Simmozheim

Gemeinde in Deutschland

Simmozheim ist eine Gemeinde im Landkreis Calw in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Simmozheim
Simmozheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Simmozheim hervorgehoben

Koordinaten: 48° 45′ N, 8° 49′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Calw
Höhe: 483 m ü. NHN
Fläche: 9,5 km2
Einwohner: 2936 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 309 Einwohner je km2
Postleitzahl: 75397
Vorwahl: 07033
Kfz-Kennzeichen: CW
Gemeindeschlüssel: 08 2 35 067
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 8
75397 Simmozheim
Website: www.simmozheim.de
Bürgermeister: Stefan Feigl
Lage der Gemeinde Simmozheim im Landkreis Calw
OstelsheimEnzkreisLandkreis KarlsruheLandkreis KarlsruheLandkreis BöblingenLandkreis TübingenLandkreis RastattLandkreis FreudenstadtPforzheimBad HerrenalbDobelHöfen an der EnzUnterreichenbachSchömberg (Landkreis Calw)Oberreichenbach (Schwarzwald)Bad LiebenzellAlthengstettCalwBad Teinach-ZavelsteinBad WildbadEnzklösterleNeuweilerSimmersfeldAltensteigRohrdorf (Landkreis Calw)EgenhausenHaiterbachNagoldWildberg (Schwarzwald)EbhausenNeubulachGechingenOstelsheimSimmozheimSimmozheimKarte
Über dieses Bild

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Simmozheim liegt in 423 bis 589 Meter Höhe an der Bundesstraße 295 zwischen Weil der Stadt und Althengstett, im Hecken- und Schlehengäu. Die Gemeinde besteht aus zwei voneinander getrennten Gebieten.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Simmozheim gehören das Dorf Simmozheim und der Weiler Büchelbronn.[2]

GeschichteBearbeiten

Bis zum 20. JahrhundertBearbeiten

In einem Waldstück bei Simmozheim wurden Reste einer römischen Ziegelei entdeckt.[3]

Simmozheim wurde erstmals 985 urkundlich erwähnt. Ab 1320 gehörte der Ort den Herren von Kröwelsau. Im Jahre 1626 starben 76 Personen an der Pest, 1634 wurden im Dreißigjährigen Krieg 44 Gebäude durch Feuer zerstört. 1699 kamen Waldenser als Glaubensflüchtlinge in den Ort, sie wurden nach kurzer Zeit im heutigen Neuhengstett angesiedelt, das 1700 gegründet wurde. Simmozheim musste dafür Teile seiner Gemarkung an Neuhengstett abtreten und ist seitdem in zwei nicht miteinander verbundene Gebiete geteilt.[4] Im Jahre 1808 kam Simmozheim zum Oberamt Calw.

Um 1900 waren die meisten Einwohner Tagelöhner und Kleinbauern. Am 16. April 1945 verloren bei einem Luftangriff sechs Menschen ihr Leben.[5]

ReligionenBearbeiten

Die Pfarrei war vor der Reformation eine Frühmesserei und hatte danach immer einen eigenen Pfarrer; außer im Jahre 1630, wo der damalige Pfarrer infolge des Restitutionsedikts entlassen und die Gemeinde von Möttlingen aus besorgt wurde. Ebenfalls ohne Pfarrer war die Gemeinde in den Jahren 1636–1651, als die Bevölkerung durch den Dreißigjährigen Krieg sehr geschwächt war. Damals gehörte der Ort zu Althengstett. Mit der Einführung der Reformation in Merklingen wird auch Simmozheim 1535 evangelisch. Die heutige evangelische Kirchengemeinde[6] umfasst die Gemeinde Simmozheim und den Ortsteil Büchelbronn, der 1802 gegründet wurde. Sie gehört zum Kirchenbezirk Calw-Nagold in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Neben den Einrichtungen der evangelischen Kirchengemeinde gibt es ein Gemeindehaus der Liebenzeller Gemeinschaft. Ca. 500 Einwohner sind katholisch. Außerdem wurde ein Königreichssaal der Zeugen Jehovas ca. 1960 erbaut.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 1748: 0513 Einwohner
  • 1950: 1050 Einwohner
  • 1991: 2489 Einwohner
  • 1995: 2630 Einwohner
  • 2005: 2749 Einwohner
  • 2010: 2814 Einwohner
  • 2015: 2894 Einwohner

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Simmozheim hat 12 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 29. Mai 2019 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,2 % (2014: 57,5 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Partei Stimmen Sitze Ergebnis 2014
Unabhängige Wählerschaft Simmozheim 56,79 % 7 6 Sitze
aktiv für Simmozheim 43,21 % 5 0 Sitze
Freie Wählergemeinschaft 0 % 0 3 Sitze
Liste Dorf und Umwelt 0 % 0 2 Sitze
fraktionslos 0 % 0 1 Sitz

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

BildungBearbeiten

 
Gäurandweg im Simmozheimer Naturschutzgebiet Hörnle und Geißberg

Simmozheim verfügt über zwei Kindergärten, davon einer mit Kleinkindbetreuung, sowie eine Grundschule mit angeschlossener Ganztagsbetreuung. Der ehemalige Waldkindergarten im Simmozheimer Gerechtigkeitswald wurde zum Jahr 2013 von der Gemeinde Althengstett übernommen.[7] Als weiterführende Schulen stehen im Nachbarort Althengstett eine Realschule, eine Werkrealschule und eine Hauptschule sowie in den nächsten Städten Weil der Stadt und Calw Gymnasien zur Verfügung.

TourismusBearbeiten

Simmozheim wird vom Gäurandweg durchquert, einem Fernwanderweg des Schwarzwaldvereins. Des Weiteren führt der Hugenotten- und Waldenserpfad, eine Kulturroute des Europarats, durch den Ort.[8]

BauwerkeBearbeiten

 
Dreifaltigkeitskirche Simmozheim

Die evangelische Dreifaltigkeitskirche ist das markanteste Wahrzeichen des Ortes. Sie steht leicht erhöht auf dem nördlichen Rand des Talgrunds. Auch nachts ist ihr vierkantiger Turm hell erleuchtet und weithin sichtbar. 1299 kam die Vorgängerkirche als Gräflich Vaihingen’sches Lehen der Familie Urbach an Württemberg. Im Jahr 1391 kaufte das Stift Stuttgart die wahrscheinlich von einem Angehörigen der Familie Conz gestiftete Kirche zu Simmozheim von Pfaff Konrad von Weil. 1482 wurde die Kirche vom Stuttgarter Stift wiederum an das Kloster Herrenalb um 1200 Gulden verkauft. 1497 ersetzte das Kloster das baufällige Kirchlein durch einen Neubau. Von dieser Kirche zeugt heute noch das kleine Kirchenschiff zwischen Hauptschiff und Turm. Nach alten Beschreibungen war sie mit einem Wall und Graben umgeben.

An das vorhandene kleine Kirchenschiff wurde im Jahr 1748 ein großes Kirchenschiff angebaut. Der alte Turm blieb damals stehen und wurde nach einem Blitzschlag von 1758 bis 1766 massiv bis unters Dach neu errichtet. Ursprünglich hatte die Kirche mit der Empore 350 Sitzplätze. 1963 fand die letzte Außenrenovierung und durch Architekt Werner Hermann Riethmüller unter der künstlerischen Leitung von Professor Rudolf Yelin d. J. bis 1964 auch eine umfassende Innenrenovierung statt, wobei der Haupteingang von der Westseite auf die Ostseite zum Turm verlegt wurde. Nachdem die Gemeindeempore entfernt und die Orgelempore wesentlich erweitert wurde, fanden Yelins Altar, Taufstein (inzwischen ausgetauscht) und Kanzel auf der Westseite ihren Platz. Sein großes, silbernes Kreuz vor einem farbigen Hintergrund (Darstellung des himmlische Jerusalem) ist nun der Blickfang hinter und über dem Altar. Diese Veränderungen sollten den völligen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg symbolisieren.[9] Die Kirche erhielt auch eine neue Verglasung und eine elektrische Heizung. Die beiden großen Glocken von 1524 und 1525 stammen aus der Glockengießerei Sydler in Esslingen. Eine dritte von 1889 musste während des Zweiten Weltkriegs abgeliefert werden. 1984, als der hölzerne Glockenstuhl durch einen aus Stahl ersetzt wurde, gab man zwei neue, kleinere Glocken in Auftrag. An Ostern 1985 erklang das Vierergeläut zum ersten Mal. Die pneumatische Orgel der Esslinger Firma Weigle stammt aus dem Jahr 1907.[10]

Die Kirchengemeinde hat seit Dezember 1994 auch ein Gemeindehaus, das im ehemaligen Pfarrgarten neben dem Pfarrhaus gebaut wurde.

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

 
Johann Gottlieb Friedrich Bohnenberger 1844

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 477
  3. Ulrich Brandl und Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0 (Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61)
  4. Plan über die Gemarkung Neu-Hengstett Merklinger Oberamts, Landesarchiv Baden-Württemberg, abgerufen am 1. April 2017.
  5. http://www.simmozheim.de/de/Unser-Flegga/Ortsportrait/Geschichte
  6. Website der Kirchengemeinde Simmozheim
  7. Bettina Bausch: Waldkindergarten ist gesichert. In: Schwarzwälder Bote. 5. Dezember 2012, abgerufen am 20. Juni 2017.
  8. Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser. Abgerufen am 10. März 2017.
  9. Evangelische Kirchen und christliche Kunst in Württemberg 1957-1966. Ein Querschnitt; Hg. Verein für christliche Kunst in der ev. Kirche Württembergs – Adolf Gommel; Stuttgart 1966, Abb. 20 ff
  10. Bürgerliche Gemeinde und evangelische Kirchengemeinde Simmozheim (Hrsg.): Simmozheim. Eigenverlag der Gemeinde Simmozheim, 1997, S. 133.
  11. Kurzbiografie Karl Georg Haldenwangs, Stadtarchiv Heilbronn

WeblinksBearbeiten

Commons: Simmozheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien