Fuerzas Armadas Revolucionarias

Streitkräfte Kubas

Die Fuerzas Armadas Revolucionarias (FAR, spanisch für Revolutionäre Streitkräfte) sind die Streitkräfte Kubas. Die Verwaltungseinheit im Ministerrat ist das Verteidigungsministerium Ministerio de las Fuerzas Armadas Revolucionarias (MINFAR).

Revolutionäre Streitkräfte
Fuerzas Armadas Revolucionarias
Escudo FAR.gif
Führung
Oberbefehlshaber: Präsident von Kuba
Verteidigungsminister: General Álvaro López Miera[1]
Militärische Führung: Führungsstab der Streitkräfte
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 49.000 (2021)
Reservisten: 39.000 Aktive
1.120.000 Paramilitärs
Wehrpflicht: 2 Jahre (Nur für Männer)[2]
Wehrtauglichkeitsalter: 17. – 28. Lebensjahr[2]
Anteil der Soldaten an der Gesamtbevölkerung: 0,44 % (2021)
Paramilitärische Kräfte: 26.500 (2021)
Haushalt
Militärbudget: US$ 1,5 Mrd. (2006)
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 4,2 % (2020)[2]
Geschichte
Gründung: 2. Dezember 1956

GeschichteBearbeiten

Die Bezeichnung wurde erstmals im Herbst 1959 für das kubanische Militär im neuen Staat verwendet, nachdem die bereits vor der Revolution bestehenden Streitkräfte mit der siegreichen Rebellenarmee zusammengefasst und unter dem Kommando des neuen Verteidigungsministers Raúl Castro völlig neu strukturiert wurden. Später betätigte sich Kuba als Interventionsmacht in afrikanischen Stellvertreterkriegen, wie sie für diese Ära typisch waren. So sandte es zwischen 1975 und 1991 insgesamt etwa 430.000 Soldaten nach Angola. Kein anderes lateinamerikanisches Land hat sich je in dieser intensiven Form militärisch auf anderen Kontinenten betätigt. Seit den frühen 1990er Jahren wurden die kubanischen Streitkräfte von rund 300.000 auf etwa 50.000 Mann im Jahr 2019 reduziert.[3] 2011 wurde ein Waffenhandel mit Nordkorea bekannt, da in Panama auf einem nordkoreanischen Schiff geschmuggelte Waffen gefunden worden waren, welche ursprünglich an Kuba hätten geliefert werden sollen.

OrganisationBearbeiten

 
Seekriegsflagge der Marine Kubas

Die Armee gliedert sich heute in ein Heer mit ca. 38.000, eine Luftwaffe mit ca. 8.000 und eine Marine (Marina de Guerra Revolucionaria, MGR) mit ca. 3.000 Soldaten, darauf kommen nochmal 26.500 paramilitärische Kräfte. Des Weiteren verfügt die FAR über 39.000 Reservisten im Heer und über 1,12 Millionen paramilitärische Reservisten. Darunter zählt die paramilitärische Bürgerwehr, die Milizen zur Territorialverteidigung (MTT – Milicias de Tropas Territoriales) mit rund 1 Million Mitgliedern, welche in Kriegszeiten in die militärischen Streitkräfte eingegliedert werden.[4]

EinsätzeBearbeiten

InlandseinsätzeBearbeiten

Zur Bekämpfung der inneren Opposition und Niederschlagung von Unruhen wurden die FAR vor allem in ihren Anfangsjahren eingesetzt, als sich zahlreiche ehemalige Revolutionskämpfer gegen die kommunistische Castro-Regierung erhoben und vom Escambray-Gebirge aus einen erfolglosen Guerillakampf führten. Auch nach den Unruhen in Havanna 1994 gab es Überlegungen zum Einsatz des Militärs zur Aufruhr-Bekämpfung.[5]

1961 wehrte die FAR einen US-gestützten, dilettantischen Interventionsversuch durch Exilkubaner in der Schweinebucht ab.

AuslandseinsätzeBearbeiten

Die kubanische Armee tat sich im Kalten Krieg durch Militärberater und bis in die 1980er Jahre auch durch Kampfeinsätze hervor, wie etwa beim Einsatz in Angola oder auch in Grenada, Äthiopien, Syrien und Mosambik. Als Interventionsmacht in diesem afrikanischen Stellvertreterkrieg zwischen den politischen Blöcken im Kalten Krieg sandte Kuba zwischen 1975 und 1991 insgesamt etwa 430 000 Soldaten nach Angola.[6]

In den 1980er Jahren waren die FAR entscheidend am Aufbau des Sandinistischen Volksheeres beteiligt; 1985 befanden sich gut 1250 kubanische Militärausbilder in Nicaragua. Von 1984 bis 1986 war General Arnaldo Ochoa oberster kubanischer Militärberater in Managua.

Bis ca. 1990 galt Kubas Armee als eine der größten und bestausgerüsteten Streitkräfte Lateinamerikas und aller Entwicklungsländer.[Henken2007 1]

AusrüstungBearbeiten

Die Ausrüstung des Militärs besteht überwiegend aus veralteten sowjetischen Waffen. Nach Angaben der Regierung hat Kuba Waffen aus Moskau im Wert von 30 Milliarden Dollar erhalten, größtenteils als Geschenke, die durch die Rivalität zu den Vereinigten Staaten strategisch motiviert waren. Eine grundlegende Modernisierung konnte Kuba aufgrund seiner hohen Auslandsverschuldung bisher noch nicht einleiten.[7]

HeerBearbeiten

Das Heer verfügt, wie die anderen Teilstreitkräfte, hauptsächlich über Waffen aus der Sowjetunion. Nur wenige Selbstfahrlafetten sind aus sowjetischen LKWs und Geschützen in Kuba zusammengesetzt worden.[4]

FahrzeugeBearbeiten

Typ Herkunft Funktion Version Anzahl
T-34
T-54
T-55
T-62
Sowjetunion  Sowjetunion Kampfpanzer ca. 900
PT-76 Leichter Panzer
BTR-60 Radpanzer
BRDM-2 Spähpanzer
BMP-1 Schützenpanzer BMP-1
BMP-1P
ca. 50
BTR-50
BTR-60
BTR-152
Mannschaftstransporter ca. 500

ArtillerieBearbeiten

Typ Herkunft Anmerkungen
Selbstfahrlafetten
AAPMP-100 Kuba  Kuba Auf Basis des T-34
CATAP-100 Auf Basis des BMP-1
AAP-BMP-122 Auf Basis des BMP-1 mit einer D-30 Haubitze
Jupiter III D-30 Haubitze auf ein KrAZ-255 montiert
Jupiter IV KrAZ LKW mit einer M1931/37 Kanone
Jupiter V KrAZ LKW mit einer M-46 Kanone
AAP-T-130
2S1 Sowjetunion  Sowjetunion
2S3
Haubitzen
D-1 Sowjetunion  Sowjetunion
D-30
M-30
M-46
M-1937
Mehrfachraketenwerfer
BM-14 Sowjetunion  Sowjetunion
BM-21
Mörser
M-41 Sowjetunion  Sowjetunion 82 mm
M-43 82 mm
M-38 120 mm
M-43 120 mm

Panzer- und FlugabwehrwaffenBearbeiten

Typ Herkunft Anzahl Anmerkungen
Panzerabwehrlenkwaffen
2K15 Schmel Sowjetunion  Sowjetunion Auf ein Fahrzeug montiert
9K11 Maljutka
Panzerabwehrkanonen
M1943 Sowjetunion  Sowjetunion 600
D-44
Flugabwehrraketensysteme
2K12 Kub Sowjetunion  Sowjetunion
9K31 Strela-1
9K33 Osa
9K35 Strela-10 200
MANPADS
9K32 Strela-2 Sowjetunion  Sowjetunion
9K34 Strela-3
9K310 Igla-1
Flugabwehrpanzer
ZSU-23-4 Sowjetunion  Sowjetunion
ZSU-57-2
BTR-60P BTR-60 mit einer 30 mm Kanone
Flugabwehrkanonen
KS-12 Sowjetunion  Sowjetunion
KS-19
S-60
M1939
SU-23
M-53 Tschechoslowakei  Tschechoslowakei

MarineBearbeiten

Die Marine verfügt größtenteils über alte sowjetische Schiffe, nur wenige wurden in Kuba gebaut.[4]

SchiffeBearbeiten

Klasse Bild Herkunft Anzahl Schiffe Anmerkungen
Name Kennung
U-Boote
Delfin-Klasse Kuba  Kuba 1 Delfin [8]
Patrouillenboote
Rio Damuji-Klasse   Spanien  Spanien 2 Rio Damuji
Rio Jatibonico
390
391
Ursprünglich ein Trawler, der zum Patrouillenboot umgebaut wurde.[9]
Pauk-II-Klasse   Sowjetunion  Sowjetunion 1 321
Osa-II-Klasse   Sowjetunion  Sowjetunion 6
Minenabwehrfahrzeuge
Yevgenya-Klasse   Sowjetunion  Sowjetunion 3
Sonya-Klasse   Sowjetunion  Sowjetunion 2

KüstenverteidigungBearbeiten

Artillerie:

Seezielflugkörper:

LuftstreitkräfteBearbeiten

LuftfahrzeugeBearbeiten

Die Cuban Revolutionary Air and Air Defense Force verfügt über folgende Flugzeug- und Hubschraubertypen (Stand Ende 2021):[10]

Typ Foto Herkunft Verwendung Version Aktiv Bestellt Anmerkungen
Kampfflugzeuge
MiG-21   Sowjetunion  Sowjetunion Abfangjäger 11
MiG-23   Sowjetunion  Sowjetunion Jagdbomber 24
MiG-29   Sowjetunion  Sowjetunion Mehrzweckkampfflugzeug 3
Transportflugzeuge
An-26   Sowjetunion  Sowjetunion Transportflugzeug 2
Schulflugzeuge
Aero L-39   Tschechoslowakei  Tschechoslowakei Schulflugzeug 26
Hubschrauber
Mil Mi-8   Sowjetunion  Sowjetunion Mehrzweckhubschrauber Mi-17 10
Mil Mi-24   Sowjetunion  Sowjetunion Kampfhubschrauber Mi-35 4

WaffensystemeBearbeiten

Die Luftstreitkräfte verfügen über folgende, zum Teil schon veraltete, Waffensysteme aus sowjetischer Herkunft:[4]

Flugabwehrwaffen:

Luft-Luft-Raketen:

Luft-Boden-Raketen:

Rolle in der WirtschaftBearbeiten

Seit dem Ende der Unterstützung durch die Sowjetunion und die übrigen Ostblock-Staaten um 1990 wurden die Streitkräfte zum zentralen Akteur der kubanischen Wirtschaft ausgebaut, was zunächst vor allem der Sicherstellung ihrer Finanzierung diente. Dabei haben Firmen des Militärs zahlreiche Joint Ventures mit ausländischen Investoren gebildet, z. B. im Tourismus, betreiben aber auch landwirtschaftliche Großbetriebe. Diese Strukturen befinden sich außerhalb der zentralstaatlichen Planung und werden mit größeren wirtschaftlichen Freiräumen gelenkt. Nach Auffassung von Beobachtern bildet der militärisch-unternehmerische Komplex einen eigenen „Staat im Staate“.[11] Im 2011 befanden sich nach Schätzungen des Economist rund 40 Prozent der Wirtschaftskraft unter Kontrolle der Streitkräfte, deren zentrale Holding GAESA von Luis Alberto Rodríguez López-Calleja geleitet wird, einem Schwiegersohn des Staatspräsidenten Raúl Castro.[12] Neuere Quellen gingen im Zusammenhang mit der Aufhebung der US-Sanktionen 2016/17 von einem Anteil des Militärs an der Wirtschaft von 60 Prozent aus.[13] Zur Holding gehören unter anderem die Tourismusgesellschaft Gaviota, die Supermarktkette Tiendas de Recuperacion de Divisas (TRD), sowie die Banco Metropolitano, welche die Finanzen der Holding abwickelt.[14][Henken2007 2] Außerdem werden bzw. wurden das Zucker-, Fischerei- und Transportministerium, die Habanos SA sowie die Computer-Import-Firma Grupo de Electrónica de Cuba von höheren Militärs geführt.[Henken2007 3]

Bereits in den 1980er Jahren war die Devisenbeschaffung Teil der Aktivitäten der Militärs: Bekanntestes Beispiel war Kubas Verwicklung in den internationalen Drogenhandel, für die 1989 der populäre Kriegsheld General Arnaldo Ochoa in einem höchst kontroversen Verfahren zum Tode verurteilt wurde.

Rolle in der PolitikBearbeiten

Noch deutlicher als in der Wirtschaft sind hohe Vertreter des Militärs an den wichtigsten Positionen der Politik vertreten. Dieses bereits seit der schrittweisen Verdrängung der zunächst zivilen Regierung durch Fidel Castro im Laufe des Jahres 1959 augenfällige Phänomen hat sich seit der Übernahme des Präsidentenamts durch seinen Bruder Raúl durch Neubesetzungen noch verstärkt. So besteht sowohl der Ministerrat als auch das Politbüro der Kommunistischen Partei mehrheitlich aus Angehörigen der Streitkräfte.

Ähnlich benannte Truppen in anderen LändernBearbeiten

In Guatemala gab es eine gleichnamige marxistisch-leninistische Guerillabewegung, die während des Bürgerkrieges aktiv war. Die Namensüberschneidung lässt sich nicht zuletzt durch die Unterstützung Kubas erklären.

Später haben sich andere Guerilleros bei der Namensfindung daran angelehnt, so z. B. die FARC in Kolumbien.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Fuerzas Armadas Revolucionarias – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

Ted A. Henken: Cuba: A Global Studies Handbook, ABC-CLIO, 2007, ISBN 978-1851099849 (Kindle-Edition):

  1. Pos. 2667
  2. Pos. 2700
  3. Pos. 2710

Sonstige:

  1. Auf dass wir in der Lage sind jeder möglichen Gefahr zu begegnen. In: granma.cu. 23. Mai 2022, abgerufen am 20. Juni 2022.
  2. a b c The World Factbook Cuba. Central Intelligence Agency, abgerufen am 20. Juni 2022 (englisch).
  3. Cuba - The World Factbook. Abgerufen am 5. Februar 2021.
  4. a b c d International Institute for Strategic Studies (Hrsg.): The Military Balance 2022. 122. Auflage. Taylor & Francis, 2022, ISBN 978-1-03-227900-8, S. 409–411.
  5. Michael Zeuske: Insel der Extreme – Kuba im 20. Jahrhundert, 2. Auflage (2004), Seite 331.
  6. Peter Gaupp, San José: Raúl Castros Antiquitäten | NZZ. Abgerufen am 10. April 2020.
  7. Cuba necesita modernizar sus arsenales de época soviética pero carece de recursos (Spanisch) in RIA Novosti vom 4. Mai 2011, abgerufen am 21. Mai 2011
  8. H I Sutton: Delfin-Class-Submarine. In: hisutton.com. 23. Januar 2021, abgerufen am 28. Juni 2022 (englisch).
  9. Rio Damuji class. GlobalSecurity.org, abgerufen am 3. Juli 2022 (englisch).
  10. World Air Forces 2022. (PDF) Flight International, abgerufen am 22. Juni 2022.
  11. Bert Hoffmann:Wie reformfähig ist Kubas Sozialismus? (PDF; 218 kB) Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2011, abgerufen am 21. Mai 2011
  12. Corruption in Cuba: The cleanup continues (Englisch) In: The Economist vom 5. Mai 2011, abgerufen am 21. Mai 2011
  13. Kuba: Wie im Kalten Krieg, Die Zeit, 17. Juni 2017
  14. The Cuban Military in the Economy (Memento vom 2. März 2015 im Internet Archive), Institute for Cuban and Cuban-American Studies, University of Miami, abgerufen am 11. Oktober 2014