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Roman Arkadjewitsch Abramowitsch

russischer Ölunternehmer und Gouverneur der Region Tschukotka
Roman Abramowitsch (2007)

Roman Arkadjewitsch Abramowitsch (russisch Роман Аркадьевич Абрамович, wiss. Transliteration Roman Arkad’evič Abramovič, englische Transkription Roman Arkadyevich Abramovich, hebräisch רומן ארקדיביץ' אברמוביץ'; * 24. Oktober 1966 in Saratow) ist ein russisch-israelischer Oligarch und war von 2000 bis Juli 2008 Gouverneur der russischen Region Tschukotka. Abramowitsch gilt als reichster Israeli und einer der vermögendsten Männer der Welt.

Inhaltsverzeichnis

BiografieBearbeiten

Abramowitsch ist jüdischer Herkunft. Seine Familie väterlicherseits stammt aus Weißrussland und zog nach der Revolution nach Tauragė in Litauen. Die litauische Schreibweise des Familiennamens ist Abramavičius. Abramowitschs Eltern lebten bei seiner Geburt in Syktywkar. Roman war 18 Monate alt, als seine Mutter an den Folgen einer heimlichen Abtreibung starb. Als er vier Jahre alt war, starb sein Vater Arkadi (hebr. Aron) Abramowitsch (1937–1970) bei einem Bauunfall. Sein Großvater Nahim (hebr. Nahman) Abramowitsch (1887–1942) war Unternehmer.[1][2] Nahim Abramowitsch wurde in Eržvilkas im Bezirk Tauragė geboren. Nahims Frau, Romans Großmutter väterlicherseits, Tauba, geb. Berkover, stammte aus Jurbarkas.[3] Abramowitschs Mutter war Irina Michalenko, sein Großvater mütterlicherseits Wassili Michalenko, seine Großmutter mütterlicherseits Faina Grutman.[4] Bis zu seinem achten Lebensjahr wuchs Abramowitsch bei einem Onkel väterlicherseits, Leib Abramowitsch auf, der Ölingenieur in Uchta war, dann bei einem zweiten Onkel, Abraham, in Moskau.

Am Moskauer Gubkin-Öl- und-Gas-Institut studierte Abramowitsch Ingenieurwissenschaft.

Nach der Öffnung der sowjetischen Wirtschaft im Zuge der Perestroika gründete Abramowitsch als 21-jähriger Student das Unternehmen „Ujut“ (deutsch: „Gemütlichkeit“). Ujut stellte zunächst profane Dinge wie Gummienten und Fußbälle her. Abramowitschs Einstieg in das Ölgeschäft begann, als er zwischen 1993 und 1996 das Moskauer Büro des Schweizer Rohölhändlers Runicom leitete. Sein Startkapital sollen 5000 Tonnen Heizöl gewesen sein, die er sich angeblich mit Hilfe gefälschter Dokumente aneignete. Über Runicom wickelte er größere Öldeals mit Raffinerien ab, vor allem mit der größten russischen Raffinerie im sibirischen Omsk. Diese ist heute das Kernstück des Sibneft-Konzerns, den Abramowitsch mittlerweile an den russischen Energiekonzern Gazprom verkauft hat.

Der entscheidende Tag für den Aufstieg zu einem der reichsten Männer Russlands war für Abramowitsch 1992 eine Begegnung mit Boris Beresowski.

Abramowitsch baute in den 1990er Jahren – zunächst als Partner des Oligarchen Beresowski – ein weitverzweigtes Firmenimperium auf. Zum Besitz der von ihm kontrollierten Holding Millhouse Capital gehörten 80 % von Russlands fünftgrößtem Ölkonzern Sibneft, 50 % des Aluminiumkonzerns RUSAL, 26 % der Fluggesellschaft Aeroflot und 37,5 % des Autoproduzenten Ruspromawto.

Offenbar unter dem Eindruck des Verfahrens gegen Michail Chodorkowski verkaufte Abramowitsch nach und nach seine Anteile an russischen Unternehmen. Abramowitschs Aeroflot-Aktien gingen im März 2003 an den russischen Staat. Die RUSAL-Anteile verkaufte Millhouse in zwei Schritten 2003 und 2004 an die Gruppe „Basowy Element“ von Oleg Deripaska. Ende 2005 übernahm der halbstaatliche Gaskonzern Gazprom eine Mehrheit an Abramowitschs Ölunternehmen Sibneft und benannte es später in Gazprom Neft um. Auch danach blieb Abramowitsch in Russland als Unternehmer aktiv. Im Dezember 2007 wurde eine Beteiligung von Millhouse am russischen Goldproduzenten Highland Gold Mining Ltd in Höhe von 40 Prozent bekannt.

Lange Zeit galt Abramowitsch als wichtigster Oligarch im Umfeld des damaligen Präsidenten Wladimir Putin. Er gilt als ein Wegbereiter für den Machtwechsel von Ex-Präsident Boris Jelzin zu Putin im Jahr 2000. Die britischen Autoren Dominic Midgley und Chris Hutchins behaupten in ihrer Biographie „Der Milliardär aus dem Nichts“, Abramowitsch habe sämtliche Mitglieder der ersten Regierung unter Putin einer persönlichen Prüfung unterzogen, bevor diese für ein Amt in Frage kamen.

Im Dezember 2000 wurde Abramowitsch zum Gouverneur der Region Tschukotka gewählt und im Oktober 2005 im Amt bestätigt. Am 3. Juli 2008 akzeptierte der russische Präsident Dmitri Medwedew Abramowitschs mehrfach geäußertes Rücktrittsgesuch und entließ ihn als Gouverneur. Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Roman Kopin.[5]

Anfang 2008 bestellte Infrastruktura, ein Bauunternehmen Abramowitschs, die derzeit weltgrößte Tunnelvortriebsmaschine bei der Herrenknecht AG, um damit eine Nische auf dem russischen Infrastrukturmarkt zu erschließen. Das Gerät wurde vor allem beim Bau von Objekten für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Schwarzmeer-Badeort Sotschi eingesetzt. Infrastruktura erwartet nach eigenen Angaben Tunnelbauaufträge von einigen Milliarden Dollar pro Jahr.

2011 verklagte Boris Beresowski Abramowitsch auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Er warf seinem früheren Geschäftspartner vor, ihn beim Verkauf des Unternehmens Sibneft betrogen und ihn um seine Anteile gebracht zu haben. Abramowitsch beteuerte allerdings, dass Beresowski keine Anteile am Unternehmen hatte. Am 31. August 2012 wurde Beresowskis Klage von einem Londoner Gericht abgewiesen.[6]

Am 25. Juli 2016 stellte Roman Abramowitsch ein Gesuch um eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Er wollte sich in Verbier niederlassen. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) urteilte Anfang 2017, dass Abramowitschs Anwesenheit in der Schweiz als Gefährdung der öffentlichen Sicherheit sowie als Reputationsrisiko für die Schweiz einzuschätzen sei. Abramowitsch sei Fedpol wegen Verdachts auf Geldwäsche und mutmaßlicher Kontakte zu kriminellen Organisationen bekannt. Darüber hinaus würden Fedpol verschiedene polizeiliche Informationen vorliegen, wonach Abramowitsch Kontakte zu russischen kriminellen Organisationen unterhält. Der Ursprung seines Vermögens wurde als mindestens teilweise illegal eingeschätzt. Abramowitsch kontaktierte die Fedpol-Direktorin, die Schweizer Behörden blieben aber bei ihrer Einschätzung. Als er erfuhr, dass der Tagesanzeiger über die Vorgänge rund um sein Gesuch berichten wollte, klagte Abramowitsch zunächst vor dem Zürcher Handelsgericht, wo er scheiterte, und dann beim Bundesgericht. Die Richter wiesen seine Beschwerde im September 2018 ab.[7][8]

Nachdem die britische Regierung im Zuge des versuchten Mordes an Sergei Skripal schärfere Kontrollen zum finanziellen Hintergrund von Investoren einführte, zog Abramowitsch seinen Antrag auf Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis in Großbritannien zurück.[8][9]

Er ließ sich in Israel nieder. Israelische Medien berichteten, dass er schon 2017 ein Anwesen in Tel Aviv erworben habe.[10] Ende Mai 2018 erhielt er die israelische Staatsbürgerschaft; als Kind jüdischer Eltern hat er nach dem Rückkehrgesetz Anspruch auf einen israelischen Pass.[11] Als israelischer Bürger benötigt er für einen Besuch in der Europäischen Union, anders als russische Staatsbürger, kein Visum. Wenn er in Großbritannien arbeiten oder leben möchte, müsste er wieder ein britisches Visum beantragen und sich strengeren Kontrollen zur Herkunft seines Vermögens unterziehen.[8][12]

VermögenBearbeiten

Abramowitsch hatte 2013 nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Forbes ein geschätztes Netto-Vermögen von 10,2 Milliarden US-Dollar[13] und ist damit auf Platz 13 der reichsten Menschen in Russland und auf Platz 107 der reichsten Personen überhaupt (Liste der reichsten Menschen der Welt). Infolge der Finanzkrise ab 2007 verlor er einen Großteil seines Vermögens. Sein Vermögen verringerte sich damals von geschätzten 23,5 Milliarden Dollar auf 3,3 Milliarden Dollar.

Auf der Forbes-Liste 2015 wird das Vermögen von Roman Abramowitsch mit ca. 9,1 Milliarden US-Dollar angegeben. Damit belegt er Platz 137 auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt.[14] 2018 war er mit geschätzten 10,8 Milliarden US-Dollar der reichste Israeli.[15]

BesitztümerBearbeiten

 
Die Pelorus zur Wartung in der Werft Blohm & Voss, Hamburg
 
Die Yacht Eclipse
 
Abramowitschs B767 P4MES
 
Château de la Croë in Cap d’Antibes

2003 kaufte Abramowitsch für 210 Millionen Euro den englischen Fußballclub FC Chelsea. Bis 2008 hatte er geschätzte 764 Mio Euro in den Club investiert, hauptsächlich für Ablösesummen und Gehälter.[16] Er ist häufig an der Stamford Bridge zu sehen, besucht aber auch manchmal Auswärtsspiele des FC Chelsea, zum Beispiel in der Champions League. Diese gewann sein Verein erstmals in der Saison 2011/12 gegen den FC Bayern München im Finale.

Wegen Problemen mit seinem Visum darf Abramowitsch in Großbritannien nicht arbeiten. Auch aus Sorge vor weiteren amerikanischen Sanktionen gegen russische Oligarchen zieht er einen Verkauf seines Fußballclubs in Betracht. Laut Medienberichten beauftragte er die Bank Raine Group in New York damit, ihn in Vorbereitung auf einen vollständigen oder teilweisen Verkauf von FC Chelsea zu beraten. Er lehnte Angebote über 2,3 Milliarden Dollar ab.[8][17]

Zudem verfügt er durch seinen Minderheitsanteil an Sibneft über geringe Anteile am russischen Club ZSKA Moskau. Außerdem konnte er den niederländischen Erfolgscoach Guus Hiddink überreden, Russland ab 2006 zu trainieren (bis 2010).[18]

Abramowitsch ist unter anderem Eigentümer von drei Yachten: Der Bau der Mega-Yacht Pelorus auf der in Bremen-Vegesack/Lemwerder beheimateten Werft Lürssen, die zuvor von dem saudischen Staatsmann Al Sheik Modhassan in Auftrag gegeben wurde, kostete 254 Millionen Euro. 2004 folgte ein 12 Millionen Euro teurer Umbau mit anschließender Neulackierung (markant: Rumpf sandfarben, Aufbau reinweiß) auf der Hamburger Werft Blohm + Voss. Mit ihren 115 Metern Länge liegt sie unter den größten Yachten der Welt auf Platz 21 (Stand 11. Mai 2012), direkt gefolgt von Abramowitschs 108,3 Meter langen Yacht Le Grand Bleu, die er jedoch im Juni 2006 an seinen Freund Jewgeni Schwidler verkauft hat.[19] Außerdem besitzt er noch die 85,95 Meter lange L’Ecstasea, gebaut 2001 bei Feadship-Royal van Lent. Sie lag 2012 auf Platz 29 im Superyacht-Ranking (gemessen nach Länge) und erreicht mit einer General-Electric-LM2500-Gasturbine und zwei Dieselmotoren eine Spitzengeschwindigkeit von 36 Knoten. Nach dem Verkauf der Le Grand Bleu hat Abramowitsch eine neue Mega-Yacht erworben: die Eclipse wurde bei Blohm + Voss gebaut. Die Yacht war mit 162,5 Metern Länge seinerzeit die zweitgrößte Yacht der Welt. Abramowitsch besitzt außerdem noch die fast 50 m lange Yacht Sussurro sowie zwei U-Boote, die er für 16,9 und 3,9 Millionen Euro gekauft hat. Die Unterhaltskosten dieser belaufen sich auf etwa 1,3 Millionen Euro jährlich.

In Garmisch-Partenkirchen erwarb Abramowitsch das Leitenschlössl und ließ es von 1999 bis 2002 renovieren, erweitern und künstlerisch ausgestalten. Seit 2004 besitzt er das Château de la Croë bei Antibes, das inzwischen aufwändig renoviert wurde.[20] 2006 erwarb er das Waldschlössl in Burgau am Attersee.[21]

2008 kaufte er die Gemälde von Francis Bacon Triptych (1976), für 57,2 Millionen Euro, und Benefits Supervisor Sleeping (1995) von Lucian Freud für 22,36 Millionen Euro. Abramowitschs damalige Freundin Darja Schukowa eröffnete im September 2008 in Moskau das Garage Museum of Contemporary Art.

FamilieBearbeiten

Abramowitsch war von 1987 bis zur Scheidung 1989 mit seiner Ehefrau Olga verheiratet, die ein Kind mit in die Ehe brachte. Von 1991 bis März 2007 war er mit seiner Ehefrau Irina, einer ehemaligen Aeroflot-Stewardess verheiratet, mit der er fünf Kinder hat. Mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin Darja Schukowa hat er zwei Kinder. Das erste wurde am 4. Dezember 2009 in Los Angeles geboren, das zweite am 15. April 2013 in New York.[22] Am 7. August 2017 gab das Paar seine Trennung bekannt.[23]

TriviaBearbeiten

Die Figur Uri Omovich des Guy-Ritchie-Films Rock N Rolla ist ihm nachempfunden.[24]

LiteraturBearbeiten

  • Dominic Midgley: Der Milliardär aus dem Nichts – Roman Abramowitsch. Biografie. Murmann-Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-938017-30-9.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. ↑ Геноцид жителей Литвы 1939—1941. — Вильнюс: Центр исследования геноцида и резистенции жителей Литвы, 1999. — С. 78—79.
  2. ↑ Родовое гнездо Абрамовича нашлось в Литве // — Радио Свобода, 2010
  3. Litvak SIG (Lithuanian Jewish Special Interest Group Database - https://www.litvaksig.org/) Lithuania Marriage and Divorces, Record from Taurage Raseinai Kaunas, August 20th 1925, LVIA/1817/1/322
  4. ↑ Неизвестные страницы жизни Романа Абрамовича КП — Саратов
  5. Russland: Medwedew entlässt Milliardär Abramowitsch als Gouverneur - Spiegel online
  6. Richter schmettern Klage gegen Abramowitsch ab, Spiegel Online, 31. August 2012, abgerufen am 3. September 2012.
  7. Fedpol sieht in Abramowitsch eine Gefahr für die Schweiz. In: Tagesanzeiger, 25. September 2018.
  8. a b c d Roman Abramovich posed threat to public security, Swiss police said. In: The Guardian, 25. September 2018.
  9. Warum Abramowitsch auf sein britisches Visum warten muss. In: Neue Zürcher Zeitung, 22. Mai 2018.
  10. Der neue Pass macht den Oligarchen zum reichsten Israeli. In: Welt Online, 29. Mai 2018.
  11. Der russische Oligarch Abramowitsch wird Israeli. In: www.nzz.ch. 28. Mai 2018, abgerufen am 28. Mai 2018.
  12. Beneide mich, ich bin ein Bürger!, Nowaja Gaseta, 1. Juni 2018
  13. Forbes.com – The World's Richest People (englisch)
  14. Forbes: Liste von Milliardären
  15. Chelsea owner Abramovich immigrates to Israel, becomes country’s richest citizen.
  16. Abramowitsch investiert 764 Millionen Euro in Chelsea
  17. Has Anyone Seen Roman Abramovich? The Last Days of Londongrad. In: Bloomberg, 25. September 2018.
  18. Abramowitsch versucht Russland flott zu machen. welt.de
  19. Yacht Top200 (Memento des Originals vom 22. Dezember 2008 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.boote-exclusiv.com auf superyacht.de (boote-exclusiv.com).
  20. Eine halbe Milliarde für eine Villa. In: Tagesspiegel, aufgerufen 4. März 2012
  21. Reichster Russe will Schloss am Attersee: Waldschlössel für Roman Abramowitsch. In: news.at, 15. Dezember 2006.
  22. Roman Abramowitsch erwartet siebtes Kind (Memento des Originals vom 16. April 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.sputniknews.com // Stimme Russlands 26 Dezember 2012, 21:31
  23. Russischer Oligarch: Roman Abramowitsch trennt sich von dritter Ehefrau. In: Spiegel Online. 7. August 2017, abgerufen am 9. Juni 2018.
  24. Die Welt

WeblinksBearbeiten

  Commons: Roman Abramovich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien