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Oberweidbach ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Bischoffen im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Der Ort hat einen alten Ortskern mit historischen Gebäuden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort nach Norden erweitert, aber auch in und um den alten Ortskern herum wurden weitere Gebäude errichtet.

Oberweidbach
Gemeinde Bischoffen
Wappen von Oberweidbach
Koordinaten: 50° 43′ 31″ N, 8° 30′ 57″ O
Höhe: 351 m ü. NHN
Fläche: 7,39 km²[1]
Einwohner: 253 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35649
Vorwahl: 06444
Ansicht von Süden
Ansicht von Süden

Geographische LageBearbeiten

Oberweidbach liegt im Gladenbacher Bergland und ist Grenzdorf zum Landkreis Marburg-Biedenkopf sowie der Stadt Gladenbach. Die nächsten Ortschaften sind Niederweidbach, Roßbach, Wilsbach, Rodenhausen, Weidenhausen sowie Bad Endbach und Günterod. Der Ortskern liegt etwa 360 Meter über NN. Die Gegend ist weitestgehend ländlich, etwa die Hälfte der Fläche der Gemarkung Oberweidbach ist bewaldet. Oberweidbach liegt am oberen Ende des Weidbachtals. Die höchste Erhebung, die „Alten Berge“, liegt etwa 100 Meter über dem Dorfkern und liegt auf der Gemarkungsgrenze zum Ortsteil Roßbach. Die Fläche der Gemarkung des Ortes umfasst 739 ha[2].

GeschichteBearbeiten

Die Ersterwähnung geht auf den Codex Eberhardi zurück. Erwähnt ist hier jedoch nur eine Ortschaft mit dem Namen „Weidenbach“, so dass es als erwiesen gilt, dass damit einer der beiden Ortschaften Oberweidbach oder Niederweidbach bezeichnet wird. Da nicht zu ermitteln war, welcher Ort gemeint war, feierten beide Ortsteile im Jahr 2002 gemeinsam das 1200-jährige Dorfjubiläum.

Der genaue Wortlaut der Ersterwähnung: „...Berenwic tradidit sancto Bonifacio bona sua in villa Weidenbach, quicquid ibi proprietatis habuit in agris, pratis, pascuis, silvis, dombibus ac mancipiis et eorum prolibus...“

Die deutsche Übersetzung: „...Berenwic übergab dem heiligen Bonifatius seine Güter im Dorf Weidenbach, was auch immer er dort an Eigentum hatte an Äckern, Wiesen, Weiden, Wäldern, Häusern, Hörigen und deren Nachkommen...“

Da das genaue Datum der Aufzeichnung unbekannt ist, wird als Jahr der Ersterwähnung 802 angenommen, das Jahr in dem der im Codex Eberhardi erwähnte Bonifatius starb.

Im Jahre 1833 kauften sich die Bewohner von Oberweidbach von der Leibeigenschaft der Grafen von Solms für 3.360 Gulden frei.

Auf der heutigen Gemarkung von Oberweidbach hat es in der Vergangenheit eine Wüstung mit dem Namen Obermoorbach gegeben, die jedoch aufgrund stark zurückgegangener Einwohnerzahlen im 15. Jahrhundert aufgegeben wurde. Die Wüstung lag etwa 1,5 km westlich des Ortskerns in einem Seitental des Weidbachtals.

Am 15. Februar 1922 wurde Oberweidbach mit elektrischem Strom versorgt. Eine gemeindliche Leitung zur Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser wurde 1925 gebaut.

GebietsreformBearbeiten

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden zum 1. Juli 1974 die Gemeinden Bischoffen, Niederweidbach, Oberweidbach und Wilsbach kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Bischoffen zusammengeschlossen.[3] Bereits am 1. April 1972 wurde die Gemeinde Roßbach in die Gemeinde Niederweidbach eingegliedert.[4] Auf Grund ihrer geographischen Lage und wirtschaftlichen Orientierung wurde die Gemeinde Bischoffen ebenfalls zum 1. Juli 1974 dem Landkreis Wetzlar zugeordnet und ging mit diesem am 1. Januar 1977 in den Lahn-Dill-Kreis über.[5] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke errichtet.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Oberweidbach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[6][7]

Gerichte seit 1803Bearbeiten

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Oberweidbach das „Amt Königsberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. „Landgericht Gladenbach“ war daher von 1821 bis 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Oberweidbach zuständig war.

Nach der Abtretung des Kreises Biedenkopf an Preußen infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch.[11] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[12] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[13] Aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes 1877 kam es mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 zum Wechsel des Amtsgerichts in den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Marburg.[14]

Vom 1. Oktober 1944[15] bis 1. Januar 1949[16] gehörte das Amtsgericht Gladenbach zum Landgerichtsbezirk Limburg, danach aber wieder zum Landgerichtsbezirk Marburg. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Aufhebung des Amtsgerichts Gladenbach[17], welches fortan nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf fungierte.[18] Am 1. November 2003 wurde diese Zweigstelle schließlich aufgelöst.[19] Mit dem Wechsel von Oberweidbach 1974 in den Kreis Wetzlar erfolgte auch die Zulegung zum Bereich des Amtsgerichts Wetzlar. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Limburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

  • 1577: 30 Hausgesesse
  • 1677: 20 Hausgesesse (14 Männer, 6 Witwen), 4 Beisassen, 7 Jungmannschaften
  • 1742: 42 Haushalte
Oberweidbach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 1967
Jahr  Einwohner
1791
  
179
1830
  
209
1834
  
199
1840
  
211
1846
  
213
1852
  
222
1858
  
210
1864
  
190
1871
  
169
1875
  
188
1885
  
184
1895
  
180
1905
  
182
1910
  
194
1925
  
192
1939
  
201
1946
  
298
1950
  
312
1956
  
266
1961
  
260
1967
  
266
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [6]; 1791:[8]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

1830: 209 evangelische Einwohner
1885: 184 evangelische, keine katholischen Einwohner
1961: 209 evangelische (= 80,38 %), 48 römisch-katholische (= 18,46 %) Einwohner

PolitikBearbeiten

OrtsbeiratBearbeiten

Oberweidbach verfügt über einen dreiköpfigen Ortsbeirat mit Ortsvorsteher. Nach den Kommunalwahlen in Hessen 2016 ist die Ortsvorsteherin Margot Lipp.[20]

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 7. Mai 1956 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „In Blau ein silberner schräglinker Wellenbalken, oben beseitet von einem goldenen Weidenzweig.“

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

VereineBearbeiten

In Oberweidbach gibt es einige Traditionen, die nach wie vor gepflegt werden. Es sind fünf Vereine im Ort ansässig:

  • Verein der Freiwilligen Feuerwehr Oberweidbach
  • Landfrauen Oberweidbach
  • Burschenschaft Oberweidbach
  • LAN-Clan
  • Dance Aerobic Club

KulturdenkmälerBearbeiten

siehe Liste der Kulturdenkmäler in Oberweidbach

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftsstrukturBearbeiten

Traditionell ist der Ort landwirtschaftlich geprägt. Seit dem Zweiten Weltkrieg gaben jedoch immer mehr Bewohner die Landwirtschaft auf, um in Industrie und Handel zu arbeiten. In der heutigen Zeit gibt es keinen hauptberuflichen Landwirt mehr in Oberweidbach, jedoch noch einige Familien, die die Landwirtschaft nebenberuflich betreiben.

In Oberweidbach gibt es mehrere kleine mittelständische Betriebe.

VerkehrBearbeiten

Neben dem Schulbusverkehr gibt es nur einen sehr geringen öffentlichen Personennahverkehr, so dass nahezu alle Einwohner auf den Individualverkehr angewiesen sind.

Oberweidbach liegt an der viel befahrenen Bundesstraße 255, die das Rheinland mit der in Richtung Kassel führenden Bundesstraße 3 verbindet.

LiteraturBearbeiten

  • 802–2002 – Weidbach 1200 Jahre – Ein Heimatbuch, herausgegeben von der Interessengemeinschaft Weidbacher Vereine e.V. im Jahre 2002 zum 1200-jährigen Jubiläum von Niederweidbach und Oberweidbach
  • Literatur über Oberweidbach in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

  Commons: Oberweidbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Oberweidbach im Internetauftritt der Gemeinde Bischoffen, abgerufen am 23. März 2018.
  2. Gemeinde Bischoffen, Flächenangaben, abgerufen im Mai 2019-
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 19 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 283
  5. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 22 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  6. a b c d Oberweidbach, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 203, 277 (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (online bei Google Books).
  10. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 420 (online bei Google Books).
  11. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  12. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  13. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220)
  14. Verordnung, betreffend die Errichtung der Amtsgerichte vom 26. Juli 1878 (PrGS 1878, S. 275–283)
  15. Erlaß zur Änderung von Oberlandesgerichtsbezirken vom 20. Juli 1944 (RGBl. I S. 163)
  16. Der Hessische Minister der Justiz: Betrifft: Gerichtsorganisation (Änderung von Landgerichtsbezirken) vom 14. Dezember 1948. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1948 Nr. 52, S. 563, Punkt 728 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).
  17. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 6 b) und Artikel 2, Abs. 8 a) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  18. Der Hessische Minister Justiz: Betrifft: Gerichtsorganisation (Errichtung von Zweigstellen der Amtsgerichte) vom 1. Juli 1964. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 28, S. 1037, Punkt 777: § 1 Abs. 5 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,8 MB]).
  19. Der Hessische Minister der Justiz: Dritte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen (Ändert GVBl. II 210–33; GVBl. II 210–86) vom 10. Oktober 2003. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2003 Nr. 16, S. 291, Artikel 1, Abs. 3) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 531 kB]). bezieht sich auf Anordnung über die Errichtung und Zuständigkeit von gerichtliche Zweigstellen (Ändert GVBl. II 210-33) vom 24. Mai 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 18, S. 539 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,6 MB]).
  20. Ortsbeirat Oberweidbach im Internetauftritt der Gemeinde, abgerufen in Februar 2017.