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Igersheim

Gemeinde in Baden-Württemberg, Deutschland

GeographieBearbeiten

 
Gemarkung und Lage der Gemeinde Igersheim

GemeindegliederungBearbeiten

Zu Igersheim mit den ehemals selbstständigen Gemeinden Bernsfelden (233 Einwohner), Harthausen (530 Einwohner), Neuses (271 Einwohner) und Simmringen (61 Einwohner) gehören 14 Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.[3]

f1  Karte mit allen Koordinaten der Orte der Gemeinde Igersheim: OSM

  • Zur ehemaligen Gemeinde Bernsfelden gehören das Dorf Bernsfelden () und die Weiler Bowiesen (Exklave; ), Hagenhof () und Ziegelhütte () sowie die abgegangenen Ortschaften Dächsenheim, Rötelsee, Schönbronn und möglicherweise Tückelhauser.
  • Zur ehemaligen Gemeinde Harthausen gehören das Dorf Harthausen () und die Weiler Neubronn () und Reckerstal () sowie die abgegangenen Ortschaften Ritter(s)hof und Wüstenneussig.
  • Zur Gemeinde Igersheim vor der Gemeindereform in den 1970er Jahren gehören das Dorf Igersheim (), die Weiler Holzbronn () und Reisfeld (), das Gehöft Staatsdomäne Neuhaus () und die Wohnplätze Erlenbach () und Taubermühle () sowie die abgegangene Ortschaft Goldbach.
  • Zur ehemaligen Gemeinde Neuses gehört das Dorf Neuses ().
  • Zur ehemaligen Gemeinde Simmringen gehört das Dorf Simmringen ().

SchutzgebieteBearbeiten

In Igersheim gibt es ein Europäisches Vogelschutzgebiet, ein Landschafts- und drei Naturschutzgebiete:[4]

Das FFH-Gebiet Westlicher Taubergrund liegt teilweise auf der Gemarkung von Igersheim. Daneben gibt es auf dem Gebiet der Gemeinde Igersheim insgesamt zehn als Naturdenkmal geschützte Objekte.

FlächenaufteilungBearbeiten

 

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[6]

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Erstmals wurde Igersheim 1090 urkundlich erwähnt. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag Igersheim im Herzogtum Franken. 1431 fiel der Ort an den Deutschen Orden, wo er zur Deutschordensballei Franken und zum Amt Neuhaus gehörte.

NeuzeitBearbeiten

1809 wurde Igersheim im Rahmen der Säkularisation württembergisch. Dort gehörte es zunächst zum Oberamt Mergentheim, aus dem 1934 der gleichnamige Landkreis wurde. Als dieser 1973 aufgelöst wurde, kam die Gemeinde zum Tauberkreis, dem heutigen Main-Tauber-Kreis. Nachdem 1906 der gesamte Rebenbestand durch die Peronospora vernichtet wurde, musste der Weinbau eingestellt werden. Am 1. Januar 1972 wurden Bernsfelden, Harthausen, Neuses und Simmringen eingemeindet.[7] In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Igersheim von einer hauptsächlich landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einem Wohn- und Gewerbestandort.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Die Gesamtbevölkerung der Ortsteile der Gemeinde Igersheim entwickelte sich wie folgt:

Jahr Bevölkerung
1961 3135
1970 3858
1991 5014
1995 5457
2005 5709
2010 5653
2015 5543

Quellen: Gemeindeverzeichnis[8] und Angaben des Statistischen Landesamtes

ReligionenBearbeiten

ChristentumBearbeiten

Aufgrund der Zugehörigkeit Igersheims zum Deutschen Orden ist der Ort auch heute noch vorwiegend römisch-katholisch geprägt. Neben den fünf katholischen Pfarrämtern gibt es heute auch eine evangelische Gemeinde.

Jüdische Gemeinde IgersheimBearbeiten

In Igersheim bestand eine jüdische Gemeinde ab dem 16. Jahrhundert bis um 1900, danach als Filialgemeinde der jüdischen Gemeinde Markelsheim bis 1938. Im Jahre 1564 wurden erstmals Juden am Ort genannt. Ende November 1938 wurden die letzten fünf jüdischen Igersheimer über Stuttgart ins KZ Riga-Kaiserwald deportiert.[9]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat hat normalerweise 19 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Die Zahl der Mitglieder kann sich durch Ausgleichssitze erhöhen. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.

Dabei garantiert die Unechte Teilortswahl den Ortsteilen eine festgelegte Anzahl von Sitzen: Aus dem Hauptort Igersheim (mit Holzbronn und Reisfeld) kommen mindestens 14, aus Harthausen (mit Neubronn und Reckerstal) mindestens zwei Räte, aus Bernsfelden (mit Bowiesen und Hagenhof), Neuses und Simmringen kommt jeweils mindestens ein Gemeinderat.[10]

Die Kommunalwahl 2019 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2014):[11]

Gemeinderat 2019
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
Freie Bürgervereinigung (FBV) 50,3 % (−0,6) 10 (±0)
CDU 43,5 % (+2,0) 8 (±0)
SPD 6,2 % (−1,4) 1 (±0)
Wahlbeteiligung: 63,9 % (+5,6)

BürgermeisterBearbeiten

 
Rathaus und Kirche von Igersheim

Am 27. Januar 2008 wurde in Igersheim ein neuer Bürgermeister gewählt; Amtsinhaber Manfred Schaffert war nach 24 Jahren Amtszeit nicht mehr zur Wahl angetreten. Frank Menikheim wurde im ersten Wahlgang mit 58,12 % der Stimmen zum Bürgermeister gewählt und am 14. März 2008 in sein Amt eingeführt. Im Januar 2016 wurde Menikheim mit etwas mehr als 85 % der Stimmen wiedergewählt.

Siehe auch: Liste der Bürgermeister der Gemeinde Igersheim

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 19. Oktober 1537 von Walther von Cronberg verliehen. Im Jahre 1950 wurde es vom damaligen württembergisch-badischen Innenministerium offiziell genehmigt. Die Wappenbeschreibung lautet: „Geteilt und oben gespalten; oben vorne in Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz; hinten von Silber und Rot geteilt, auf der Teilung zwei blaue Eisenhütchen; unten in Gold über einem grünen Dreiberg die Großbuchstaben I und G.“

Das schwarze Kreuz ist Wappen und Kennzeichen des Deutschen Ordens. Walther von Cronberg, der Verleiher des Igersheimer Wappens, war Hochmeister des Deutschen Ordens. Igersheim war bis 1809 unter der Herrschaft des Ordens. Die blauen Eisenhüte und das rote Feld sind dem Wappen der Familie von Cronberg entnommen. I und G weisen auf die Anfangsbuchstaben von IGersheim hin. Der grüne Dreiberg ist laut Wappenbrief von Walther von Cronberg Bestandteil des Wappens, weil Igersheim an drei Bergen liegt, die den Einwohnern „nicht wenig ersprießlich seien“.

VerwaltungsgemeinschaftBearbeiten

Die Gemeinde Igersheim bildet mit der Stadt Bad Mergentheim und der Gemeinde Assamstadt zur gemeinsamen Erledigung ihrer Verwaltungsgeschäfte die vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Bad Mergentheim.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Igersheim ist durch die Taubertalbahn (WertheimCrailsheim) an das überregionale Schienennetz angebunden. Im Stunden-Takt verkehren die Züge nach Aschaffenburg und Crailsheim. Die Gemeinde gehört zur VerkehrsGesellschaft Main-Tauber mbH und damit zum Verkehrsverbund Rhein-Neckar.[12]

Ortsansässige UnternehmenBearbeiten

Die Wittenstein SE, ein Hersteller von Planetengetrieben, ist in Igersheim ansässig.

BildungBearbeiten

Mit der Johann-Adam-Möhler-Schule verfügt Igersheim über eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Derzeit besuchen 350 Schüler die Schule, die von 31 Lehrkräften betreut werden.[13] Im Gebäude der alten Grundschule befindet sich seit dem Schuljahr 2016/17 die Fachschule für Sozialpädagogik der Beruflichen Schule für Ernährung, Pflege und Erziehung Bad Mergentheim mit ca. 170 Schülern und Berufspraktikanten. Es gibt weiterhin vier Kindergärten in der Gemeinde.[14]

TourismusBearbeiten

Igersheim liegt an der Württemberger Weinstraße.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Burgruine Neuhaus, das Johann-Adam-Möhler-Haus und die katholische Pfarrkirche St. Michael.

MuseenBearbeiten

Im Kulturhaus ist ein Heimatmuseum untergebracht.

BrauchtumBearbeiten

Die Einwohner der Gemeinde bezeichnen sich im lokalen Dialekt als Igerschmer. Auch die Bezeichnung Kalrob, die sich von einer Steckrübenart herleitet, die nachweislich seit dem 15. Jahrhundert in Igersheim angebaut wird, ist gängig und im Taubertal bekannt. Die ortsansässige Fastnachtsgesellschaft hat sich danach den Namen Kalrobia Igersheim gegeben.[15]

SportBearbeiten

Zu den wichtigsten Sportvereinen der Gemeinde Igersheim gehören der 1. FC Igersheim 1946 e. V. und der SV Harthausen. Im Spieljahr 2014/2015 wird der 1. FC Igersheim nach drei Jahren in der Kreisliga B wieder in der Fußball-Kreisliga A 3 Hohenlohe im Württembergischen Fußball-Verband antreten, während der SV Harthausen in der niederklassigen Kreisliga B 4 Hohenlohe startet. Ebenfalls von Bedeutung für das Vereinsleben ist der Schützenverein Igersheim 1925 e. V.

Bauwerke und BaudenkmaleBearbeiten

Burgruine NeuhausBearbeiten

Die Burg wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert errichtet (1281 erstmals urkundlich erwähnt). Sie befand sich im Besitz der Herren von Hohenlohe-Brauneck. Im Jahre 1320 kam sie als Lehen zum Bistum Würzburg und bildete mit den umliegenden Dörfern Althausen, Apfelbach, Bernsfelden, Harthausen, Igersheim, Markelsheim und Neuses das Deutschordensamt Neuhaus.

Während des Bauernkrieges und des Schmalkaldischen Krieges wurde die Burg zerstört und wieder aufgebaut. Von 1704 bis 1789 saß auf Neuhaus ein Amtmann (Justiz- und Verwaltungsbeamter) des Deutschen Ordens. 1789 verlegte dieser seinen Dienstsitz nach Igersheim. Ab 1792 wurde die Burg nach und nach abgebrochen.

Die Auflösung des Ordens durch Napoléon bedeutete gleichzeitig das Ende für das Deutschordensamt Neuhaus, zu dem Igersheim bis 1809 gehörte. Danach wurde die Burg Staatsbesitz und vom königlich-württembergischen Rentamt verwaltet.

Heute ist sie nur noch eine Ruine. Inzwischen wird dort vor allem Pferdezucht betrieben. Zudem findet eine Mittelaltergruppe für Schau- und Freikampf dort einen gemeinsamen Anlaufpunkt für ihr Training sowie für den Mittelaltermarkt Spectaculum et Gaudium, der jährlich im Sommer veranstaltet wird.[16]

Johann-Adam-Möhler-HausBearbeiten

Johann Adam Möhler ist die bekannteste aus Igersheim stammende Person. Er war einer der größten katholischen Kirchengeschichtler Deutschlands. Sein Geburtshaus befindet sich heute in Privatbesitz und ist in der Ortsmitte gelegen.

Katholische Pfarrkirche St. MichaelBearbeiten

Die Kirche wurde 1878 bis 1880 anstelle einer zu klein gewordenen Vorgängerkirche erbaut. Sie wurde am 7. Juli 1881 geweiht.

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Main-Tauber-Kreis: Main-Tauber-Kreis: Städte und Gemeinden. Online auf www.main-tauber-kreis.de, abgerufen am 25. Oktober 2014
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 290–294
  4. Reinhard Wolf, Ulrike Kreh (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart. Thorbecke, Ostfildern 2007.
  5. Verordnung des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum zur Festlegung von Europäischen Vogelschutzgebieten (VSG-VO) vom 5. Februar 2010.
  6. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Igersheim.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 453.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1.
  9. Alemannia Judaica: Igersheim (Main-Tauber-Kreis) Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge. online auf www.alemannia-judaica.de. Abgerufen am 3. Dezember 2015.
  10. FBV-Igersheim: Wahlverfahren; abgerufen 5. Juli 2019.
  11. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2019, Igersheim; FN-Web, 26. Mai 2019: Ergebnis der Gemeinderatswahl 2019 in Igersheim; abgerufen 5. Juli 2019.
  12. Archivlink (Memento des Originals vom 23. Dezember 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.igersheim.de
  13. Archivlink (Memento des Originals vom 10. Oktober 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.igersheim.de
  14. Archivlink (Memento des Originals vom 23. Dezember 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.igersheim.de
  15. Kalrobia Igersheim (Aufgerufen am 5. Oktober 2012)
  16. Archivlink (Memento des Originals vom 22. März 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.s-p-u-k.de