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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bleicherode
Bleicherode
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bleicherode hervorgehoben
Koordinaten: 51° 26′ N, 10° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Nordhausen
Erfüllende Gemeinde: für Großlohra
für Kehmstedt
für Kleinfurra
für Lipprechterode
für Niedergebra
Höhe: 237 m ü. NHN
Fläche: 108,2 km2
Einwohner: 10.563 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 99752,
99759 (Elende, Obergebra)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 036338
Kfz-Kennzeichen: NDH
Gemeindeschlüssel: 16 0 62 066
Stadtgliederung: 11 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 37
99752 Bleicherode
Website: www.bleicherode.de
Bürgermeister: Frank Rostek (CDU)
Lage der Stadt Bleicherode im Landkreis Nordhausen
ThüringenBleicherodeBleicherodeEllrichGörsbachGroßlohraHarztorHeringen/HelmeHohensteinKehmstedtKleinfurraLipprechterodeNiedergebraNordhausenSollstedtUrbachWertherKarte
Über dieses Bild

Die Kleinstadt Bleicherode ist eine Landgemeinde im Landkreis Nordhausen in Thüringen (Deutschland) mit etwa 10.500 Einwohnern umgeben von den Bleicheröder Bergen.

Bleicherode ist erfüllende Gemeinde für die Gemeinden Großlohra, Kehmstedt, Kleinfurra, Lipprechterode und Niedergebra.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Der Ort liegt zwischen Harz und Hainleite und ist in die Bleicheröder Berge, einem Teil des Ohmgebirges eingebettet. Im Norden liegt in geringer Entfernung der Harz, im Osten die Goldene Aue. Durch die Kleinstadt fließt die Bleiche, ein Zufluss der Bode.

StadtgliederungBearbeiten

Neben der Kernstadt Bleicherode gehören die Ortsteile Bliedungen, Elende, Etzelsrode, Friedrichsthal, Gratzungen, Hainrode, Helenenhof, Hünstein, Kinderode, Kleinbodungen, Königsthal, Kraja, Mitteldorf, Mörbach, Nohra, Oberdorf, Obergebra, Pustleben, Wernrode, Wipperdorf, Wollersleben und Wolkramshausen zum Stadtgebiet.

 
Die Hauptstraße um 1907, ehemals Hauptgeschäftsader der Altstadt (Ansicht von Osten)
 
Die Hauptstraße 2010, Leerstand der meisten Geschäfte (Ansicht von Westen)
 
Die Gebäude des Kalischachts in Bleicherode Ost

GeschichteBearbeiten

Bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit war die Umgebung von Bleicherode besiedelt, wovon noch heute Reste von Wallanlagen auf den umgebenden Bergen zeugen. So trägt der Lorenzenberg eine umfangreiche Wallanlage. Funde stammen aus dem frühen bis hohen Mittelalter und der frühen Neuzeit. In diese frühgeschichtliche Anlage wurde im Mittelalter eine kleine Burg gebaut, weil von diesem Standort der Talkessel zwischen Windleite, Bleicheröder Bergen, Hainleite und Dün kontrollierbar war. Der Löwenberg ist der nordöstliche Sporn der Bleicheröder Berge, auf dem die Löwenburg stand. Von dort aus besteht eine weite Sicht in Richtung Oberharz, sodass eine gute Kontrolle des Geländes möglich war. Auf dem Berg fand man urgeschichtliche und mittelalterliche Scherben. Wälle, die auf der West- und Südseite das Gelände sicherten, sind noch erhalten.[2] Der Vogelberg ist der am weitesten nach Osten vorgelagerter Berg der Bleicheröder Berge. Von der Höhe ist das Wippertal gut zu überblicken. Der Bergsporn wurde mit einem bogenförmigen Wall und Graben nach Westen gesichert. Der Abschnittswall der frühgeschichtlichen Anlage ist gut erhalten.[3]

1303 erwarb Heinrich der IV. von Hohnstein den Ort von den Grafen von Beichlingen und verlieh ihm 1322 begrenzte Marktrechte. Bereits vier Jahre später wurde die Siedlung erstmals als Stadt erwähnt (Recht zur Führung eines eigenen Siegels und Wappens). Im Dreißigjährigen Krieg wurde Bleicherode durch Truppen des Grafen von Pappenheim geplündert und in Brand gesteckt (3. Oktober 1632). In der Not behalfen sich die Bleicheröder mit der Zucht von Weinbergschnecken, die nach Leipzig gebracht und von dort exportiert wurden. Dieser Umstand brachte den Einwohnern den Ortsnecknamen Schneckenhengste ein, da angeblich ein besonders gieriger Kaufmann ein zweites Mal nach Leipzig wollte, aber unterwegs die Schnecken aus dem Winterschlaf aufgewacht waren und so die ganze Wagenladung Schnecken verloren ging. 1648 wurde Bleicherode brandenburgisch und 1699 direkt dem brandenburgischen Kurfürsten unterstellt. Preußenkönig Friedrich II. (der „Alte Fritz“) besuchte 1754 die Stadt.

 
Gedenktafel für August Petermann am Geburtshaus, Neue Straße 3

Am 18. April 1822 wurde in Bleicherode August Petermann geboren. Sein Geburtshaus mit einer Gedenktafel steht in der „Neuen Straße 3“ und befindet sich gegenüber dem Rathaus. Er war einer der bedeutendsten Geographen und Kartografen seiner Zeit.

Nachdem 1888 im Raum Bleicherode Kalilager nachgewiesen worden waren, begann man 1899 mit der Förderung von Kalisalzen. Die Kaliindustrie prägte die Stadt bis 1990, als infolge des politischen und wirtschaftlichen Umschwungs die Kaliförderung größtenteils eingestellt wurde. Auf einem kleinen Rest wird noch Versatzbergbau betrieben; die ehemalige Rückstandshalde wird in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen mittelfristig begrünt. Dazu wird in terrassenförmigen Stufen Bau- und Erdaushub aufgetragen. Von 1911 bis zum Zweiten Weltkrieg war die Stadt ein staatlich anerkannter Luftkurort. Am 9. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt und brannte aus. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 verlor die Stadt ihre große jüdische Gemeinde. An der Stelle der abgerissenen Synagoge erinnert seit 1986 ein Gedenkstein an sie. Ein jüdischer Friedhof am Vogelberg befindet sich außerhalb des Stadtgebietes und ist nicht öffentlich zugänglich.

Im Jahre 1944 wurde auf Befehl des zuständigen SS-Gruppenführers Hans Kammler die Raketenforschung und -produktion der V2-Rakete von Peenemünde nach Bleicherode verlegt. In Bleicherode konnten die Anlagen in den Stollen untergebracht, versteckt und so vor Luftangriffen geschützt werden. Bis 1945 wurden 5000 Raketen des Typs V 2 hergestellt, und zwar mit Hilfe vieler Zwangsarbeiter, die in einem eigens dafür eingerichteten KZ Dora-Mittelbau in Nordhausen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Andere Kriegsgefangene aus dem Vereinigten Königreich und Frankreich sowie 350 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion mussten in Bleicheröder Unternehmen Zwangsarbeit leisten: in den Technischen Werkstätten Lange & Weinhold, im Kaliwerk, in der Schachtanlage von Velsen in der Baumwollweberei Werner Vogel KG, in der Weberei Gelpke & Klein, bei den Firmen Kulemann und Tölle. Im heutigen Kulturhaus war ein Außenkommando von Dora-Mittelbau mit Militärinternierten aus Italien untergebracht, das beim Hoch- und Tiefbauunternehmen Ohl & Vattrodt eingesetzt war.[4]

Im Februar 1945 wurde weiterhin ein Betrieb der Deutschen Telephonwerke und Kabelindustrie AG (DeTeWe) nach Bleicherode verlegt, der mit seinem fachlichen Profil die Raketensteuerungen ergänzte. Während des Krieges wurde nämlich im Jahre 1943 eine kriegswichtige Abteilung der DeTeWe von Berlin nach Sagan in Niederschlesien verlagert und dort von Heinrich Wilhelmi zu einem Betrieb für analoge elektronische Steuer- und Regelgeräte der Luftfahrt mit 500 Beschäftigen ausgebaut und geleitet.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die wegen zweier Reservelazarette „freie Stadt“ Bleicherode kampflos von US-amerikanischen Streitkräften besetzt. Während dieser Besatzungszeit von zwei Monaten nahmen sie zahlreiche Unterlagen sowie Fachleute für Raketentechnik mit, die über Zwischenstationen nach Huntsville in Alabama (USA) gebracht wurden.

Anfang Juli 1945 wurden die US-Armee dann gemäß Potsdamer Abkommen von der Roten Armee abgelöst. Im Juli 1945 wurde das Institut Rabe (Raketenbau und -entwicklung) unter Leitung von Rosenpläntner und im September 1945 das Institut Gröttrup unter der Leitung von Helmut Gröttrup, dem Steuerungsexperten der V2-Rakete, gegründet. Im Oktober 1945 kam der studierte Flugzeugbauer und spätere „Vater“ der sowjetischen Raketentechnik Sergei Pawlowitsch Koroljow als fachlich verantwortlicher Offizier nach Bleicherode, wo im Februar 1946 alle Aktivitäten im Institut Nordhausen zusammengefasst wurden. Die Raketenproduktion wurde aus den Materialbeständen und mit Maschinen der Mittelwerk GmbH wieder aufgenommen und die V2-Raketen als Versuchsmuster in die Sowjetunion geschafft. Heinrich Wilhelmi und seine früheren Mitarbeiter der DeTeWe wurden in diese Produktion mit einbezogen.

160 deutsche Spezialisten, u. a. Helmut Gröttrup, der Aerodynamiker Werner Albring, Heinrich Wilhelmi und der Kreiselexperte Kurt Magnus, wurden im Rahmen der Aktion Ossawakim am 22. Oktober 1946 zwangsweise in die Sowjetunion gebracht, zusammen mit den rekonstruierten Plänen der deutschen V2-Konstruktionen, fertig zusammengebauten A4, vielen Raketenkomponenten und demontierten Fabrikanlagen. Das deutsche Kollektiv wurde unter der Leitung Koroljows auf der Insel Gorodomlja (heute Siedlung Solnetschny) im Seligersee (russisch озеро Селиге́р/osero Seliger) (Oblast Kalinin) zur weiteren Entwicklung der Raketentechnik festgehalten. Anders als die Amerikaner, die deutsche Wissenschaftler mit ihrer Operation Overcast in die USA brachten und bereits ab 1946 mit der Operation Paperclip (Büroklammer), auch Operation Overcast für die Einbürgerung und den Verbleib dieser Wissenschaftler in den USA sorgten, schöpfte die Sowjetunion deren Wissen ab und nutzte es bei den entscheidenden Schritten für die Sowjetische Raumfahrt. Erst zwischen 1951 und 1956 durften die deutschen Spezialisten in ihre Heimat zurückkehren.

Bis zur Wiedervereinigung Deutschlands war die Stadt Teil der Sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 der DDR.

1997 wurde der Ort in die Deutsche Fachwerkstraße aufgenommen. Im Jahre 2005 beging Bleicherode sein 875-jähriges Stadtjubiläum. Höhepunkt war ein Festumzug der Vereine aus Bleicherode.

Im Jahre 2011 wurde als Wahrzeichen der Stadt ihr Bleicheröder „Schneckenhengst-Ritter“ eingeweiht, historisches Symbol für Mut, Kraft und Unabhängigkeit. Diese 3,20 m hohe Figur aus Eichenholz wurde vom Bildhauer Kai Hartmann dem Stadt-Wappen nachgebildet und an der Rathausmauer, Ecke Hauptstraße aufgestellt.

EingemeindungenBearbeiten

Am 22. Januar 1994 wurde Elende eingemeindet, am 1. Dezember 2007 Obergebra.[5] Für Obergebra war Bleicherode bereits zuvor die erfüllende Gemeinde.[6] Zum 1. Januar 2019 fusionierten die Stadt Bleicherode sowie die Gemeinden Etzelsrode, Friedrichsthal, Hainrode, Kleinbodungen, Kraja, Nohra, Wipperdorf und Wolkramshausen zur neuen Stadt und Landgemeinde Bleicherode.[7] Für Etzelsrode, Friedrichsthal, Kleinbodungen und Kraja war Bleicherode zuvor die erfüllende Gemeinde. Die übrigen Gemeinden kamen aus der gleichzeitig aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Hainleite.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1994 – 7364
  • 1995 – 7314
  • 1996 – 7277
  • 1997 – 7163
  • 1998 – 7067
  • 1999 – 6977
  • 2000 – 6900
  • 2001 – 6789
  • 2002 – 6707
  • 2003 – 6581
  • 2004 – 6428
  • 2005 – 6283
  • 2006 – 6200
  • 2007 – 6943
  • 2008 – 6824
  • 2009 – 6740
  • 2010 – 6678
  • 2011 – 6477
  • 2012 – 6437
  • 2013 – 6315
  • 2014 – 6252
  • 2015 – 6173
  • 2016 – 6157
  • 2017 – 6134

Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2019[8]
Wahlbeteiligung: 60,2 %
 %
30
20
10
0
28,2 %
15,4 %
12,5 %
12,2 %
11,3 %
9,8 %
6,2 %
2,6 %
1,9 %
WG-H/Wc
FFW-FWg
F-CDUh
RWKi
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c Wählergemeinschaft Hainleite/Wipper
g Freiwillige Feuerwehr Wipperdorf/ Freie Wähler Wipperdorf
h Freundeskreis der CDU
i Sportverein SV Rot-Weiß Kraja e. V.
 
Rathaus
 
Bleicheröder Ritter am Rathaus, geschaffen von Kai Hartmann (2011)

StadtratBearbeiten

Die Anzahl der Mitglieder im Stadtrat von Bleicherode wurden nach der Neugründung der Stadt und Landgemeinde von 21 auf 34 Personen angehoben. Durch die Vielzahl an dazugekommenen Wählern lässt sich das Ergebnis der Wahl am 26. Mai 2019 nicht mit der Wahl am 25. Mai 2014 vergleichen. Neben dem Bürgermeister setzt sich der Stadtrat seit der Wahl 2019 wie folgt zusammen:

Partei / Liste Sitze
Sitzverteilung im aktuellen
Stadtrat Bleicherode
         
Insgesamt 34 Sitze
CDU 10
LINKE 5
WG-H/W1 4
AfD 4
SPD 4
FDP 3
FFW-FW2 2
F-CDU3 1
RWK4 1
1 Wählergemeinschaft Hainleite/Wipper
2 Freiwillige Feuerwehr Wipperdorf/ Freie Wähler Wipperdorf
3 Freundeskreis der CDU
4 Sportverein SV Rot-Weiß Kraja e. V.

BürgermeisterBearbeiten

Der hauptamtliche Bürgermeister Frank Rostek (CDU) wurde bei den Kommunalwahlen in Thüringen 2019 wiedergewählt.[9]

PartnerstädteBearbeiten

WappenBearbeiten

Beschreibung: „In Gold ein silber geharnischter Ritter mit einem geschlossenen gotischen Helm vor auf einem Stück grünen Boden stehend.“

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Mit Erschöpfung der Hartsalzvorkommen und unter dem Druck der großen internationalen Konkurrenz wurde der Kaliabbau im untertägigen Bergbau eingestellt. Die Firma DEUSA International GmbH fördert jetzt Sole aus Untertage und stellt daraus verschiedene Produkte aus Kaliumchlorid, Natriumchlorid und Magnesiumchlorid her. Neben der Firma Deusa haben sich jetzt mehrere mittelständische Firmen niedergelassen. Die große Rückstandshalde zeigt aber weiterhin, dass hier über Jahrzehnte Kalibergbau betrieben worden war.

VerkehrsanbindungBearbeiten

 
Bahnhof Bleicherode Ost

Der Bahnhof Bleicherode Ost liegt an der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden. Hier halten sowohl die Regionalexpresse wie auch die Regionalbahnen. Diese Leistungen werden seit dem 13. Dezember 2015 durch die Abellio Rail Mitteldeutschland erbracht. Die ehemalige Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg über Bleicherode Stadt nach Großbodungen wird seit 2001 nicht mehr bedient. Bleicherode liegt ca. 3 km von der ehemaligen Bundesstraße 80 (Halle – Kassel) und ca. 1 km von der Bundesautobahn 38 (Südharzautobahn) entfernt. Die Stadt hat einen eigenen Autobahnzubringer.

GesundheitswesenBearbeiten

Die Helios Klinik Bleicherode ist ein Fachkrankenhaus für Orthopädie mit vier Zentren: Gelenkzentrum, Wirbelsäulenzentrum, Zentrum Traumatologie und Zentrum für Osteologie, Rheumaorthopädie und Schmerztherapie.

BildungBearbeiten

In Bleicherode gibt es einen Sprachheilkindergarten Albert Schweitzer, eine Grundschule (Staatliche Grundschule August Petermann), ein Gymnasium (Staatliches Gymnasium Friedrich Schiller), eine Förderschule (Staatliches Förderzentrum Dr. Albert Schweitzer) und eine Haupt- und Realschule (Staatliche Regelschule „Löwentorschule“).

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MuseenBearbeiten

Ein 1969 von der Stadt erworbenes Ackerbürgerhaus der Familie Liesegang in der heutigen Hauptstraße 56 funktionierten Freiwillige aus dem volkseigenen Betrieb Cottana und dem städtischen Krankenhaus zur Heimatstube um. Neben zwei Heimatforschern leitete diese bis 1979 der Geschichtslehrer Hans-Joachim Diedrich von der örtlichen POS. Nach 1979 wurde diese Stube unter einem festangestellten, städtischen Leiter schrittweise zu einem Kreismuseum umgebaut und die Sammlung durch Leihgaben, Spenden, Haushaltsauflösungen und Akquisitionen bis 1994 auf etwa 20000 Einzelobjekte erweitert. Viele dieser Objekte sind durch Lagerverkäufe, Flohmärkte und die Auflösung bzw. „Bereinigung“ des Hauptdepots im Jahr 1995/96 verlorengegangen.[10]

2004 übernahm eine Interessengemeinschaft das Museum und funktionierte die Sammlung stadtgeschichtlich um, wobei einige bislang wenig beachtete Persönlichkeiten der Stadt stärker hervorgehoben, andere Teile der Ausstellung, besonders die militärischen jedoch zurückgebaut wurden. Unter anderem die land- und viehwirtschaftlichen Teile, die Krankenhausgeschichte, die Betriebs- und Technikgeschichte erhielten einen letzten Ausbau. Von 1994 bis 1998 hatte sich das Museum überwiegend nur noch auf den Kalibergbau spezialisiert.

Durch eine unwirtschaftliche Heizungsanlage und permanente Feuchtigkeit im Gebäude konnten Interessengemeinschaft und Heimat- und Fremdenverkehrsverband im Herbst 2015 das Haus nicht länger unterhalten und mussten es der Stadt rückübertragen. Seitdem ist das Museum geschlossen, die Führungen wurden nach einem Schimmelvorfall im Frühjahr 2016 eingestellt.[11]

Das Heimatmuseum beherbergte eine umfassende Sammlung an Waffenrepliken, Möbeln, Rundfunkgeräten, Münzen, Fossilien, Insektenpräparaten und heimatgeschichtlicher Literatur. Daneben finden sich umfängliche Nachlässe, Diplom- und Facharbeiten ehemaliger Schüler und Studenten, eine detaillierte Dokumentation zur örtlichen Arbeiterbewegung, Reste des Stadtarchivs und eine lokalgeschichtliche Zeitungssammlung im Gebäude. Neben einer Dauerstellung, die seit 1971 besonders die Stadtgeschichte beleuchtete, stand das Museum in Kontakt mit zahlreichen Thüringer Museen und Vereinen und bot regelmäßig Sonderausstellungen zu lokaler und überregionaler Kunst sowie eigene Veranstaltungen, Vorträge und Projekte an.

Das Gebäude war das Geburtshaus bekannter lokaler Persönlichkeiten wie der Lehrerin und Heimatdichterin Anna Billich und des Berliner Orientalisten Adalbert Merx.

BauwerkeBearbeiten

 
Evangelische Stadtkirche
  • Das historische Rathaus wurde 1540/41 erbaut.
  • An die hundertjährige Bergbautradition erinnern im Stadtbild einige sanierte Übertageanlagen.
  • Das sogenannte Waldhaus Japan besitzt einen Repräsentationsraum mit einer französischen Bildtapete aus dem frühen 19. Jahrhundert.
  • Bereits im 15. Jahrhundert entstand die jetzt als evangelische Stadtkirche genutzte St.-Marien-Kirche.
  • Die katholische Pfarrkirche St. Matthias wurde 1907 erbaut.
  • Die Alte Kanzlei war der Sitz des Stadtschultheißen. Dort befand sich von 1792 bis 1890 die Synagoge.
  • Die im Ortsteil Elende gelegene Rosenkirche war im Mittelalter eine bekannte Wallfahrtsstätte. Als Ziel galt zunächst ein Bildstock, dann eine kleine Kapelle, die mit einem als Rosenwunder überlieferten Ereignis berühmt wurde. Reliquienverehrung und Ablassbriefe verhalfen der Kirchgemeinde zu einem gewissen Wohlstand. Bereits 1419 wurde der Ausbau zur Rosenkirche vollzogen, dort befand sich ein wundertätiges Marienbild.[12]
  • Der Jüdische Friedhof am Vogelberg im Süden der Stadt wurde um das Jahr 1660 angelegt.

GedenksteineBearbeiten

  • Gedenkstein aus dem Jahr 1946 zur Erinnerung an die Blutopfer des Faschismus 1933–1945 in der Grünanlage Braustraße/Ecke Talstraße, seit 1993 umgewidmet den Opfern der Kriege und Gewaltherrschaften.
  • Gedenkstein aus dem Jahr 1986 (erneuert im Jahr 2006) in der Obergebraer Straße zur Erinnerung an die beim Novemberpogrom 1938 zerstörte Synagoge.
  • Gedenktafel aus dem Jahr 1988 an der Marienkirche in der Maxim-Gorki-Straße, auf der die evangelische Kirchgemeinde Selbstkritik zum Schweigen von Christen angesichts der Ermordung jüdischer Mitbürger bekundet.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Wilhelm Kolbe: Bleicherode um die Mitte des 19. Jahrhunderts: Kindheitserinnerungen des Generals Dr. h.c. Gustav Eisentraut. Verlag Heimatland, Bleicherode, 1939

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bleicherode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 177/178.
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 258/259.
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 181, ISBN 3-88864-343-0
  5. Thüringer Landesamt für Statistik
  6. Thüringer Landesamt für Statistik: erfüllende Gemeinden
  7. Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14/2018 S. 795 ff., aufgerufen am 26. Januar 2019
  8. Stadtratswahl Bleicherode 2019. wahlen.thueringen.de, abgerufen am 1. August 2019.
  9. Kommunalwahl 2019/Bürgermeisterwahlen. mdr.de, abgerufen am 28. Mai 2019.
  10. Trödel des Museums nicht „verhökert“, in: Thüringer Allgemeine, 23. Juni 1996
  11. Schimmel im Heimatmuseum Bleicherode Fuehrungen werden verweigert. Abgerufen am 31. Oktober 2018.
  12. «Elende, Rosenkirche». In: Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): Kulturelle Entdeckungen. Landkreis Eichsfeld, Kyffhäuserkreis, Landkreis Nordhausen, Unstrut-Hainich-Kreis. Band 1 (Thüringen). Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2249-3, S. 65.