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Mittelsinn

Gemeinde im Landkreis Main-Spessart in Deutschland

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Mittelsinn liegt in der Region Würzburg. Ein wichtiger Aspekt der Geografie Mittelsinns ist die Sinn, die sich durch den Ort zieht. Auf dem Wappen ist sie im unteren Bereich (grüner Hintergrund) zu erkennen. Mittelsinn liegt zwischen Obersinn und Burgsinn. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich mit 453 m ü. NN (Lage) am Gippel des Berges Kuppe, östlich von Mittelsinn, der niedrigste liegt an der Sinn auf 188 m ü. NN (Lage).

GemeindegliederungBearbeiten

Mittelsinn hat nur einen Ortsteil.[2]

Es gibt die Gemarkung Mittelsinn.

NachbargemeindenBearbeiten

Markt
Obersinn
Forst Aura
(Gemeindefreies Gebiet)
  Forst Aura
(Gemeindefreies Gebiet)
Gemeinde
Aura im Sinngrund
Markt
Burgsinn

NameBearbeiten

EtymologieBearbeiten

Das Grundwort im Namen geht auf den den Ort durchfließenden Fluss Sinn zurück. Der Zusatz „Mittel“ wurde verwendet, um Mittelsinn von den naheliegenden Dörfern Obersinn und Niedersinn (heute Burgsinn) zu unterscheiden und weist auf die Lage im Tal hin.[3]

Frühere SchreibweisenBearbeiten

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1295 „Melesynnen“
  • 1319 „Metelnsinne“
  • 1346 „Miltelsynne“
  • 1364 „Metelsynne“
  • 1369 „Metelsinne“
  • 1372 „Metelnsinne“
  • 1376 „Mettelnsin“
  • 1377 „Mittelnsynne“
  • 1542 „Mittelsynn“
  • 1600 „Mittelsinn“

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Der größte Teil des ehemaligen Amts Aura im Sinngrunde des Hochstiftes Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, war 1808 an das Fürstentum Aschaffenburg (1803 erst an Bayern, 1805 an das Großherzogtum Würzburg) gefallen. 1812 gehörte Mittelsinn zum Großherzogtum Frankfurt und lag mit 40 Feuerstellen und 480 Seelen in der Districtsmairie Altengronau des Departements Hanau und mit der Emrichsthaler Glashütte, einer Ziegelhütte, 58 Feuerstellen und 555 Seelen in der Districtsmairie Burgjoß der Unterpräfectur Orb im Departement Aschaffenburg. 1814 kam es zu Bayern. Hiesige Rechte des Kurfürstentums Hessen-Kassel fielen erst 1860 an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Im Jahre 1862 wurde das Bezirksamt Gemünden am Main gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Mittelsinn lag. 1872 wurde das Bezirksamt Gemünden ins Bezirksamt Lohr am Main eingegliedert. Erst 1902 wurde das Bezirksamt Gemünden wieder neu gebildet. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Mittelsinn war dann eine der 27 Gemeinden im Landkreis Gemünden am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Gemünden am Main kam Mittelsinn am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Mittelmain, der zehn Monate später seinen endgültigen Namen Landkreis Main-Spessart erhielt.

Jüdische GemeindeBearbeiten

Mindestens seit dem 19. Jahrhundert waren jüdische Familien ansässig, die eine jüdische Gemeinde bildeten und im Ort ihre Synagoge errichteten. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gotteshaus zerstört, woran eine Gedenktafel an der gegenüberliegenden ehemaligen Sparkasse erinnert.[4]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 

PolitikBearbeiten

SteuereinnahmenBearbeiten

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2009 398.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) 38.000 €.

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist seit 2008 Peter Paul (CSU/SPD/Unabhängige Bürger). Sein Vorgänger war Karl Kratz (CSU/SPD).

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat von Mittelsinn hat nach der Kommunalwahl 2014 acht Mitglieder: [5]

  • CSU - SPD - Unabhängige Bürger: 8 Sitze

WappenBearbeiten

Blasonierung: Geteilt und oben gespalten von Rot und Gold, vorne drei silberne Spitzen, hinten schräg gekreuzt zwei rote Amtsstäbe; unten in Grün ein goldenes Mühlrad, überdeckt von einem silbernen Wellenpfahl.

Die drei gesenkten silbernen Spitzen weisen auf die Zugehörigkeit zum Hochstift Würzburg hin. Die gekreuzten Stäbe stellen die Funktion des Ortes als Sitz eines besonderen Zehntgerichts dar. Seit dem 15. Jahrhundert wurden die Herrschafts- und Gerichtsrechte von mehreren Herrschaftsinhabern gemeinschaftlich ausgeübt, es bestand eine so genannte Viererherrschaft. Bedeutende Herrschaftsinhaber waren die Herren von Thüngen und die Herren von Hutten. Daran erinnern die Farben Gold und Rot, die beide Adelswappen aufweisen. Die gekreuzten Stäbe im Gemeindewappen stellen zugleich den zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebildeten und bis 1866 bestehenden bayerisch-hessischen Kondominatsbezirk (Herrschaftsgebiet) dar, zu dem Mittelsinn gehörte. Der Wellenpfahl und das Mühlrad symbolisieren den Fluss Sinn mit seinen Mühlen. Die Farbe Grün steht für den landwirtschaftlichen Charakter der Gemeinde sowie für die geografische Lage der Gemeinde zwischen Rhön und Spessart (siehe Geografie). Entworfen wurde das Wappen von Alfred Pauly (Mittelsinn). Es wurde am 26. Juli 1984 genehmigt.

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Wirtschaft einschließlich Land- und ForstwirtschaftBearbeiten

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft fünf, im produzierenden Gewerbe 105 und im Bereich Handel und Verkehr sieben sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 42 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 352. Im verarbeitenden Gewerbe gab es vier Betriebe, im Bauhauptgewerbe einen Betrieb. Zudem bestanden im Jahr 1999 36 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 419 ha, davon waren 87 ha Ackerfläche und 298 ha Dauergrünfläche.

VerkehrBearbeiten

Die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg führt, unter anderem mit der Talbrücke Mittelsinn über das Gebiet der Gemeinde.

BildungBearbeiten

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2010):

  • Kindergärten: 50 Kindergartenplätze mit 23 Kindern

PersönlichkeitenBearbeiten

  • August Hagen (* 27. Januar 1843 in Mittelsinn; † nach 1912), war Schulleiter und Mitglied des Deutschen Reichstags
  • Horst Peisker (* 26. November 1939 in Mittelsinn; † 10. Oktober 2012 in Kelsterbach), Autor
  • Oswald Rothaug (* 17. Mai 1897 in Mittelsinn; † 4. Dezember 1967 in Köln), Jurist in der NS-Zeit, ab 1943 Reichsanwalt am Volksgerichtshof
  • Werner Väth (* 9. September 1945 in Mittelsinn; † 19. November 2012 in Berlin), Politikwissenschaftler, Vizepräsident der Freien Universität Berlin

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111119/212256&attr=OBJ&val=1734
  3. a b Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 149 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 165
  5. http://www.sinngrundallianz.de/seite/ms/main-spessart/012:1538:241/-/Gemeinderat_Mittelsinn.html

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mittelsinn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien