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Michael Max Paul[1] Zeuske (* 1952 in Halle/Saale[2]) ist ein deutscher Historiker.

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Leben und WirkenBearbeiten

Michael Zeuske ist Sohn von Max Zeuske (1927–2001), einem Rostocker Historiker und Professor für lateinamerikanische und karibische Geschichte.[3] Ab 1963 lebte er mit seinen Eltern für zwei Jahre in Kuba. Sein Vater war dort als DDR-Berater im Bildungswesen tätig. Dort erlebte er, wie er im autobiografischen Vorwort seines Buches „Kuba im 21. Jahrhundert“ beschreibt, in Havanna die Aufbruchstimmung nach der erfolgreichen Kubanischen Revolution und wurde deren Fan. Kubaspanisch lernte er quasi auf der Straße. Das spätere Kuba in den 1970er und 80er Jahren fand er dagegen langweilig. Kuba war für ihn damals nicht mehr als „eine Art tropische DDR“.[4]

Nach der Berufsausbildung mit Abitur als Agrotechniker in Neuenhagen bei Berlin studierte Zeuske an der Universität Leipzig Philosophie und Geschichte mit Schwerpunkt der Geschichte Spaniens und Lateinamerikas bei Manfred Kossok, wo er 1984 auch promoviert wurde. Sein Interesse galt damals der Geschichte Venezuelas zu Zeiten des Befreiungskämpfers Simón Bolívar. Da Venezuela jedoch als nichtsozialistisches Ausland galt, konnte er für seine Studien wiederum nur nach Kuba reisen.[4] 1991 habilitierte er sich ebenfalls in Leipzig mit einer Arbeit über Simón Bolívar und die Hegemonie in der Unabhängigkeitsbewegung Spanisch-Amerikas. Von 1992 bis 1993 war er Professor für Vergleichende Geschichte/Ibero-Amerika an der Universität Leipzig. 1993 wurde er auf einen Lehrstuhl für Iberische und Lateinamerikanische Geschichte an der Universität zu Köln berufen.

Zeuske war mehrfach Visiting Fellow an Universitäten in den USA (Indiana, Bloomington, Yale, New Haven, Michigan, Ann Arbor) und führte seit 1993 umfangreiche Feldforschungen zur Geschichte der Sklaven auf Kuba und in Venezuela durch. Er ist Spezialist für die Geschichte Lateinamerikas, die Geschichte des Atlantiks, die Geschichte der Sklaven und der Sklavenhändler sowie die Geschichte Kubas, Venezuelas und der Karibik. Seit 2005 forscht Zeuske auch zu atlantischem Sklavenhandel und Menschenschmuggel sowie Sklavenschiffen (La Amistad) im 19. Jahrhundert. Michael Zeuske war von September bis Dezember 2015 als Fellow des Chinesisch-Deutschen Wissenschaftsforums an der BeiDa Uni (Peking University) in Beijing und Macao.

Zwar ist Zeuskes wissenschaftliche Arbeit hinsichtlich der Sklavengeschichte Lateinamerikas unumstritten, beispielsweise bei der Beurteilung des modernen Kubas aber tun sich laut dem Publizisten und Lateinamerikaexperten Peter B. Schumann Defizite hinsichtlich der Beachtung der innerkubanischen Opposition auf, die er in seinen Büchern nur am Rande erwähnt, obwohl Zeuske ebenfalls klarstellt, dass das kubanische Revolutionsregime von Anfang an auf gewaltsame Unterdrückung der oppositionellen Kräfte setzte.[5]

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

  • Insel der Extreme. Kuba im 20. und 21. Jahrhundert. Rotpunktverlag, Zürich 2017; 3. aktualisierte und stark erweiterte Auflage, ISBN 978-3-85869-728-8
  • Idee und Interesse in der Independencia: Zur heroischen Illusion Simón Bolivars 1815–1826. Dissertation, Universität Leipzig, 1984.
  • Kolonie, Reform und Revolution: Vom „bourbonischen Jahrhundert“ in Spanisch-Amerika zur Unabhängigkeit Lateinamerikas. Simón Bolívar und die Formierung der kreolischen Hegemonie in der Independencia Venezuelas. Habilitationsschrift, Universität Leipzig, 1992.
  • Francisco de Miranda und die Entdeckung Europas: eine Biographie. Lit, Hamburg & Münster 1995, ISBN 3-89473-860-X.
  • (mit Max Zeuske) Kuba 1492–1902. Kolonialgeschichte, Unabhängigkeitskriege und erste Okkupation durch die USA. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 1998, ISBN 3-931922-83-9.
  • Sklavereien, Emanzipationen und atlantische Weltgeschichte. Essays über Mikrogeschichten, Sklaven, Globalisierungen und Rassismus (= Arbeitsberichte des Instituts für Kultur und Universalgeschichte Leipzig e.V. Bd. 6). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2002, ISBN 3-936522-10-3.
  • Schwarze Karibik. Sklaven, Sklavereikulturen und Emanzipation. Rotpunktverlag, Zürich 2004, ISBN 3-85869-272-7 (Rezension).
  • Francisco de Miranda y la modernidad en América. Fundación Mapfre Tavera/Secretaría de Cooperación Iberoaméricana, Madrid 2004, ISBN 84-8479-047-9.
  • Sklaven und Sklaverei in den Welten des Atlantiks, 1400–1940. Umrisse, Anfänge, Akteure, Vergleichsfelder und Bibliografien (= Sklaverei und Postemanzipation. Bd. 1). Lit, Münster (u. a.) 2006, ISBN 3-8258-7840-6.
  • Kleine Geschichte Venezuelas. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54772-0.
  • Von Bolívar zu Chávez. Die Geschichte Venezuelas. Rotpunktverlag, Zürich 2008, ISBN 3-85869-313-8 (Rezension).
  • Simón Bolívar, Befreier Südamerikas. Geschichte und Mythos. Rotbuch, Berlin 2011, ISBN 978-3-86789-143-1 ([1]; Rezensionen).
  • Simón Bolívar. History and Myth. Princeton: Markus Wiener Publishers, 2012, ISBN 978-1-55876-568-9 (erweiterte Übersetzung).
  • Kuba im 21. Jahrhundert. Revolution und Reform auf der Insel der Extreme. Rotbuch, Berlin 2012, ISBN 978-3-86789-151-6 (Rezension).
  • Die Geschichte der Amistad. Sklavenhandel und Menschenschmuggel auf dem Atlantik im 19. Jahrhundert. Philipp Reclam, Ditzingen 2012, ISBN 978-3-15-020267-8 (Rezension; PDF; 35 kB).
  • (mit García Martínez, Orlando) La sublevación esclava en la goleta Amistad: Ramón Ferrer y las redes de contrabando en el mundo Atlántico. La Habana: Ediciones UNIÓN, 2013, ISBN 978-959-308-110-8.
  • Amistad. A Hidden Network of Slavers and Merchants. Translated by Rendall, Steven. Princeton: Markus Wiener Publishers, 2014, ISBN 978-1-55876-593-1 (erweiterte Übersetzung; siehe Rezension: Cosner, Charlotte A., in: American Historical Review Vol. 121:1 (February 2016), S. 207–208).
  • Handbuch Geschichte der Sklaverei. Eine Globalgeschichte von den Anfängen bis heute. De Gruyter, New York/Berlin 2013, ISBN 978-3-11-027880-4.
  • Sklavenhändler, Negreros und Atlantikkreolen. Eine Weltgeschichte des Sklavenhandels im atlantischen Raum. Berlin/ Boston: De Gruyter Oldenbourg, 2015, ISBN 978-3-11-042672-4.
  • Kleine Geschichte Kubas. Beck, München 2016; 4., überarbeitete und aktualisierte Auflage, ISBN 978-3-406-69699-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Zeuske im Professorenkatalog der Universität Leipzig
  2. Mitglieder und Ausgezeichnete 2011 (Memento des Originals vom 24. November 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www2.hu-berlin.de, Website der Leibniz-Sozietät, abgerufen am 16. November 2012.
  3. Eintrag zu Max Zeuske im Catalogus Professorum Rostochiensium
  4. a b Michael Zeuske: Kuba im 21. Jahrhundert, S. 7–15
  5. Peter B. Schumann: Das jüngste Kapitel des Castroismus. Michael Zeuske: „Kuba im 21. Jahrhundert. Revolution und Reform auf der Insel der Extreme“, Rotbuch, Deutschlandfunk vom 30. Juli 2012