Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland

militärische Einheit

Die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (kurz GSSD, russisch Группа советских войск в Германии Gruppa sowjetskich wojsk w Germanii) waren Gliederungen der Land- und Luftstreitkräfte der Sowjetarmee, die von 1954 bis 1991 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und in der Bundesrepublik Deutschland stationiert waren. Von 1988 an, über die Auflösung der Sowjetunion 1991 hinaus, bis zum Abzug der dann russischen Truppen 1994 war die offizielle Bezeichnung Westgruppe der Truppen (kurz WGT, russ. Западная группа войск Sapadnaja gruppa wojsk). In der Bundesrepublik bezeichnete man sie auch als Gruppe der Sowjetischen Truppen in Deutschland (GSTD).

Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland
– GSSD / GSTD / WGT –
XXXXX

GCB

Fahrzeugmarkierung der GSSD. CA – russisch Советская Армия (Sowjetarmee)
Aktiv 26. März 1954 bis 31. August 1994
Staat SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
Streitkräfte Sowjetarmee
Russische Streitkräfte
Teilstreitkraft Landstreitkräfte
Luftstreitkräfte
Gliederung Siehe Gliederung
Hauptquartier Wünsdorf
Einsätze 17. Juni 1953
Prager Frühling
Kommandeur
Wichtige
Kommandeure

Georgi Schukow
Iwan Konew
Iwan Jakubowski
Andrei Gretschko
Matwei Sacharow
Wiktor Kulikow

Die sowjetischen Truppen in der DDR stellten das größte Truppenkontingent dar, das jemals über einen so langen Zeitraum von einer Besatzungsmacht im Ausland unterhalten wurde.

KampfführungBearbeiten

Die Militärdoktrin der GSSD, deren Kampfkraft von der Führung des Warschauer Paktes als hoch eingeschätzt wurde, war durch hohe Geschwindigkeit und hohe Beweglichkeit der vollmotorisierten Verbände[1], zusammen mit den Luftsturmtruppen, stark offensiv ausgelegt. Die stärkste Massierung fand sich im Bereich der 2. Garde-Panzerarmee und 3. Stoßarmee auf der Linie Hillersleben in der Altmark über Neuruppin bis Schwerin[1], und bedrohte damit die gegenüberliegenden NATO-Verbände, insbesondere von NORTHAG. Im Falle eines Angriffes sollte durch einen zügigen Vorstoß[2] die Verteidigung der NATO durchbrochen und ihre Versorgungslinien[1] zerschnitten werden. Vorwärts eingesetzte taktische Atomwaffenanlagen galt es zu überrennen und Gegenangriffe des Gegners möglichst frühzeitig zu zerschlagen. In der zweiten Phase sollten Räume besetzt werden, in denen kanadische, US-amerikanische oder britische Reserven angelandet werden können, um deren Eingreifen auf dem Kriegsschauplatz zu unterbinden. Ähnlich wie die NATO war die GSSD dazu befähigt, das Konzept des Gefechts der verbundenen Waffen[1] im Kampfeinsatz umzusetzen.

AusrüstungBearbeiten

Im Jahr 1982[1] war die GSSD mit modernen Waffensystemen wie dem T-72, T-64 und BMP[3] für eine hochbewegliche Kriegsführung ausgestattet. Sie verfügte über insgesamt zwischen 5.000 und 7.000 Kampfpanzern[1], sowie 2.350 Schützenpanzerwagen[4]. Die Mot-Schützenregimenter verfügten seit 1976 über jeweils ein Panzerartilleriebataillon mit 18 122mm-Panzerhaubitzen[5]. Dazu kamen zu jedem Panzer- oder Mot-Schützenregiment je acht Flak-Panzer vom Typ ZSU-23/4. Die Feld- und Raketenartillerie wurde bis Mitte der 1970er Jahre modernisiert. Darunter Raketenwerfer mit einem Vielfachen der Feuerkraft der Katjuschas[1]. Ein Artillerieregiment bestand seit 1977[1] aus dem Regimentstab und 18 152mm-Kanonenhaubitzen M1955, Feldhaubitzen M-43 und zwei Bataillonen mit 122mm-Kanonenhaubitzen M1963. Sämtliche GSSD-Divisionen verfügten seit 1978[1] über ein Raketenbataillon für die Fernbekämpfung von Zielen bis 300 Kilometern.

Die taktische Luftflotte verfügte über 120 Aufklärungsflugzeuge, 680 Jäger und Jagdbomber, 100 leichte Bomber und 120 Transporter und Hubschrauber. Die Masse der Jagdverbände bestand aus Allwetterjägern MiG-21 (Fishbed), teilweise MiG-25 (Foxbat), Jak-28P (Brewer, Firebar oder Maestro), sowie MiG-21 MF Abfangjägern[1]. Das Rückgrat der Jagdbomber bildeten die Su-7 BM (Fitter) und MiG-21 SMT (Fishbed)[1]. Hinzu kamen Schwenkflügel-Jagdbomber wie die MiG-23 B (Flogger) und der Fernaufklärer MiG-25 R. Die Frontfliegerkräfte konnten zur Unterstützung der Bodentruppen auf Mil Mi-24-Kampfhubschrauber (Hind)[1] zurückgreifen.

GeschichteBearbeiten

Die GSSD ging am 26. März 1954 aus der Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland (GSBT bzw. GSBTD; russ. Группа советских оккупационных войск в Германии Gruppa sowjetskich okkupazionnych wojsk w Germanii) hervor, die seit 29. Mai 1945 bestand. Die GSBT setzte sich nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs aus Truppenteilen der Ersten Weißrussischen Front, der Zweiten Weißrussischen Front sowie der Ersten Ukrainischen Front der Roten Armee zusammen. Der Sitz des Oberkommandos befand sich bis wahrscheinlich 1951/52 in Potsdam-Babelsberg, ehe es endgültig nach Wünsdorf verlegt wurde.[6]

BesatzungBearbeiten

Diese Truppen hatten die Aufgabe, für die Einhaltung der Bestimmungen des Potsdamer Abkommens zu sorgen. Sie sicherten dabei neben der Westgrenze auch die Demontage von Industrieanlagen und nahmen während der Berlin-Krise 1948/49 Polizeiaufgaben wahr. Vor allem aber dienten sie zur Durchsetzung der militärischen wie politischen Interessen der Sowjetunion.

Die Stärke der GSBT von ursprünglich etwa 1,5 Millionen Mann reduzierte sich bis Ende 1947 auf 350.000. Ab 1949/50 wurde aufgrund des durch Berlin-Krise und Koreakrieg verschärften Ost-West-Konflikts die Truppe verstärkt und aufgerüstet; die Personalstärke der sowjetischen Besatzungstruppen wuchs auf 500.000 bis 600.000 Soldaten. Bis 1953 war das Personal der GSBT eng mit der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (bis 1949) und danach mit der Sowjetischen Kontrollkommission (SKK) verbunden. Mit der Auflösung der SKK am 28. Mai 1953 wurden Besatzungstruppen und Verwaltung voneinander getrennt. Der Oberkommandierende der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und der sowjetische Botschafter waren die höchsten sowjetischen Repräsentanten in der DDR.

Beim Aufstand des 17. Juni verhängte die sowjetische Militärführung den Ausnahmezustand (Kriegsrecht). Die GSBT setzte in Ost-Berlin hierzu die 1. und 14. Mechanisierte Division und die 12. Panzerdivision mit insgesamt 600 Panzern vom Typ T-34 ein. Auch in den anderen Landesteilen setzte die GSBT weitere 13 Divisionen zur Sicherung ein.

Am 25. März 1954 erklärte die sowjetische Regierung, dass die DDR die volle Souveränität erhalten solle. Einen Tag später wurde die GSBT in Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) umbenannt, was das Ende der Besatzungszeit signalisierte. Mit der formalen Souveränitätserklärung war zudem der Weg frei, die DDR in den Warschauer Pakt aufzunehmen, das führte am 20. September 1955 zur Unterzeichnung eines Staatsvertrags zwischen der Sowjetunion und der DDR.

Die Aufgabe der GSSD bestand zentral in der Sicherung der DDR gegen die NATO. Ihre starke personelle und materielle Ausstattung, ab Mitte/Ende der 1950er Jahre einschließlich Atomwaffen, ließen unverkennbar ihre offensive Ausrichtung gemäß der sowjetischen Militärdoktrin erkennen, was man im Westen als Bedrohung wahrnahm.

StationierungsabkommenBearbeiten

 
Armeestandorte

Am 12. März 1957 wurde zwischen den Regierungen der Sowjetunion und der DDR in einem Abkommen über den zeitweiligen Aufenthalt sowjetischer Streitkräfte auf dem Territorium der DDR vereinbart, dass zahlenmäßige Stärke der sowjetischen Truppen, ihre Stationierungsorte und Übungsräume mit den Staatsorganen der DDR abgestimmt werden. In diesem Abkommen wurde ferner festgelegt, dass sich die sowjetischen Streitkräfte nicht in die inneren Angelegenheiten der DDR einmischen.

1956/57 zogen ein Armeestab 18. Armee und zwei Divisionen mit insgesamt rund 33.000 Soldaten ab. Von April bis September 1959 wurden zudem sowjetische Mittelstreckenraketen vom Typ R-5M (NATO-Codename SS-3 Shyster) in der DDR in Fürstenberg und in Vogelsang (südöstlich dieser Stadt) mit der 72. Ingenieurbrigade stationiert.

1963 betrug die Mannschaftsstärke der GSSD 386.000 Soldaten, davon gehörten 46.000 zur 16. Luftarmee. Zur Ausrüstung zählten 7500 Panzer, 100 Taktische Raketen, 484 Jagdflugzeuge, 146 Jagdbomber, 101 Aufklärungsflugzeuge, 122 Bomber und 80 Hubschrauber.

1968 waren die Truppen der GSSD an der Niederschlagung des Prager Frühlings in der Tschechoslowakei beteiligt. Es kamen hierbei die 1. Gardepanzerarmee (Hauptquartier: Dresden) mit vier Divisionen, die 20. Gardearmee mit drei Divisionen (insgesamt rund 2000 Panzer) und Teile der 16. Luftarmee zum Einsatz.

Auf Beschluss der Regierung der UdSSR wurden 1979/80 rund 20.000 Armeeangehörige, 1000 Panzer und zahlreiche Einrichtungen vom Territorium der DDR abgezogen.

In den Sonderwaffenlagern Himmelpfort und Stolzenhain verwahrte die GSSD von 1968 bis 1990 nukleare Sprengköpfe, die im Kriegsfall an Einheiten der NVA ausgegeben werden sollten. Auf bedeutenden Militärflugplätzen, wie z. B. Großenhain und Altenburg, waren Atomwaffen eingelagert. Diese Standorte wurden gegenüber der Bevölkerung der DDR stets geheimgehalten.

Im Zuge der Perestroika und dem damit verbundenen Schwenk der sowjetischen Politik unter Gorbatschow begann die Reduzierung der GSSD. Bereits zwischen 1989 und 1991 wurden alle atomaren Kurzstreckenraketen (NATO-Bezeichnung: SS-12, SS-23), drei Panzerdivisionen sowie eine Luftsturmbrigade und Pionierübersetzkräfte abgezogen[7], dazu 1991 die 3. Garde-Speznas-Brigade.

Während der Wende in der DDR 1989/90 blieben die sowjetischen Truppen in ihren Kasernen und griffen nicht ein, was Grundvoraussetzung für das Gelingen der friedlichen Revolution war.

Spätestens am 29. Juni 1991 sollen in Deutschland keine sowjetischen Atomwaffen mehr stationiert gewesen sein (auch die offenkundig letzten in Altengrabow nicht mehr). So äußerte sich jedenfalls der letzte Chef der GSSD, Burlakow, gegenüber dem damaligen deutschen Inspekteur des Heeres Jörg Schönbohm.[8]

Im Rahmen des Zwei-plus-Vier-Vertrages, der den Weg zur deutschen Wiedervereinigung ebnete, wurde der Abzug der sowjetischen Truppen bis zum 31. Dezember 1994 vereinbart.

AbzugBearbeiten

 
Abzug von sowjetischen Waffen und Gerät über den Hafen in Rostock 1991.

Der Abzug war die in der Militärgeschichte größte Truppenverlegung zu Friedenszeiten. In Folgeverhandlungen wurde der Termin auf den 31. August 1994 vorverlegt. Als Gegenleistung verpflichtete sich Deutschland, der Sowjetunion bzw. der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten rund 15 Milliarden Deutsche Mark zur Deckung der Kosten für die Rückführung, für Umschulungsmaßnahmen der Soldaten und für den Aufbau von Wohnungen zu tragen. Trotz der Schwierigkeiten, die sich aus der Auflösung der Sowjetunion im gleichen Zeitraum ergaben, wurde der Abzug planmäßig und fristgemäß bis Ende August 1994 vollzogen. Abgezogen wurden sechs russische Armeen und weitere Truppenverbände.[9] Der Rücktransport der Truppen und des Materials verlief vor allem auf dem Seeweg über den Hafen Rostock und den Fährhafen Sassnitz sowie per Bahn durch Polen.

Die russische Armee verabschiedete sich am 25. Juni 1994 mit einer in der Wuhlheide abgehaltenen Militärparade der 6. Garde-Mot. Schützenbrigade von Berlin.[10] Die Abschiedsfeiern in Wünsdorf am 11. Juni 1994 und im Treptower Park in Berlin am 31. August 1994 markierten damit das Ende der sowjetischen Militärpräsenz auf deutschem Boden. Der russische Präsident Boris Jelzin und Bundeskanzler Helmut Kohl verabschiedeten die Westgruppe der Truppen in einem offiziellen Festakt im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt.[11] Am 1. September 1994 flog der Oberkommandierende der Streitkräfte, Generaloberst Matwej Burlakow, vom Militärflughafen Sperenberg nach Moskau zurück.[12] Schließlich verließen am 9. September mit dem Nachkommando und dem Stabschef Generaloberst Terentjew die letzten Soldaten von Schönefeld aus deutschen Boden.[13]

GliederungBearbeiten

 
Sowjetischer Wachtposten in Wittenberg, 1991
 
Verlassenes Gelände der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte bei Stendal, 1991

GSBT-Verbände 1945/1946Bearbeiten

1. Weißrussische Front
2. Stoßarmee (Hauptquartier (HQ) in Schwerin), 1946 Rückverlegung Armee-HQ zur Neuformierung HQ Militärbezirk Archangelsk
3. Stoßarmee (Stendal)
5. Stoßarmee (Olympisches Dorf bei Nauen) (nur bis Ende 1945)
8. Gardearmee (Nohra)
47. Armee (Halle (Saale)) (nur bis Ende 1945)
1. Gardepanzerarmee (Radebeul bei Dresden)
2. Gardepanzerarmee (Fürstenberg/Havel)
1. Garde-Panzerkorps
11. Panzerkorps
2. Garde-Kavalleriekorps
16. Luftarmee (Woltersdorf)
Dnepr-Flottille (nur bis Ende 1945)

GSSD 1971 (unvollständig)Bearbeiten

1. Garde-Panzerarmee
  • selbständiges 23. Panzerregiment/Armee
  • 108. Panzerregiment/9. Panzerdivision
8. Gardearmee
  • 20. Garde-Panzerdivision mit Kampfpanzern vom Typ T-54 und Schwere Panzer vom Typ T-10
  • 20. Garde-Mot. Schützendivision
  • 39. Garde-Mot. Schützendivision
    • ausgerüstet mit 20 Kampfpanzern vom Typ IS-3 und IS-4, bis zu 20 Kampfpanzern vom Typ T-34/85 und Schützenpanzern vom Typ BTR-152
  • 57. Garde-Mot. Schützendivision
  • 43. Garde-Artilleriebrigade
  • Truppenfliegereinheiten in
  • Luftwarnbataillon
  • Nacht-Aufklärungsbataillon
  • Flugabwehrraketenregimenter mit mobilen Flugabwehrraketen SA-4 Ganef

GSSD 1982Bearbeiten

Die GSSD war im Jahr 1982 mit fünf Armeen einer Gesamtstärke von 370.000 Mann[14] und 1.020 Flugzeugen der 16. Taktischen Luftflotte die stärkste Massierung sowjetischer Truppen in Mittel- und Südosteuropa[1].

Die fünf Armeen und zwanzig Divisionen unterteilten sich wie folgt[1]:

2. Garde-Panzerarmee (Stabssitz Neubrandenburg)
3. Stoßarmee (Stabssitz Magdeburg)
8. Garde-Panzerarmee (Stabssitz Weimar)
1. Garde-Panzerarmee (Stabssitz Dresden)
20. Garde-Panzerarmee (Stabssitz Eberswalde)
16. (taktische) Front-Luftarmee (Stabssitz Wünsdorf bei Zossen)[15]

In den Jahren 1979/1980[1] waren[17] folgende sowjetische Truppen in Zentral- und Osteuropa disloziert:

  • 31 Divisionen, davon 20 (10 Panzerdivisionen) in der DDR und die 16. taktische Luftarmee
  • zwei Panzerdivisionen in Polen und die 37. taktische Luftarmee
  • vier (zwei Panzerdivisionen) in Ungarn
  • fünf (zwei Panzerdivisionen) in der CSSR

Eine sowjetische Mot-Schützendivision hatte eine durchschnittliche Stärke von etwa 11.000 Mann.

WGT 1991Bearbeiten

Die sowjetischen Truppen belegten auf dem Territorium der DDR 777 Kasernenanlagen an 276 Orten. Dies schloss 47 Flugplätze und 116 Truppenübungsplätze mit ein. Die in Deutschland freigezogenen Übungsplätze umfassten eine Fläche von der Größe des Saarlandes. Sie sind die letzten großen Flächenreserven im dicht besiedelten, industriell geprägten Europa. Die WGT zählte im Januar 1991 nach eigenen Angaben 337.800 Soldaten in 24 Divisionen, verteilt auf fünf Landarmeen und eine Luftarmee. Dazu kamen noch 208.400 Familienangehörige von Offizieren sowie Zivilangestellte, darunter befanden sich etwa 90.000 Kinder.

Die meisten Standorte befanden sich im Gebiet des heutigen Landes Brandenburg. Das Oberkommando der GSSD/WGT befand sich in Wünsdorf.

Die WGT waren im Jahre 1991 folgendermaßen gegliedert:[18]

Direkt unterstellt Truppenteile und Verbände
  • 35. Garde-Luftsturmbrigade (Cottbus)
  • 3. Garde-Spezialaufklärungsbrigade (Neuthymen)
  • 82. Osnaz-Brigade (Merseburg) Elektronische Aufklärung
  • 34. Artilleriedivision (Potsdam)
    • 286. Schwere Garde-Haubitzenbrigade (Potsdam)
    • 288. Schwere Haubitzenbrigade (Chemnitz)
    • 303. Garde-Artilleriebrigade (Altengrabow)
    • 307. Durchbruch-Artilleriebrigade (Chemnitz)
  • 164. Raketenbrigade (Drachhausen)
  • 175. Raketenbrigade (Oschatz)
1. Garde-Panzerarmee (Dresden)
2. Garde-Panzerarmee (Fürstenberg/Havel)
3. Armee (Magdeburg)
8. Gardearmee (Nohra bei Weimar)
20. Gardearmee
16. Luftarmee (Wünsdorf)

Sonstige AngabenBearbeiten

 
Kampfpanzer vom Typ T-80BW

Zur Ausrüstung an Waffen und Gerät gehörten 1991 noch rund:[19]

  • 4.200 Kampfpanzer
  • 8.200 gepanzerte Fahrzeuge
  • 3.600 Geschütze
  • 106.000 sonstige Kraftfahrzeuge
  • 690 Flugzeuge
  • 680 Hubschrauber
  • 180 Raketensysteme
  • 95.500 Kraftfahrzeuge
  • 677.000 Tonnen Munition

Sowie zahlreiche Luftabwehr-, Pionier- und andere Kampf- und Kampfunterstützungsbrigaden und -Einheiten.

Ein Panzerregiment der WGT verfügte in der Regel über 94 Kampfpanzer (T-64 bzw. T-80) a 3 Bataillone zu 31 Kampfpanzer, 43 Schützenpanzer (BMP-2) a 1 Bataillon, vier Flugabwehrraketensysteme 9K35 Strela-10 a 1 Batterie und 18 Selbstfahrlafetten 2S1 a 1 Bataillon zu 3 Batterien.

Ein Kampfhubschrauberregiment verfügte über 26 – 42 Mi-24, 9 – 20 Mi-8 und 3 – 4 Mi-9. Dem Stab der WGT unmittelbar unterstellt waren das 239. Hubschrauberregiment in Oranienburg, die 113. Hubschrauberstaffel in Sperenberg sowie die 292. Hubschrauberstaffel in Cochstedt.[20]

OberbefehlshaberBearbeiten

Die nachstehende Aufstellung enthält die Oberbefehlshaber der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland, der Gruppe der sowjetischen Truppen in Deutschland und der Westgruppe der Truppen in chronologischer Reihenfolge.[21]

Die ersten drei Oberbefehlshaber waren in Personalunion Chef der SMAD.

GSBTDBearbeiten

GSSDBearbeiten

WGTBearbeiten

Militärrat der WGT

Zum Militärrat der WGT gehörten im Juni 1993 folgende Generäle:[22]

  • WGT-Oberbefehlshaber – Generaloberst M. P. Burlakow
  • Erster Stellvertreter des Oberbefehlshabers der WGT – Generaloberst A. N. Mitjuchin
  • Stellvertreter des Oberbefehlshabers der WGT für den Truppenabzug – Generalleutnant S. W. Tschernilewskyi
  • Chef des Stabes der WGT – Generalleutnant A. W. Terentjew
  • Stellvertreter des Oberbefehlshabers der WGT für Rückwärtige Dienste – Generalleutnant W. I. Isakow
  • Stellvertreter des Oberbefehlshabers der WGT für Bewaffnung – Generalmajor W. N. Schulikow
  • Befehlshaber der 16. Luftarmee – Generalleutnant A. F. Tarasenko
Chef des Stabes[1]
  • M.S. Malinin – 1945–1948
  • S.P. Iwanow – 1948–1952
  • S.M. Schtemenko – 1952–1953
  • A.P. Tarassow – 1953–1956
  • N.P. Sidelnikow – 1956–1959
  • G.F. Woronzow – 1959–1961
  • G.I. Ariko – 1961–1966
  • W.W. Turantjew – 1966–1970
  • W.S. Jakuschin – 1970–1974
  • D.A. Grinkewitsch – 1974 - ?

Sowjetische MilitärtribunaleBearbeiten

Zumindest formell waren die sowjetischen Militärtribunale (SMT) der GSSD bzw. der WGT unterstellt. Sie konnten Verurteilte in eigene Haftanstalten nehmen.

Berührung mit dem Leben in der DDRBearbeiten

 
Autographen sowjetischer Soldaten im Forst bei Jena

Die sowjetischen Truppen waren an vielen Standorten in der ganzen DDR stationiert. Sie waren zwar größtenteils stark abgeschottet, sind aber auch partiell mit DDR-Bürgern in Kontakt gekommen, wenn es sich dabei auch oft um Verkehrsunfälle oder Kriminalität handelte. Offiziell geschah dies auf Grund eines Hilfe-Ersuchens staatlicher Stellen beim Eintreten von Naturkatastrophen oder technischen Havarien. So haben Soldaten der Sowjetarmee mit schwerer Technik bei Hochwassern, Wetter-Unbilden wie Schneeverwehungen und Unfällen in großen Industriekombinaten bei Bergungs- und Beräumungsarbeiten geholfen.

Ein weiterer Einsatzfall, der fast regelmäßig eingetreten ist, war die Hilfe von Soldaten bei der Einbringung der Getreide- und Hackfruchternte auf den Feldern der LPG oder der VEG (Volkseigenen Güter). Dabei kam es auch zu organisierten geselligen Begegnungen und Gesprächen, vor allem zwischen Schülern und Heranwachsenden mit den Militärangehörigen. Manchmal wurden Adressen ausgetauscht oder kleine Freundschaftsgeschenke übergeben. Es gab auch freundschaftliche Kontakte zu Truppenteilen der Nationalen Volksarmee.

Oft kam ein Kontakt auch zustande, indem stationierte Truppen ortsansässige Firmen für Handwerkerleistungen o. ä. in Anspruch nahmen.

Die Anwesenheit uniformierter sowjetischer Bürger im Land, die allerdings zumeist restriktiv auf das Leben in den streng abgeschirmten Kasernen beschränkt blieb, hat außer den erwähnten Andenken und Erinnerungsstücken bei ihren Empfängern auch gelegentliche Spuren in der Öffentlichkeit hinterlassen, wie solche Autographe auf den Baumrinden belegen, die bei Spaziergängen entstanden sind.

Die baulichen Hinterlassenschaften der GSSD sind nach 1994, als die Truppen aus Ostdeutschland abgezogen wurden, teilweise beseitigt worden.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Albert Hoffmann, Siegfried Stoof: Die sowjetischen Truppen in Deutschland – Ihr Hauptquartier in Wünsdorf. Berlin 2008, ISBN 978-3-00-023449-1.
  • Silke Satjukow: Besatzer – „Die Russen“ in Deutschland 1945–1994. Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-36380-5.
  • Klaus Froh, Rüdiger Wenzke: Die Generale und Admirale der NVA – Ein biographisches Handbuch. 4. Auflage. Berlin 2000, ISBN 3-86153-209-3.
  • Ilko-Sascha Kowalczuk, Stefan Wolle: Roter Stern über Deutschland. Sowjetische Truppen in der DDR. 2. Auflage, Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-584-3.
  • Matvej P. Burlakov: Sovetskie vojska v Germanii – 1945–1994/Pamjatnyj aĺbom [Sowjetische Truppen in Deutschland]. Molodaja Gwardija, Moskau 1994, ISBN 5-235-02221-1.
  • Matvej P. Burlakov: Wir verabschieden uns als Freunde – Der Abzug/Aufzeichnungen des Oberkommandierenden der Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte: Bonn [u. a.] 1994, ISBN 3-906501-08-6.
  • Bernhard Mroß: Sie gingen als Freunde – Der Abzug der Westgruppe der sowjetisch-russischen Truppen/10. Jahrestag des Abzugs der sowjetisch-russischen Truppen aus Deutschland (1994–2004)/Dolmetscheraufzeichnungen in Momentaufnahmen: Harrislee 2005.
  • Frank Gaudlitz, Thomas Kumlehn: Die Russen gehen – Der Abzug einer Armee/Frank Gaudlitz, Fotogr.; Thomas Kumlehn, Gesprächsprotokolle. Mit einer Chronik von Lothar Engelhardt. Berlin 1993, ISBN 3-86163-057-5.
  • Thilo Gehrke: Das Erbe der Sowjetarmee in Deutschland, eine Bild und Textdokumentation, Beiträge für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Bd. 29, Verlag Dr. Köster, Berlin 2008, ISBN 978-3-89574-684-0.
  • Joachim Liebe, Rolf Schneider: Der rote Stern stirbt leise – Abzug der Russen aus Deutschland/Fotogr.: Joachim Liebe, Essay: Rolf Schneider. Dietz, Berlin 1995, ISBN 3-320-01866-3.
  • Gerhard Kaiser: Sperrgebiet – Die geheimen Kommandozentralen in Wünsdorf seit 1871. Mit Fotografien von Christian Thiel, Berlin 1993, ISBN 3-86153-059-7.
  • Karl-Heinz Lezim: Schulter an Schulter – Eine Bilddokumentation über die Klassen- und Waffenbrüderschaft der Bürger der DDR und der Angehörigen der Nationalen Volksarmee mit den Angehörigen der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD). Hrsg. von der Politischen Hauptverwaltung der NVA, Militärverlag der DDR, Berlin 1984.
  • Jörg Morré, Stefan Büttner: Sowjetische Hinterlassenschaften in Berlin und Brandenburg. Ch. Links, Berlin 2014, ISBN 978-3-86153-802-8.
  • Michail Boltunov: ZGV – Gor’kaja doroga domoj. Sankt-Petersburg 1995, ISBN 5-900740-10-2.
  • Horst Lohmann: GSSD – Die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Ein historischer Abriss. Verlag p+v Dr. Erwin Meißler, November 2010, ISBN 978-3-932566-81-3.
  • Niemand geht so ganz. In: Die Zeit, Nr. 14/2014.
  • Museum Berlin-Karlshorst: Der Abzug. Die letzten Jahre der russischen Truppen in Deutschland. Eine fotografische Dokumentation von Detlev Steinberg. Ch. Links, Berlin 2016, ISBN 978-3-86153-814-1.
  • Carlos Gomes: Lenin lebt. Seine Denkmäler in Deutschland, Berlin 2020, S. 45–75 "Denkmäler der GSSD" Über die Denkmallandschaft auf den Militäranlagen der GSSD

WeblinksBearbeiten

Commons: Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p Dr. Ulrrich Rühmland: Die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. ASMZ Nr. 7. 1982
  2. z. B. mithilfe einer Operativen Manövergruppe (OMG)
  3. im Hinteren Kampfraum hat eine aufgesessene Mot-Schützengruppe von zehn Mann Platz
  4. gem. Adelbert Weinstein: Die Konzeption für den Einsatz der sowjetischen Truppen in Deutschland. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. März 1979. Andere Quellen gingen von 10.500 mittleren bis schweren Panzern oder 5.000 bis 6.000 Kampfpanzern aus
  5. drei Batterien zu je sechs Panzerhaubitzen
  6. Das sowjetische Oberkommando in Potsdam-Babelsberg. In: Berlins Taiga - Dein Ausflugsbegleiter in die sowjetische Geschichte. 14. Juli 2017 (berlinstaiga.de [abgerufen am 14. Juli 2017]).
  7. Militärgeschichtliches Forschungsamt. Gliederung und Dislozierung (der GSSD/WGT). Abgerufen am 21. Januar 2019.
  8. Märkische Allgemeine, 19. April 2012, Seite 3.
  9. Horst Beutler: Landschaft in neuer Bestimmung – Russische Truppenübungsplätze. Findling Verlag, 2000, ISBN 978-3-93360-311-1.
  10. Do swidanja mit einem Lied auf Deutsch. In: Berliner Zeitung, 21. Juni 1994.
  11. In seiner Hotelsuite findet der Präsident auch eine Sauna. In: Berliner Zeitung, 31. August 1994.
  12. Russischer Truppenabzug: Abschied zweiter Klasse. stern.de, 31. August 1994; abgerufen am 30. August 2009.
  13. Stefan Büttner: 20 Jahre Truppenabzug. Russen verlassen Deutschland. In: Fliegerrevue, Nr. 09/2014, S. 51.
  14. gemäß DDR-Handbuch (Hrsg. vom Bundesministerium für innerdeutsche Fragen, unter wissenschaftlicher Leitung von Peter Christian Ludz und Johannes Kuppe, Köln. 1979) sogar 425.000 Mann
  15. Gliederung der sowjetischen Luftarmeen in Fliegerkorps, Fliegerdivision, Geschwader, Staffel, Kette und Paar
  16. Geschwader (Regiment) – vier Staffeln zu je 12 Flugzeugen, eine Staffel mit drei Ketten zu je vier Flugzeugen und eine Kette aus zwei Paaren
  17. gemäß Military Balance. Internat. Institut f. Strategische Studien, London, erschienen in der Reihe Bernard & Gräfe aktuell. Band 13. Hrsg. Arbeitskreis für Wehrforschung, München 1980
  18. Soviet troops in Germany 1945 to 1994, memorial album, edition Moscow, published by «Jang Guard», 1994; ISBN 5-235-02221-1, page 15–22.
  19. Russian Troops Bid 'Wiedersehen' to Germany: New York Times Artikel vom 1. September 1994 (aufgerufen am 10. Februar 2017)
  20. Lutz Freundt: Sowjetische Fliegerkräfte Deutschland 1945–1994. Flugplätze (Teil 2) und Truppenteile. Band 2. Edition Freundt Eigenverlag, Diepholz, 1998, ISBN 3-00-002665-7, S. 37.
  21. Sowjetische Truppen in Deutschland 1945 bis 1994, Gedenkalbum, Ausgabe Moskau, Verlag «Junge Garde», 1994; ISBN 5-235-02221-1, Seiten 74 und 75 – Oberbefehlshaber … .
  22. Angehörige des Militärrates der WGT Wünsdorf, Juni 1993; Moskau, «Junge-Garde-Verlag», 1994; Sowjetische Truppen in Deutschland 1945–1994: Gedenkalbum … Seite 113; ISBN 5-235-02221-1.