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Bollschweil

Gemeinde in Baden-Württemberg, Deutschland

GeographieBearbeiten

 
Blick vom Schönberg ins Hexental mit der Bollschweiler Kirche

LageBearbeiten

Zwischen dem Hohfirst als Südteil des Schönbergmassivs und dem Schwarzwald im südlichen Hexental gelegen, gehört Bollschweil sowohl zur Vorbergzone als auch bereits zum Schwarzwald, da durch die Gemeinde die Hauptverwerfung zwischen Oberrheingraben und Schwarzwald verläuft. Der Ortsteil St. Ulrich liegt vollständig im Schwarzwald.

NachbargemeindenBearbeiten

Bollschweil grenzt an die Stadt Freiburg und an die Gemeinden Münstertal, Ehrenkirchen, Pfaffenweiler, Ebringen, Sölden, Wittnau und Horben.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Bollschweil gehört die bis 1974 selbstständige Gemeinde St. Ulrich. Zur Gemeinde Bollschweil in den Grenzen vom 31. Dezember 1973 gehören die Dörfer Oberdorf und Unterdorf, die Weiler Aubach, Ellighofen, Gütighofen (der westliche Teil gehört zu Ehrenkirchen), der Zinken Leimbach, Hof und Haus Gütle und das Gehöft Bitterst. Zur ehemaligen Gemeinde St. Ulrich gehören das Dorf St. Ulrich, der Weiler Geiersnest und das Gehöft Kaltwasser. In der Gemarkung Bollschweil liegt die Ruine Birchiburg und das im Unterdorf aufgegangene Innighofen.[2]

GeschichteBearbeiten

 
Katholische Pfarrkirche St. Ulrich

Bis zum 19. JahrhundertBearbeiten

Bollschweil wird erstmals im Jahr 838 als Puabilinisvilare in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erwähnt. Seine Geschichte ist eng mit der Adelsfamilie Snewlin-Bernlapp, einem Zweig der im gesamten Breisgau bedeutenden Familie Snewlin, verbunden. Als die Familie 1837 ausstarb, kamen das Schloss und der Ort an die Freiherren von Holzing-Berstett, deren Nachkommen auch heute noch das Schloss bewohnen.

Nach 1087 gründete Ulrich von Zell († 1093), der Prior des Priorats Sankt Ulrich im Schwarzwald, ein Nonnenkloster in Bollschweil, das 1115 nach Sölden verlegt wurde.

EingemeindungenBearbeiten

St. Ulrich wurde im Zuge der Gemeindereform zum 1. Januar 1974 eingemeindet.[3] Bereits 1854 wurde die Gemeinde Geiersnest nach St. Ulrich eingemeindet.

BergbauBearbeiten

Für kurze Zeit (1938–1939) wurde auf Bollschweiler Gemarkung nahe Kuckucksbad am Schönberg Eisenerz abgebaut. Dieser nicht besonders umfangreiche Bergbau wurde jedoch nach jenen zwei Jahren (1938: 28.144 t, 1939: 40.252 t) nach einer Gesamtförderung von 69.396 t wieder eingestellt. Zu dieser frühen Einstellung trugen hauptsächlich Transportprobleme bei, da das Erz aufwendig per Lastwagen nach Bad Krozingen transportiert werden musste. Dieser Transport verteuerte sich späterhin maßgeblich, da zum Kriegsausbruch der Treibstoff knapp wurde. Bergbaurelikte aus dieser Epoche sind aufgrund einer zwischenzeitlichen Flurbereinigung im Jahre 2000 nur schwer aufzufinden.

Im Gegensatz dazu lässt sich für das Mittelalter umfangreicher Bergbau im umliegenden Gebirge nachweisen, der primär auf Silber betrieben wurde. Besonders im Bereich Birkenberg wurde damit begonnen, diesen Bergbau zu erforschen. Die Stollen und Schächte des mittelalterlichen Bergbaus haben sich über die Jahrhunderte nahezu unverändert erhalten und wurden nicht wie in vielen anderen Bergbaugebieten des Schwarzwaldes von neuzeitlichem Bergbau überprägt.[4]

PolitikBearbeiten

 
Rathaus Bollschweil

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat von Bollschweil hat 12 Sitze. Das Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 mit einer Wahlbeteiligung von 70,86 % (2014: 64,25 %) führte zu folgender Sitzverteilung:

Freie Bürgerliste Bollschweil-St. Ulrich 6 Sitze (Stimmenanteil: 53,28)
Bürgerforum Bollschweil-St. Ulrich 6 Sitze (Stimmenanteil: 46,72)

VerwaltungBearbeiten

Mit der Gemeinde Ehrenkirchen besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.

PartnerschaftBearbeiten

Seit 1990 besteht ein Gemeindepartnerschaft zwischen Bollschweil und der elsässischen Gemeinde Berstett im Département Bas-Rhin.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

GebäudeBearbeiten

 
Schloss Bollschweil
 
Pfarrkirche im Ortsteil St. Ulrich (ehemalige Benediktinerprioratskirche)
 
Kirche St. Hilarius Bollschweil
 
Muttergotteskapelle / Hirzlehofkapelle

Denkmäler/GrenzsteineBearbeiten

 
Hohbannstein im Hohfirstwald
 
Luftbild auf Bollschweil und das Kalkwerk (2012)

Der Hohebannstein ist ein Gemarkungsstein im Hohfirstwald, an den die fünf Gemeinden Bollschweil, Ebringen, Ehrenkirchen, Pfaffenweiler und Schallstadt angrenzen. Inzwischen steht am Ort nur noch eine Replik, der Originalstein befindet sich im Dorfmuseum von Pfaffenweiler.

ErholungBearbeiten

Durch den Ort verläuft ein überregionaler Wanderweg, der historische Bettlerpfad von Merzhausen/Freiburg nach Badenweiler.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Bollschweil ist über die Linie 7208 Freiburg – Bad Krozingen der Südbadenbus-Gesellschaft an das Netz des regionalen Nahverkehrs angeschlossen.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

In Bollschweil wurde am Hohfirst seit 1920 Kalkabbau betrieben. Der vom Bollschweiler Unternehmer Franz Koch gegründete Betrieb gehört heute der Knauf Marmorit GmbH. Am 31. März 2011 wurde der Kalksteinabbau, vorwiegend aufgrund Nachfrageeinbruchs, eingestellt.[5] Die Produktion von Trockenmörteln für Außen- und Innenputze blieb bestehen. Von den 2009 knapp 100 Beschäftigten waren 2015 noch 35 am Standort. Im Zuge der Rekultivierung der Steinbruch-Flächen wurden bis 2015 über 100 000 Kubikmeter Erde verfüllt und mit Bäumen bepflanzt. Zudem wurde die Breite der Straße halbiert.[6]

Die örtliche Gastwirtschaft wird erstmals genossenschaftlich betrieben.[7]

BildungBearbeiten

Im Ort gibt es die Marie-Luise-Kaschnitz-Grundschule, in der etwa 80 Kinder in vier Klassen von neun Lehrkräften unterrichtet werden. Im Kindergarten St. Joseph der katholischen Kirchengemeinde St. Hilarius werden bis zu 74 Kinder im Alter von einem Jahr bis zum Schuleintritt betreut und gefördert. Diese Einrichtungen sind zusammengefasst im „Bildungshaus für Drei- bis Zehnjährige“ (Modellprojekt des Landes Baden-Württemberg).

Weitere Bildungseinrichtungen im Erwachsenenbereich sind das Bildungshaus Kloster St. Ulrich (Landvolkhochschule), das Katholische Bildungswerk Bollschweil, das Katholische Bildungswerk St. Ulrich und die Volkshochschule Südlicher Breisgau.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Franz Koch (1883–1972), Gründer des Kalkwerks, Ehrenbürger 1953
  • Marie Luise Kaschnitz, die teilweise in Bollschweil aufgewachsen und später auch oft hierher zurückgekehrt ist, erhielt die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde. Mit dem Text Beschreibung eines Dorfes (1966) hat sie der Gemeinde ein literarisches Denkmal gesetzt. Sie ist auch hier begraben.
  • Willi Bechtold (seit 2007), ehem. Schulrektor, hat sich Verdienste um die Partnerschaft zu Berstett erworben.

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Der Filmarchitekt und Fotokünstler Anton Weber († 1979) wurde 1904 in Bollschweil geboren.

Weitere PersönlichkeitenBearbeiten

  • Adolf Max von Holzing-Berstett, der Bruder von Marie Luise Kaschnitz hatte seinen Familiensitz in Bollschweil.
  • Hans Abich (1918–2003), Filmproduzent, Publizist und langjähriger Programmdirektor der ARD verbrachte seinen Lebensabend in Bollschweil und fand auch dort seine letzte Ruhestätte.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 65–181.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 509.
  4. Gert Goldenberg, Matthias Fröhlich: Der Birkenberg bei Bollschweil - St. Ulrich. Ein Bergbaurevier aus dem Mittelalter. Bollschweil, 2006
  5. Silvia Faller: Bollschweil: Der Ofen im Kalkwerk ist aus. Badische Zeitung, 31. März 2011, abgerufen am 1. Juli 2017.
  6. Gabriele Hennicke: Bollschweil: Biotop: Die Natur erobert den Steinbruch am Urberg zurück. Badische Zeitung, 26. September 2015, abgerufen am 1. Juli 2017.
  7. „Ungewöhnliches Gasthaus: Die genossenschaftlich geführte Kneipe von Bollschweil“, Deutschlandfunk (Reihe: Sonntagsspaziergang), 18. April 2010.