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Geographische LageBearbeiten

Straduny liegt 7 km nördlich der Kreisstadt Ełk (Lyck) in Richtung Gołdap (Goldap) an einer Biegung des Flüsschens Lyck (polnisch Ełk) im Osten Masurens.

Straduny liegt inmitten dreier Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wirbt man seit den 1990er Jahren auch um deutsche Touristen.

OrtsnameBearbeiten

Der Name Stradaunen leitet sich vom lateinischen strada una (= eine Straße) her. Stradaunen war also ein Straßendorf, das auf dem Weg lag, welchen der Deutsche Orden nach Litauen benutzte. Auch in der Namenswandlung nach 1945 erhielt sich der Kern der Bedeutung.

GeschichteBearbeiten

Im Jahre 1475 wurde Stadaunen[3] – ein Dorf mit Kirche, Domäne und Gut – durch die Handfeste von Bernhard von Balzhofen, dem Komtur von Brandenburg (russisch Uschakowo), gegründet.[4] Um 1508 wurde erstmals ein Amt mit einem Wirtschaftshof, später Domäne, erwähnt, aus dem um 1528 die Verwaltungsstelle eines herzöglichen Hauptamtes hervorging. Zuständig war es für das Gebiet des späteren Kreises Oletzko sowie mehrere Kirchspiele im Kreis Lyck. 1565 verlegte man das Amt nach Marggrabowa (umgangssprachlich auch: Oletzko, 1933 bis 1945 Treuburg, polnisch Olecko).[4]

Im Jahre 1818 wurde Stradaunen als Kirchdorf mit 46 Feuerstellen bei 450 Seelen erwähnt.[5] Am 27. Mai 1874 wurde der Ort Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk,[6] der bis 1945 bestand und zum Kreis Lyck im Regierungsbezirk Gumbinnen (ab 1905: Regierungsbezirk Allenstein) der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. In Stradaunen eingemeindet waren die Ortschaften Felsenhof (polnisch Skup), Johannisberg (Janisze) und Löbelsdorf (Chojniak).[5]

Das Gut mit seinen 440 Hektar und einer Brennerei war in staatlicher Hand, bis es ab 1905 verpachtet wurde. Stradaunen verzeichnete im Jahre 1910 insgesamt 792 Einwohner, von denen 599 zur Gemeinde und 193 zum Gutsbezirk gehörten.[7] Im Jahre 1928 wurde das Gut Stradaunen in die Landgemeinde Stradaunen eingegliedert. Die Gesamateinweohnerzahl belief sich 1933 auf 773 und betrug 1939 bereits 801.[8]

Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung machten aus Stradaunen einen nahezu verwaisten Ort.

Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde im Versailler Vertrag festgelegt, dass Polen Gebiete mit überwiegend polnischer Bevölkerung erhalten sollte. In anderen Gegenden sollten Volksabstimmungen stattfinden. In Stradaunen sprachen sich alle 553 stimmberechtigten Bürger für den Verbleib im Deutschen Reich aus. Der zur Erinnerung an dieses Ergebnis 1936 aufgestellte Gedenkstein wurde 1945 von polnischer Seite gesprengt.

Am 29. Oktober 1944 fand in der Kirche von Stradaunen der letzte evangelische Gottesdienst statt. Am 3. Mai 1946 wurde sie zu einer polnischen katholischen Kirche geweiht.

Während des Zweiten Weltkrieges kam es in und um Stradaunen zu keinen Kampfhandlungen. Daher blieben die Gebäude des Dorfes weitgehend unversehrt. Lediglich das Pfarrhaus, das ein Stab der Wehrmacht zuletzt genutzt hatte, wurde kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee am 18. Januar 1945 gesprengt, weil sich dort wichtige Unterlagen befanden.

Außerdem sprengte die deutsche Wehrmacht die drei Brücken über den Lyck-Fluss. Zwei davon wurden später von deutschen Kriegsgefangenen wieder aufgebaut.[9]

Im Jahre 1945 wurde Stradaunen mit dem gesamten südlichen Ostpreußen an Polen überstellt und führt seither die polnische Namensform „Straduny“. Es ist heute Sitz eines Schulzenamtes (polnisch sołectwo)[10] und somit eine Ortschaft im Verbund der Gmina Ełk im Powiat Ełcki innerhalb der Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Aus dem Gutshaus im alten Park ist heute ein Pensionsbetrieb geworden.[4]

Amtsbezirk Stradaunen (1874–1945)Bearbeiten

Zum Amtsbezirk Stradaunen gehörten anfangs sieben Dörfer. Ihre Zahl blieb trotz struktureller Veränderungen bis zum Ende gleich:[6]

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Name Bemerkungen
Groß Malinowken Großschmieden Malinówka Wielka
Klein Malinowken Kleinschmieden Malinówka Mała 1928 nach Groß Malinowken eingemeindet
Piasken (ab 1927:)
Klein Rauschen
Piaski
Schikorren
(Ksp. Stradaunen)
(ab 1927:)
Wellheim
Sikory Juskie
Stradaunen Straduny
Stradaunen (Gut) 1928 in die Gemeinde Stradaunen eingegliedert
Zeysen Sajzy
vor 1908 eingegliedert:
Przytullen (ab 1927:)
Seefrieden
Przytuły vor 1908: Amtsbezirk Soffen
Rydzewen Schwarzberge Rydzewo vor 1908: Amtsbezirk Soffen

Am 1. Januar 1945 bildeten den Amtsbezirk Stradaunen die Dörfer: Großschmieden, Klein Rauschen, Schwarzberge, Seefrieden, Stradaunen, Wellheim und Zeysen.

KircheBearbeiten

 
Stradunys Kirche

KirchengebäudeBearbeiten

Bei der Kirche in Straduny handelt es sich um einen Feldsteinbau von 1736.[11] Der Innenraum ist flach gedeckt und hatte ursprünglich seitliche Emporen. Der Kanzelaltar war ein Werk aus dem Jahre 1845. 1923 wurde das Gotteshaus innen vom Kirchenmaler Fey aus Berlin ausgemalt.

Bis 1945 war die Kirche evangelisches Gotteshaus. Heute ist sie römisch-katholische Pfarrkirche und wurde in der Innenausstattung der veränderten liturgischen Nutzung angepasst[12]. Sie trägt heute den Namen Kościół Matki Bożej Królowej Polski (Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen).

KirchengemeindeBearbeiten

EvangelischBearbeiten

Bereits in vorreformatorischer Zeit war Stradaunen ein Kirchdorf.[13] Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hielt hier die Reformation Einzug und lutherische Geistliche nahmen ihren Dienst auf. Bis 1945 gehörte das Kirchspiel Stradaunen zum Kirchenkreis Lyck in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 zählte es 3.050 Gemeindeglieder.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung machten dem evangelischen kirchlichen Leben in Stradaunen ein Ende. Die heute hier lebenden wenigen evangelischen Kirchenglieder halten sich zur Kirchengemeinde in der Stadt Ełk, einer Filialgemeinde der Pfarrei Pisz (deutsch Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelische-Augsburgischen Kirche in Polen.

Römisch-katholischBearbeiten

Vor 1945 gab es in der Region Stradaunen nur wenige katholische Einwohner. Ihre Pfarrkirche war die St.-Adalbert-Kirche in der Stadt Lyck im Dekanat Masuren II (Sitz: Johannisburg) im Bistum Ermland.[5] Nach 1945 siedelten sich viele polnische Neubürger, meist katholischer Konfession, an. Heute besteht hier eine katholische Pfarrgemeinde,[14] die das zuvor evangelische Gotteshaus als ihre Pfarrkirche übernommen hat. Sie gehört zum Dekanat Ełk-Matki Bożej Fatimskiej im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.

Persönlichkeiten des OrtesBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Mit dem Ort verbundenBearbeiten

  • Julius Rimarski (1849–1935), deutscher evangelischer Pfarrer, amtierte von 1878 bis 1886 an der Stradauner Kirche

VerkehrBearbeiten

 
Die Landesstraße 65 in der Ortsdurchfahrt Straduny

Straduny liegt an der verkehrstechnisch bedeutenden Landesstraße 65 (einstige deutsche Reichsstraße 132), die in Nord-Süd-Richtung durch das östliche Masuren führt und die polnisch-russische Grenze mit der polnisch-weißrussischen Grenze verbindet. Aus dem Gebiet der Gemeinde Świętajno (Schwentainen) im Powiat Olecki (Kreis Oletzko, 1933 bis 1945 Kreis Treuburg) führt außerdem eine Nebenstraße in den Ort. Ein direkter Anschluss an die Eisenbahn besteht nicht.

LiteraturBearbeiten

  • Winfried Holzlehner: Stradaunen. Aus der Geschichte eines masurischen Dorfes. Güstrow 2004, 156 S.
  • Stradaunen (mit Domäne Stradaunen, Gut Stradaunen, Felsenhof, Johannisberg, Loebelshof). In: Reinhold Weber: Bildband des Grenzkreises Lyck. Hagen 1985, S. 437–442.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku, 31. März 2011, abgerufen am 21. April 2019 (polnisch).
  2. Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2013, S. 1210
  3. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Stradaunen
  4. a b c Geschichte von Straduny – Stradaunen
  5. a b c Stradaunen
  6. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Stradaunen
  7. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Lyck
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Lyck (Lyk, poln. Elk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Siehe dazu: Ostpreußische Operation (1945)
  10. Gmina Ełk
  11. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreußischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 125, Abb. 580
  12. Parafia Straduny im Bistum Ełk (Memento des Originals vom 18. Oktober 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/diecezjaelk.pl
  13. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 494
  14. Parafia Staduny