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Tatort: Schützlinge

Episode der Fernsehserie Tatort

Schützlinge ist ein Fernsehfilm aus der Kriminalreihe Tatort. Der vom WDR unter der Regie von Martin Eigler produzierte Film wurde am 3. März 2002 im Ersten Programm der ARD ausgestrahlt. Es ist der 19. Fall des Kölner Ermittler-Teams Ballauf und Schenk und die 493. Tatortfolge.

Folge der Reihe Tatort
OriginaltitelSchützlinge
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
WDR
Länge86 Minuten
EinordnungFolge 493 (Liste)
Erstausstrahlung3. März 2002 auf Das Erste
Stab
RegieMartin Eigler
DrehbuchSönke Lars Neuwöhner,
Sven S. Poser
ProduktionAnke Scheib,
Katja De Bock
Musik Wolfgang Böhmer
KameraBenjamin Dernbecher
SchnittClaudia Wolscht
Besetzung

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Als die drei Jugendlichen Oktay Kutlucan, Jürgen Eckert und sein Bruder Andy in eine Lagerhalle einbrechen, finden sie dort die Leiche des Verwalters Volker Andresen vor. Da die Polizei schon am Tatort ist, gelingt es ihnen Andy festzunehmen, während die anderen beiden die Flucht ergreifen. Das Verhör gestaltet sich schwierig, da der Junge gehörlos ist - das aber noch keiner weiß. In Panik springt Andy bei einer günstigen Gelegenheit aus dem Fenster, was jedoch für ihn tödlich endet. Kommissar Freddy Schenk plagen nun Schuldgefühle, zumal sich später herausstellt, dass Andy tatsächlich unschuldig war.

Unvermittelt geschieht ein zweiter Mord. Horst Merz, der Besitzer der Lagerhalle und weiterer Mietshäuser, wird tot aufgefunden. Da ein Streit mit seinem Mieter Balzer polizeilich geschlichtet werden musste, wollen Ballauf und Schenk mit dem Hobbyboxer Erwin Balzer reden. Der ist jedoch nicht in seiner Wohnung anzutreffen, dafür können sie von einer Nachbarin erfahren, dass Andresen als Hausverwalter von Merz von diesem angehalten war, die Mieter aus dem Haus zu vergraulen. Für Schenk steht fest, dass Balzer ihr Täter in beiden Fällen sein muss, zumal sich seine Fingerabdrücke am Tatort des ersten Mordes nachweisen lassen. Ballauf will sich aber nicht voreilig festlegen.

Zum Grundstück des Mietshauses, in dem Balzer wohnt, gehört auch ein Kulturzentrum für Gehörlose, das "Exil". Dort sehen sich die Ermittler um und treffen auf Jennifer Hoffmann, die zusammen mit ihrem Mann Michael das Zentrum leitet. Sie kannte auch Andy, weil er oft ins "Exil" kam und sie ihn in der Gebärdensprache unterrichtet hatte. Franziska findet heraus, dass Andy einen Bruder hat, der bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten ist. Das erklärt Ballauf Andys Panik vor der Polizei.

Erwin Balzer kann festgenommen werden und wird verhört. Er gibt zu, sich massiv mit Andresen und auch Merz gestritten zu haben. Andresen hätte ihn "angemacht" und er hätte sich nur gewehrt, mit den Fäusten. Merz hätte er aber nicht umgebracht. Er kann sich erinnern, dass Merz sich auch mit einer jungen Frau und ihrem Freund gestritten hat, die er beide öfter im "Exil" gesehen hat. Schenk ist sich auch sicher, dass der Mörder von Merz gehörlos gewesen sein muss, da er das Radio nicht ausgestellt hatte.

Andys einziger Freund Oktay Kutlucan, der ebenfalls gehörlos ist und bei dem Einbruch dabei war, sucht bei Andys Bruder Jürgen Unterschlupf. Da er immer noch Angst hat von der Polizei gefasst zu werden, meidet er seine eigene Wohnung. Jürgen wird inzwischen von der Polizei festgenommen, als er mit blutverschmiertem Geld ertappt wird. Er gibt zu, dass er zusammen mit seinem Bruder und Oktay Kutlucan den Einbruch begangen hat, bei dem sie das Geld mitgenommen haben. Ermordet hätte er aber niemanden, denn schließlich lag der Verwalter schon tot am Boden. Ballauf und Schenk wollen Kutlucan befragen, doch der ist flüchtig. Auch seine Freundin Svenja ist auf der Suche nach ihm. In der Hoffnung, dass er im "Exil" auftaucht, warten die Ermittler dort, so wie auch Svenja. Als Kutlucan die Polizisten bemerkt, flieht er wieder und trifft dabei auf Michael Hoffmann, der ihm hilft. Svenja spricht mit Schenk und kann sich erinnern, dass Jennifer Hoffmann in der Mordnacht zu Merz wollte. So wird diese befragt, und sie räumt ein, dass Merz alle gedemütigt hätte. Er wollte sie alle "kaputtmachen" und das hätte er sogar genossen. In diesem Moment wäre ihr alles egal gewesen und da eine Waffe auf seinem Tisch lag, hat sie die genommen und abgedrückt. Oktay Kutlucan hätte alles mitangesehen und wollte sie schützen. Deshalb hat er sich den polizeilichen Zugriffen entzogen. Jennifer Hoffmann wird festgenommen.

HintergrundBearbeiten

Schützlinge wurde von Colonia Media im Auftrag des WDR produziert. Die Dreharbeiten erfolgten in Köln und Bonn.[1][2]

Für die Schauspieler waren die Dreharbeiten eine ganz besondere Herausforderung, denn einige von ihnen mussten erst mal die Gebärdensprache lernen. Andere allerdings nicht: Der gleichfalls gehörlose Darsteller des Leiters vom Jugendzentrum, Marco Lipski, ist Redakteur des Bayerischen Rundfunks und betreut dort die Sendung für Gehörlose: Sehen statt Hören.

RezeptionBearbeiten

EinschaltquotenBearbeiten

Bei seiner Erstausstrahlung am 3. März 2002 wurde die Folge Schützlinge in Deutschland von 8,20 Millionen Zuschauer gesehen, was einem Marktanteil von 22,60 Prozent entsprach.[1]

KritikBearbeiten

Tilmann P. Gangloff von Kino.de lobt den Tatort und schreibt: „Es ist eine fremde Welt, in die dieser ‚Tatort‘ entführt. Wer nicht gerade der Gebärdensprache mächtig ist, bleibt oftmals auf Untertitel angewiesen. […] Schade nur, dass Regisseur Martin Eigler, der die Geschichte auch initiiert hat, seiner Linie nicht treu bleibt: Wann immer ein Mensch mit Stimme in Gebärdensprache spricht, übersetzt er fürs Publikum, was seine Hände gerade erzählen; das wirkt in Filmen dieser Art stets etwas seltsam. Ansonsten aber ist ‚Schützlinge‘ ein ausgezeichneter Köln-Krimi, der seine Zuschauer behutsam auf eine Reise in die Welt der Stille mitnimmt, ohne dabei auf die liebgewonnenen Versatzstücke (der übliche Zwist zwischen Schenk/Ballauf) zu verzichten.“[3]

Die Kritiker der Fernsehzeitschrift TV Spielfilm urteilen: „Unverfälschter Einblick in den Alltag Gehörloser. Feinfühlige und engagierte Krimifolge.“[4]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Drehort und Einschaltquote bei fundus.de, abgerufen am 11. Oktober 2014.
  2. Drehort bei Internet Movie Database, abgerufen am 11. Oktober 2014.
  3. Tilmann P. Gangloff: Filmkritik bei tittelbach.tv, abgerufen 11. Oktober 2014.
  4. Kurzkritik bei tvspielfilm.de, abgerufen am 11. Oktober 2014.