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Wildparkstadion

ein Fußballstadion in Karlsruhe

Das Wildparkstadion ist ein Fußballstadion in der baden-württembergischen Stadt Karlsruhe. Es ist der Mittelpunkt einer Anlage aus mehreren Sport- und Übungsplätzen, einer Tennisanlage und weiterer Sportstätten im Karlsruher Hardtwald. Der Hauptnutzer ist die Fußballabteilung des Karlsruher SC. Eine Nutzung als Leichtathletikstadion findet nicht mehr statt, da die Leichtathletikanlage im Zuge einer Spielfeldverlegung teilweise entfernt wurde. Die Anlage wurde im Jahr 1955 an Stelle des alten FC-Phönix-Sportplatzes von 1921 gebaut und verfügte ursprünglich über 55.000 Plätze. Diese Zahl wurde mehrfach durch geänderte Vorschriften reduziert und durch Umbauten erweitert, aktuell verfügt es über 28.762 Sitz- und Stehplätze. Es ist Eigentum der Stadt Karlsruhe und wird an dessen Nutzer verpachtet. Seit dem 5. November 2018 wird das Wildparkstadion im laufenden Spielbetrieb in ein reines Fußballstadion umgebaut.[1]

Wildparkstadion
Luftbild des Wildparkstadions (2009)
Luftbild des Wildparkstadions (2009)
Daten
Ort Adenauerring 17
DeutschlandDeutschland 76131 Karlsruhe, Deutschland
Koordinaten 49° 1′ 12″ N, 8° 24′ 47″ OKoordinaten: 49° 1′ 12″ N, 8° 24′ 47″ O
Eigentümer Stadt Karlsruhe
Betreiber Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark
Eröffnung 17. Juli 1955
Erstes Spiel 7. August 1955
Karlsruher SCRot-Weiss Essen 2:2
Renovierungen 1957, 1968, 1978, 1986, 1993, seit November 2018
Erweiterungen seit November 2018
Oberfläche Naturrasen
Architekt Thomas Großmann
Lucy Hillebrand (1993)
Kapazität 28.762 Plätze
Spielfläche 105 × 68 m
Verein(e)
Die Haupttribüne vor einem Testspiel KSC vs FC Bayern (Januar 2016)

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Entwicklung seit 1955Bearbeiten

Der FC Phönix, einer der beiden Vorgängervereine des KSC, erhielt von der Stadt Karlsruhe 1921 pachtweise für 50 Jahre ein Grundstück im Hardtwald zur Verfügung gestellt[2], auf dem bis 1923 eine Anlage mit drei Fußballplätzen, zwei Tennisplätzen, einer 400-Meter-Bahn sowie Wurf- und Sprunganlagen angelegt wurde. Nach der Fusion des FC Phönix und des VfB Mühlburg zum KSC wurde 1952 an Stelle der mittlerweile 30 Jahre alten Phönix-Anlagen mit dem Bau eines modernen Stadions begonnen.

Die erste Veranstaltung war ein Internationales Leichtathletikfest am 17. Juli 1955, am 7. August 1955 wurde das umgebaute Stadion offiziell durch Karlsruhes Oberbürgermeister Günther Klotz an den Karlsruher SC übergeben.[2] Im Eröffnungsspiel am selben Tag trennten sich vor 45.000 Zuschauern der amtierende Pokalsieger KSC vom Deutschen Meister Rot-Weiss Essen 2:2 unentschieden.

In den 1950er Jahren galt das Wildparkstadion als eines der modernsten Stadien seiner Zeit in Deutschland. In den 1970er Jahren wurde die Gegentribüne ausgebaut, 1986 folgte die Montage einer Videoleinwand, die damals eine der modernsten in Europa war. Die Leichtathletikanlagen wurden erst 1978 durch Kunststoffanlagen ausgetauscht und die Kurven der Laufbahnen durch vorschriftsmäßige Rund- anstelle der Korbbogen ersetzt – allerdings fanden schon seit 1968 keine größeren Leichtathletikveranstaltungen mehr in Karlsruhe statt. In Vorbereitung des geplanten Umbaus zu einem reinen Fußballstadion wurde im Sommer 2007 eine Rasenheizung installiert und die Laufbahnen teilweise entfernt.

 
Blick auf die Südkurve und Haupttribüne (2006)

Anfang der 1990er Jahre wurde mit dem Bau einer neuen Haupttribüne die bis heute letzte große bauliche Änderung am Stadion vorgenommen. Auf der Tribüne, die gebaut ist nach den Plänen der Architekten Thomas Großmann und Lucy Hillebrand, sowie des Farbgestalters Fritz Fuchs, befinden sich Sitzplätze für maximal 6400 Zuschauer sowie 24 Business-Logen. Die Einweihung der neuen Haupttribüne erfolgte 1993 mit einem 3:0-Erfolg des Karlsruher SC gegen Borussia Dortmund.

FlutlichtanlageBearbeiten

Das Wildparkstadion besitzt seit 1957 eine Flutlichtanlage. Da in den 1970er Jahren die Leuchtstärke der alten Anlage nicht mehr genügte, das Stadion für Fernseh-Übertragungen ausreichend zu erhellen (der DFB schrieb damals eine Leuchtstärke von 100 Lux vor[3]) wurde das Hochbauamt der Stadt Karlsruhe mit der Planung einer neuen Flutlichtanlage beauftragt. Aus lichttechnischen Überlegungen sowie der Randbedingung, dass die neuen Flutlichtmasten einer späteren Vollüberdachung des Stadions nicht im Wege stehen sollten, wurde entschieden, die neuen Masten direkt hinter der Wallkrone des Stadions zu errichten. Die vier Stahlrohrkonstruktionen ragen mit einem Winkel von jeweils 15° bis zu 54 Meter in die Höhe und sind mit Stahlbetonankern in der Außenböschung des Stadionwalls gegründet. Die neue Flutlichtanlage wurde 1978 errichtet und kostete umgerechnet 1,11 Millionen Euro.[4]

Weg zum UmbauBearbeiten

Im Frühjahr 2006 wurde von der Stadt Karlsruhe und dem Karlsruher SC bekanntgegeben, dass das Wildparkstadion in der Zeit von Mai 2007 bis August 2008 in ein reines Fußballstadion mit ca. 35.000 bis 40.000 überdachten Plätzen (davon 5.000 Stehplätze) umgebaut werden soll. Dabei würde die Haupttribüne des Wildparkstadions bestehen bleiben und in die neue Arena integriert werden.

Am 23. August 2006 mussten die Verantwortlichen des KSC auf einer Pressekonferenz jedoch einräumen, dass der Verein sich finanziell nicht am Umbau des Stadions beteiligen könne. So hieß es, dass im Falle einer Beteiligung seitens des KSC ein alter Vertrag aus der Zeit der Präsidentschaft Roland Schmiders den Verein dazu zwänge, Entschädigungszahlungen an das Architekturbüro, das 1996 einen – mittlerweile nicht mehr umzusetzenden – Entwurf für ein neues Wildparkstadion erarbeitete, zu leisten. Solch ein finanzielles Risiko – auch hinsichtlich der Lizenzvergabe – wollte man nicht eingehen.

Nach über Monate andauernden Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Karlsruher SC über die Finanzierung des auf 58 Millionen Euro taxierten Umbauprojektes stimmte der Karlsruher Gemeinderat am 27. Februar 2007 mit großer Mehrheit für die Realisierung des Bauvorhabens. Das ausgehandelte Finanzierungskonzept sah die Aufteilung der Kosten wie folgt vor: 30 Millionen Euro sollten aus der Stadtkasse kommen, das Land Baden-Württemberg sich mit einem Zuschuss von weiteren 10 Millionen Euro beteiligen, während die restlichen 18 Millionen Euro über zinsgünstige Kommunalkredite in das Projekt fließen sollten. Noch nicht geklärt wurde das spätere Mietverhältnis zwischen der Stadt als Eigentümerin des Stadions und dem KSC, welches maßgeblich für die Form der Mietzahlungen des Vereins ist. Es war zwar eine gemeinsame Betriebsgesellschaft geplant, aus deren Erträgen die Miete an die Stadt überführt werden sollte, jedoch ist dies nicht mit den Statuten der DFL konform.[5]

Der ursprünglich geplante Baubeginn im Sommer 2007 war nicht einzuhalten, nach späteren Planungen sollte der Umbau im Sommer 2009 beginnen.

Mittlerweile hatte das Karlsruher Institut für Technologie Interesse daran bekundet, das Areal des Stadions zu erwerben, um expandieren zu können. Dadurch hätten sich die Umbaupläne zerschlagen. Für eine neu zu errichtende Fußballarena hätte dann ein neuer Standort gefunden werden müssen, was in der Vergangenheit schon von Kommunalpolitikern und KSC-Mitgliedern vorgeschlagen worden war.

Im Oktober 2014 verlautbarten der KSC und die Stadt Karlsruhe die Verwerfung der Umbaupläne zugunsten eines Neubaus aus wirtschaftlichen Gründen. Man wollte dem Gemeinderat im Frühjahr 2015 einen Vertragsentwurf zur Abstimmung vorlegen, welcher u. a. Regularien zu den Investitionskosten (ca. 88 Mio. Euro) sowie zum Pacht- und Namensrecht beinhalte.[6]

Am 19. Juli 2016 entschied sich der Gemeinderat mehrheitlich für den Bau eines neuen Stadions. Die geplanten Baukosten wurden mit 113 Millionen Euro für das Gesamtprojekt veranschlagt.[7] Das Stadion soll an derselben Stelle während des laufenden Spielbetriebs entstehen. Die Bauzeit wurde mit 24 bis 30 Monate angegeben, das geplante Fassungsvermögen mit 35.000 Plätzen. Der Baubeginn verschob sich später auf November 2019, die voraussichtlichen Baukosten stiegen auf 123 Millionen Euro.[8]

Umbau (seit 2018)Bearbeiten

 
Choreo der Karlsruher Fans beim Abschiedsspiel gegen die Würzburger Kickers am 3. November 2018.

Im Oktober 2018 gab der Verein die finale Entscheidung des städtischen Gemeinderates bekannt, einen Stadionneubau zu bewilligen.[9] Am 3. November 2018 wurde das Drittligaspiel gegen die Würzburger Kickers als „Abschiedsspiel“ unter dem Motto Danke, Wildparkstadion! 1955–2018 ausgetragen. Am 5. November 2018 begannen während des laufenden Spielbetriebs die Umbauarbeiten zu einem rund 35.000 Zuschauer fassenden reinen Fußballstadion, mit denen die BAM Sports GmbH als Totalunternehmerin beauftragt wurde und die im Mai 2022 abgeschlossen sein sollen. Zunächst wird die Nordtribüne abgerissen und bis April 2019 durch eine provisorische Tribüne ersetzt, die 5.000 Stehplätze bieten soll. In der Sommerpause 2019 soll die Südtribüne ebenfalls abgerissen und bis August 2019 durch eine 4.500 Stehplätze fassende provisorische Tribüne ersetzt werden, wodurch die Mindestkapazität von 15.000 Plätzen zu keiner Bauphase unterschritten wird. Ab Dezember 2019 sollen mit dem Abriss und Neubau der Gegengerade und der Haupttribüne die eigentlichen Umbauarbeiten beginnen. Anschließend sollen die provisorischen Tribünen nacheinander abgebaut und durch die neuen Tribünen ersetzt werden. Die endgültige Detailplanung wurde am 22. November 2018 in einem Bürgerforum vorgestellt.[10][11][12][13] Die Kosten des Umbaus betragen 123 Millionen Euro. Davon werden elf Millionen Euro vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg bezuschusst.[14]

Bedeutende FußballspieleBearbeiten

LänderspieleBearbeiten

Bis dato wurden sechs Länderspiele der deutschen Männer-Nationalmannschaft und eines der deutschen Frauen-Nationalmannschaft im Karlsruher Wildparkstadion ausgetragen.

Fußball-Nationalmannschaft der Männer
Datum Begegnung Ergebnis
16. Nov. 1955 Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland Norwegen  Norwegen 2:0 (2:0)
23. Dez. 1962 Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland Schweiz  Schweiz 5:1 (2:1)
24. Apr. 1965 Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland Zypern Republik  Zypern 5:0 (3:0)
22. Feb. 1967 Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland Marokko  Marokko 5:1 (2:0)
12. Juni 1971 Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland Albanien 1946  Albanien 2:0 (2:0)
13. Okt. 1993 Deutschland  Deutschland Uruguay  Uruguay 5:0 (3:0)
Fußball-Nationalmannschaft der Frauen
Datum Begegnung Ergebnis
23. Nov. 2006 Deutschland  Deutschland Japan  Japan 6:3 (3:0)

Austragungsort von EndspielenBearbeiten

Erinnerungswürdige SpieleBearbeiten

 
Das Wildparkstadion bei einem Spiel des KSC
  • Am 2. November 1993 schlug der KSC den FC Valencia im Rückspiel der 2. Runde des UEFA-Pokals nach verlorenem Hinspiel mit 7:0 und zog in die nächste Runde ein. (Siehe auch: Wunder vom Wildpark)
  • Das Wildparkstadion erlebte Mitte der 1990er Jahre noch weitere bedeutende Heimsiege des KSC im UEFA-Pokal gegen hochrangige Gegner. So gewann der Verein 1993 im Achtelfinale gegen Girondins Bordeaux (unter anderem mit Zinédine Zidane) mit 3:0 und drei Jahre später gegen die AS Rom ebenfalls 3:0.
  • Am 2. Mai 1998 erlebte das Stadion sein letztes Erstliga-Spiel für eine Dauer von über neun Jahren; der KSC besiegte am vorletzten Spieltag vor 33.600 Zuschauern den VfB Stuttgart mit 4:2, stieg aber trotzdem am Ende der Saison ab.
  • Am 1. Juni 2015 traf der KSC im Relegations-Rückspiel um den Aufstieg in die Bundesliga im Wildparkstadion auf den Hamburger SV. Nachdem das Hinspiel im Hamburger Volksparkstadion mit 1:1 ausgegangen war, führte der KSC im Rückspiel bis in die Nachspielzeit mit 1:0. Nach einem umstrittenen Handspiel traf der HSV durch ein direktes Freistoßtor von Marcelo Díaz in der Nachspielzeit zum 1:1 und konnte in der Verlängerung mit dem 1:2 aus Karlsruher Sicht die Klasse halten.[15]
  • Am 2. November 2018 fand das letzte Spiel im Wildparkstadion vor dem Umbau in ein reines Fußballstadion statt. Der KSC gewann sein Drittligaspiel gegen die Würzburger Kickers vor 24.317 Zuschauern mit 2:1.[16][17]

DatenBearbeiten

  • Gesamtareal ca. 14,2 Hektar (davon etwa 7,5 Hektar für das Wildparkstadion)
  • Rasenplatz (100 m × 70 m)
  • 4 Rasentrainingsplätze, 1 Kunstrasenplatz, 1 Sporthalle
  • Fassungsvermögen: 28.762 Plätze, davon 8.940 überdachte Sitzplätze, 6.217 nicht überdachte Sitzplätze, 4.462 überdachte Stehplätze, 10.000 nicht überdachte Stehplätze, 80 Plätze für Rollstuhlfahrer
  • 2 VIP-Räume und 24 Logen

LiteraturBearbeiten

  • Werner Skrentny (Hrsg.): Das große Buch der deutschen Fußballstadien. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2001, ISBN 3-89533-306-9, S. 206–208
  • Christian Pfefferle, Jens Fischer, Matthias Dreisigacker: Im Wildpark. Verlag Block Eins, ISBN 978-3-00-029500-3

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aufbruch durch Abbruch im Wildpark: In Karlsruhe starten die Bauarbeiten für das neue Fußballstadion, ka-news.de, 5. November 2018, abgerufen am 7. November 2018.
  2. a b http://www.ksc.de/stadion/geschichte.html
  3. Hans-Georg Böhler: 60 Tonnen im Griff – Flutlichtmasthalterung Wildparkstadion Karlsruhe. In: beton. Jahrgang 1981, Ausgabe 11, S. 415.
  4. Ingenieurgruppe Bauen: Flutlichtanlage für das Wildparkstadion in Karlsruhe (PDF; 208 kB)
  5. Artikel zum Gemeinderatsbeschluss auf der Webseite des KSC
  6. kicker.de: Dem KSC winkt ein neues Stadion. Auf: kicker.de am 2. Oktober 2014
  7. Karlsruhe bekommt ein neues Stadion Landesschau aktuell, 19. Juli 2016
  8. Neue Planung für KSC-Stadion: Warum es teurer wird und über was der Gemeinderat heute noch entscheidet Von: Corina Bohner. Vom 24. April 2018, abgerufen am 27. September 2018
  9. Das neue Stadion kommt: Gemeinderat gibt grünes Licht, ksc.de, abgerufen am 24. Oktober 2018
  10. Bauablauf, karlsruhe.de, 22. November 2018, abgerufen am 29. November 2018.
  11. Wildparkstadion: BAM Sports baut das Stadion, presse.karlsruhe.de, 23. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.
  12. Karlsruher SC: So läuft der Umbau des Wildparkstadions, liga3-online.de, 7. November 2018, abgerufen am 7. November 2018.
  13. Weitere Modellbilder zum neuen Wildparkstadion vorgestellt, liga3-online.de, 23. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.
  14. Kosten, karlsruhe.de, 20. November 2018, abgerufen am 29. November 2018.
  15. Müller reanimiert den Bundesliga-Dino in der Verlängerung, kicker.de, 1. Juni 2015, abgerufen am 23. November 2018.
  16. Doppelter Pourié bringt Abrissparty in Schwung, kicker.de, 2. November 2018, abgerufen am 7. November 2018.
  17. „Danke, Wildparkstadion!“: KSC schlägt Würzburg im Abschiedsspiel, ksc.de, 3. November 2018, abgerufen am 7. November 2018.