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Nahe
Einzugsgebiet der Nahe und ihrer Zuflüsse

Einzugsgebiet der Nahe und ihrer Zuflüsse

Daten
Gewässerkennzahl DE: 254
Lage Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Quelle bei Nohfelden-Selbach
49° 32′ 27″ N, 7° 1′ 33″ O
Quellhöhe 459 m ü. NHN[1]
Mündung in Bingen bei Flusskilometer 529,1 von links in den RheinKoordinaten: 49° 58′ 12″ N, 7° 53′ 19″ O
49° 58′ 12″ N, 7° 53′ 19″ O
Mündungshöhe 79 m ü. NHN[1]
Höhenunterschied 380 m
Sohlgefälle 3 ‰
Länge 125,1 km[2]
Einzugsgebiet 4.067,068 km²[2]
Abfluss am Pegel Grolsheim[2]
AEo: 4013 km²
Lage: 7,4 km oberhalb der Mündung
NNQ (8. August 1986)
MNQ
MQ
Mq
MHQ
HHQ (21. Dezember 1993)
1,62 m³/s
4,48 m³/s
29,2 m³/s
7,3 l/(s km²)
342 m³/s
917 m³/s
Abfluss an der Mündung[3]
AEo: 4067 km²
MQ
Mq
29,5 m³/s
7,3 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse Traunbach, Schwollbach, Idarbach, Fischbach, Hahnenbach, Simmerbach/Kellenbach, Ellerbach, Guldenbach
Rechte Nebenflüsse Heimbach, Glan, Alsenz, Appelbach, Wiesbach
Durchflossene Stauseen Kammerwoog, Stausee Niederhausen
Mittelstädte Idar-Oberstein, Bad Kreuznach, Bingen
Kleinstädte Kirn, Bad Sobernheim, Bad Münster am Stein-Ebernburg
Die Nahequelle bei Selbach in der Gemeinde Nohfelden

Die Nahequelle bei Selbach in der Gemeinde Nohfelden

Nahebrücke in Bad Kreuznach

Nahebrücke in Bad Kreuznach

Blick vom Rüdesheimer Berg zur Mündung der Nahe in den Rhein mit einer Brücke für linksrheinischen Eisenbahn- und Straßenverkehr; links die Altstadt von Bingen am Rochusberg, rechts der Stadtteil Bingerbrück und hinten die mittelalterliche Drususbrücke

Blick vom Rüdesheimer Berg zur Mündung der Nahe in den Rhein mit einer Brücke für linksrheinischen Eisenbahn- und Straßenverkehr; links die Altstadt von Bingen am Rochusberg, rechts der Stadtteil Bingerbrück und hinten die mittelalterliche Drususbrücke

Die Nahe (lateinisch Nava, ursprünglich keltisch Wilder Fluss) ist ein etwa 125 km langer, linker Nebenfluss des Rheins im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

VerlaufBearbeiten

 
Idar-Oberstein vor der Naheüberbauung (ca. 1980)
 
Naheüberbauung (Nahehochstraße; B 41) im Stadtteil Oberstein

Die Nahe trennt die Mittelgebirge Nordpfälzer Bergland und Hunsrück sowie die Naturräume Saar-Nahe-Bergland und Hunsrück. Sie durchfließt nacheinander den saarländischen Landkreis St. Wendel sowie die rheinland-pfälzischen Kreise Birkenfeld, Bad Kreuznach und Mainz-Bingen.

Der Fluss entspringt im Saarland im Naturraum Primstaler Höhen auf dem Südhang des 505 m hohen Eckersbergs. Die gefasste Quelle liegt nordwestlich von Selbach an einem Waldrand. Anfangs durchfließt die Nahe zwei Nohfeldener Ortsteile, zunächst Selbach und unterhalb davon Gonnesweiler. Dort erhält sie über die Bos Zufluss aus dem Stausee Bostalsee, den sie im Südosten passiert. Nach Durchfließen des Hauptortes von Nohfelden verlässt sie das Saarland in nordöstlicher Richtung und überquert die Grenze zu Rheinland-Pfalz.

Weiter in diese Richtung führt der Flusslauf unter anderem durch Hoppstädten-Weiersbach nach Idar-Oberstein. 1985 wurde hier im Stadtteil Oberstein die Nahe auf 1875 m Länge mit der Nahehochstraße überbaut, um die Altstadt vom Durchgangsverkehr der Bundesstraße 41 zu entlasten. Flussabwärts folgen die Orte Kirn, Monzingen, Bad Sobernheim und Niederhausen sowie Bad Münster am Stein, Bad Kreuznach und Gensingen.

Schließlich passiert die Nahe – nun in nördlicher Richtung fließend – den Rochusberg und gelangt nach Bingen am Rhein, wo sie am Rheinknie von Süden her beim Rheinkilometer 529,1 in den Rhein mündet. Die Nahe hat hier eine mittlere Wasserführung von 30 m³/s. Die Nahemündung gilt als Grenze zwischen Oberrhein und Mittelrhein.

EinzugsgebietBearbeiten

Das Einzugsgebiet der Nahe umfasst eine Fläche von 4065 km². Es wird über den Rhein zur Nordsee entwässert

Aufgrund dieses im Vergleich zur Flusslänge großen Einzugsgebietes können im Mittel- und Unterlauf innerhalb von wenigen Stunden sehr starke Hochwässer auftreten, die aber auch schnell wieder abfließen. Dabei kann es in Bad Kreuznach zu Abflussmengen von über 1000 m³/s, an der Mündung von über 1300 m³/s kommen.

Die Ausdehnung des Einzugsgebietes ist der Karte zu entnehmen. Seine Grenzen sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten:

ZuflüsseBearbeiten

Die Länge der Zuflüsse größer 10 km
 

Die linken Zuflüsse sind in dunklem, die rechten in hellem Blau talwärts aufgeführt.

Das Einzugsgebiet größer 25 km²
 

Die linken Zuflüsse sind in dunklem, die rechten in hellem Blau talwärts aufgeführt.

Sortierbare Tabelle

In der folgenden Tabelle werden die meisten Nebenflüsse der Nahe genannt. Angegeben wird die orographische Lage der Mündung,[1] die Länge inklusive der Quellflüsse,[4] das Einzugsgebiet,[4] die Höhenlage der Mündung[1] und die Gewässerkennzahl.[4]

Name

Lage

Länge
in km
EZG
in km²
Mündung Naturraum

GKZ

Bemerkung

Höhe
in m. ü.
NHN
Ort


Oberthaler Bruchbach rechts 0,900 ca. 2,5 km östlich von Selbach Leißberg im Saarland
Neunkircher Bach[5] links 3,500 3,944 389 Theley-Selbacher Hochmulde
Leißberg
254-1112
Leißbach[6]
Bach aus dem Silzwald
rechts 2,400 3,000 bei Nohfelden-Elzenberger Mühle Leißberg 254-1114
Enkersbruchbach links 0,300 nördlich der Elzenberger Mühle 254-1115?
Kochlands-Weiher-Bach links 0,900 254-1115?
Bocksborn rechts 0,800 254-1115?
Schossberggraben rechts 0,600 bei Nohfelden-Gonnesweiler 254-1115?
Bos links 5,800 12,634 379 in Nohfelden-Gonnesweiler 254-1116
Gonnesweiler Dörrenbach links 1,100 nordöstlich von Nohfelden-Gonnesweiler 254-1117?
Walhausener Bach rechts 4,300 7,775 366 gegenüber Nohfelden-Türkismühle Hirsteiner Bergland
Nohfelder Kuppenland
254-1118
Söterbach links 9,800 31,452 365 in Türkismühle Prims-Traun-Senke
Söterner Mulde
Nohfelder Kuppenland
254-112
Kappbach links 4,200 3,407 358 254-1132
Pedelsbach rechts 1,544
Wallgraben rechts 0,700 in Nohfelden 254-113?
Freisbach rechts 12,900 43,369 350 in Nohfelden 254-114
Kellerbach links 2,811 3,922 344 254-1152 in Rheinland-Pfalz
Neubrücker Mühlbach links 0,443 0,134 337 bei Ellweiler-Neubrücker Mühle 254-1154 Ursprung: Abschlag von Traunbach
Traunbach links 19,183 64,671 335 bei Ellweiler-Neubrücker Mühle 254-116
Obelsfluß / Rohwiesfloß rechts 1,348 2,441 332 254-1172
Bach vom Weisenberg rechts 1,515 0,898 331 254-11792
Steinaubach links 10,471 26,092 330 nach Hoppstädten-Weiersbach-Neubrücke 254-118
Hoppstädter Bach links 0,855 1,353 328 254-11912
Weiersbach rechts 2,171 2,306 327 254-119192
Staffelbach links 5,292 10,439 326 nach Hoppstädten-Weiersbach-Hoppstädten 254-1192
Mühlenbach links 1,162 1,040 325 254-11992
Bach an der Mausemühle rechts 0,899 0,394 322 254-11994
Bach am Steinernen Mann rechts 1,833 1,666 322 254-11996
Heimbach mit Oberlauf Reichenbach rechts 10,451 74,136 317 vor Heimbach-Bahnhof Heimbach (Nahe) 254-12
NN links 0,860 1,678 300 Grenze Nohen / Hoppstädten 254-132
Kleiner Hohlbach rechts 0,473 0,332 298 gegenüber Nohen 254-1332
Nohener Bach links 0,569 0,333 298 in Nohen 254-1334
Hohlbach rechts 1,065 0,779 298 gegenüber Nohen 254-1336
Röhmbach links 2,615 2,765 297 in Nohen 254-134
Kippbach / Odelsgraben links 1,216 1,147 290 254-13912
Druckholzgraben links 0,325   289 254-13919a
Reilsbach / Landsgraben rechts 1,353 1,807 288 bei Nohen 254-1392
Bach vom Sperrenkopf / Sperrengraben rechts 0,772 0,636 284 bei Kronweiler 254-1394
Schwollbach links 14,451 66,194 283 in Kronweiler 254-14
Reibertsbach rechts 1,575 1,282 281 Grenze Frauenberg / Reichenbach 254-1512
Ellenbach rechts 3,823 4,670 277 nördlich der Ruine Frauenburg 254-152
Frauenberger Bach / Selbach rechts 1,415 0,873 273 bei Frauenberg 254-15312
Waldbach rechts 0,563 0,249 273 nach Frauenberg 254-153192
Schachersgraben links 0,877 271 Länge: eigene Messung
Klausgraben rechts 1,122 1,032 269 254-1532
Teufelsgraben links 0,767 0,604 269 254-1534
Lambach links 2,167 2,671 267 gegenüber von Idar-Oberstein-Hammerstein 254-154
Siesbach links 11,348 24,825 263 auf der Gemeindegrenze von Oberbrombach zu Idar-Oberstein-Enzweiler 254-156
Hasbach rechts 0,846 0,662 249 vor Idar-Oberstein 254-1592
Idarbach links 21,516 93,665 252 im zentralen Idar-Oberstein 254-16 Mündung überbaut durch B41
Wüstlautenbach rechts 4,542 4,296 252 im zentralen Idar-Oberstein 254-172 Mündung überbaut durch B41
Schönlauterbach rechts 6,165 10,028 247 im zentralen Idar-Oberstein 254-174 Mündung überbaut durch B41
Seitzenbach links 1,498 0,735 247 254-1751112 Mündung überbaut durch B41
Fallbach rechts 0,373 0,862 237 254-1751192
Kleintiefenbach rechts 0,753 0,687 234 254-17512
Großtiefenbach rechts 3,356 3,124 233 zwischen dem zentralen Idar-Oberstein und Idar-Oberstein-Nahbollenbach 254-1752
Bollenbach rechts 7,594 15,614 225 in Nahbollenbach 254-176
Ringelbach links 3,227 3,791 224 gegenüber von Nahbollenbach 254-1792
Heidengraben links 0,983 0,298 221 gegenüber Nahbollenbach 254-17932
Kesselgraben links 0,542 0,518 215 gegenüber Weierbach 254-17934
Schnorrenbach rechts 2,809 2,391 215 in Weierbach 254-1794
Dickesbach rechts 4,515 5,648 209 in Weierbach 254-17992
Fischbach links 21,335 97,614 208 in Fischbach 254-18
Reidenbach rechts 7,868 11,913 206 bei Idar-Oberstein-Niederreidenbacher Hof 254-192
Bärenbach rechts 11,875 20,780 200 bei Bärenbach 254-194
Rohrsbach links 2,272 2,390 195 bei Kirnsulzbach 254-1952
Bärenbach rechts 1,079 0,620 194 gegenüber Kirnsulzbach 254-19592
Großbach rechts 15,192 41,848 189 in Kirn-Ölmühle Spielmann 254-196
Hahnenbach links 37,964 268,273 184 im zentralen Kirn 254-2
Heidegraben / Meckenbach rechts 4,825 7,431 179 nach Kirn 254-32
Itzbach links 3,018 2,740 177 254-332
Simmerbach links 57,159 395,061 168 beim Simmerhammer (Simmertal) 254-4
Aresbach rechts 3,222 2,557 162 vor Merxheim 254-512
Naugraben rechts 1,457 1,627 161 nördlich von Merxheim 254-5132
Etterbach links 3,657 4,830 160 gegenüber Merxheim 254-514
Albach rechts 5,503 8,213 160 nördlich von Merxheim 254-516
Gaulsbach links 12,862 44,576 156 in Monzingen 254-52
Altenberger Bach rechts 6,047 8,852 146 bei Meddersheim 254-54
Hottenbach rechts 6,402 13,765 145 gegenüber Bad Sobernheim 254-552
Dornbach links 6,983 10,603 142 in Bad Sobernheim 254-56
Schlossgraben rechts 1,300 3,101 141 254-5712
Botzbach links 4,683 4,191 141 in Bad Sobernheim 254-572
Leinenborngraben links 0,917 1,554 140 östlich von Bad Sobernheim 254-5792
Höhnebach / Hoenerbach links 0,698 0,720 140 östlich von Bad Sobernheim 254-57992
Grundbach rechts 5,707 10,159 137 in Staudernheim 254-58
Glan rechts 89,686 1220,446 131 nach Staudernheim 254-6
Brühlgraben rechts 0,929 1,118 128 254-712
Oberstreiterbach / Oberstreiter Bach links 2,080 2,858 128 254-714
Seibersbach links 5,997 10,870 127 am ehemaligen Bahnhof von Waldböckelheim 254-72
Eisbach / Entenbach links 3,696 9,388 125 254-732
Hagenbach rechts 5,748 19,078 122 nach Oberhausen an der Nahe 254-74
Trombach rechts 4,541 6,538 121 gegenüber Niederhausen 254-76
Niederhauser Wingertbach / Großbruckergraben links 0,739 0,989 117 254-79114
Naumberger Bächlein links 0,628 0,618 116 254-79114
Grasbach rechts 3,281 2,778 110 in Bad Kreuznach-Ebernburg 254-792
Alsenz rechts 49,919 327,664 110 bei Ebernburg 254-8
Ellerbach links 27,245 185,998 099 in Bad Kreuznach 254-92
Winzenheimer Graben links 1,532 2,524 096 254-932
Birnbach rechts 0,511 9,164 096 254-934
Appelbach rechts 39,631 171,252 094 bei Bad-Kreuzbach-Planig 254-94
Guldenbach links 32,689 172,463 093 nach Bretzenheim 254-96
Wiesbach rechts 44,649 202,010 088 bei Gensingen 254-98
Guldenbach links 1,011 8,284 085 254-99192
Aspisheimerbach rechts 6,800 7,420 082 254-992
Trollbach links 4,218 8,990 082 bei Münster-Sarmsheim-Trollmühle 254-994
Ockenheimer Graben rechts 4,470 7,566 082 254-994
Sarmsheimer Graben links 0,960 0,012 081 254-9956
Krebsbach links 4,870 6,781 080 in Münster-Sarmsheim Waldalgesheimer Kalkmulde
Horetriegel
Äußeres Kreuznacher Lösshügelland
Naheniederung
254-996
Büdesheimer Graben rechts 3,350 5,910 080 254-9972
Mühbach links 1,717 2,136 079 Waldalgesheimer Kalkmulde
Rochusbergdurchbruch
254-998

StauseenBearbeiten

 
Stauwehr Niederhausen
  • Der Kammerwoog liegt unmittelbar oberhalb von Idar-Oberstein. Mit diesem Stauwerk wird bei Bedarf das Durchflussvolumen der Nahe reguliert, da der Fluss in Idar-Oberstein unter der Naheüberbauung nur über einen beschränkten Pegel verfügt.
  • Die Gänsmühle in Martinstein nutzt das Wasser des leicht aufgestauten Flusses zur Stromgewinnung, wodurch maximal 30 kW erzeugt werden.
  • An Hüsters Mühle in Idar-Oberstein wird ebenfalls Strom durch Wasserkraft erzeugt; die Leistung der Anlage beträgt maximal 200 kW. Am Stauwehr wurde in den Jahren 2008/2009 durch den Betreiber und den Landkreis Birkenfeld eine Fischaufstiegs- und -abstiegshilfe installiert, die erste und bislang einzige an der Nahe.
  • Bei Niederhausen durchfließt die Nahe den gleichnamigen Stausee, der sich hinter einer Staustufe befindet und 800.000 m³ Volumen besitzt. Auch hier wird Strom erzeugt, unter optimalen Bedingungen werden von zwei Generatoren insgesamt 3200 kW in das 20-kV-Netz eingespeist.

OrteBearbeiten

Am Fluss liegen die folgenden Orte von der Quelle zur Mündung (mit Land und Kreis):

 
Boos an der Nahe, die Nahetalbahn tangiert den Ort
 
Luftaufnahme von Bingen; Bingen Kernstadt mit Scharlachberg, Nahe mit Drususbrücke, Bingerbrück

GeologieBearbeiten

 
Kreuznach-Formation in Bad Kreuznach

Die Täler der Nahe und ihrer Nebenbäche formten sich in geologisch junger Zeit infolge einer Hebung der Erdoberfläche. Die Gewässer erhielten dadurch ein stärkeres Gefälle. Vor allem in Schmelzperioden während der Eiszeiten, als hier Tundrenklima herrschte und der Boden nicht durch eine dichte Vegetation geschützt war, kam es zu starker Erosion durch die reißende Strömung der Bäche und Flüsse. Je nachdem, wie hart der Gesteinsuntergrund war, entstanden dabei enge Täler mit schroffen Felshängen oder weiträumige, sanft geformte Täler. Im Nahegebiet ist der häufige Wechsel zwischen beiden Formen reizvoll. Enge und felsige Talabschnitte finden sich da, wo harte vulkanische Gesteine anstehen, weiträumige im Bereich weicherer Sedimentgesteine. Überwiegend gehören die Gesteine der geologischen Epoche des Rotliegend am Ende des Erdaltertums an. Damals herrschte im Bereich des Nahegebietes ein lebhafter Vulkanismus.

 
Rotliegend-Rhyolith („Quarzporphyr“) des Saar-Nahe-Beckens im Aufschluss. Wöllstein nahe Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz

Das rötliche Vulkangestein Rhyolith verwittert in den höher gelegenen, niederschlagsreicheren Teilen des Nahegebietes zu relativ saurem Boden. Dort ist die typische Flora nur schwach vertreten. In der Gegend um Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein jedoch herrscht im Regenschatten des Hunsrücks warmes und recht trockenes Klima. Dort liefert der Rhyolith bei der Verwitterung neutrale bis basische Böden, auf denen sich geradezu ein „Hot Spot“ botanischen Artenreichtums entwickelt hat. Dieser beruht auch darauf, dass sich die Nahe dort durch ein mächtiges Rhyolithmassiv genagt und dabei steile Felshänge geschaffen hat, darunter den berühmten Rotenfels, der rund 200 m nahezu senkrecht aufragt und die höchste Felswand Deutschlands außerhalb der Alpen ist. Er präsentiert sich als riesiger natürlicher Steingarten.

 
Blick zum Gangelsberg

Ideale Standorte für die wärmeliebende Flora bietet auch das basischere Vulkangestein Andesit, dessen Vorkommen sich über das gesamte Nordpfälzer Bergland verteilen. Mehrmals musste sich die Nahe durch Andesit-Querriegel hindurchnagen, weshalb botanisch bedeutsame Felshänge, die größtenteils als Naturschutzgebiete eingestuft sind, wie Perlen einer Kette ihren Lauf begleiten. Genannt seien der Hellberg bei Kirn, der Flachsberg bei Martinstein und der Gangelsberg bei Duchroth.

Der Oberlauf der Nahe durchquert das Andesitplateau von Baumholder. Es entstand zur Zeit des Rotliegend als riesige Lavadecke mit einem Durchmesser von rund 20 km. An seinem Rande liegt die Edelsteinstadt Idar-Oberstein. Sie ist in Felshänge eingebettet, die sich ebenfalls durch reiche botanische Vorkommen auszeichnen. Flussaufwärts von Idar-Oberstein klingt die Xerothermvegetation allmählich aus, da das Klima dort kühler und feuchter wird.

Ebenfalls im Bereich des Andesitplateaus liegt der fast 12.000 Hektar große Truppenübungsplatz Baumholder, der ein hervorragendes Naturreservat darstellt. Durch das extensive Befahren mit Kettenfahrzeugen und die Beweidung durch Wanderschafherden blieb dort geradezu die Agrarlandschaft des frühen 20. Jahrhunderts erhalten. Das Betretungsverbot aus militärischen Gründen garantiert dort einen besonders wirksamen Schutz von Fauna und Flora.

FloraBearbeiten

Seit dem 19. Jahrhundert sind das Nahetal und das südöstlich davon gelegene Nordpfälzer Bergland Ziel in- und ausländischer Botaniker und Naturfreunde. Durch zahlreiche naturwissenschaftliche und heimatkundliche Veröffentlichungen wurde bekannt, dass dort in großer Zahl wärmeliebende Pflanzenarten vorkommen, die ihre Hauptverbreitung teils in Südeuropa, teils in den Steppengebieten von Osteuropa bis Asien haben. Charakteristische Arten sind zum Beispiel Berg-Steinkraut (Alyssum montanum subsp. montanum), Gold-Aster (Aster linosyris), Grundblütige Segge (Carex halleriana), Diptam (Dictamnus albus), Pfingst-Nelke (Dianthus grationopolitanus), Bleicher Schöterich (Erysimum crepidifolium), Bleicher Schwingel (Festuca pallens), Felsen-Gelbstern (Gagea bohemica subsp. saxatilis), Blaugrünes Labkraut (Galium glaucum), Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), Großes Federgras (Stipa pulcherrima) und Roßschweif-Federgras (Stipa tirsa).

Diese Pflanzen sind in einer nacheiszeitlichen Wärmeperiode nach Europa eingewandert. Als danach das Klima erheblich kühler und feuchter wurde, starben sie im größten Teil Deutschlands wieder aus. Sie überlebten nur an Stellen, wo aufgrund besonderer geographischer Gegebenheiten kleinräumig weiterhin Wärme und Trockenheit herrschten, an die sie angepasst sind. Im Nahetal und seinen Seitentälern sind dies besonders Felshänge, die nach Süden oder Südwesten gerichtet sind, so dass im Sommer die Sonnenstrahlen in steilem Winkel auftreffen. An heißen Sommertagen entwickeln sich dort wahrlich steppenhafte Verhältnisse mit Bodentemperaturen von 60 °C oder mehr. Aber nicht nur Felsen, sondern auch Laubwälder und Gebüsche, welche weniger felsige Steilhänge bedecken, weisen ein ziemlich warmes und trockenes Lokalklima auf und eignen sich als Lebensräume für wärmeliebende und trockenheitsertragende Pflanzen. Ihre Gesamtheit wird als Xerothermvegetation bezeichnet.

TourismusBearbeiten

Die als Naheland bezeichnete Region bietet vielfältige touristische Anreize:

  • Der Nahe-Radweg ermöglicht es, den gesamten Flussverlauf von der Quelle bis zur Mündung kennenzulernen.
  • Die Landschaft an der mittleren und unteren Nahe ist nahezu deckungsgleich mit dem Weinbaugebiet Nahe, das trotz seiner geringen Größe bis 2017 schon neun Deutsche Weinköniginnen gestellt hat.
  • Auf den Höhen von Hunsrück und Nordpfälzer Bergland zu beiden Seiten des Flusses liegen zahlreiche Burgen und Schlösser, so die Ebernburg, auf der 1481 der rebellische Ritter Franz von Sickingen geboren wurde. Das Kloster Disibodenberg, dessen Ruine den Disibodenberg am Zusammenfluss von Nahe und Glan krönt, wurde am Anfang des 8. Jahrhunderts gegründet.
  • Einen Besuch wert sind in Idar-Oberstein das Edelsteinmuseum und in Bad Kreuznach die Kuranlagen mit Thermal- und Solebädern sowie die Brückenhäuser, ebenso der alte Dorfkern von Monzingen mit seinen historischen Gebäuden wie dem Alt’schen Haus und anderen sehenswerten Bauwerken. Die Drususbrücke bei Bingen ist die älteste Steinbrücke des Mittelalters in Deutschland; sie wurde im 11. Jahrhundert erbaut. Das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum in Bad Sobernheim präsentiert vier Dörfer mit restaurierten historischen Häusern aus den verschiedenen Regionen von Rheinland-Pfalz.
  • Der 202 m hohe und 1200 m lange Rotenfels bei Bad Münster am Stein-Ebernburg wurde durch die Nahe geschaffen und ist die größte Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien.
  • Im Soonwald 9 km nördlich der Nahe soll sich um 1800 der Räuber Johannes Bückler, der unter dem Namen „Schinderhannes“ bekannt war, in der nach ihm benannten Höhle versteckt gehalten haben.
  • Auf den Höhen des Hunsrücks, genau auf der Wasserscheide der Nahe zur Mosel, liegt der Flughafen Hahn.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Topographische Karte 1:25.000.
  2. a b c GeoExplorer der Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  3. Pegelwert Grolsheim vermehrt um den Gebietsabfluss von ca. 5 l/(s*km²) im Resteinzugsgebiet von 54 km².
  4. a b c Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland
  5. Wird auf dem Kartenviewer Saarland Stollenborn genannt
  6. Name beim Kartenviewer Saarland