Renate Heuer

deutsche Archivleiterin

Renate Heuer (* 12. Januar 1928 in Lüneburg; † 2. April 2014)[1] war eine deutsche Germanistin. Sie war Lehrbeauftragte für deutsch-jüdische Literatur an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

WerdegangBearbeiten

Renate Heuer besuchte von 1938 bis 1947 die Wilhelm-Raabe-Oberschule in Lüneburg. Sie promovierte 1955 an der Universität zu Köln mit einer Dissertation über Wilhelm Raabe zur Dr. phil.

1983 gründete Heuer das von ihr bis 2014 geleitete Archiv Bibliographia Judaica e.V. mit dem Ziel, den jüdischen Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte von 1750 bis zur Gegenwart zu erfassen. Die genealogisch-biographische Namenskartei und die bibliographische Kartei umfassen derzeit über 45.000 Autoren.[2] Das Projekt der Bibliographia Judaica hatte sie von dem israelischen Dichter Elazar Benyoëtz übernommen, der 1963 nach Berlin gekommen war, um mit den Recherchen zu beginnen.

Heuer war Herausgeberin des zwischen 1992 und 2012 erschienenen Lexikons deutsch-jüdischer Autoren sowie der seit 1995 vom Campus Verlag verlegten Reihe Campus Judaica[3], mit der der jüdische Beitrag zur deutschen Geistes- und Kulturgeschichte in Einzeldarstellungen dokumentiert wird. Diese Reihe war bis 2011 auf 27 Bände angewachsen. Weiterhin wurde unter ihrer Leitung eine in mehrere Unterabteilungen aufgefächerte Mikrofiche-„Dokumentation zur jüdischen Kultur in Deutschland 1840–1940“ erstellt und vom K. G. Saur Verlag herausgebracht. Von 1981 bis 1996 erschien das von ihr bearbeitete Verzeichnis jüdischer Autoren deutscher Sprache „Bibliographia Judaica“. Zum Erscheinen der „Bibliographia“ schrieb Benyoëtz: „Daß sie in ihren 16 Bänden heute im Münchner Saur Verlag erscheinen kann, ist das Verdienst Renate Heuers, deren Lebenswerk die Bibliographia Judaica geworden ist. Es ist gleichsam das größte Monument, das eine Deutsche aus eigener Verantwortung, unter Einsatz ihrer besten Lebensjahre, dem untergegangenen deutschen Judentum errichtet hat.“[4]

Am 4. Oktober 2007, dem 17. Jahrestag der Deutschen Einheit, wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.[5]

VeröffentlichungenBearbeiten

  • 1955: Individualität und Allgemeinheit bei Wilhelm Raabe, Diss. Univ. Köln
  • 2000: Helene Adolf: Wienerin – Emigrantin – Professor of German. Campus, Frankfurt am Main / New York, CY. ISBN 3-593-36457-3.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Traueranzeige. In: Frankfurter Rundschau vom 12. April 2014 (abgerufen am 13. April 2014). Druckausgabe S. 39
  2. Homepage des Archivs Bibliographia Judaica e.V. (Memento des Originals vom 18. April 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/user.uni-frankfurt.de
  3. Verzeichnis des Campus-Verlag (Memento des Originals vom 28. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.campus.de
  4. Elazar Benyoëtz, Allerwegsdahin. Mein Weg als Jude und Israeli ins Deutsche, Zürich/Hamburg 2001, S. 64.
  5. Pressemitteilung Uni-Frankfurt