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GeografieBearbeiten

Das Unterzentrum Reichertshofen liegt in der Planungsregion Ingolstadt, an der Paar.

Der Markt befindet sich am östlichen Endpunkt des südlich des Donaumooses verlaufenden und dasselbe vom Paartal trennenden Höhenzuges. Wesentliche Teile des Gemeindegebiets liegen innerhalb des tertiären Hügellandes südlich der Ingolstädter Donautiefebene. Reichertshofen kann damit am nördlichen Rand des Alpenvorlands verortet werden. Geologisch interessant ist insbesondere der stark durch die (Ur-)Paar beeinflusste Westen des Marktgebiets mit seiner feinsandigen Bodenbeschaffenheit. An den Sanddünenablagerungen um den Windsberg bei Freinhausen hat sich dabei eine unter Naturschutz stehende, biologische Vielfalt entwickeln können, deren Teile auch in das Gemeindegebiet entfallen.

Die Gemeinde hat 13 amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Reichertshofen wurde urkundlich erstmals um das Jahr 1100 in einer schriftlich fixierten Zeugennennung („N. de Rikershouen“) erwähnt. Im Jahr 1310 wird eine Burg Herzog Ludwigs IV., des späteren Kaisers Ludwig der Bayer, erwähnt. Das Marktrecht erhielt der Ort 1449 vom niederbayerischen Herzog Heinrich dem Reichen.[3] Reichertshofen besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten. Es wurde 1505 Pflegamt des neugegründeten wittelsbachischen Fürstentums Pfalz-Neuburg und war von 1542 bis 1547 und erneut ab 1552 evangelisch bis es 1617 der Rekatholisierung durch Wolfgang Wilhelm anheimfiel.

Auf dem Höhepunkt der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung kam es 1589/1590 zu einer Welle von Prozessen, deren Ausgang nicht überliefert ist.[4] Nachdem in einer weiteren Verfolgungswelle in den Jahren 1628 bis 1630 51 der insgesamt 80 Beschuldigten hingerichtet worden waren,[5] wurde der zuständige Pfleger Jakob Kracker 1631 wegen Untreue und Diebstahls verklagt.[6] Zu einer weiteren Hinrichtung wegen Hexerei kam es 1645,[7] während sechs Beschuldigte, die 1661 verhört und gefoltert wurden, wieder freikamen.[8]

Auch als das Fürstentum ab 1777 in Personalunion mit Bayern regiert wurde, blieb das Pflegamt zunächst bestehen und wurde erst 1808 bei der vollständigen Integration Pfalz-Neuburgs in das Königreich Bayern aufgehoben. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige politische Gemeinde.

19. und 20. JahrhundertBearbeiten

Am 1. Januar 1880 trat Reichertshofen mit 9 Nachbargemeinden vom schwäbischen Bezirksamt Neuburg an der Donau zum Bezirksamt Ingolstadt über und gehört seither zu Oberbayern. Am 1. Juli 1972 erfolgte die Auflösung des bisherigen Landkreises Ingolstadt. Der Markt Reichertshofen kam zum Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm.

Am 9. August 1968 stürzte beim Ortsteil Langenbruck ein britisches Passagierflugzeug auf die Autobahn. Dabei kamen 48 Menschen ums Leben. (→ British-Eagle-Flug 802)

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Mai 1971 schloss sich die bis dahin selbständige Gemeinde Gotteshofen dem Markt Reichertshofen an. Am 1. Juli 1972 wurden die östlichen Nachbargemeinden Hög, Langenbruck und Winden am Aign eingegliedert.[9]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 1961: 3775 Einwohner
  • 1970: 4497 Einwohner
  • 1987: 5624 Einwohner
  • 1991: 6497 Einwohner
  • 1995: 6769 Einwohner
  • 2001: 7423 Einwohner
  • 2005: 7458 Einwohner
  • 2010: 7781 Einwohner
  • 2015: 8066 Einwohner

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf das heutige Gemeindegebiet.

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist Michael Franken (JWU).

SteuereinnahmenBearbeiten

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2010 insgesamt 5640 T€, davon 597 T€ Grundsteuern, 1436 T€ Gewerbesteuer (netto), 3218 T€ Gemeindeanteil an der Gewerbesteuer und 378 T€ Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer.

GemeinderatBearbeiten

Im Marktgemeinderat sind nach der Kommunalwahl 2014 diese Gruppierungen vertreten: [10]

  • CSU: 7 Sitze
  • SPD: 2 Sitze
  • FW: 3 Sitze
  • JWU: 8 Sitze

WappenBearbeiten

Das Wappen zeigt „auf blauem Grund zwei silberne abgewendete Reiherhälse mit roten Schnäbeln.“

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Wirtschaft einschließlich Land- und ForstwirtschaftBearbeiten

Stand 1998 existieren nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 766 und im Bereich Handel und Verkehr 412 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gibt es demnach insgesamt 2465. Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten 24 Betriebe, im Bauhauptgewerbe zehn. Zudem bestehen – Stand 1999 – 102 landwirtschaftliche Betriebe mit einer agrarisch genutzten Fläche von 1670 ha, davon 1237 ha Ackerfläche und 430 ha Dauergrünfläche.

VerkehrBearbeiten

Reichertshofen liegt im Umland Ingolstadts sehr zentral zwischen den großen Wirtschaftsstandorten Nürnberg, München, Augsburg und Regensburg am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 13 und 300. Für den Fernverkehr existiert mit der BAB-Ausfahrt Langenbruck direkter Anschluss an die A 9. Schienengebunden bestehen Personen- und Gütertransportmöglichkeiten über den Bahnhof Baar-Ebenhausen, der an der Bahnstrecke München–Nürnberg liegt. Bis 2011 befand sich der Bahnhof weiter südlich im Gemeindeteil Baar und trug die Bezeichnung „Reichertshofen (Oberbay)“. Im Zuge der Ertüchtigung der Strecke München-Ingolstadt für höhere Geschwindigkeiten wurde die ziemlich enge Kurve vor dem ursprünglichen Bahnhof aufgeweitet, der Bahnhof um einige hundert Meter nach Norden verlegt und entsprechend in „Baar-Ebenhausen“, auf dessen Flur er sich seit jeher befand, umbenannt. Der nächstgelegenen Flughäfen sind der ca. neun Kilometer entfernte Fliegerhorst Ingolstadt/Manching und der Flughafen München (ca. 40 km).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Pfarrkirche Sankt MargarethaBearbeiten

Die Pfarrkirche ist der Heiligen Margaretha geweiht. Teile der heutigen Pfarrkirche stammen noch aus der Gotik, der 52 m hohe Turm sowie die Seitenkapelle, die ursprünglich der Chorraum der Vorgängerkirche war und (1731–1766) barockisiert wurde. Das jetzige Kirchenschiff wurde, rechtwinkelig zum ursprünglichen, in den Jahren 1930 und 1931 von Thomas Wechs im Stil der „neuen Sachlichkeit“ errichtet.[11]

Von der Ausstattung sind besonders „Die Reichertshofer Heiligen“ erwähnenswert – zwölf holzgeschnitzte und gefasste Heilige von der Bildhauerin Bernardine Weber aus dem Jahr 1982. Es sind folgende Heilige dargestellt: Petrus, Johannes (Ev.), Agnes, Bonifatius, Ulrich, Hildegard v. Bingen, Franziskus, Elisabeth, Nikolaus v. d. Flüe, Thomas More, Theresa v. Kinde Jesu, Maximilian Kolbe.

 
Heiliger Ulrich. Pfarrkirche Sankt Margaretha in Reichertshofen. Künstlerin: Bernardine Weber (1919–2012), Holzrelieftechnik, 1982.

An der linken Seitenwand des Kirchenschiffes ist ein ebenfalls von Bernardine Weber aus Lindenholz geschnitzter Kreuzweg aus dem Jahr 1985.

Wallfahrtskirche St. KastulusBearbeiten

Malerischer Weiler Sankt Kastl bei Langenbruck mit spätgotischer Wallfahrtskirche (Einrichtung barock) und unmittelbar daneben liegender Kapelle.

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Reichertshofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Reichertshofen in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 12. September 2019.
  3. Johann Nepomuk von Raiser: Die Wappen der Städte und Märkte, dann der marktberechtigten Orte im Oberdonau-Kreis des Königreichs Bayern. Lauter, Augsburg 1834, S. 105 (Digitalisat [abgerufen am 3. Juli 2013]).
  4. Wolfgang Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der frühen Neuzeit. 3., verbesserte und um ein Nachwort ergänzte Auflage. Oldenbourg, München 1997, ISBN 3-486-53903-5, S. 139 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. München 1997, S. 65, 450.
  6. Sigmund Riezler: Geschichte der Hexenprozesse in Bayern. Cotta, Stuttgart 1896, S. 220 (Digitalisat [abgerufen am 10. Juli 2013]).
  7. Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. München 1997, S. 454.
  8. Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. München 1997, S. 350, 455.
  9. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 490.
  10. http://www.reichertshofen.de/index.php?id=0,38#fraktion_7
  11. Webseite der Pfarrei. Bistum Augsburg, abgerufen am 23. Juni 2016.