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Der Primas (Plural Primates (lat.), eingedeutscht Primasse, veraltet auch Primaten) ist in mehreren Kirchen (besonders der römisch-katholischen Kirche) ein oberbischöflicher Ehrentitel. Einem Primas können bestimmte kirchenleitende Funktionen zugeordnet sein. In der anglikanischen Kirchengemeinschaft bezeichnet Primas den leitenden Bischof einer Provinz.

Inhaltsverzeichnis

BedeutungBearbeiten

Historisch gesehen entstand der Titel eines Primas aus der Bezeichnung für den bedeutendsten Bischof einer Provinz des Römischen Reichs.

Der Titel ist meist mit der bedeutendsten oder ältesten Diözese eines Landes oder einer Region verbunden, wobei es im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und in Frankreich zeitweise mehrere Primates gegeben hat. Daraus, dass das Heilige Römische Reich auch das heutige Österreich umfasste, erklärt sich, dass der Salzburger Erzbischof heute noch den Titel Primas Germaniae trägt.

In älterer Zeit erfreuten sich Primates verschiedener Privilegien, z. B. hatten sie das Recht zur Einberufung von Synoden in ihrem Bezirk, den Vorsitz in solchen Versammlungen, untergeordnete Kirchengerichte konnten an den Primas appellieren. Außerdem krönte in der Regel der Primas den Herrscher und hatte das Vorrecht, die Bischöfe seines Gebiets zu weihen. Primates wurden auch als Vikare des Papstes bezeichnet.

Rechtsgrundlage des Primatialtitels war jeweils ein gesondertes päpstliches Privileg. Im Codex Iuris Canonici von 1917 wurde bestimmt, dass Primates nur dann besondere Rechte haben, wenn dies ausdrücklich im Einzelfall festgelegt worden war. Der Codex von 1983 bestimmt ausdrücklich, dass der Titel eines Primas lediglich einen Ehrenvorrang mit sich bringt, es sei denn, dass sich durch ein spezielles Privileg oder eine gebilligte Gewohnheit etwas anderes ergibt (can. 438 CIC). Einige Aufgabenbereiche werden heute von den Bischofskonferenzen wahrgenommen.

Der Primas rangiert in zeremonieller Hinsicht über einem Metropolitanerzbischof, aber unter einem Patriarchen und Großerzbischof. Falls er Kardinal ist, gelten die auf Kardinäle anwendbaren Regeln.

Katholische PrimaseBearbeiten

Bistum Land Zeitraum Titel
Erzbistum Bari-Bitonto Italien circa 1090  Pouille
Erzbistum Salerno-Campagna-Acerno Italien 20. Juli 1098 Ganz Lucanie
1545  Royaume de Naples
Erzbistum Tarragona Spanien 1150, 1869  Espagnes
Erzbistum Tuam Irland 1255  Connaught
Erzbistum Braga Portugal 30. Nov. 1346  Espagnes
circa 1400–1869 Ganz Galice
Erzbistum Dublin Irland 1353, 1674  Irlande
Erzbistum Cagliari Italien 29. Aug. 1087–22. Apr. 1138 ; 1456, 1569  Sardaigne
Erzbistum Santo Domingo Dominikanische Republik 12. Feb. 1546–28. Nov. 1816  Nouveau Monde
28. Nov. 1816  Indes Occidentales
Erzbistum Lima Peru 1572, 1834,23. Mai 1943  Peru
Erzbistum Wien Österreich 01.  1722  Autriche
Erzbistum Bogotá Kolumbien 07. Nov. 1902  Kolumbien
Erzbistum Buenos Aires Argentinien 29. Jan. 1936  Argentinien
Erzbistum Mexiko Mexiko 29. Juni 1951  Mexiko
Erzbistum Québec Kanada 04. Feb. 1956  Kanada
Erzbistum São Salvador da Bahia Brasilien 25. Okt. 1980  Brasilien
Erzbistum Quito Ecuador 11. Nov. 1995  Ecuador
Erzbistum Armagh Irland 1111, IX/1152, 1171, 1261, 1869  Ganz Irland
Bistum Funchal Portugal 03. Nov. 1534–03. Juli 1551  Indes
Trondheim/Nidaros Norwegen 1152–1687  Norwegen
Erzbistum Reims Frankreich circa 850–29. Nov. 1801  Primat entre les primats et l’un des premiers primats des Gaules
1089
1095–29. Nov. 1801  Gaule Belgique
Erzbistum Sens Frankreich 02. Jan. 876–29. Nov. 1801  Gaule & Germanie
Erzbistum Rouen Frankreich 990–29. Nov. 1801  Normandie
Erzbistum Bordeaux Frankreich 1305, 1306–29. Nov. 1801  Aquitaines
Erzbistum Narbonne Frankreich 06. Nov. 1097, 1418–29. Nov. 1801  Gaule Narbonnaise
Doclea Montenegro 877–927  Dalmatie
Bar/Antivari Montenegro 1032,18. Mär. 1067–1078 ; 1199,26. Dez. 1523,14. Feb. 1870,07. Mär. 1902  Serbie
Erzbistum Trier Deutschland <<864–. . .  Province de Belgique
02. Okt. 1137–29. Nov. 1801  Belgique Première
Erzbistum Köln Deutschland 954–29. Nov. 1801  Germanie
Erzbistum Split-Makarska Kroatien 1199, 1636–30. Juni 1828  Dalmatie &Ganz Croatie
Erzbistum Esztergom-Budapest Ungarn 1394,24. Mär. 1452, 1869  Hongrie
Erzbistum Saint Andrews und Edinburgh Schottland, Vereinigtes Königreich 17. Aug. 1472,27. Mär. 1487–V/1694  Ecosse
Malines (-Bruxelles) Belgien 14. Mär. 1560–29. Nov. 1801  Belgique
Goa (-Damão & Cranganore), Indien 1572, 1606  Orient
Erzbistum Warschau Polen 06. Okt. 1818,30. Dez. 1819  Royaume de Pologne
Erzbistum Karthargo Tunesien 530,17. Dez. 1053–18. Okt. 1246 ;10. Nov. 1884–09. Juli 1964  Afrika
Nicosia Zypern 1196–1571  Royaume de Chypre
Auch Frankreich 879–29. Nov. 1801  Novempopulanie
circa 1650–29. Nov. 1801  Deux-Navarres
Vienne Frankreich 28. Juni 1119,25. Feb. 1120–29. Nov. 1801  Primat des primats
Erzbistum Bourges Frankreich circa 840, II/865, 876, 1112, 1126,15. Mär. 1146,04. Apr. 1218, XII/1223,18. Mär. 1232–29. Nov. 1801  Aquitaines
II/865–29. Nov. 1801  Narbonnaises
Erzbistum Lyon Frankreich 20. Apr. 1079, 1095, 1116, I/1121, 1145–29. Nov. 1801 ;25. Juli 1851  Gaules
Erzbistum Toledo Espagne 15. Okt. 1088, 1101, 1118,03. Nov. 1121  Espagne
Erzdiözese Salzburg Autriche 1529, 1869  Germanie
Erzbistum Pisa Italien 30. Mai 1091  Corse
30. Mai 1091–11. Apr. 1176  Judicat de Torres
11. Apr. 1176
31. Dez. 1198  Sardaigne
01. Mai 1138  Toscane
Erzbistum Prag Tschechien 1365  Bohême
Erzbistum Gniezno Polen 1418, 1513, 1869  Pologne
Constantinople (Arménien) Turquie 06. Juli 1830–12. Juli 1867
Erzbistum Skopje Mazedonien 06. Mär. 1656–29. Okt. 1924  Serbie
Erzbistum Mainz Deutschland …–29. Nov. 1801  Germanie
Erzbistum Magdeburg Deutschland 1126–1545 Ganz Germanie
York England, Vereinigtes Königreich XIème siècle, 1353–30. Jan. 1688  England
Canterbury England, Vereinigtes Königreich 1072,05. Apr. 1166–30. Jan. 1688 Ganz England
Erzbistum Uppsala Schweden 1367, 1397, 1455–1687  Schweden
Eauze Frankreich VIème siècle–879  Novempopulanie
Erzbistum Lund Schweden 1163,16. Nov. 1217–1687  Skandinavien
Tirnovo Bulgarien 07. Nov. 1204-1235 ; 1277–circa 1280 Ganz Bulgarie & Valachie

HeraldikBearbeiten

 
Wappen eines katholischen Primas; grüner Galero mit 30 Quasten. Handelt es sich um einen Patriarchen, ist das Grün von Gold eingefasst.

Die meisten Primates benützen heutzutage ihr Wappen als Erzbischof bzw. Kardinal, der Erzbischof von Salzburg führt als Legatus natus ein erzbischöfliches Wappen in Rot (20 Quasten, päpstliches Legatenkreuz in der Mitte, links und rechts davon das erzbischöfliche Kreuz und der Hirtenstab). Es gibt jedoch ein (veraltetes) Wappen für Primates, welches sich von dem des Patriarchen, durch seine nicht in Gold gefassten Quasten und deren Verbindung zum Galero unterscheidet.

Siehe auch: Kirchliche Heraldik

Orthodoxe KirchenBearbeiten

Im Bereich der Orthodoxen Kirchen wird der Titel Primas oft für die Oberhäupter autokephaler Kirchen gebraucht.

Anglikanische KirchengemeinschaftBearbeiten

Innerhalb der Anglikanischen Weltgemeinschaft ist ein Primas das Haupt einer Kirchenprovinz (Landeskirche). In der Regel deckt sich eine Provinz mit einem oder mehreren Nationalstaaten. Der Primas kann der Bischof eines bestimmten Sitzes sein, so wie für England der Erzbischof von Canterbury oder wird auf der Provinzsynode aus dem Kreis der Bischöfe gewählt. In den meisten Fällen trägt er den Titel eines Erzbischofs. Oft ist seine Amtszeit beschränkt. Das Amt des anglikanischen Primas entstand aus dem Primastitel des Erzbischofs von Canterbury.

Siehe auch: Liste der anglikanischen Kirchen

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten