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Schweinsberg (Stadtallendorf)

Ortsteil von Stadtallendorf

GeographieBearbeiten

 
Blick auf die Burg

LageBearbeiten

Schweinsberg wird westlich von der Ohm umflossen, welche ca. 30 Kilometer südöstlich ihre Quelle nahe der Stadt Ulrichstein im Vogelsberg hat. Die Ohm durchfließt am Rand das Stadtgebiet auf einer Länge von ca. 7 Kilometern, wobei sie sich nordwestlich der Stadt in 2 Flussarme aufteilt, in den Mühlgraben und die Ohm. Beide Flussarme vereinigen sich an der Brücker-Mühle in der Stadt Amöneburg wieder. Die Ohm ist teilweise stark begradigt und hat eine niedrige Fließgeschwindigkeit mit abschnittsweise starken Unterströmungen.

Im Süden wird das Stadtgebiet durch das Naturschutzgebiet Schweinsberger Moor begrenzt. In nordöstlicher Richtung des Stadtgebietes liegt das Naturschutzgebiet Saurasen bei Schweinsberg. Im Osten befinden sich Wälder der Schenken zu Schweinsberg, welche bis zum Dorf Dannenrod in der Gemeinde Homberg (Ohm) im Vogelbergkreis reichen. In südwestlicher Richtung befindet sich die Ohmaue, welche als Hochwasserschutzgebiet dient und regelmäßig überschwemmt wird.

NachbargemeindenBearbeiten

Schweinsberg liegt südwestlich der Kernstadt Stadtallendorf an der Ohm. Im Südosten von Schweinsberg liegt die Stadt Homberg (Ohm). In nordwestlicher Richtung liegen die Städte Amöneburg auf einem Basaltkegel und Kirchhain in der Ohmaue. In ca. 25 Kilometer westlicher Richtung befindet sich die Stadt Marburg/Lahn, welche sich hinter dem Höhenzug der Lahnberge im Lahntal befindet.

Amöneburg, Kirchhain Rauschenberg, Wohratal Stadtallendorf(Kernstadt), Neustadt(Hessen)
Marburg(Lahn), Cappel   Kirtorf, Alsfeld
Ebsdorfergrund, Fronhausen(Lahn) Mücke, Grünberg Homberg(Ohm), Gemünden(Felda)

GeschichteBearbeiten

 
Die Burg um 1850

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1200. Eine weitere Nennung von Sueinsberg findet sich in einem Dokument, aus dem der Bau der ältesten Burg Schweinsberg durch den landgräflich thüringischen Burgmann Guntram von Marburg hervorgeht.

Die Stadt- und Marktrechte wurden Schweinsberg im Jahre 1332 durch Kaiser Ludwig IV. gegen entsprechende Bezahlung verliehen, bewirkten allerdings keinen wirtschaftlichen Aufschwung des bäuerlich geprägten Ortes. Eine besondere Rolle in der Geschichte der Stadt spielt die Familie Schenck zu Schweinsberg. Die Stephanskirche wurde im Jahre 1506 vollendet. Jedoch zerstörte ein Brand im Jahr 1558 die Kirche und die halbe Stadt.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt in den Jahren 1633 und 1634 von der Pest heimgesucht. 1635 wurde Schweinsberg durch kaiserliche Truppen belagert und geplündert. Eine erneute Plünderung fand im Jahr 1641 statt; bei dieser Plünderung wurde auch die halb aufgebaute Kirche wieder eingeäschert. Im Jahr 1646 besiegte die schwedisch-hessische Armee die Kaiserlichen an der Ohäuser Mühle. 1664 war der Wiederaufbau der Stephanskirche beendet. 1788 erfolgt die Grenzregulierung mit den kurmainzischen Nachbarorten, da die Grenzlinien immer wieder zu Streit geführt hatten.

Am 18. August 1807 bildete Kaiser Napoleon I. das Königreich Westphalen mit der Hauptstadt Kassel. Es umfasste Hessen-Kassel, Braunschweig und Hannover sowie preußische Gebiete westlich der Elbe.[3] Zum Königreich Westphalen gehörte somit auch die Stadt Schweinsberg. Folgende Beschreibung wurde hierzu gegeben: Schweinsberg, Stadt am rechten Ufer der Ohm, den Schencken von Schweinsberg gehörig mit 110 Häusern und gegen 600 Menschen. Schweinsberg wurde zu dieser Zeit unter dem Kanton Kirchhain an der Wohra und Ohm geführt.[4]

 
Burg ca. 2010, Blick von Süden

Schweinsberg führt seit 1818 ein eigenes Siegel und Wappen. Im Jahre 1829 kam es zu einer Hochwasserkatastrophe, bei der der Marktplatz und der gesamte historische Ortskern unter Wasser standen. Im Jahre 1856 erfolgte der Abbruch des letzten Stadttores an der Südwestseite der Stadt. 1872 gründete die Stadt eine eigene städtische Sparkasse im Rathaus. Die Anschaffung von Straßenlaternen wurde 1884 durchgeführt. Eine weitere Modernisierung war die Eröffnung der Eisenbahn-Teilstrecke Schweinsberg–Kirchhain der Ohmtalbahn. Der Bau einer eigenen Wasserleitung 1906 und der Bau einer elektrischen Lichtanlage mit der dazugehörigen Transformatorenstation im Jahr 1920 waren weitere Verbesserungen der Infrastruktur.

1907 stiftete Emilie Freifrau Schenck zu Schweinsberg ein Gebäude als „Heimstätte für eine Kleinkinderschule“. Laut Stiftungsurkunde soll das „Eintrittsgeld“ 0,50 Mark betragen haben und das „Schuldgeld – ohne der Wohltätigkeit Schranken zu setzen – 0,10 Mark pro Kopf und Woche.“[5] Bis zum 31. Dezember 2016 wurde in Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde Schweinsberg, die weiterhin Eigentümerin ist, dort ein Kindergarten betrieben. Dieser wurde zum 1. Januar 2017 in den Zweckverband Ev. Tagesstätten für Kinder im Kirchenkreis Kirchhain integriert.

In den Jahren 1925 und 1926 wurde an der Ohm eine Badeanstalt mit Badehalle und Umkleidekabinen eröffnet. Ein schwerer Sturm zerstörte 1935 das einfache Bahnhofsgebäude der Haltestelle Schweinsberg.

Im Jahr 1963 begannen die Flurbereinigung und die Ohmregulierung.

Am 31. Dezember 1971 wurde Schweinsberg im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Stadt Allendorf, Landkreis Marburg (damalige amtliche Bezeichnung der Stadt) eingegliedert.[6]

Das Bürgerhaus in Schweinsberg wurde 1976 eingeweiht.

1980 folgte die Stilllegung der Ohmtalbahn für den Personenverkehr. Die Bahnstrecke wird seitdem nur für den Güterverkehr verwendet und zu ausgewählten Terminen mit historischen Eisenbahnen, z. B. Dampflokomotiven und dem beliebten „rotem Schienenbus“ (liebevoll „Roter Brummer“ genannt) befahren.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Schweinsberg lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7]

Gerichte seit 1821Bearbeiten

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Kirchhain war für die Verwaltung und das Justizamt Kirchhain als Gericht erster Instanz für Schweinsberg zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für das Justizamt Kirchhain.[10] Die Patrimonialgerichtgerichtsbarkeit der Schenken von Schweinsberg blieb noch bis 1845 bestehen.

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt 1867 zum königlich preußischen Amtsgericht Kirchhain. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[11] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Kirchhain. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[12]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1683: 75 Hausgesesse, Erwerbspersonen: 24 Handwerker, 10 Tagelöhner,
  • 1747: 124 Hausgesesse, 620 Einwohner
  • 1792: 621 Einwohner (ohne Adlige).
  • 1811: 749 Seelen, 371 männlich, 378 weiblich
  • 1822: 915 Seelen, , 146 Feuerstätten
  • 1838: 992 Einwohner, davon 199 nutzungsberechtigte, 43 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 23 Beisassen.
  • 1855: 1021 Einwohner, 182 Häuser
  • 1860: 1021 Einwohner, 163 Häuser
  • 1906: 780 Einwohner, 148 Wohnhäuser, 197 Haushaltungen
Schweinsberg: Einwohnerzahlen von 1747 bis 1996
Jahr  Einwohner
1747
  
620
1792
  
621
1809
  
688
1811
  
749
1822
  
915
1834
  
959
1840
  
1.022
1846
  
1.030
1852
  
1.059
1858
  
979
1864
  
984
1871
  
933
1875
  
803
1885
  
839
1895
  
844
1905
  
780
1910
  
809
1925
  
887
1939
  
830
1946
  
1.291
1950
  
1.294
1956
  
1.092
1961
  
1.008
1967
  
1.027
1970
  
988
1982
  
1.201
1993
  
1.083
1996
  
1.122
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][13]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1822: 850 Lutheraner, 30 Reformierte, 8 Katholiken, 27 Israeliten
• 1861: 10 evangelisch-reformierte, 890 evangelisch-lutherisch, 12 römisch-katholisch, 46 jüdische Einwohner
• 1885: 785 evangelische (= 93,56 %), 14 katholische (= 1,67 %), 40 jüdische (= 4,77 %) Einwohner
• 1957: 978 evangelische, 94 römisch-katholische, 12 konfessionslose Einwohner
• 1961: 934 evangelische (= 92,66 %), 60 katholische (= 5,95 %) Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1683: Erwerbspersonen: 24 Handwerker, 10 Tagelöhner
• 1792: Erwerbspersonen: 13 Schuhmacher, 1 Metzger, 4 Bender, 7 Schneider, 3 Brauer, 5 Leineweber, 1 Chirurg, 3 Schreiner, 3 Schmiede, 1 Gastwirt, 1 Fischer, 2 Müller, 3 Schäfer, 4 Handelsjuden, 17 Tagelöhner, 29 einzelne Weibspersonen.
• 1838: Familien: 40 Ackerbau, 79 Gewerbe, 33 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 134 Land- und Forstwirtschaft (29,1 %), 229 produzierendes Gewerbe (49,8 %), 46 Handel und Verkehr (10,0 %), 51 Dienstleistungen und Sonstiges (11,1 %).

Jüdisches Leben in SchweinsbergBearbeiten

Jüdische Einwohner in Schweinsberg:

1822: 27 Einwohner 1860: 42 Einwohner 1933: 28 Einwohner
1827: 31 Einwohner 1861: 46 Einwohner 1938: 21 Einwohner
1833: 34 Einwohner 1882: 39 Einwohner 1939: 21 Einwohner
1835: 31 Einwohner 1895: 45 Einwohner 1940: 17 Einwohner
1853: 34 Einwohner 1925: 32 Einwohner 1942: im Sommer keine mehr

Aus der Überlieferung liegen für das Mittelalter keine Dokumente vor. Ruprecht Schenck zu Schweinsberg hatte im Januar 1332 das Recht zur Ansiedlung von 4 Juden erhalten. Für das Jahr 1594 liegt eine erste nachweisbare Judenaufnahme vor. Durch einen Schutzbrief der Schencken zu Schweinsberg, wurden die beiden Juden Manasse und Gombrecht angesiedelt. Aus den schenkischen Baurechnungen werden 1614/1615 vier Juden benannt. In den Folgejahren schwankt die Zahl zwischen einem und maximal fünf.

Die Haupttätigkeit der jüdischen Einwohner in Oberhessen umfasste den Viehhandel, die Viehverwertung und den Weiterverkauf tierischer Erzeugnisse. Hinzu kam gelegentlich ein kleines Pfandleihgeschäft.

 
Hinweistafel am jüdischen Friedhof Schweinsberg mit Informationen zur Stadtgeschichte

Die jüdische Bevölkerung besaß gewiss nicht die rechtliche Gleichstellung wie die Schweinsberger, sie war jedoch nicht schutzlos. Beispielsweise wurden ein Schweinsberger und seine Tochter 1650 bestraft, weil sie die Jüdin Sarra in Hanß Rupen Hauß geschlagen haben. Auch die Bewegungsfreiheit der jüdischen Bevölkerung war eingeschränkt. Nach Neujahr 1666 wurde Salm, Nehems Sohn, vom Erbschencken bestraft, weil er auf den Alsfelder Markt gegangen war ohne dies vorher anzuzeigen.

Auseinandersetzungen mit den Schweinsbergern blieben nicht aus. So wird berichtet, dass Simon Schutzjud, Vorsteher der Judenschaft zu Schweinsberg, beschwerte sich über eingeschlagene Fenster und das dem Juden Simon auf freier Straße der Arm entzwei geschlagen worden war. Zwar sei am hellen Tag viel Volk zusammengelaufen, doch habe niemand eingegriffen. Im Bericht des Amtsverwesers vom 12. Januar 1730 wird über mangelnden Respekt vor der Obrigkeit, aber auch den Umgang mit den Juden berichtet.

Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Bevölkerung und sie besaß eigene Häuser. Für 1744 sind 11 Familien belegt. In der Katasterkarte 1774 ist der jüdische Friedhof am Rande der Stadt (im heutigen Kleeweg) verzeichnet. 1792 wird eine Juden-Schul/Bethaus erwähnt. Per Regierungsverordnung vom Mai 1816 wurde bestimmt, dass Kinder jüdischen Glaubens die öffentliche Schule besuchen müssen. Die Teilnahme war in allen Fächern, mit Ausnahme des Religionsunterrichts, verpflichtend.

Die eigentliche Synagoge wurde erstmals 1822 mit einer Reparaturliste erwähnt. 1872 ist die Synagoge bei einem großen Stadtbrand verbrannt. Die neue Synagoge (in der heutigen Biegenstraße) konnte im Jahr 1874 geweiht werden. 1924 wurde eine 50 Jahrfeier durchgeführt, bei der Samuel Schaumberg (geboren 1884 in Schweinsberg) die Festpredigt hielt.

Am 9. November 1938 wurde die Synagoge in der heutigen Biegenstraße zerstört.[14] Ein heute nicht mehr genutzter jüdischer Friedhof befindet sich noch heute in Schweinsberg.

OrtsvorsteherBearbeiten

Seit der Eingemeindung am 1. Januar 1972 waren in Schweinsberg die folgenden Ortsvorsteher tätig:

  • 1. Januar 1972 – 5. Juni 1972: Hans Gontermann
  • 6. Juni 1972 – 30. November 1972: Friedrich Koch
  • 30. November 1972 – 30. November 1974: Johannes Fuchs
  • 30. November 1974 – 30. Juni 1976: Ernst Grischow
  • 30. Juni 1976 – 28. April 1981: Karl Hesse
  • 28. April 1981 – 1. April 1997: Georg Fleischhauer
  • seit 1. April 1997: Adolf Fleischhauer

NaturräumeBearbeiten

 
Das Schweinsberger Moor

In Ortsnähe liegt das Naturschutzgebiet Schweinsberger Moor. Dieses Niedermoor wurde 1977 als 100. Naturschutzgebiet Hessens ausgewiesen. Es enthält das größte zusammenhängende Schilfgebiet Mittel- und Nordhessens. Auf mehr als 43 Hektar Fläche finden seltene und gefährdete Arten wie Bekassine, Rohrweihe und Fischreiher einen sicheren Rückzugsort.

Die durch die Wasserschutzmaßnahmen bestehenden Deiche sind begehbar und bieten für einen Teilbereich Zugang zum Moor. Führungen in das Moor können nach vorheriger Anmeldung bei der ortsansässigen Naturschutzgruppe durchgeführt werden. In unregelmäßigen Abständen werden öffentliche Führungen durchgeführt.

Am westlichen Rand des Naturschutzgebietes Schweinsberger Moor verläuft die Strecke der Ohmtal-Bahn, welche für die Güterbeförderung verwendet wird. In westlicher Richtung anschließend hat die Ohm ihr Flussbett, mit Fließrichtung nach Rüdigheim und Amöneburg.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Der Schweinsberger MarktBearbeiten

Die Stadt Schweinsberg besitzt seit Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1332, auch dieselben Marktrechte wie die Stadt Frankfurt am Main. Ein Marktplatz ist seit 1724 als gemeiner Stattplatz erwähnt, auf dem bei der Kirmes um gebackene Kringel und Wecken gespielt wurde. 1725 wird vom Statt- und Marcktplatz gesprochen. 1730 wird Schweinsberg als Flecken bezeichnet, was auf einen Wochenmarkt hindeuten könnte. Im selben Jahr wandten sich Bürgermeister, Rat und Bürgerschaft an die Regierung Marburg mit der Bitte um Bewilligung einiger Jahrmärkte. Die hinzugezogenen Regierungsräte und die Schencken zu Schweinsberg bemängelten jedoch die ungünstige Lage der Stadt. Die Gutachter befürchteten, dass diesen Grenzort nur fremde Krämer aufsuchten und das Geld außer Landes bringen würden.

Der Platz sollte auf 10 Ruthen Breite und 12 Ruthen Länge hergerichtet werden. Zunächst wurde aus Kostengründen nicht viel unternommen, bis man sich 1744 erneut an die Regierung wandte. Im Gesuch wurde angegeben, dass die Wege ausgebessert wurden und auch im Mainzischen Mardorf hätte man sich Mühe gegeben, die Wege instandzusetzen. Der Landgraf hatte keine Bedenken und genehmigte die gewünschte Einrichtung und erteilte der Stadt Schweinsberg unter dem Datum vom 8./19. Mai 1744 das ersehnte Privileg zu mehrerer Beförderung ihrer Nahrung. Der erste Markttag sollte der 23. Juli 1744 sein. Er fand nach strittiger Diskussion noch in der Straße Im Tal statt und es wurde ein feierlicher Festzug durchgeführt. Der erste Markt blieb friedlich und wurde ein Erfolg. 1746 wurde um Erlaubnis für den 4. Markt gebeten.

Nach erfolgreichem Beginn der Märkte bis 1756, ging es danach bald bergab. Von 1763 bis 1819 konnte in den Stadtrechnungen keine Markt- und Standgebühr gefunden werden. Hier wird der Siebenjährige Krieg (1756–1763) negativ mitgewirkt haben.

Die Schweinsberger Märkte haben nie große Bedeutung erlangt, doch der Marktplatz war immer ein zentraler Ort für die Schweinsberger. Sein heutiges Aussehen erhielt der Marktplatz zum großen Teil durch die 1992 erfolgte Dorferneuerung.

PostBearbeiten

Bis zum 19. Jahrhundert war es üblich, Briefe durch Boten zu befördern. Für die Stadt Schweinsberg wurde 1811 im Budget vermerkt, dass der Postbote für die Besorgung der Briefe nach Marburg, eine Wiese auf dem Biegen benutzen durfte.

1866 befand sich in Schweinsberg eine Postablage für das Postamt Kirchhain und die Postexpedition Homberg (Ohm). Postverwalter war der Wirt des Gasthauses Zur Post. Der erste Landbriefträger hieß Johann Georg Urbach, seine Nachfolger waren Nikolaus Leinweber (ab 1873) und Ernst Müller (ab 1896). Ernst Müller holte die Post teilweise zweimal pro Tag in Schweinsberg ab.

1894 baute die Stadt in den Pfeilgärten ein neues Postgebäude und vermietete diese an die Reichspostverwaltung. Postverwalter waren ehedem Lembach (1895) und Eidam (1900). 1923 nahm die Stadt das Posthaus zurück und verlegte die Stadtkasse und das Bürgermeisteramt dorthin. Die Post wurde in eine Postagentur umgewandelt und im Haus des Kolonialwarenhändlers Moritz Stamm betrieben.

Am 1. Dezember 1951 bezog das Zweigpostamt die Räume der ehemaligen städtischen Sparkasse im alten Rathaus. Dort blieb sie bis 1994 als Poststelle I erhalten. Danach wurde die Post wieder als Agentur betrieben. Heute besteht im Ort keine Poststelle/Postagentur mehr.

BankgewerbeBearbeiten

1872 wurde die erste Stadtsparkasse in Schweinsberg gegründet, welche sich bis zum Ersten Weltkrieg positiv entwickelte. Ende 1914 hatte sie einen Einlagenbestand von 1.168.212 Mark.

Nach der Inflation von 1923 erholte sich die Stadtsparkasse, jedoch wurde sie per Verordnung des Regierungspräsidiums vom 6. Oktober 1931, am 1. Dezember 1931 in eine Zweigstelle der Kreissparkasse Marburg umgewandelt. Hierdurch fiel der Stadt ein Reservefonds von 3.000 Mark zu, der zur Tilgung von Steuer- und Zinsschulden verwendet werden konnte.

Die Volks- und Raiffeisenbank in Schweinsberg ist der Zweigstelle der ehemaligen Raiffeisenbank Kirchhain. Sie war zunächst in den Räumen des Kornhauses untergebracht. 1967 baute die damalige Raiffeisenbank ein modernes Bank- und Bürogebäude, das bis heute die Zweigstelle beherbergt. Das Gebäude wurde in den letzten Jahren für die heutigen Sicherheitsanforderungen umgebaut und renoviert.

RegionalverkehrBearbeiten

Im Ort treffen sich die folgenden drei Landesstraßen

  • L3073 von/nach Kirchhain, bzw. Homberg (Ohm)
  • L3290 in/aus Richtung Stadt Stadtallendorf
  • L3343 in/aus Richtung Dannenrod

Öffentlicher VerkehrBearbeiten

Der öffentliche Personennahverkehr wird durch eine Stadtbusverbindung nach Stadtallendorf sowie durch den Linienbusverkehr des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) sichergestellt.

Schweinsberg besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Kirchhain–Burg- und Nieder-Gemünden, welcher seit dem 31. Mai 1980 nur noch für den Güterverkehr zum angrenzenden Basaltwerk genutzt wird.

Rad- und WanderwegeBearbeiten

Durch Schweinsberg und die nähere Umgebung führen einige Wander- und Radwege. Die bedeutendsten sind:

  • Der Hessische Radfernweg R6 der in Diemelstadt im Norden Hessens beginnt und überwiegend über asphaltierte Wege bis nach Lampertheim im Süden verläuft, quert das Stadtgebiet. Die Gesamtlänge des Radfernweges R6 beträgt ungefähr 380 Kilometer. In ca. 11 Kilometern Entfernung bei Kirchhain besteht Anschluss zum Hessischer Radfernweg R2.
  • Die GEO-Tour „Kreuz und Quer“, sie führt als Rundweg vom Fuße der Amöneburg über Rüdigheim zum Naturschutzgebiet Schweinsberger Moor und dann durch das Ohmtal wieder zurück zum Ausgangspunkt.[15]
  • Der Sternepfad von Marburg zum Hoherodskopf im Vogelsberg führt über Schweinsberg.[16]
  • Die Streuobstwiesenroute, welche durch Schweinsberg am Informationspunkt Naturschutzgebiet Schweinsberger Moor vorbei durch den historischen Ortskern und über den Marktplatz zum ortsansässigen Café mit angeschlossener Kelterei führt. Die Streuobstwiesenroute ist als Rundweg angelegt und kann am besten mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkundet werden.

PersönlichkeitenBearbeiten

In Schweinsberg geborene PersönlichkeitenBearbeiten

 
Johann Georg Estor, Professorengalerie (Gießen)

Personen, die in Schweinsberg gelebt oder gewirkt habenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Georg Hassel, Geographisch statistischer Abriss des Königreich Holland, im Verlage des Landes, Weimar 1809, S. 491
  • Brigitte Beier, Neue Chronik der Weltgeschichte, Chronik Verlag 2007, S. 483
  • Hessischer Fernradweg R6, Vom Waldecker Land ins Rheintal, VUD Verlag und Druck GmbH, ISBN 3-923719-58-2
  • Literatur über Schweinsberg in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schweinsberg (Stadtallendorf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Schweinsberg, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 2. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Einwohnerzahl im Internetauftritt von Stadtallendorf, abgerufen im März 2013
  3. Brigitte Beier, Neue Chronik der Weltgeschichte, Chronik Verlag 2007, S. 483
  4. Georg Hassel, Geographisch statistischer Abriss des Königreich Holland, im Verlage des Landes, Weimar 1809, S. 491
  5. Die Gründung des Kindergartens | Evangelische Kirchengemeinde Schweinsberg. In: www.kirchengemeinde-schweinsberg.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 403.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 115 (online bei Google Books).
  9. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  10. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  11. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  12. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  13. Ab 1982 Stadtallendorf
  14. Stadtgeschichte | Evangelische Kirchengemeinde Schweinsberg. Abgerufen am 19. Januar 2017.
  15. GEO-Tour „Kreuz und Quer“. In: Website Stadtallendorf. Abgerufen im Oktober 2017.
  16. Auf dem Sternweg zum Hoherodskopf. (Memento des Originals vom 11. Oktober 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vogelsberg-touristik.de In: Vulkan Vogelsberg. Abgerufen im Aktober 2017.