Hauptmenü öffnen

Wildberg (Schwarzwald)

Stadt im Landkreis Calw, Baden-Württemberg, Deutschland

StadtteileBearbeiten

Die Stadt Wildberg im heutigen Umfang entstammt der Gemeindereform der siebziger Jahre, dabei wurden der schon zuvor bestehenden Stadt Wildberg mehrere angrenzende ehemals selbstständige Gemeinden angeschlossen. Zur Stadt Wildberg gehören seither die fünf Stadtteile Wildberg, Effringen, Gültlingen, Schönbronn und Sulz am Eck. Die Ortsteile liegen zwischen 350 und 630 Meter Höhe.

WildbergBearbeiten

Wildberg ist Namensgeber der Gesamten Kommune und liegt im Nagoldtal Der alte Ortskern schmiegt sich in eine Ω-förmige Schleife des Flusses. Zur Stadt Wildberg in den Grenzen von 1970 gehören die Stadt Wildberg, die ehemalige Klosteranlage Reutin und die Höfe Käpfleshöfe und Kengelhöfe.

EffringenBearbeiten

Zu Effringen gehören das Dorf Effringen, das Gehöft Trölleshof und die Häuser Ziegelhütte, die mit Effringen eine bauliche Einheit bilden.

 
Rathaus Wildberg

GültlingenBearbeiten

Zu Gültlingen gehören das Dorf Gültlingen, das Gehöft Haselstall und die Häuser Lerchenberg, Obere Papiermühle, Untere Papiermühle und Untere Sägemühle. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Gültlingen liegen die Wüstungen Berfeldingen und Weiler sowie die abgegangene Gaisburg und im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Sulz am Eck liegt die Wüstung Weiler.[2]

SchönbronnBearbeiten

Schönbronn besteht nur aus dem Dorf Schönbronn

Sulz am EckBearbeiten

Sulz am Eck besteht aus Sulz und dem auf der Hochfläche gelegenen Industriegebiet Hinter dem Wald. Auf der Markung befindet sich eine ehemalige aber jetzt zivil genutzter Munitionsbunkeranlage und das Segelfluggelände Wächtersberg-Hub, außerdem gibt es einen ausgedehnten Steinbruch mit Schotterwerk.

GeschichteBearbeiten

VorgeschichteBearbeiten

In Gültlingen wurde das Grab eines alamannischen Adeligen aus der Völkerwanderungszeit (Datierung etwa um 460–480 n. Chr.) gefunden, das sogenannte Gräberfeld von Gültlingen. Unter den Grabbeigaben war ein prächtiger Spangenhelm und eine Goldgriffspatha. Die Fundstücke werden heute im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart aufbewahrt. Derartige Waffen waren der Führungsschicht vorbehalten, was auf eine bedeutende Stellung des Ortes in dieser frühen Zeit hinweist.

Bis zum 19. JahrhundertBearbeiten

Wildberg wurde am 23. April 1188 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Anlass war der Heiratsvertrag Konrads von Rothenburg, des zweitjüngsten Sohnes von Barbarossa (später Herzog von Schwaben) mit der spanischen Prinzessin Berengaria von Kastilien. Während die Grafen von Hohenberg seit 1237 in Wildberg nachweisbar sind, treten die Pfalzgrafen von Tübingen urkundlich nie in Erscheinung. 1364 wurde Wildberg kurpfälzisch und 1440 württembergisch; bis 1807 war es Sitz eines württembergischen Amts. 1618 wurde die Burg nach einem Brand, der durch einen Blitzschlags ausbrach, zerstört. Sie wurde erst 1698 als Schloss wiederaufgebaut und am 22. Februar 1945 bei einem Luftangriff erneut zerstört.

19. JahrhundertBearbeiten

Zur Zeit des Königreichs Württemberg gehörte Wildberg zum Oberamt Nagold. Das alte Amt Wildberg war 1807 im Zuge der neuen Verwaltungsgliederung Württembergs aufgelöst worden. 1838 gründete der aus Simmozheim stammende Pfarrer Karl Georg Haldenwang (1803–1862) in Wildberg mit dem „Rettungshaus für schwachsinnige Kinder“ die erste behindertenpädagogische Einrichtung in Süddeutschland.[3] Am 20. Juni 1872 wurde Wildberg über die Schwarzwald- und Nagoldbahn an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn angeschlossen.

20. JahrhundertBearbeiten

Während der NS-Zeit in Württemberg wurde Wildberg mit den meisten Gemeinden des Kreises Nagold 1938 dem Landkreis Calw zugeordnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Wildberg in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. 1952 ging das provisorische Nachkriegsland im Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern auf und gehört seither zum neuen Bundeslandes Baden-Württemberg. Mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Calw Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die dem Regierungsbezirk Karlsruhe zugeordnet wurde. Somit wird seither über die Angelegenheiten Wildbergs auch aus Pforzheim und Karlsruhe mitentschieden. Die heutige Stadt wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Stadt Wildberg und der Gemeinden Effringen, Gültlingen und Sulz am Eck neu gebildet. Bereits am 1. April 1971 wurde Schönbronn nach Wildberg eingemeindet.

ReligionenBearbeiten

Wildberg ist seit der Reformation evangelisch geprägt. Die evangelischen Kirchengemeinden von Wildberg sowie der Ortsteile Effringen, Schönbronn, Gültlingen und Sulz am Eck gehören zum Kirchenbezirk Nagold. Die katholische Kirche Wildberg gehört zur Kirchengemeinde St. Petrus und Paulus Nagold und damit zur Seelsorgeeinheit Oberes Nagoldtal und zum Dekanat Calw.

Entwicklung der EinwohnerzahlenBearbeiten

 
Einwohnerentwicklung von Wildberg (Schwarzwald) von 1871 bis 2018 nach nebenstehender Tabelle
Jahr Einwohner¹
1871 4.713
1880 4.790
1890 4.640
1900 4.423
1910 4.551
1925 4.609
1933 4.486
1939 4.561
Jahr Einwohner¹
1950 4.938
1961 5.056
1970 6.138
1975 6.874
1980 7.755
1985 8.347
1990 9.315
1995 10.153
Jahr Einwohner¹
2000 10.192
2005 10.128
2010 9.889
2015 9.895
2018 10.069

¹ laut Statistisches Landesamt Baden-Württemberg; bis 1970 Volkszählungsergebnisse, ab 1975 Fortschreibungen jeweils zu einem Quartalsende oder zum 31. Dezember des Jahres.

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 50,6 % (− 2,0) zu folgendem Ergebnis:[4]

Partei / Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze +/−
CDU 43,3 % − 1,3 10 − 3
SPD 14,6 % − 1,8 3 − 2
Grüne 8,7 % + 8,7 2 + 2
FDP 4,6 % − 2,5 1 − 1
FWV 28,8 % − 3,0 7 − 2

BürgermeisterBearbeiten

Ulrich Bünger wurde im November 2003 im ersten Wahlgang zum neuen Bürgermeister gewählt und im November 2011 mit 92 % im Amt bestätigt.[5]

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In geteiltem Schild oben in Silber eine liegende schwarze Hirschstange, unten in Rot der silberne lateinische Großbuchstabe W.“

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Wildberg ist durch die Nagoldtalbahn (PforzheimHorb am NeckarTübingen) an das überregionale Schienennetz angebunden. Im 30/60-Minuten-Takt verkehren Züge nach Pforzheim und Tübingen.

Busse nach Gärtringen und Herrenberg fahren stündlich, somit besteht Anschluss zur S-Bahn Stuttgart und zur Ammertalbahn Richtung Tübingen und Reutlingen.

Die wichtigste Durchgangsstraße ist die gleichfalls dem Verlauf des Nagoldtals folgende Bundesstraße 463. Über die an Deckenpfronn und Gärtringen vorbeiführende Landstraße L357 sowie die L358 über Sulz am Eck und Herrenberg ist die A 81 in wenigen Minuten erreicht.

Zwischen Mai 2009 und Juli 2013 betrieb die Stadt ein Pilotprojekt Stadtbus, das vor allem die Mobilität von Senioren und gehandicapten Menschen fördern sollte. Tagsüber verband ein behindertengerechter Mini-Niederflurbus im Stundentakt alle Siedlungen und Ortsteile Wildbergs miteinander. In den Wohngebieten war ein „Halt auf Zuruf“ möglich, im Stadtzentrum wurden feste Haltestellen angefahren.[6] Mit finanzieller Unterstützung des Landkreises war der Stadtbus tariflich in die Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw mit Bahn und Regionalbussen eingebunden. Diese besondere Betriebsform wurde im Juli 2013 beendet, da der zwischen 7 Uhr bis 18 Uhr verkehrenden Stadtbus statt der anvisierten Senioren überwiegend durch junge Menschen am Nachmittag genutzt wurde. Danach setzte die Stadtverwaltung zum 1. September 2013 wieder auf einen normalen Linienfahrplan, mit einem Schwerpunkt auf der regionalen Anbindung an S-Bahn-Stationen im Nachbarkreis Böblingen.[7]

 
Das Kloster Reuthin von Wildberg

Der Flugplatz Wächtersberg-Hub ist ein Sonderlandeplatz und liegt etwa einen Kilometer südöstlich von Wildberg.

BildungseinrichtungenBearbeiten

Wildberg verfügt über eine Haupt- und eine Realschule, welche im „Bildungszentrum Wildberg“ zusammengefasst sind. Außerdem gibt es in der Kernstadt und den Ortsteilen Effringen, Sulz am Eck und Gültlingen jeweils eine Grundschule.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MuseenBearbeiten

 
Wildberg Schlossruine

Das städtische Heimatmuseum befindet sich im ehemaligen Kloster Reuthin.

 
Evangelische Martinskirche Wildberg
 
Evangelische Martinskirche Wildberg, 1464 erbaut, 1772 Langhaus umgestaltet

BauwerkeBearbeiten

Auf dem Lerchenberg, an der Gemarkungsgrenze zu Deckenpfronn, befindet sich die Funkstelle Lerchenberg der Landespolizeidirektion Karlsruhe. Zu ihr gehören ein 81 Meter hoher Fernmeldeturm und ein unterirdischer Bunker.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Der damalige Landesherr Herzog Eberhard Ludwig zu Württemberg errichtete im Jahre 1723 für die Besorgung berufsständischer Anliegen der Schäfer eine sogenannte Nebenlade zur Hauptlade in Markgröningen. Seit dieser Zeit findet immer am dritten Juli-Wochenende in den geraden Jahren in Wildberg der Schäferlauf statt, ein Brauchtums- und Heimatfest rund um die Schäferei. Eröffnet wird der Schäferlauf mit dem Heimatspiel „Der Klosterschäfer und des Teufels Puppenspieler“ von Eugen Memminger. Dieses Stück wird seit 1954 durch eine Laienspielschar aufgeführt.

VereineBearbeiten

  • Liederkranz Schönbronn (gemischter Chor mit ca. 35 aktiven Mitgliedern), gegründet 1899
  • Stadtkapelle Wildberg (ca. 40 aktive Musiker), gegründet 1884
  • Trachtengruppe Wildberg (ca. 40 Mitglieder), gegründet 1953
  • TSV Wildberg:gegründet 1861
  • Schwarzwaldverein Wildberg, gegründet (1898),1948
  • Narrenzunft Wildberg 1992 e.V.
  • Sportverein Sulz am Eck
  • MSC "Falke" Wildberg-Sulz (Trialsport), gegründet 1952
  • Sportverein Schönbronn, gegründet 1912
  • Dorfgemeinschaft Schönbronn, (ca. 60 Mitglieder), gegründet 2014
  • Fotofreunde Wildberg, (gegründet 2015, 26 Mitglieder)

PersönlichkeitenBearbeiten

 
Albert Kappis 1880

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

  • Albert Kappis (1836–1914), Maler und Lithograf
  • Georg Jakob Roller (1774–1857), Pädagoge und Gründer einer Taubstummenschule in Friedberg (Hessen)
  • Rudolf Doernach (1929–2016), Architekt, Dozent für Bioarchitektur und Betreiber der Bioversität in Gültlingen.
  • Dieter Dengler (1938–2001), US-amerikanischer Kampfflieger
  • Werner Nestle (* 1939 im Ortsteil Gültlingen), Professor an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen, Mitbegründer der sog. „Reutlinger Schule für Lernbehinderung“ (Hiller, Klein, Möckel, Schaible u. a.)
  • Thomas Schaible (* 1960 in Schönbronn), Arzt für Kinder- und Jugendmedizin und Neonatologie und Hochschullehrer

Mit Wildberg verbundenBearbeiten

  • Im 16. Jahrhundert wirkte der württembergische Reformator Andreas Cellarius (1503–1562) in Wildberg als Pfarrer.

SonstigesBearbeiten

Nach der Stadt Wildberg ist der Asteroid Wildberg benannt, der 2005 am Observatorium Wildberg entdeckt wurde.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 516–520
  3. Kurzbiografie Karl Georg Haldenwangs, Stadtarchiv Heilbronn
  4. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (Memento des Originals vom 19. Dezember 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.baden-wuerttemberg.de
  5. http://www.staatsanzeiger.de/index.php?q=b%C3%BCnger&id=9080&L=0
  6. Kreis hilft bei Stadtbus. Gäubote, 5. Februar 2009
  7. Busse fahren halbstündlich zur S-Bahn. Schwarzwälder Bote, 30. August 2013

LiteraturBearbeiten

  • Dieter Quast: Gültlingen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 13, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1999, ISBN 3-11-016315-2, S. 153–154. (online)
  • Petra Schad: Buchbesitz im Herzogtum Württemberg im 18. Jahrhundert am Beispiel der Amtsstadt Wildberg und des Dorfes Bissingen/Enz. (= Stuttgarter Historische Studien; Bd. 1). Thorbecke, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-5551-X (vollständiges PDF)
  • Friedrich Heinz Schmidt-Ebhausen, Wildberg. Das Bergstädtchen an der Nagold. Schicksal einer schwäbischen Kleinstadt, Dieter Lauk, 1960

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wildberg (Schwarzwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien