Tauragė

Ort in Litauen

Tauragė Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i (deutsch Tauroggen) ist eine Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern und Sitz der Rajongemeinde Tauragė im Südwesten Litauens am Fluss Jūra. Sie ist zudem Hauptstadt eines der 10 Bezirke (Apskritys) des Landes. Die Stadt liegt an der Verbindungsstraße zwischen Kaliningrad und Riga.

Tauragė
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: Litauen Litauen
Gemeinde: Rajongemeinde Tauragė
Koordinaten: 55° 15′ N, 22° 17′ OKoordinaten: 55° 15′ N, 22° 17′ O
Fläche (Ort): 15,7 km²
 
Einwohner (Ort): 30.000 (2005)
Bevölkerungsdichte: 1.911 Einwohner je km²
Zeitzone: EET (UTC+2)
Telefonvorwahl: (+370) +370
Postleitzahl: LT-72253
Tauragė (Litauen)
Tauragė
Tauragė

GeschichteBearbeiten

 
Evangelisch-Lutherische Kirche in Taurage, erbaut 1843
 
Katholische Dreifaltigkeitskirche in Taurage, geweiht 1904
 
Tauragė 1941

Die Stadt wurde erstmals 1507 im Zusammenhang mit dem Bau einer Kirche erwähnt. Von 1691 bis 1793 gehörte Tauroggen gemeinsam mit Serrey infolge der Heirat des Markgrafen Ludwig von Brandenburg mit der Prinzessin Luise Charlotte von Radziwill zu Preußen. Es wurde wegen der isolierten Lage als Enklave im zu dieser Zeit noch mit Polen verbundenen Litauen als „Entschädigung“ für die Zweite Polnische Teilung an Polen-Litauen abgetreten, fiel aber im Rahmen der dritten Teilung schon 1795 an Russland, bei dem es bis zur Unabhängigkeit Litauens im Jahre 1918 verblieb.

Durch die am 30. Dezember 1812 zwischen dem preußischen Generalleutnant Johann David von Yorck und dem russischen Generalmajor Hans von Diebitsch geschlossene Konvention von Tauroggen ging der Ort in die Geschichtsbücher ein. Die dort vereinbarte Trennung des preußischen Hilfskorps von der französischen Armee leitete die Befreiungskriege ein.

Im Jahr 1836 fiel ein Großteil der Stadt einem Brand zum Opfer. Honoré de Balzac hielt sich 1843 mit seiner Geliebten Ewelina Hańska in Tauroggen auf.[1]

Im Ersten Weltkrieg besetzten nach der gewonnenen Winterschlacht in Masuren deutsche Truppen im Februar 1915 Tauroggen, mussten es am 18. März gegenüber den Russen aufgeben und eroberten es am 29. März zurück.[2] Den Kämpfen fielen bedeutende Teile der städtischen Infrastruktur zum Opfer. Am 9. September 1927 rebellierte die Bevölkerung gegen die Herrschaft des litauischen Präsidenten Antanas Smetona, doch wurde die Revolte schnell niedergeschlagen. Nach der sowjetischen Besetzung Litauens 1940 diente das Schloss von Tauroggen der Internierung litauischer Dissidenten und polnischer Kriegsgefangener. Viele Bewohner des Ortes, darunter die Eltern sowie Verwandte Roman Abramowitschs, deportierte das sowjetische NKWD ab 1940 in den Gulag. Das rettete diese und andere jüdische Familien vor dem Holocaust. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 zogen sich die Sowjets zurück, und Tauroggen wurde am selben Tag von der deutschen Wehrmacht besetzt. Über 4.000 Juden wurden in Tauroggen und den umliegenden Orten ermordet. Im Herbst 1944 endete die deutsche Besatzung mit der erneuten Besetzung durch die Sowjetunion, die bis 1990 dauerte.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

SportBearbeiten

Der FK Tauras Tauragė ist der bedeutendste Fußballverein der Stadt.

MedienBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Edmundas Mažrimas: Prancūzų rašytojas Onorė de Balzakas ir Tauragė. Tauragės kurjeris. 26. Juni 2008. Archiviert vom Original am 7. März 2009. Abgerufen am 13. März 2010.
  2. Meyers Großes Konversations-Lexikon. Kriegsnachtrag. 1. Teil. Bibliographisches Institut, Leipzig, Wien 1916, S. 202 f.
  3. Homepage von TVK. In: tvk.lt. Abgerufen am 17. Januar 2015.

WeblinksBearbeiten

Commons: Tauragė – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien