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Grünsfeld

Stadt in Baden-Württemberg, Deutschland

GeographieBearbeiten

StadtgliederungBearbeiten

Grünsfeld besteht aus den ehemals selbstständigen Gemeinden und heutigen Stadtteilen Grünsfeld, Grünsfeldhausen, Krensheim, Kützbrunn, Paimar und Zimmern:[3]

f1  Karte mit allen Koordinaten der Orte der Stadt Grünsfeld: OSM

  • Zu Grünsfeld die Stadt Grünsfeld (), der Weiler Hof Uhlberg () und die Wohnplätze Am Fessertal (), Industriepark ob der Tauber (Waltersberg) (), Neumühle (), Riedmühle (), Rötensteinstraße () und Wendels (Englerts)-mühle ().
  • Zu Grünsfeldhausen das Dorf Grünsfeldhausen ().
  • Zu Krensheim das Dorf Krensheim ().
  • Zu Kützbrunn das Dorf Kützbrunn ().
  • Zu Paimar das Dorf Paimar ().
  • Zu Zimmern das Dorf Zimmern ().

SchutzgebieteBearbeiten

Auf der Grünsfelder Gemarkung gibt es mit den Besselbergweinbergen ein 37,3 Hektar umfassendes Naturschutzgebiet.[4]

Das FFH-Gebiet Nordöstliches Tauberland liegt teilweise auf der Gemarkung von Grünsfeld. Daneben existieren auf dem Gebiet der Stadt 14 als Naturdenkmal geschützte Objekte.

FlächenaufteilungBearbeiten

 

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[5]

GeschichteBearbeiten

Stadt GrünsfeldBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Grünsfeld wurde 750 erstmals urkundlich erwähnt. Zunächst gehörte es zur Herrschaft Zimmern und dann den Herren von Lauda. 1213 fiel der Ort an die Grafen von Rieneck. Um 1320 wurden der Gemeinde die Stadtrechte verliehen.[6]

NeuzeitBearbeiten

Von Ende des 15. bis Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte die Stadt zur Landgrafschaft Leuchtenberg, dann kam sie zum Fürstbistum Würzburg, das in der Stadt das Oberamt Grünsfeld einrichtete. 1803 kam Grünsfeld im Rahmen der Säkularisation zum neugebildeten Fürstentum Leiningen, wo es Sitz eines Amtsbezirkes wurde. Mit Auflösung des Fürstentums 1806 wurde Grünsfeld badisch. 1911 hat die Bevölkerung unter einer schweren Hochwasserkatrastrophe gelitten.[6]

StadtteileBearbeiten

Die fünf Stadtteile wurden während der Gebietsreform in Baden-Württemberg in den 1970er Jahren zu Grünsfeld eingemeindet:

  • 1. Februar 1972: Eingemeindung von Grünsfeldhausen[7]
  • 1. Januar 1973: Eingemeindung von Paimar und Zimmern[8]
  • 1. Januar 1974: Eingemeindung von Krensheim[9]
  • 1. Januar 1975: Eingemeindung von Kützbrunn[10]

GrünsfeldhausenBearbeiten

Grünsfeldhausen wurde erstmals 1322 als Husen urkundlich erwähnt. Auf die heutige Bezeichnung deutet bereits eine Namensänderung in Grunsvelthusen im Jahre 1378 hin. Der Ort liegt beidseitig des Grünbachs nördlich von Grünsfeld und teilte im Wesentlichen die Geschichte der Kernstadt, da in etwa die gleichen Herrschafts- und Besitzverhältnisse vorliegen. Mit der Achatiuskapelle besteht in Grünsfeldhausen ein weithin bekanntes Wahrzeichen aus dem 12. Jahrhundert.

KrensheimBearbeiten

Krensheim wurde 1155 erstmals urkundlich erwähnt. Dies geschah in einer Urkunde des Klosters Bronnbach. Zunächst gehörte der Ort einem ansässigen Ortsadel, ging dann aber an die Herren von Zimmern über. Der Ort liegt als Haufendorf mit dichter Bebauung und großen Höfen auf der Gäuhochfläche östlich des Grünbachtals. Krensheim wurde weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt für seinen Muschelkalkstein, der lange Zeit beim Bau des Kölner Domes verwendet wurde.

KützbrunnBearbeiten

Noch früher, nämlich 1119, wurde Kützbrunn urkundlich erwähnt, als es durch eine Schenkung an das Bistum Würzburg kam. Nachdem die Grafen von Rieneck Mitte des 13. Jahrhunderts den Ort zwischenzeitlich als Lehen erhielten, wurde er noch im selben Jahrhundert an das Kloster Gerlachsheim vergeben, in dessen Besitz er bis zur Säkularisation verblieb. Der Ort liegt als dicht bebautes Straßendorf in einer Quellmulde auf der Anhöhe südlich des Wittigbachtals.

PaimarBearbeiten

Relativ jung ist Paimar, das erst 1407 erstmals urkundlich erwähnt worden ist. Damals hieß es Bunber, später Beumar und Beymar. Über die Entstehung des Dorfes ist nur wenig bekannt. Es gehörte stets zum Amtsbezirk Grünsfeld und teilte dessen Schicksal. Der Ort liegt im oberen Grünbachtal. 1911 erlebte der Ort ein schweres Hochwasser, das einen großen Schaden anrichtete und elf Menschenleben forderte.

ZimmernBearbeiten

Aus Zimmern stammen die Freiherren von Zimmern, die erstmals 1155 urkundlich erwähnt wurden und nicht nur über ihren Stammsitz, sondern auch über andere Orte der Region herrschten. Nachdem sich die Herrschaft Ende des 12. Jahrhunderts mit der Herrschaft Lauda vereinigte, fiel sie 1213 an die Grafen von Rieneck. Über die Grafen von Leuchtenberg kam das Gebiet an das Fürstbistum Würzburg (Näheres siehe oben).

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Die Bevölkerung der Stadt Grünsfeld (1961 und 1970 ohne die Stadtteile) entwickelte sich wie folgt:

Jahr Bevölkerung
1961 1920
1970 1964
1991 3492
1995 3785
2005 3847
2010 3703
2015 3603

Quellen: Gemeindeverzeichnis[11] und Angaben des Statistischen Landesamtes

ReligionBearbeiten

ChristentumBearbeiten

Zur römisch-katholischen Seelsorgeeinheit Grünsfeld-Wittighausen, die dem Dekanat Tauberbischofsheim des Erzbistums Freiburg zugeordnet ist, gehören die Pfarreien St. Peter und Paul (Grünsfeld) mit den Filialen St. Achatius (Grünsfeldhausen) und St. Laurentius (Paimar), St. Ägidius (Krensheim), St. Margaretha (Zimmern), St. Martin (Poppenhausen), Allerheiligenkirche (Unterwittighausen) mit der Filiale St. Ägidius (Oberwittighausen), Hl. Dreifaltigkeit (Kützbrunn) und St. Regiswindis (Vilchband).[12]

JudentumBearbeiten

Eine jüdische Gemeinde in Grünsfeld entstand bereits im Mittelalter und existierte mit Unterbrechungen bis zur Zeit des Nationalsozialismus.[13] Von den jüdischen Personen, die in Grünsfeld geboren wurden oder längere Zeit im Ort wohnten, kamen in der Zeit des Nationalsozialismus 18 Personen nachweislich ums Leben.[13][14][15]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat hat normalerweise 14 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Die Zahl der Mitglieder kann sich durch Ausgleichssitze erhöhen (gesamt 2019: 15 Sitze). Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.

Dabei garantiert die Unechte Teilortswahl den Ortsteilen eine festgelegte Anzahl von Sitzen: Aus dem Hauptort Grünsfeld (mit Weiler Hof Uhlberg) kommen mindestens acht, aus Zimmern mindestens zwei Räte, aus Grünsfeld-Hausen, Krensheim, Kützbrunn und Paimar kommt jeweils mindestens ein Gemeinderat.[16]

Die Kommunalwahl 2019 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2014):[17]

Gemeinderat 2019
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
Grünsfelder Liste (GL) 34,2 % (+34,2) 5 (+5)
Freie Bürgerliste Grünsfeld (FBL) 33,0 % (−9,3) 5 (−4)
CDU/FWV 32,8 % (−24,9) 5 (−7)
Wahlbeteiligung: 71,4 % (+6,3)

BürgermeisterBearbeiten

Seit 2013 ist Joachim Markert (CDU) Bürgermeister.[18]

Siehe auch: Liste der Bürgermeister der Stadt Grünsfeld

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Gold eine silberne Lilie, an deren Bund angelehnt vorne ein goldener Dreieckschild mit fünf roten Balken, hinten ein silberner Halbrundschild mit einem blauen Pfahl.“

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Seit 1973 verbindet Grünsfeld eine Städtepartnerschaft mit Pfreimd, das früher ebenfalls zur Landgrafschaft Leuchtenberg gehörte. Nach der politischen Wende in der DDR kam eine Partnerschaft zu Großpostwitz in der Oberlausitz hinzu.

VerwaltungsgemeinschaftBearbeiten

Die Stadt Grünsfeld bildet mit der Gemeinde Wittighausen zur gemeinsamen Erledigung ihrer Verwaltungsgeschäfte die vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Grünsfeld.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WasserversorgungBearbeiten

Das in Dittigheim von 2015 bis 2017 errichtete Wasserwerk Taubertal versorgt rund 40.000 Menschen aus drei Städten und drei Gemeinden, sowie Industrie und Gewerbe im mittleren Taubertal mit Trinkwasser. Betreiber ist der Zweckverband Wasserversorgung Mittlere Tauber, dem neben den Städten Grünsfeld, Lauda-Königshofen und Tauberbischofsheim auch die Gemeinden Großrinderfeld, Werbach und Wittighausen angehören.[19][20]

VerkehrBearbeiten

Grünsfeld und Zimmern verfügen über je einen Haltepunkt an der Frankenbahn (StuttgartWürzburg). Zwischen Lauda und Würzburg besteht ein ungefährer 2-Stunden-Takt mit Regionalbahnen der Westfrankenbahn.

Über die Bundesstraße 290 (TauberbischofsheimAalen) ist Grünsfeld an die Autobahn 81 angebunden.

BildungBearbeiten

Mit der Dorothea-von-Rieneck-Schule verfügt die Stadt über eine Grund- und Werkrealschule, die regionaler LRS- und Dyskalkuliestandort ist.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Die St.-Achatius-Kapelle in Grünsfeldhausen
 
Grünsfeld

Das Rathaus in der Altstadt ist ein fränkischer Profanbau aus dem Jahre 1579.

  • Von allen Seiten sichtbar ist die Stadtkirche St. Peter und Paul aus dem 14./15. Jahrhundert mit 75 m hohem Turm.
  • Der Grünsfelder Kreuzweg am Stationenweg
  • Amtshaus, heute Heimatmuseum
  • Im Stadtteil Grünsfeldhausen steht eine der wenigen noch erhaltenen romanischen Oktogonkirchen in Süddeutschland, die um 1220 erbaute Kapelle St. Achatius. Seit der Erbauung hat sich die Talsohle um ca. 3 m in mehreren Stufen erhöht. Von 1903 bis 1905 wurde der ursprüngliche Eingang wieder freigelegt.
  • Sendeturm Sender Wittigbachtal
  • Im Stadtteil Kützbrunn steht die Dreifaltigkeitskirche, ein barocker Saalbau von 1717 mit polygonalem Abschluss von 1735.
  • Südlich des Ortsteils Krensheim befindet sich ein Freileitungsmast unter dessen Beinen ein Feldweg hindurchführt
 
Freileitungsmast südlich von Krensheim unter dessen Beinen ein Feldweg hindurchführt

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Grünsfeld

Rad- und WanderwegeBearbeiten

Der etwa 180 km lange Jakobsweg Main-Taubertal führt durch Grünsfeld und Grünsfeldhausen.

NaherholungBearbeiten

Eine Kneipp-Anlage wurde 2016 am Grünsfelder Stadtbrunnen errichtet.[21][22]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Grünsfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Städte und Gemeinden. Main-Tauber-Kreis; abgerufen am 25. Oktober 2014
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 319–322
  4. Reinhard Wolf, Ulrike Kreh (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart. Thorbecke, Ostfildern 2007
  5. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Grünsfeld
  6. a b Stadt Grünsfeld: Die Geschichte der Stadt Grünsfeld. gruensfeld.de; abgerufen am 23. Februar 2018.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 480.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 481.
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 469.
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 470.
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1.
  12. Katholisches Dekanat Tauberbischofsheim: Seelsorgeeinheit Grünsfeld-Wittighausen@1@2Vorlage:Toter Link/www.kath-dekanat-tbb.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Online auf www.kath-dekanat-tbb.de. Abgerufen am 25. Oktober 2016.
  13. a b Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis) Jüdische Geschichte / Betsaal / Synagoge. Alemannia Judaica; abgerufen am 16. Juni 2015.
  14. Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem.
  15. Angaben aus Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945.
  16. Matthias Ernst: Künftig 14 Gemeinderäte im Grünsfelder Rat. Main-Post, 3. Dezember 2015; abgerufen 3. Juli 2019.
  17. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2019, Stadt Grünsfeld.; FN-Web, 26. Mai 2019: Ergebnis der Gemeinderatswahl 2019 in Grünsfeld.; abgerufen 3. Juli 2019.
  18. Diana Seufert: Joachim Markert wird neuer Rathauschef. fnweb.de, 11. März 2013, abgerufen am 27. April 2013.
  19. Startseite. Zweckverband Wasserversorgung Mittlere Tauber; abgerufen am 23. Februar 2018.
  20. Ab 2017 Trinkwasser aus Dittigheim. Main-Post, 28. Oktober 2016; abgerufen am 23. Februar 2018.
  21. Grünsfeld / Großrinderfeld / Wittighausen / Gemeinderat Grünsfeld. Kneippanlage, Sitzbänke und ein offener Bücherschrank geplant / Mehrgenerationenplatz für den Grasanger / Neues Leben rund um den Stadtbrunnen. Fränkische Nachrichten, 19. März 2016; abgerufen am 6. August 2018.
  22. Grünsfelder Stadtbrunnen erhält Kneipp-Anlage. Blick Lokal, 2. September 2016; abgerufen am 6. August 2018.