Universitätsklinikum Frankfurt

Krankenhaus in Frankfurt/Main
Universitätsklinikum Frankfurt
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Trägerschaft Körperschaft des öffentlichen Rechts
Ort Frankfurt am Main
Bundesland Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 5′ 41″ N, 8° 39′ 40″ OKoordinaten: 50° 5′ 41″ N, 8° 39′ 40″ O
Ärztlicher Direktor Jürgen Graf
Versorgungsstufe Maximalversorgung
Betten 1497
Mitarbeiter ca. 4301 Voll- und Teilzeitbeschäftigte
davon Ärzte rund 1152
Zugehörigkeit Goethe-Universität Frankfurt am Main
Gründung 1914
Website kgu.de
Lage
Universitätsklinikum Frankfurt (Hessen)

Das Universitätsklinikum Frankfurt ist das Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (KGU) in Frankfurt am Main und ist damit eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Es befindet sich am Theodor-Stern-Kai in den Stadtteilen Niederrad und Sachsenhausen-Nord.

Zentralbau 2007
Senckenbergische Pathologie mit Kapelle 2008

GeschichteBearbeiten

Die Frankfurter Pläne zur Gründung einer universitätsmedizinischen Einrichtung reichen zurück ins Ende des 19. Jahrhunderts und wurden 1899 konkreter mit der Eröffnung des Kgl. Institut für experimentelle Therapie unter der Leitung von Paul Ehrlich. Unter Oberbürgermeister Franz Adickes wurden die Pläne zur Gründung einer Akademie für praktische Medizin vorangetrieben, unter deren Dach das städtische Krankenhaus und mehrere in Frankfurt existierende Institute, unter anderem aus den Bereichen Medizin, Anatomie, Pharmazie und Hygiene, zusammengefasst werden sollten.

Die Pläne für diese Akademie scheiterten im Jahre 1905. Sie wurden aber von Adickes weiterverfolgt waren wenige Jahre später Teil des Plans zur Gründung einer Universität, die sich wesentlich auf ortsansässige Stiftungen und Frankfurter Stifterinnen und Stifter – viele davon aus dem jüdisch geprägten Bürgertum – stützte. Am 28. September 1912 wurde der Stiftungsvertrag für die künftige Königlichen Universität zu Frankfurt am Main unterschrieben, die im Jahr 1914 ihren Betrieb aufnahm. Eine Medizinische Fakultät war von Anfang an Teil des Konzepts und entsprach weitgehend den alten Akademieplänen einer Zusammenfassung der Städtischen Kliniken Sachsenhausen mit den in Frankfurt vorhandenen Instituten. Zu den Gründungsinstituten gehörte auch das 1890 gegründete Carolinum, dem die zahnmedizinische Forschung oblag.

„Die medizinische Fakultät profitierte in ihren Anfängen von der Eingliederung bedeutender, bereits bestehender Stiftungseinrichtungen und konnte so rasch hervorragende Wissenschaftler und Ärzte verschiedener Fachdisziplinen in Therapie, Forschung und Lehre vereinen.“[1]

Die Geschichte des Klinikums in den 1920er Jahren war durch eine Reihe bekannter Forscher geprägt und durch innovative Lehr- und Forschungsgebiete. Dafür stehen Namen wie Leo Gans, Karl Herxheimer, Friedrich Dessauer oder Richard Koch. Ihre Reputation schützte sie jedoch nicht vor den Verfolgungen der Nationalsozialisten nach deren Machtübernahme im Januar 1933. Es ist neben Renate Heuer und Siegbert Wolf vor allem Udo Benzenhöfer zu verdanken, dass die Geschichte der von den Nationalsozialisten Verfolgten und Vertriebenen Wissenschaftler der Goethe-Universität in der NS-Zeit für die Medizinische Fakultät am weitestgehendsten erforscht ist.

KennzahlenBearbeiten

 
Forschungs- und Laborgebäude 2005

Das Universitätsklinikum ist bis heute geprägt durch eine Vielzahl integrierter Institute und An-Institute, die teilweise schon vor der Gründung der Universität bestanden. Es versteht sich heute als ein Krankenhaus der „forschungsnahen Maximalversorgung“.[2]

Von etwa 4300 Mitarbeitern waren 2018 etwa 1150 Ärzte bzw. Wissenschaftler und etwa 1185 Pflegekräfte. Jährlich werden etwa 51.000 stationäre und 450.000 ambulante Patienten versorgt. 4018 Studenten stehen 14 Hörsäle zur Verfügung.[3] Schulen und Weiterbildungsmöglichkeiten für Krankenpflege und technische Assistenten in der Medizin sind angeschlossen.[4] Mit einer Kapazität von 1497 Betten ist es, nach Anzahl der Betten, das größte Krankenhaus in Hessen vor dem Klinikum Kassel, dem Klinikum Fulda und den Krankenhäusern des vereinigten Universitätsklinikums Gießen und Marburg. Die früheren „Städtischen Kliniken Offenbach“ (heute Sana Klinikum Offenbach) wurden 2010 auf 926 Betten reduziert. Orthopädische Patienten werden in einem eigenständigen Krankenhaus versorgt, der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim, die auf einen 1909 in Wiesbaden gegründeten „Verein für Krüppelfürsorge“ zurückgeht.[5]

EinrichtungenBearbeiten

Das Universitätsklinikum Frankfurt beherbergt 25 medizinische Kliniken und Institute sowie weitere 25 Forschungsinstitute.[6] Es ist eines der deutschen Transplantationszentren und bietet eine Sonderisolierstation für die Behandlung von hochinfektiösen Patienten, betrieben durch die Infektiologie, die durch die Behandlung eines schwerst kranken Ebola Patienten bekannt wurde.[7] Seit Mitte der 1980er Jahre werden HIV-infizierte Patienten behandelt und die Erkrankung AIDS erforscht.[8] Das Krankenhaus ist auf eine MANV-Situation vorbereitet und führte 2009 eine diesbezügliche Übung durch.[9]

Klinik- und InstitutsgebäudeBearbeiten

 
Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Neubaus von 2007[10]

Die Kliniken wurden im Pavillonstil errichtet. Mit einer Fläche von rund 460.000 Quadratmetern ist das Gelände des Universitätsklinikums etwa so groß wie die Frankfurter Altstadt. In den 1970er Jahren kamen weitere Gebäude und ein langgestreckter, die Anlage dominierender Zentralbau hinzu. Kompakte, prozessoptimierte Bauten ermöglichen kurze Wege für Patienten, Personal und Material; die Gebäudetechnik hat sich weiterentwickelt.

2004 wurden ein neues Hörsaalgebäude und ein „Forschungsturm“ in Betrieb genommen. Darauf folgte Ende 2007 eine Erweiterung des Zentralbaus, die die zentrale Notaufnahme, bildgebende Diagnostik, die Operationsabteilung und eine Intensivstation beherbergt. Auf dem Dach ist ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet. Die Sanierung des Zentralbaus und seiner Fassade war 2011 fertiggestellt worden, weitere Baumaßnahmen folgten.[11]

BaumaßnahmenBearbeiten

Neben den oben beschriebenen, bereits fertiggestellten Um- und Neubauten verfolgt das Universitätsklinikum einen weitreichenden Umbauplan. Ziel dessen ist es, die Kliniken, klinischen Institute und klinischen Zentren räumlich näher zusammenzubringen und somit Synergieeffekte nutzen zu können. Außerdem wird im Zuge dessen eine Modernisierung und Anpassung an die Auslastung des Klinikums umgesetzt. Der Umbau wird vom Dezernat 4, Bauliche Entwicklung, der Uniklinik gemeinsam mit dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen umgesetzt.[12]

Aktuell erfolgt der Bau eines neuen Wirtschaftsgebäudes, in welchem eine Kantine, eine Küche und Seminarräume untergebracht werden sollen, und eines neuen Eltern-Kind-Zentrums. In letzterem sollen die Geburtshilfe und die Neonatologie, welche sich aktuell am anderen Ende des Klinikgeländes befinden, näher mit der Kinderklinik verbunden werden. Auch soll hier ein neonatologisches Versorgungszentrum mit Intensivstation der höchsten Klassifizierungsstufe (Level-1-Zentrum) entstehen.[13]

Des Weiteren wird aktuell an das Haupthaus (Haus 23), an der Main-abgewandten Seite, ein großer Anbau realisiert.[14] In diesem soll die Zentralisierung der Kliniken weiter vorangebracht werden (beispielsweise durch Umzug der Klinik für Neurologie) und außerdem die OP- und Intensivkapazitäten des Klinikums ausgebaut werden. Dazu entstehen mehrere neue Normalstationen, eine Intensivstation und ein weiterer OP-Bereich mit acht Sälen, inklusive eines so genannten Hybrid-OPs.[15]

Das neue Audimax mit Platz für 550 Studierende wurde 2016 fertiggestellt.[16] Zum Wintersemester 2017/18 konnten erstmals neue Erstsemester in dem Hörsaal begrüßt werden. Ebenfalls wurde 2016 das so genannte "Medicum" fertiggestellt, in dem das Dekanat des Fachbereichs, Prüfungs- und Seminarräume sowie eine komplette Simulationsklinik (inklusive Stationsbetten, einem OP-Saal und themenspezifischen Übungsräumen, wie einem "Messie-Raum") untergebracht sind.[17] Betrieben wird die Simulationsklinik vom Frankfurter interdisziplinären Simulationstraining, kurz "FIneST".[18]

KontroversenBearbeiten

Die Zeitschrift Der Spiegel berichtete im Dezember 2018 von Unregelmäßigkeiten in der nuklearmedizinischen Therapie bei Prostatakrebsleiden.[19] Laut dem Artikel seien Patienten systematisch mit einem neuartigen Therapieansatz behandelt worden (PSMA-Therapie). Die Behandlung sei entgegen den Empfehlungen des klinikeigenen Tumorboards und nicht im Einklang mit den medizinischen Leitlinien erfolgt. Die Klinik wies die Vorwürfe zurück, außerdem sei der in dem Artikel erwähnte Oberarzt schon länger nicht mehr für das Universitätsklinikum Frankfurt am Main tätig.[20]

LiteraturBearbeiten

  • Udo Benzenhöfer: Universitätsmedizin in Frankfurt am Main von 1914 bis 2014. Kontur-Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-944998-01-5.
  • Udo Benzenhöfer: Die Frankfurter Universitätsmedizin zwischen 1933 und 1945. klemm + oelschläger, Münster/Ulm 2012, ISBN 978-3-86281-050-5.
  • Udo Benzenhöfer, Monika Birkenfeld: Angefeindete, vertriebene und entlassene Assistenten im Bereich der Universitätsmedizin in Frankfurt am Main in der NS-Zeit, Klemm + Oelschläger, Münster 2016, ISBN 978-3-86281-097-0.
  • Udo Benzenhöfer: Die Geschichte der Frankfurter Universitätsmedizin. (Download über Universitätsklinikum Frankfurt)
  • Renate Heuer, Siegbert Wolf (Hrsg.): Die Juden der Frankfurter Universität, Campus Verlag, Frankfurt/New York 1997, ISBN 3-593-35502-7.

Siegmund Drexler, Siegmund Kalinski, Hans Mausbach: Ärztliches Schicksal unter der Verfolgung 1933 – 1945. Eine Denkschrift. VAS-Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-88864-025-3.

WeblinksBearbeiten

Commons: Universitätsklinik Frankfurt am Main – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Geschichte der Frankfurter Universitätsmedizin
  2. Udo Benzenhöfer: Die Geschichte der Frankfurter Universitätsmedizin, S. 23
  3. Das Universitätsklinikum Frankfurt in 2018 in Zahlen. In: Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Abgerufen am 1. Februar 2020.
  4. Website der Universitätsklinik. Abgerufen am 29. September 2010.
  5. www.orthopaedische-uniklinik.de Klinikgeschichte
  6. Website der Universitätsklinik. Abgerufen am 30. September 2010.
  7. Zweiter Ebola-Patient in Deutschland wird in der Uniklinik Frankfurt behandelt. In: aerzteblatt.de. 3. Oktober 2014, abgerufen am 22. April 2022.
  8. Traurige Bilanz. In: Der Spiegel. Nr. 33, 1986 (online).
  9. Pressemitteilung vom 12. November 2009
  10. http://www.helipad.org/app/default.asp?padId=712
  11. Website der Universitätsklinik. Abgerufen am 9. März 2015.
  12. Website des Dezernat 4 - Bauliche Entwicklung der Uniklinik Frankfurt. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  13. Eltern-Kind-Zentrum Universitätsklinikum Frankfurt | h2s. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  14. Universitätsklinikum Frankfurt - Haus 23 DEF. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  15. Universitätsklinikum Frankfurt - Haus 23 DEF - OP-Bereich. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  16. Universitätsklinikum Frankfurt - Audimax Haus 22A. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  17. Universitätsklinikum Frankfurt - Medicum Haus 10A. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  18. Goethe-Universität Frankfurt The patient died, but we can try again - 1. Abgerufen am 7. Januar 2019.
  19. Kristina Gnirke, Nicolai Kwasniewski: PSMA-Therapie gegen Prostatakrebs: Das Geschäft mit der Hoffnung. In: Spiegel Online. 20. Dezember 2018 (spiegel.de [abgerufen am 7. Januar 2019]).
  20. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Ärger um Therapie von Krebspatienten am Universitätsklinikum... 20. Dezember 2018, abgerufen am 7. Januar 2019.