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Bahnstrecke Ingolstadt–Treuchtlingen

Bahnstrecke in Bayern
Ingolstadt Hbf–Treuchtlingen
Ein ICE 3 durchfährt den Haltepunkt Dollnstein (2006)
Ein ICE 3 durchfährt den Haltepunkt Dollnstein (2006)
Strecke der Bahnstrecke Ingolstadt–Treuchtlingen
Streckennummer:5501
Kursbuchstrecke (DB):990
Streckenlänge:55,8 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit:160 km/h
Zweigleisigkeit:Ingolstadt–Treuchtlingen
Strecke – geradeaus
von München Hbf (München–Ingolstadt)
   
von Augsburg Hbf (Paartalbahn)
Strecke – geradeaus
von Neuoffingen (Donautalbahn, seit 1994)
   
von Regensburg Hbf (Donautalbahn)
Bahnhof, Station
81,0 Ingolstadt Hbf 368 m
   
nach Neuoffingen (Donautalbahn, bis 1994)
Brücke (mittel)
Bundesstraße 13
   
83,2 Donau (Eisenbahnbrücke Ingolstadt, 184 m)
Brücke (mittel)
Bundesstraße 13
Bahnhof, Station
84,3 Ingolstadt Nord
   
zum Esso-Werkbahnhof und nach Riedenburg (stillgelegt)
   
84,3 nach Nürnberg Hbf (Ingolstadt–Nürnberg)
Bahnhof ohne Personenverkehr
87,9 Ingolstadt Nord Ubf (Anschluss zum GVZ)
   
Ingolstadt Audi Eröfnung: Dezember 2019
Bahnhof, Station
90,0 Gaimersheim 387 m
Brücke (mittel)
Brücke Bundesstraße 13
Haltepunkt, Haltestelle
94,2 Eitensheim
Bahnhof, Station
97,5 Tauberfeld 421 m
Haltepunkt, Haltestelle
102,9 Adelschlag
   
107,3 Anst Schotter-Werk
Bahnhof, Station
107,7 Eichstätt Bahnhof 425 m
   
nach Eichstätt Stadt (Eichstätt–Beilngries)
   
111,1 Obereichstätt
Haltepunkt, Haltestelle
118,0 Dollnstein (ehem. Bf) 401 m
   
nach Rennertshofen (Dollnstein–Rennertshofen)
   
Altmühl
   
ÜST Esslingerberg (zuschaltbar)
Tunnel
121,3 Tunnel Esslingerberg (633 m)
   
Altmühl
Bahnhof, Station
125,1 Solnhofen 408 m
   
Altmühl
   
Altmühl
Tunnel
128,9 Tunnel Kirchberg (108 m)
   
129,4 Anst Plastal
Haltepunkt, Haltestelle
130,3 Pappenheim (ehem. Bf)
   
Altmühl
   
Altmühl
Brücke (mittel)
Bundesstraße 2
   
von Augsburg Hbf (Nürnberg–Augsburg)
Bahnhof, Station
136,8 Treuchtlingen 420 m
   
nach Würzburg Hbf (Treuchtlingen–Würzburg)
Strecke – geradeaus
nach Nürnberg Hbf (Nürnberg–Augsburg)

Die Bahnstrecke Ingolstadt–Treuchtlingen (Altmühlbahn) ist eine zweigleisige deutsche Eisenbahnstrecke für Nah- und Güterverkehr, die von Ingolstadt durch das Altmühltal nach Treuchtlingen führt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der später in Ungnade gefallene Politiker und Wirtschaftswissenschaftler Friedrich List stellte bereits 1833 in seinem Vorschlag eines deutschlandweiten Eisenbahnnetzes eine Altmühlbahn als direkte Verbindung von München über Ingolstadt nach Nürnberg vor. 25 Jahre später wurden die Pläne durch den Magistrat von Eichstätt aufgegriffen, allen voran Bürgermeister Fehlner. Man versprach sich wirtschaftlichen Aufschwung durch den Güterverkehr, insbesondere für die Steinbrüche um Solnhofen und Eichstätt sowie die dortigen Hüttenwerke. Zusammen mit den anderen Gemeinden und Firmen entlang der geplanten Strecke gründete man daher ein Komitee zum Bau der Altmühlbahn und wurde mehrfach bei König Ludwig I. vorstellig.

Erst als die Stadt Ansbach eine Pachtbahn von Ansbach nach Gunzenhausen baute, wo Anschluss an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn Lindau–Nürnberg bestand, und diese schließlich nach Treuchtlingen verlängert wurde, konnte sich das Komitee durchsetzen. Streitpunkte waren zu diesem Zeitpunkt noch die Anbindung Eichstätts an die Bahn, sowie die weitere Trassierung nach Pleinfeld und Gunzenhausen. Man umging Eichstätt und verband es mit einer Stichbahn an die Hauptstrecke. Der „königlich functionierende Oberingenieur“ Balbier untersuchte in der Folge mehrere Streckenvarianten, man entschloss sich schließlich, weitgehend dem Tal der Altmühl zu folgen und in Treuchtlingen die Strecken nach Gunzenhausen und Pleinfeld zu trennen. Am 24. September 1863 entschied der Landtag positiv, am 5. Oktober 1863 unterzeichnete König Maximilian II. endlich ein Gesetz zum Bau der Strecke von Ingolstadt nach Gunzenhausen / Pleinfeld.

Mit dem Bau wurde offiziell am 11. November 1867 begonnen, die feierliche Eröffnung fand am 12. April 1870 durch die Bayerischen Staats-Eisenbahnen statt. Die Strecke wurde zunächst eingleisig gebaut, mit steigendem Verkehr aber ab 1891 zweigleisig erweitert. Nach Abschluss der Elektrifizierungsarbeiten auf der Strecke Augsburg–Nürnberg im Jahr 1935 sollte auch die Altmühlbahn bis München auf elektrischen Zugbetrieb umgebaut werden. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges schaffte man jedoch nur den Abschnitt München–Dachau. Nach dem Krieg sah die Bundesbahn höhere Prioritäten für die Strecke Passau–Nürnberg–Frankfurt, weswegen die Altmühlbahn erst in den frühen 1960er Jahren komplett elektrifiziert wurde. Zum 27. Mai 1962, dem Sommerfahrplanwechsel, wurde schließlich der E-Betrieb aufgenommen.

2002 begann eine Modernisierung der Strecke. Bis 2005 sollten rund 50 Millionen Euro investiert werden.[1]

StreckenbeschreibungBearbeiten

VerlaufBearbeiten

 
Der Tunnel Esslingerberg mit Fester Fahrbahn

Von Ingolstadt verläuft die Strecke zumeist in nordwestlicher Richtung bis Eichstätt Bahnhof. Der Bahnhof Eichstätt Bahnhof liegt am Rande des Eichstätter Ortsteils Wasserzell. Ein 5,1 km langer, nicht elektrifizierter Überrest der Bahnstrecke Eichstätt–Beilngries bindet als Stichbahn den in Eichstätt gelegenen Bahnhof Eichstätt Stadt an die Hauptbahn an. Von Eichstätt Bahnhof an verläuft die Strecke weitgehend im Altmühltal. Aufgrund der Streckenführung durch das enge Tal gestaltet sich hier der Verlauf der Strecke sehr kurvenreich. So liegen etwa zwischen Eichstätt Bf und Dollnstein zwei Kehren mit fast 180°. Ebenso musste oft die Altmühl überquert werden, wobei zur Vermeidung von unnötigen Brücken auch teilweise kurzerhand der Fluss umgeleitet oder Einschnitte in die Felsen gesprengt wurden. Zwei Tunnel, der Kirchbergtunnel bei Zimmern sowie der Esslingerberg-Tunnel bei Eßlingen, sowie ein Einschnitt durch einen Ausläufer des Perlachberges bei Treuchtlingen kürzen zudem Schleifen der Altmühl ab. Kurz vor dem Bahnhof Treuchtlingen wird zudem der Möhrenbach mit einer Blechträgerbrücke überquert, die in ihrer Ausführung und Größe den vielen Altmühlbrücken gleicht.

BetriebsstellenBearbeiten

Treuchtlingen
 
Bahnhof Treuchtlingen

Der Bahnhof Treuchtlingen ist Knotenpunkt der Strecken Würzburg-Treuchtlingen, Treuchtlingen-Ingolstadt-München und Nürnberg-Augsburg. Er wurde 1869 in Betrieb genommen. Neben einem Bahnbetriebswerk bestanden früher 20 Gleise, die heute teilweise zurückgebaut sind. In Zukunft soll er zum Hinterstellbahnhof Ingolstadts ausgebaut werden.

Haltepunkt Pappenheim
 
Bahnhof Pappenheim

Der heutige Haltepunkt Pappenheim besteht seit der Eröffnung der Strecke im Jahr 1870. Heute ist der ehemalige Bahnhof zu einem Haltepunkt zurückgebaut, das ehemalige Bahnhofsgebäude befindet sich in Privatbesitz.

Bahnhof Solnhofen

Der Bahnhof Solnhofen besteht seit der Eröffnung der Strecke im Jahr 1870. Es besitzt zwei durchgehende Hauptgleise und ein Überholgleis. Seit der Bahnprivatisierung ist der Bahnhof an einen Investor verkauft und durch die DB zurückgemietet. Um Kosten zu sparen, sind der Warteraum und der Fahrkartenschalter geschlossen. Stattdessen gibt es im Außenbereich einen Fahrscheinautomaten. Jedoch ist der Bahnhof nach wie vor durch einen Fahrtdienstleiter besetzt. 50 m entfernt befindet sich das Bürgermeister-Müller-Museum, in dem gleich drei Originalversteinerungen des Urvogels Archaeopteryx bewundert werden können, von dem es weltweit nur zwölf Exemplare gibt.

StreckenausrüstungBearbeiten

 
Eine Regionalbahn bei Gaimersheim

Die Strecke ist für Fahrgeschwindigkeiten von 110 bis 160 km/h zugelassen. Der Oberbau ist in herkömmlicher Schotterbauweise errichtet und nimmt sowohl Holz- als auch Betonschwellen auf. Eine Ausnahme bildet hier lediglich der Tunnel Esslingerberg; er wurde bis Anfang 2006 für 19 Millionen Euro komplett saniert und im Rahmen dieser Arbeiten mit Fester Fahrbahn ausgestattet.

Die Strecke ist durchgehend mit H/V-Signalen ausgerüstet. Darüber hinaus ist der Bahnhof Ingolstadt Nord mit Ks-Signalen ausgestattet. Weichen und Signale werden von den direkt an der Strecke befindlichen Fahrdienstleitern gesteuert. Eine Ausnahme bildet hierbei nur der Bahnhof Ingolstadt Nord, der vom örtlich zuständigen Fahrdienstleiter Ingolstadt Nord aus der Betriebszentrale München ferngesteuert wird.

Seit 10. Dezember 2006 wird auf der Strecke digitaler Zugfunk eingesetzt.

ZukunftBearbeiten

Am 21. Juli 2016 wurde der Vertrag zur Realisierung des Haltepunkts Ingolstadt Audi unterzeichnet. Der neue Halt am Audi-Werksgelände soll bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 fertiggestellt sein und stündlich von Regionalexpresszügen angefahren werden. Er soll sowohl den Beschäftigten des Audi-Werks als auch den Besuchern der Landesgartenschau 2020 dienen, deren Gelände sich in der Nachbarschaft befindet. Auch außerhalb dieser Veranstaltung werden täglich 3.000 Fahrgäste erwartet. Laut Angaben der Deutschen Bahn sei der Halt unter den seit der Bahnreform verwirklichten mehr als 60 neuen Halten außerhalb der S-Bahn-Netze derjenige mit dem größten Potential. An beiden Enden des Bahnsteigs sollen mit Aufzügen ausgerüstete Fußgängerstege den Zugang zum übrigen ÖPNV und dem Audi-Werksbus gewähren.[2] Die Bauarbeiten begannen im März 2018.[3]

VerkehrBearbeiten

 
Der EuroNight 483 Kopenhagen–München beim Überqueren der Altmühl bei Dollnstein
 
Ein Regional-Express fährt in den Bahnhof Solnhofen ein

Die Strecke wird im Personenverkehr durch die stündliche Regionalbahnlinie München–Ingolstadt–Treuchtlingen bedient, die zweistündlich bis Nürnberg verlängert wird. Bis 2013 fuhren die bis Nürnberg durchgebundenen Züge als Regional-Express. Außerdem verkehren zur Hauptverkehrszeit einige Regionalzüge der Bayerischen Regiobahn (BRB) zwischen Ingolstadt und Eichstätt. Die Strecke hatte vormals große Bedeutung im Fernverkehr, mittlerweile wurden jedoch viele Züge eingestellt bzw. seit 27. Mai 2006 über die Schnellfahrstrecke Ingolstadt–Nürnberg geleitet. Bis zu seiner Einstellung im Dezember 2010 verkehrte das EuroNight-Zugpaar EN 482/483 München–Kopenhagen–München noch über Ingolstadt–Treuchtlingen, weil die Wagen dieser Fernzüge nicht die erforderliche Zulassung für die Schnellfahrstrecke hatten. Derzeit nutzen im Fernverkehr nur noch Auto- und Saisonzüge die Strecke.

Im Güterverkehr kommt der Strecke eine große Bedeutung zu. Sie ist eine wichtige Verbindung im Nord-Süd-Verkehr für Güterzüge aus Richtung und nach Ingolstadt sowie für Verkehre aus Richtung Würzburg/Nürnberg und weiter in Richtung München.

In Eichstätt Bahnhof wird in Kooperation zwischen DB Cargo und dem staatlichen Forstamt seit einigen Jahren wieder ein Ladegleis zur Holzverladung betrieben.

UnfälleBearbeiten

 
Die beschädigte 140 847 wurde nach dem Unfall vom 14. April 2004 in Eichstätt Bf vorübergehend abgestellt

Ein Eisenbahnunfall ereignete sich am 8. März 1981 im Bahnhof von Tauberfeld. Damals fuhr E 3238 (München–Nürnberg) im Bereich des Bahnhofs dem fälschlicherweise angefahrenen und so mangels Schutzweiche aufs Durchgangsgleis gelangten Güterzug Dg 78124 in die Flanke. Der Lokführer des E 3238 wurde getötet, 32 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Es entstand ein Sachschaden von 5,9 Mio. DM.[4]

Ein weiterer Zusammenstoß ereignete sich am 14. April 2004, als im Bereich des Haltepunkts Dollnstein ein Güterzug auf einen weiteren, stehenden Güterzug auffuhr, der zahlreiche Neuwagen transportierte. Die hinteren beiden Wagen des stehenden Güterzuges wurden dabei aus den Gleisen gehoben und beschädigten die Oberleitung. Der Lokführer des auffahrenden Zuges wurde leicht verletzt, es entstand ein Sachschaden von etwa 2 Mio. Euro.[5] Grund für den Unfall war ein falsch gestelltes Signal.

Am 2. Juli 2007 sollte der in Treuchtlingen mit Getreide abgestellte Zug CFN 98905 nach Ingolstadt weiter fahren. Der letzte Wagen des Zuges entgleiste jedoch bei Überfahrt einer Weiche und legte sich quer über die Gleise der Bahnhofsausfahrt. Ursächlich war wohl ein übersehener Radvorleger, der sich im Bereich der Weiche verkeilte und so den Wagen von den Schienen hob. Es entstand nur Sachschaden, verletzt wurde niemand.[6]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bahnstrecke Ingolstadt–Treuchtlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Meldung DB AG investiert in Bayern. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2002, ISSN 1421-2811, S. 444.
  2. RB Süd: Verträge neuen Bahnhalt „Ingolstadt Audi“ unterzeichnet. In: StationsAnzeiger. Nr. 17, August 2016, S. 11 (PDF-Datei).; schr: Ab Ende 2019 eigener Haltepunkt für Audi in Ingolstadt. In: Eisenbahn-Revue International 5/2018, S. 228.
  3. Spatenstich zum neuen Bahnhalt „Ingolstadt Audi“. Deutsche Bahn, 19. März 2018, abgerufen am 1. Juni 2018.
  4. Bericht zum Unfall Tauberfeld auf www.zugindianer.de (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  5. Zeitungsmeldung auf viopress.de (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  6. Unfallursache inTreuchtlingen geklärt. In: Eisenbahnforum Nordostbayern. 5. Juli 2007, abgerufen am 9. Februar 2012.