Bistum Funchal

römisch-katholisches Bistum in Portugal

Das Bistum Funchal (lateinisch Dioecesis Funchalensis, portugiesisch Diocese de Funchal) ist eine in Portugal gelegene römisch-katholische Diözese mit Sitz in Funchal auf Madeira.

Bistum Funchal
Basisdaten
Staat Portugal
Metropolitanbistum Patriarchat von Lissabon
Diözesanbischof Nuno Brás da Silva Martins
Emeritierter Diözesanbischof Teodoro de Faria
António José Cavaco Carrilho
Fläche 782 km²
Pfarreien 96 (2016 / AP 2017)
Einwohner 268.000 (2016 / AP 2017)
Katholiken 257.000 (2016 / AP 2017)
Anteil 95,9 %
Diözesanpriester 70 (2016 / AP 2017)
Ordenspriester 28 (2016 / AP 2017)
Katholiken je Priester 2622
Ordensbrüder 33 (2016 / AP 2017)
Ordensschwestern 141 (2016 / AP 2017)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Portugiesisch
Kathedrale Sé Catedral de Nossa Senhora da Assunção
Website www.diocesedofunchal.com

GeschichteBearbeiten

Entwicklung des BistumsBearbeiten

Das Bistum Funchal wurde am 12. Januar 1514 durch Papst Leo X. mit der Apostolischen Konstitution und Päpstlichen Bulle Pro excellenti praeeminentia aus Gebietsabtretungen des Erzbistums Tanger errichtet und dem Patriarchat von Lissabon als Suffraganbistum unterstellt. Auch wurde die Jurisdiktionshoheit des Christusordens über die portugiesischen Überseeterritorien aufgehoben und dem neu errichteten Bistum auf Madeira übertragen.

Das Bistum Funchal wurde am 31. Januar 1533 durch Papst Clemens VII. zum Erzbistum erhoben und ihm die aus seinem Gebiet neu gegründeten Diözesen unterstellt:

  • Erzbistum Funchal (Januar 1533 – Juli 1551)
  1. Bistum Goa (seit Januar 1533)
  2. Bistum Santiago de Cabo Verde (seit Januar 1533)
  3. Bistum Angra (seit November 1534)
  4. Bistum São Tomé und Príncipe (seit November 1534)
  5. Bistum São Salvador da Bahia de Todos os Santos (seit Februar 1551)

Die nach Fläche größte und kirchengeschichtlich bedeutsamste war die Diözese Goa, welche das gesamte Territorium vom Kap der guten Hoffnung bis Japan umfasste.

Am 3. Juli 1551 wurde das Erzbistum Funchal durch Papst Julius III. zum Bistum herabgestuft und dem Patriarchat von Lissabon als Suffraganbistum unterstellt. 1763 gab das Bistum Funchal Teile seines Territoriums zur Gründung der Apostolischen Präfektur Senegal ab. Eine weitere Gebietsabtretung erfolgte am 22. Januar 1842 zur Gründung der Apostolischen Präfektur der zwei Guineas und Senegambia.

Sexueller Missbrauch im Bistum FunchalBearbeiten

In der Nacht zum 2. Mai 1992 kam es im Bistum zu einem Missbrauchsfall mit Todesfolge. 1993 wurde der brasilianische Pater Frederico Cunha ORC, Mitglied des Engelwerkes, vom Bezirksgericht in Santa Cruz wegen vollendeten Mordes und versuchten sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen zu einer Freiheitsstrafe von dreizehn Jahren verurteilt, obwohl mehrere dem Engelwerk angehörige Priester versucht hatten, Zeugen zur Falschaussage anzustiften und Bischof Teodoro de Faria gegen Cunhas Verhaftung protestiert hatte.[1][2][3] Im April 1998 flüchtete Cunha während eines vorübergehenden Freigangs nach Rio de Janeiro.[4][5] Zumindest bis Februar 2016 blieb Cunha im Bistum Funchal inkardiniert.[6][7]

Im November 2017 wies der Journalist António Fontes auf die fortgesetzte Tätigkeit pädokrimineller Priester im Bistum Funchal hin und bezeichnete letzteres in diesem Zusammenhang als „Misthaufen“ (wörtlich monte de esterco).[8] Trotz Cunhas rechtskräftiger Verurteilungen wurde gegen ihn keinerlei Kirchenstrafe verhängt (Stand Februar 2019), weitere Missbrauchsfälle im Bistum blieben ungeklärt.[9]

Im Sommer 2018 verschwand der zum dritten Mal pädokrimineller Handlungen verdächtige und vom vormaligen Ortsbischof António José Cavaco Carrilho vorläufig amtsenthobene Priester Anastácio Alves spurlos. Missbrauchsvorwürfe aus den Jahren 2005 und 2007, während des Episkopats von Bischof Teodorio Faria, waren nicht aufgeklärt worden; Alves wurde wie Cunha von Faria lediglich versetzt. Die jüngsten Vorwürfe gegen Alves waren seitens der römisch-katholischen Kirche gegenüber der Polizei verschwiegen worden; diese erfuhr erst durch die Kinder- und Jugendschutzkommission des portugiesischen Justizministeriums vom Verdacht des Kindesmissbrauchs durch Alves. Auch die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre leitete kein Verfahren gegen Alves ein. Mit Stand von März 2019 konnte Alves vom Ortsbistum nicht zu den Strafanzeigen befragt werden.[10] Im November 2019 erbat Alves seine Entpflichtung als Priester im Bistum Funchal; sein Aufenthaltsort blieb unbekannt, wodurch das eingeleitete Strafverfahren unterbrochen wurde.[11]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Bistum Funchal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Walter Axtmann: Engelwerk: Mord auf Madeira. In: Kirche intern, Mai 1995, S. 41 f.
  2. Ribeiro Cardoso: Jardim, a grande fraude. Editorial Caminho 2011, ISBN 9789722124065. Kapitel ab Pornografia e homossexualidade bei Google Books
  3. Roberto Ferreira: Um caminho sem retorno. Diário de Notícias, 2. September 2018
  4. Manuel Catarino: Os pecados mortais do Padre Frederico (Memento vom 12. Dezember 2013 im Internet Archive), in Correio da Manhã, 20. Mai 2006, im Internet Archive
  5. Ricardo Soares: Terceiro escândalo sexual na Igreja da Madeira. (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive) Tribuna da Madeira vom 9. April 2014
  6. Miguel Silva: Padre Frederico: “Não penso regressar, mas podia voltar e rezar missa”. Diário de Notícias vom 13. Februar 2016
  7. Carlos Diogo Santos: A nova vida do padre Frederico.. Revista Sol vom 24. Juli 2015
  8. António Fontes: O ferrari do padre Giselo. Diário de Notícias, 19. November 2017
  9. Élvio Passos: Investigação do Observador conclui que Igreja portuguesa esconde casos de abusos sexuais incluindo na Madeira. Diário de Notícias, 15. Februar 2019
  10. João Francisco Gomes, Sónia Simões: Padre suspeito de abusos sexuais continua desaparecido. Bispo do Funchal não o consegue interrogar. Observador vom 25. März 2019
  11. Susana Lúcio: Padre investigado por abusos sexuais a menores quer abandonar o sacerdócio. Sábado, 28. November 2019