolisiere das Leuner Becken, das oft bei Hochwasser wie ein See überflutet ist. Heute nimmt man jedoch an, der Name Leun stamme vom keltischen Namen der Lahn „Loyne“ ab.[25] Später kam die Brücke als Symbol für Leuns wirtschaftlichen Aufschwung hinzu, hierbei wurde die ursprünglich vorhandene Ente entfernt.

PartnerschaftenBearbeiten

Die Stadt Leun unterhält seit 1980 partnerschaftliche Beziehungen zu der französischen Gemeinde Feytiat im Département Haute-Vienne und seit 1990 zu Rastenberg in Thüringen.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

MartinskircheBearbeiten

Nahe Lahnbahnhof auf den Flurstücken "Martinskirch" und "Martinsfeld" wurden bei einer Lehrgrabung der Philipps-Universität Marburg die Reste einer mittelalterlichen Kirche freigelegt. Da die Kirche zeitlich zwischen der 2. Hälfte des 8. Jh. und 15. Jh. eingeordnet wird, kann man von einer der ältesten Kirchenbauten im Lahn-Dill-Gebiet sprechen.[26]

Evangelische KircheBearbeiten

 
Evangelische Kirche in Leun vom Dollberg aus

Über dem historischen Ortskern von Leun steht die evangelische Kirche, deren genaues Entstehungsdatum ungeklärt ist. Der mächtige Wehrturm und das Hauptschiff dürften der Romanik zuzuordnen sein, während Chorraum und Querschiff früh- bzw. spätgotischen Ursprungs sind. Besonders sehenswert ist das große südliche Sandsteinfenster im Querschiff. Der von Außen angebaute Ausgang von der ehemaligen Männerempore im Norden stammt aus dem Jahr 1907. Im gleichen Jahr erhielt die Kirche im Inneren einen neuen Anstrich. Im Inneren der Kirche findet sich eine alte und kunsthistorisch bedeutsame Kanzel aus Holz mit Vertäfelungen, die vorderasiatische Motive zeigen. Davor befindet sich ein Taufstein aus dem 21. Jahrhundert, auf den die schon viele Jahrhunderte alte Taufschale aufgelegt wird. Im Querschiff steht die 1808 von den Brüdern Philipp Heinrich und Johann Georg Bürgy erbaute Bürgy-Orgel. Sie besitzt 13 Register auf einem Manual und Pedal. Sie wurde im Jahr 2008 grundlegend saniert und so weit wie möglich in ihren historischen Zustand zurückversetzt. Im Turm hängen drei Glocken, von denen jedoch keine aus der ursprünglich in Leun ansässigen Glockengießerei stammt[27]. Heute verschollen sind zwei Gemälde "Die Geburt Christi" und "Die Auferstehung Christi"[28]

Oberhalb der Kirche liegt der Friedhof, auf dem sich noch Reste der alten Stadtmauer sowie des alten Obertores befinden.

 
Haus des Hofkellers Johann Hyppolitus von Staden und dessen Ehefrau Maria Katharina Schweitzer aus Werdorf. Errichtet 1708 von Johann Heinrich Almenröder aus Ulm.
 
Erkerhaus

Historischer OrtskernBearbeiten

Der Ortskern der Kernstadt besitzt noch einige prächtige Fachwerkhäuser, die vom einstigen Reichtum der Stadt zeugen. Zahlreiche Fachwerkhäuser, unter anderem das alte Gerichtsgebäude, fielen der Straßenverbreiterung in den 1970er Jahren zum Opfer. Im ehemaligen Rat- und Schulhaus aus dem Jahre 1818 befindet sich das Stadtmuseum. Als prächtigste Fachwerkstraße gilt die Limburger Straße, wo sich das weit über die Grenzen Leuns hinweg bekannte Wahrzeichen der Stadt befindet: Das Erkerhaus. Der mächtige,breit gelagerte Fachwerkbau in der Limburger Straße 19, wurde von Johann Heinrich Almenröder aus Ulm für den Hofkeller Johann Hyppolitus von Staden und dessen Ehefrau Maria Katharina Schweizer aus Werdorf 1708 errichtet. Die drei Geschosse über einem straßenparallelen Gewölbekeller sind in der Mittelachse durch Mann-Figuren und ein kleines Zwerchhaus auf dem Mansarddach betont. Zu den reich profilierten Geschosshölzern mit klötzchenverzierten Füllhölzern treten üppig geschmückte Brüstungsfelder. Die seitliche Torfahrt erschließt die rückwärtige, so genannte Zehntscheune, die an die Stadtmauer gebaut und zu Wohnzwecken umgenutzt wurde. Bauzier und Dachform spiegeln einen hohen Anspruch, der in Leun kaum noch übertroffen wird.[29] Am großen barocken Hofportal erkenntlich ist der Rest des ehemaligen Junkernhofes, Sitz der Familie Mohr, mit noch erhaltenem Herrenhaus. Sehenswert ist auch die alte Mühle von Leun, die der letzte Müller, Heinrich Staaden aus Leun, als Eigentümer dieser Mühle, bis in die Fünfziger Jahre betrieben hat. Heute ist die Leuner Mühle in einem ausgezeichneten restaurierten Zustand. Sehenswert auch die alte Lateinschule.

Katholische KircheBearbeiten

Aufgrund des hohen Flüchtlingsstroms nach Ende des Zweiten Weltkrieges errichtete man, nachdem eine Zeit lang die evangelische Kirche als Simultankirche benutzt worden war (Zeugnis hiervon geben die noch erhaltenen Tabernakelflügel), eine eigene katholische Kirche in der Adalbert-Stifter-Straße. Sie war der erste Kirchenneubau im Altkreis Wetzlar seit dem Krieg. Der Kirchenraum befindet sich im 1. Stock über einer darunterliegenden Wohnung und wird durch große Gaubenfenster erhellt.

Bahnhof Leun/BraunfelsBearbeiten

Im Stadtteil Lahnbahnhof befindet sich der Bahnhof mit stattlichem Empfangsgebäude. Das heute aufgrund des Haltepunktcharakters des Bahnhofes völlig überdimensioniert wirkende Gebäude war im Jahre 1863 fertiggestellt worden und zählt mit seinen zwei Türmen zu den größten der Lahntalbahn. Seine besondere Ausschmückung verdankt es der fürstlichen Familie in Braunfels, die den Bahnhof dementsprechend nach ihrem Stammsitz nannte, obgleich er auf Leuner Grund stand. Erst in den 1990er Jahren benannte man den Bahnhof in „Leun/Braunfels“ um.

BiskirchenBearbeiten

Im Stadtteil Biskirchen finden sich die Reste der alten Friedhofsmauer und das 1884 geweihte Denkmal zur Erinnerung an die alte Bischofskirche (erbaut um 900, abgebrochen 1871), die namensgebend für den Ort war. Sehenswert auch ihre Nachfolgerin, die das Ortsbild dominiert.[30] Eine Besonderheit stellt die heimische Mineralbrunnenindustrie dar („Westerwaldquelle“, „Heilquelle Karlssprudel“ sowie die früheren Brunnenbetriebe „St. Georgsquelle“ und „Gertrudisbrunnen“). Wahrzeichen des Leuner Stadtteils ist das Brunnenhaus des staatlich anerkannten Gertrudisbrunnen, der ein Geotop des Nationalen Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus ist. 1990 entstand auf dem Brunnengelände ein Kurzentrum, Gertrudis-Klinik Biskirchen,[31] das seit 1995 zu einer Spezialklinik für Parkinsonkranke umfunktioniert wurde.

MuseenBearbeiten

In der Limburger Straße befindet sich in der alten Schule des Ortes das Stadtmuseum der Stadt Leun mit angrenzender Spinnstube.

NaturdenkmälerBearbeiten

siehe Liste der Naturdenkmäler in Leun

SportBearbeiten

Leun war Austragungsort des regelmäßig stattfindenden Tennisturniers Leun Open. 1995 eröffnete das „Sport- und Gesundheitszentrum Quellenhof“ seine Pforten. In dieser Einrichtung gehören Tennis und Badminton zum Freizeitangebot, genau wie Indoorsoccer. Diese Sporteinrichtungen sind seit 2010 jedoch geschlossen. Geblieben ist das Studio REHA-SPORT GmbH. Durch das Ärztehaus, in dem auch Physiotherapie und Reha-Sport zu Hause sind, ist die medizinische Versorgung für den Stadtteil Biskirchen und die umliegenden Orte größtenteils sichergestellt.

ZitateBearbeiten

  • „Leun, Streit und Zank, dein Leben lang“ Inschrift, mit der ein Töpfer der Stadt Ende des 18. Jahrhunderts seine Ware versieht.
  • Auszug aus dem Leuner Heimatlied:

Wer einmal auf dem Küppel stand und sah ins Tal hernieder
wohl auf das schöne Heimatland, der kehret gerne wieder.

Sei gegrüßt du schönes Leun, wir tragen dich im Herzen,
sei gegrüßt du schönes Leun, du liebe Heimat mein

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Leun liegt an der Bundesstraße 49. Nach Norden besteht über Ehringshausen Anschluss an die Bundesautobahn 45. Auf Leuner Gebiet befinden sich die beiden Bahnhöfe „Leun/Braunfels“ (im Ortsteil Lahnbahnhof) und „Stockhausen“ an der Lahntalbahn GießenLimburg an der LahnKoblenz.

Am heutigen Bahnhof Leun/Braunfels begann früher die Ernstbahn nach Philippstein und von Stockhausen führte die Ulmtalbahn nach Beilstein. Beide Nebenstrecken wurden 1962 bzw. 1991 abgebaut.

TourismusBearbeiten

Am Dollberg befindet sich eine kleine Ferienhaussiedlung. Für Kanutouren auf der Lahn finden sich Anlegestellen, Fahrradtouristen werden mit Sonderzügen bedient. Der Leuner Jugendzeltplatz bietet allen Bootswanderern eine kostenpflichtige Übernachtungsmöglichkeit. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich auch der Wandertourismus, insbesondere entlang der Hohen Straße.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

  • Johann Mohr von Leun (um 1445–1519), nassau-dillenburger Staatsmann und kurmainzischer Hofrichter
  • Harald Turner (1891–1947), Jurist, preußischer Staatsrat, als Kriegsverbrecher hingerichtet
  • Erika Lotz (* 1943), Politikerin

Persönlichkeiten, die in dieser Stadt gewirkt habenBearbeiten

  • Philipp Heinrich Bürgy (1759–1824), Orgelbauer, baute 1808 die Orgel der evangelischen Kirche in Leun
  • Johann Georg Bürgy, Orgelbauer, baute 1808 mit seinem Bruder Philipp Heinrich die Orgel der evangelischen Kirche

LiteraturBearbeiten

  • Magistrat der Stadt Leun (Hrsg.): Die Geschichte des Kirchspiels Biskirchen, Bissenberg und Stockhausen. 1994.
  • Heimatkundlicher Arbeitskreis Biskirchen (Hrsg.): Biskirchener Heimatkalender (ab 1988)
  • Literatur über Leun in der Hessischen Bibliographie
  • Robin Dürr/Felix Teichner: "Die Glocke ruft zur Kirche..."-Ein frühmittelalterlicher Sakralbau bei Leun (Lahn-Dill-Kreis) In: HessenArchäologie 2016. 2017, S. 145–148 (online)
  • Robin Dürr/Felix Teichner: Die Martinskirche von Leun Untersuchungen zum fränkischen Landesausbau auf dem Gebiet des heutigen Hessens (online)
  • Felix Teichner: Die Martinskirche von Leun – Untersuchungen zum fränkischen Landesausbau auf dem Gebiet des heutigen Hessens (online)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Leun – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b c d e Leun, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Stadt Leun: Die Chronik der Leuner Stadtteile im Überblick, abgerufen im Februar 2017.
  4. Landkreis Wetzlar auf www.territorial.de/nassau.
  5. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 302
  6. Die Urkunden Konrad I., Heinrich I. und Otto I., Weidmann, Berlin 1956
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 4. August 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  9. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1977; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 15. Dezember 1976. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1976 Nr. 52, S. 2283, Punkt 1668 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 10,3 MB]).
  10. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1985; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 30. Oktober 1984. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1984 Nr. 46, S. 2175, Punkt 1104 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).
  11. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1993; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 21. Oktober 1992. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1992 Nr. 44, S. 2766, Punkt 935 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).
  12. Gemeindedatenblatt: Leun. (PDF; 222 kB) In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH;
  13. Hessische Gemeindestatistik Ausgab2 2005. Hessisches Statistisches Landesamt
  14. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 30. Juni 2010. (PDF; 552 kB) Hessisches Statistisches Landesamt, S. 11, archiviert vom Original am 7. Februar 2018; abgerufen am 20. März 2018.
  15. https://evangelisch-an-lahn-und-dill.de/evangelischer-kirchenkreis-braunfels-blickt-auf-436-jaehrige-geschichte-zurueck/
  16. https://evangelisch-an-lahn-und-dill.de/evangelischer-kirchenkreis-braunfels-blickt-auf-436-jaehrige-geschichte-zurueck/
  17. Die Synagogen in Leun und Biskirchen (Lahn-Dill-Kreis). In: www.alemannia-judaica.de. Abgerufen am 11. Juni 2016.
  18. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  19. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  20. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  21. Leuns Bürgermeister tritt zurück (mittelhessen.de)
  22. Bürgermeisterwahl in Leun, Stadt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2019.
  23. a b Bürgermeisterwahl in Leun, Stadt am 24. September 2017. Hessisches Statistisches Landesamt;
  24. a b Bürgermeisterwahl in Leun, Stadt (Stichwahl) am 8. Oktober 2017. Hessisches Statistisches Landesamt;
  25. Himmelreich, L.H., Leuner Chronik, Kap. 1
  26. Felix Teichner: Die Martinskirche von Leun – Untersuchungen zum fränkischen Landesausbau auf dem Gebiet des heutigen Hessens. Uni. Marburg, Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, abgerufen im August 2018.
  27. vergleiche noch die Aufzählung bei Abicht, Der Kreis Wetzlar Band 2, 1836.
  28. bezeugt bei Abicht, Der Kreis Wetzlar, Band 2, 1836, S. 111
  29. DenkXweb - Startseite. Abgerufen am 6. Oktober 2017.
  30. Kirchenbuch Werdorf 13.09.1701 Seite 94.
  31. Parkinson-Zentrum