TeamViewer AG

deutsches Softwareunternehmen

Die TeamViewer AG ist ein internationales Technologieunternehmen mit Sitz in Göppingen und Niederlassungen auf allen Kontinenten.[2][3] Das Unternehmen wurde durch die gleichnamige Fernwartungssoftware TeamViewer bekannt.[4] Die TeamViewer AG bietet ihren Kunden heute eine globale Plattform zur Vernetzung, Überwachung und Steuerung von Computern, Maschinen und Anlagen sowie anderen Geräten.[5][6] Die TeamViewer-Software wird in Unternehmen jeder Größe und aus allen Branchen eingesetzt und beispielsweise auch zur Digitalisierung von Prozessen in der industriellen Wertschöpfungskette genutzt.[7] Die TeamViewer AG gilt als Marktführer in ihrem Bereich.[8] Das Unternehmen ist börsennotiert und Mitglied des MDAX und TecDAX.[9][10]

TeamViewer AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A2YN900
Gründung 2019 (2005 als GmbH)
Sitz Göppingen, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 879[1]
Umsatz 390,2 Mio. Euro[1]
Branche Software
Website www.teamviewer.com
Stand: 31. Dezember 2019

GeschichteBearbeiten

Gründung und WachstumsphaseBearbeiten

Die Gründung von TeamViewer geht auf die Veröffentlichung der ersten Version der TeamViewer-Software im Jahr 2005 zurück. Um Reisen zu Kunden zu reduzieren und Qualitätsmanagement-Software aus der Ferne präsentieren zu können, entwickelte der Gründer der Rossmanith GmbH die TeamViewer-Software.[11] Die Software wurde zum Kernprodukt der TeamViewer GmbH, die heute als TeamViewer Germany GmbH firmiert.[12] Das Geschäftsmodell des Unternehmens erlaubte privaten Anwendern eine kostenlose Nutzung der Software, während Firmen eine kostenpflichtige Lizenz erwerben mussten. Dieses Modell wird bis heute fortgeführt.[13]

2010 wurde die TeamViewer GmbH von GFI Software gekauft. 2014 übernahm die britische Private-Equity-Gesellschaft Permira TeamViewer und unterstützte das Unternehmen bei der Entwicklung der internationalen Kundenbasis und der Erweiterung des Anwendungsbereichs der Produkte.[14] Mit einem Kaufpreis von rund einer Milliarde US-Dollar wurde das Unternehmen als sogenanntes „Einhorn“ eingestuft, die Bezeichnung für ein nicht an der Börse gelistetes Unternehmen, das mindestens eine Milliarde US-Dollar wert ist.[15][16]

Börsengang und GegenwartBearbeiten

Ab Anfang 2018 stellte das Unternehmen sein Geschäftsmodell vom bisherigen Lizenzverkauf auf Abonnements um.[17] Damit folgte man einem allgemeinen Trend der IT-Branche und verhalf der TeamViewer GmbH zu weiterem Wachstum.[18][19][20] Zur Vorbereitung auf einen Börsengang wurde 2019 eine neue Unternehmensstruktur geschaffen. Die neu geschaffene TeamViewer AG wurde Eigentümerin der dann umbenannten TeamViewer Germany GmbH.[21][22]

Die Erstnotierung an der Frankfurter Wertpapierbörse im September 2019 stieß auf starkes Interesse der Anleger.[23][24][25] Mit einem Emissionsvolumen von 2,2 Milliarden Euro war es der größte Börsengang eines deutschen Technologieunternehmens seit dem Jahr 2000 und der größte Börsengang Europas im Jahr 2019.[26] Bereits Ende 2019 wurde die Aktie der TeamViewer AG in den MDAX[27] und den TecDAX aufgenommen.[28] Mit der Übernahme der Ubimax GmbH, einem führenden Hersteller von Augmented-Reality-Software für Datenbrillen und sonstige Wearables, erweiterte TeamViewer 2020 sein Portfolio insbesondere bei Lösungen für die Industrie 4.0.[29]

UnternehmensstrukturBearbeiten

RechtsformBearbeiten

Die TeamViewer AG ist eine deutsche Aktiengesellschaft. Sie bildet mit ihren in- und ausländischen Tochtergesellschaften den TeamViewer-Konzern. Zu den wichtigsten Tochtergesellschaften zählt die TeamViewer Germany GmbH, die für das operative Geschäft verantwortlich ist.[1]

Die Aktien der TeamViewer AG werden im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt.[30] Rund 72 % der Aktien der TeamViewer AG befinden sich im Streubesitz. Wichtige Aktionäre sind Permira, die Capital Group und BlackRock.[31]

ManagementBearbeiten

Der Vorstand der TeamViewer AG besteht aus Oliver Steil (Chief Executive Officer, CEO) und Stefan Gaiser (Chief Financial Officer, CFO).[32][33] Die erweiterte Geschäftsführung (Senior Leadership Team) besteht aus neun Personen.[34] Der Aufsichtsrat der TeamViewer AG hat sechs Mitglieder. Ihr Vorsitzender ist Abraham Peled.[35]

StandorteBearbeiten

Die Hauptverwaltung der TeamViewer AG befindet sich am Bahnhofsplatz in Göppingen.[36] Das dortige Gebäude war von der Stadt errichtet worden und sollte ursprünglich als Erweiterung des Rathauses genutzt werden,[37] bevor es dem stark wachsenden Unternehmen angeboten wurde, um es in Göppingen zu halten.[38][39]

International besitzt die TeamViewer AG zahlreiche Niederlassungen und Standorte auf allen Kontinenten, darunter ein Forschungs- und Entwicklungszentraum in Ioannina auf dem griechischen Festland.[40]

ProdukteBearbeiten

TeamViewerBearbeiten

Bekannt wurde TeamViewer vor allem mit einer Lösung für den Fernzugriff auf sowie die Fernsteuerung und die Fernwartung von Computern und mobilen Endgeräten.[41] Die Software namens TeamViewer unterstützt alle gängigen Desktop-, Smartphone- und Tablet-Betriebssysteme, einschließlich Windows, macOS, Android und iOS.[42] Für die private, nicht-kommerzielle Nutzung ist die Software kostenlos.[43]

PlattformBearbeiten

Die TeamViewer-Plattform ermöglicht die Vernetzung einer Vielzahl von Geräten in Unternehmen jeder Größenordnung und aus allen Branchen.[44][45] Zudem bietet TeamViewer Augmented-Reality-Anwendungen, um Facharbeitern in der Industrie ihre Arbeitsprozesse mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu erleichtern oder um Servicetechniker aus der Ferne dabei zu unterstützen, komplexe Probleme an Maschinen und Anlagen zu lösen.[46]

Das Angebot von TeamViewer umfasst derzeit:

  • TeamViewer: Fernzugriff, Fernsteuerung und Fernwartung von Computern, Smartphones und Tablets
  • TeamViewer Tensor: TeamViewer-Suite für Großunternehmen mit vielen Endgeräten
  • TeamViewer IoT: Fernzugriff, Steuerung und Automatisierung von Maschinen und Anlagen bzw. allen Geräten, die im Internet der Dinge miteinander vernetzt werden
  • TeamViewer Frontline: Digitalisierung von Prozessen entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette (außerhalb des klassischen Bürobetriebs)
  • TeamViewer Pilot: Fernwartung mit Augmented Reality-Unterstützung
  • TeamViewer Remote Management: zentrales Management kompletter IT-Infrastrukturen
  • TeamViewer Meeting: Software für Videokonferenzen, Online-Meetings und die Zusammenarbeit in Unternehmen

Es gibt Schnittstellen zu anderen Anwendungen und Diensten, etwa Microsoft Teams.[47]

KritikBearbeiten

2019 berichtete Der Spiegel über eine Cyberattacke auf das TeamViewer-Netzwerk.[48] Das Unternehmen stellte klar, man habe keine Belege für die Entwendung von Kundendaten oder die Infektion von Kundensystemen gefunden. Auch der Quelltext der TeamViewer-Software sei nicht manipuliert worden.[49]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Geschäftsbericht 2019. (PDF) TeamViewer AG, 25. März 2020, abgerufen am 4. Februar 2020.
  2. TeamViewer AG. In: Bloomberg. Abgerufen am 4. Februar 2020 (englisch).
  3. Nico Pointner: Das Einhorn von Göppingen. In: Frankfurter Rundschau. 6. Januar 2017, S. 15.
  4. Lisa Hegemann: Ein schwäbisches Digitalwunder. In: Zeit Online. 25. September 2019, abgerufen am 4. Februar 2020.
  5. Jens Tönnesmann: Die Weltvernetzer. In: Die Zeit. 8. Dezember 2016, S. 34 (zeit.de [abgerufen am 4. Februar 2021]).
  6. Michael Kroker: Das Ding versteht Schwäbisch. In: WirtschaftsWoche. 5. Mai 2017, abgerufen am 4. Februar 2020.
  7. Susanne Preuß, Bastian Benrath: Schwäbischer Tech-Konzern: Was TeamViewer hinter den Kulissen plant. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. November 2020, abgerufen am 4. Februar 2021.
  8. Software-Riese Teamviewer: Weltmarktführer aus der Provinz. In: Stern. 5. Januar 2017, abgerufen am 4. Februar 2021.
  9. MDAX. Börse Frankfurt, abgerufen am 4. Februar 2020.
  10. TecDAX. Börse Frankfurt, abgerufen am 4. Februar 2020.
  11. Larissa Holzki, Christof Kerkmann, Effy Zhang: Per Mausklick in die Firma. In: Handelsblatt. 5. Juni 2020, S. 27 (handelsblatt.com [abgerufen am 4. Februar 2020]).
  12. About TeamViewer. Rossmanith GmbH, archiviert vom Original am 19. April 2005; abgerufen am 4. Februar 2020.
  13. Hannah Scherkamp:: TeamViewer: So läuft’s beim schwäbischen Hidden Champion. In: Gründerszene. 30. Oktober 2015, abgerufen am 4. Februar 2020.
  14. Klaus Max Smolka: TeamViewer geht an Permira. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Juli 2014, abgerufen am 4. Februar 2020.
  15. Michael Rasch: Reiter eines deutschen Einhorns. In: Neue Zürcher Zeitung. 28. November 2016, S. 21.
  16. Das Einhorn von Göppingen. In: Handelsblatt. 7. Januar 2017, abgerufen am 4. Februar 2020.
  17. Robert Landgraf: Reifeprüfung Börsengang. In: Handelsblatt. 13. September 2019, abgerufen am 4. Februar 2020.
  18. Michael Kroker: TeamViewer-CEO Steil: „Die DSGVO ist für uns ein Wettbewerbsvorteil.“ In: WirtschaftsWoche. 31. Oktober 2018, abgerufen am 4. Februar 2020.
  19. Sebastian Schmid: TeamViewer behält Übernahmen im Blick. In: Börsen-Zeitung. 23. Februar 2019, S. 11.
  20. „Permira steht für Wachstum.“ In: Börsen-Zeitung. 22. Dezember 2015, S. 11.
  21. Larissa Holzki, Peter Köhler, Robert Landgraf: TeamViewer strebt an die Börse. In: Handelsblatt. 23. August 2019, S. 21.
  22. Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 4. Februar 2020.
  23. Heidi Rohde: TeamViewer stößt auf hohes Interesse. In: Börsen-Zeitung. 13. September 2019, S. 9.
  24. Arno Konkel: Begehrtes IT-Einhorn. In: Focus Money. 18. September 2019, S. 10–11.
  25. Peter Köhler, Robert Landgraf: Was Anleger zu Teamviewer wissen müssen. In: Handelsblatt. 25. September 2019, S. 32.
  26. Thorsten Mumme: Superlative ohne Ende. In: Der Tagesspiegel. 21. September 2019, S. 17.
  27. Andreas Cünnen: Überraschender MDAX-Aufsteiger. In: Handelsblatt. 4. Dezember 2019, S. 39.
  28. Andreas Cünnen: Indexwechsel: Das sind die neuen Aktien im DAX, SDAX und TecDAX. In: Handelsblatt. 4. Dezember 2019, abgerufen am 4. Februar 2020.
  29. Christoph Kapalschinski: TeamViewer zahlt 136 Millionen für Ubimax. In: Handelsblatt. 20. Juli 2020, abgerufen am 21. September 2020.
  30. Basisinformationen. TeamViewer AG, abgerufen am 4. Februar 2020.
  31. Aktionärsstruktur. TeamViewer AG, abgerufen am 4. Februar 2020.
  32. Oliver Steil / Executive Profile. In: The Wall Street Journal. Abgerufen am 4. Februar 2020 (englisch).
  33. Stefan Gaiser / Executive Profile. In: The Wall Street Journal. Abgerufen am 4. Februar 2020 (englisch).
  34. Unternehmensleitung. TeamViewer AG, abgerufen am 4. Februar 2021.
  35. Abraham Peled / Executive Profile. In: The Wall Street Journal. Abgerufen am 4. Februar 2020 (englisch).
  36. Impressum. TeamViewer AG, abgerufen am 16. Oktober 2020.
  37. Firma will ins neue Rathaus. In: Neue Württembergische Zeitung. 22. Januar 2019.
  38. TeamViewer darf ins Rathaus. In: Neue Württembergische Zeitung. 15. Februar 2019.
  39. Stadt plant für Unternehmen um. In: Neue Württembergische Zeitung. 6. Dezember 2019, S. 19.
  40. Zusätzlicher Standort: TeamViewer will weiter wachsen. In: Südwest Presse. 24. Januar 2020, abgerufen am 16. Oktober 2020.
  41. Wie geht das? TeamViewer ermöglicht Hilfe aus der Ferne. In: Berliner Zeitung. 29. Dezember 2007, S. 8.
  42. Franz Công Bùi: TeamViewer-App ermöglicht Zugriff auf Computer aus der Ferne. In: Börsen-Zeitung. 1. August 2012, S. 19.
  43. Georg Drabner: Hilfe aus der Ferne. In: Saarbrücker Zeitung. 24. April 2009.
  44. Sebastian Schmid: Die Zukunft ist ferngesteuert. In: Börsen-Zeitung. 26. September 2019, S. 8.
  45. Armin Mahler: Herr der Dinge. In: Der Spiegel. 25. Juni 2016, S. 70 (spiegel.de [abgerufen am 4. Februar 2021]).
  46. Teamviewer Buy Augmented Reality Firm Ubimax. Reuters, 15. Juli 2020, abgerufen am 4. Februar 2020 (englisch).
  47. Jörn Brien: Microsoft Teams erhält TeamViewer-Integration. In: t3n. yeebase media, 5. September 2020, abgerufen am 16. Oktober 2020.
  48. Marcel Rosenbach: Zugriff aus Fernost. In: Der Spiegel. 18. Mai 2019, S. 74.
  49. Stefan Beiersmann: TeamViewer wehrt Angriff mutmaßlicher chinesischer Hacker ab. In: ZDNet. 20. Mai 2019, abgerufen am 29. Oktober 2020.