Lucy Hillebrand

deutsche Architektin

Lucy Hillebrand (* 6. März 1906 in Mainz; † 14. September 1997 in Göttingen) war eine deutsche Architektin.

LebenBearbeiten

 
Katholische Kirche St. Nikolaus auf Langeoog

Lucy Hillebrand war die Tochter von Fides Laura, geb. Mayer, und dem Mainzer Spediteur Hans H. Hillebrand. Nach dem Besuch einer Reformschule besuchte sie von 1915 bis 1922 die Höhere Töchterschule in Mainz. Sie studierte von 1922 bis 1925 an der Kunstgewerbeschule in Offenbach am Main (heute HfG Offenbach) und von 1925 bis 1927 an der Werkkunstschule in Köln bei Dominikus Böhm. Ab 1928 hatte sie ein eigenes Büro in Frankfurt am Main. 1927 wurde sie das jüngste Mitglied des Deutschen Werkbundes und nahm 1932/1933 als einzige Frau an dessen zweitem Siedlungsprojekt in Stuttgart teil (Deutsches Holz – Kochenhofsiedlung, unter Leitung von Richard Döcker). Nach 1933 arbeitete sie für das Haus Bensen in Göttingen. Nach 1934 konnte sie ihren Beruf nicht mehr ausüben und war auch persönlich gefährdet, da ihre Mutter Jüdin war. Diese beging 1942 Suizid, um der drohenden Deportation nach Theresienstadt zu entgehen.

Nach 1945 gründete Lucy Hillebrand in Göttingen ein Atelier, in dem sie sich intensiv mit dem Schul- und Erziehungsbau auseinandersetzte.

In Göttingen wurden nach dem Krieg auch mehrere private Gebäude nach ihren Entwürfen gebaut, die fast alle die gleiche Handschrift tragen. Ein besonders gelungener Entwurf ist die 1955 erbaute Villa der Arztes Wolfgang Bieker in Bovenden.

Lucy Hillebrand war in zweiter Ehe mit Erich Gerlach verheiratet.[1]

Der Nachlass befindet sich im Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt am Main.[2]

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Kirche St. Nikolaus auf der ostfriesischen Nordseeinsel Langeoog (1950)[3]
  • Wohnhaus Plesser und Wohnhaus Ulrici in Göttingen (1952)[4]
  • Anbau einer Bibliothek und eines Kinosaales an das Fridtjof-Nansen-Haus in Göttingen (1952/53),[5][6]
  • Erziehungsberatungsstelle in Hannover (1953/56),
  • Gewerkschaftshaus in Northeim (1958),
  • Psychotherapeutisches Klinikum im Niedersächsische Landeskrankenhaus Tiefenbrunn bei Göttingen (1969)[7]
  • Albert Schweitzer-Kinderdorf in Uslar (1970)[1]
  • Wohnanlage Am Nikolausberg in Göttingen (mit Ottio Lindner)[8]
  • Bebauungsplan Eschenbreite in Göttingen-Nikolausberg[9]
  • Bauvorhaben Lohmühlenweg in Göttingen[10] (nicht verwirklicht)

AusstellungenBearbeiten

EhrungenBearbeiten

1982 verlieh ihr der Niedersächsische Ministerpräsident das Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens.[13]

1985 erhielt Lucy Hillebrand die Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Werkbundes.

Im Jahre 1987 wurde sie Ehrenmitglied im Bund Deutscher Architekten.

In Mainz wurde 2009 eine Straße nach ihr benannt; die Hochschule Mainz hat dort ihre Hauptverwaltung.[14]

Literatur (chronologisch)Bearbeiten

  • Dieter Boeminghaus: Zeit-Räume der Architektin Lucy Hillebrand. Karl Krämer Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-7828-1110-0.
  • Klaus Hoffmann: Lucy Hillebrand. Wege zum Raum. Fotografie-Verlag, Göttingen 1985, ISBN 3-921907-09-8.
  • Gottfried Borrmann: Der bewußt wahrgenommene Raum. Die Mainzer Architektin Lucy Hillebrand und die Reformbewegung. In: Mainz. Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte 8 (1988), H. 1, S. 66–70.
  • Christian Grohn (Hrsg.): Lucy Hillebrand – Bauen als Impuls. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-7861-1601-6.
  • Ulrich Krempel: Lucy Hillebrand. Th. Schäfer, Hannover 1996, ISBN 3-88746-351-X.
  • Ute Maasberg, Regine Prinz: Die Neuen kommen! Weibliche Avantgarde in der Architektur der zwanziger Jahre. Junius Verlag, Hamburg o. J. (2004), S. 90 f., ISBN 3-88506-550-9.
  • Edeltraud Haselsteiner: Die Architektin Lucy Hillebrand. Ein interdisziplinärer Dialog über RAUMSCHRIFTEN als Weg zur sozialen Gestaltung von Räumen, Dissertationskonzept, TU Wien, 2005 (Link zum Expose mit Lebenslauf und Liste von Werken, abgerufen 4. März 2021)
  • Frauenleben in Magenza. Die Porträts jüdischer Frauen aus dem Mainzer Frauenkalender und Texte zur Frauengeschichte im jüdischen Mainz, Mainz 2010.
  • Karin Wilhelm: Göttingen, 1952, Lucy Hillebrand: Häuser Plessner und Ulrici. In: Bauwelt, Heft 26/2019, S. 52–57. (Digitalisat,[15] abgerufen 11. April 2021) - Behandelt zwei Professoren-Häuser in Göttungen.

WeblinksBearbeiten

Commons: Lucy Hillebrand – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Webseite des Deutschen Werkbundes, abgerufen am 15. August 2018
  2. Archiv des Deutschen Architekturmuseums, Frankfurt am Main (Suchmaske, abgerufen 7. März 2021). - Mit Fotos, Modellfotos, Plänen.
  3. Inselkirche Langeoog St. Nikolaus. In: www.inselkark.de. Inselkirche Langeoog, abgerufen am 11. April 2021.
  4. Karin Wilhelm: Göttingen, 1952, Lucy Hillebrand: Häuser Plessner und Ulrici. In: Bauwelt, Heft 26/2019, S. 52–57.
  5. Chronik für das Jahr 1953. In: Chronik. Stadtarchiv Göttingen, abgerufen am 5. April 2021.
  6. Exposé Verkaufsunterlagen: Historisches Ensemble in Göttingen – Ehem. Levinsche Villa und Fridtjof-Nansen-Haus, Merkelstraße 4. (PDF, 4,8 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Stadt Göttingen, Fachdienst Geoservice und Grundstücke, 19. Oktober 2017, S. 16, archiviert vom Original am 5. April 2021;.
  7. Göttingen, in: Städte Forum, Städtebau Architektur Wirtschaft, 12. Jg., Heft 1/1971 (Sonderheft ‚Göttingen‘), Verlag Edgar Hartmann, Osterode/Harz 1971, S. 78.
  8. Göttingen, in: Städte Forum, Städtebau Architektur Wirtschaft, 12. Jg., Heft 1/1971 (Sonderheft ‚Göttingen‘), Verlag Edgar Hartmann, Osterode/Harz 1971, S. 110 f.
  9. Göttingen, in: Städte Forum, Städtebau Architektur Wirtschaft, 12. Jg., Heft 1/1971 (Sonderheft ‚Göttingen‘), Verlag Edgar Hartmann, Osterode/Harz 1971, S. 112.
  10. Göttingen, in: Städte Forum, Städtebau Architektur Wirtschaft, 12. Jg., Heft 1/1971 (Sonderheft ‚Göttingen‘), Verlag Edgar Hartmann, Osterode/Harz 1971, S. 120.
  11. Übersicht für März 1996 bei Wiki-Göttingen, abgerufen am 4. März 2021.
  12. Rezension von Amber Sayah in den Stuttgarter Nachrichten vom 18. Dezember 2017, Online-Ausgabe, abgerufen am 4. März 2021
  13. Chronik für 1982 des Stadtarchivs Göttingen, abgerufen am 16. August 2018
  14. Link zu Emil Händlers Festvortrag anlässlich der Straßenbenennung mit Beispielen Lucy Hillebrandscher Werke, abgerufen am 15. August 2018
  15. Weitere Fassungen des Wilhelm-Aufsatzes im „Bauwelt“-Heft hier und hier, abgerufen 7. März 2021.