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Frankenau

hessische Stadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Frankenau
Frankenau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Frankenau hervorgehoben
Koordinaten: 51° 6′ N, 8° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Waldeck-Frankenberg
Höhe: 427 m ü. NHN
Fläche: 57,29 km2
Einwohner: 2904 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 35109–35110
Vorwahl: 06455
Kfz-Kennzeichen: KB, FKB, WA
Gemeindeschlüssel: 06 6 35 010
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Ehlingshäuser Str. 1
35110 Frankenau
Website: www.frankenau.de
Bürgermeister: Björn Brede (SPD)
Lage der Stadt Frankenau im Landkreis Waldeck-Frankenberg
Hatzfeld (Eder)Battenberg (Eder)BromskirchenAllendorf (Eder)Burgwald (Gemeinde)Rosenthal (Hessen)Gemünden (Wohra)Haina (Kloster)Frankenberg (Eder)FrankenauBad WildungenLichtenfels (Hessen)KorbachWillingen (Upland)Diemelsee (Gemeinde)DiemelstadtVöhlVolkmarsenBad ArolsenTwistetalWaldeck (Stadt)EdertalNordrhein-WestfalenLandkreis KasselSchwalm-Eder-KreisLandkreis Marburg-BiedenkopfKarte
Über dieses Bild
Kirche
Rathaus

Frankenau ist eine Stadt im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Frankenau liegt im Kellerwald südwestlich des Bergs Talgang. Es befindet sich am Südrand des Nationalparks Kellerwald-Edersee am Ursprung und Oberlauf des Eder-Zuflusses Lorfe (Lorfebach).

KlimaBearbeiten

Der Jahresniederschlag liegt bei 733 mm und ist damit vergleichsweise normal, da er in das mittlere Drittel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 48 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,5 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren nur minimal und sind extrem gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur zwei Prozent der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

NachbargemeindenBearbeiten

Frankenau grenzt im Norden an die Gemeinde Vöhl, im Osten an die Gemeinde Edertal und die Stadt Bad Wildungen, im Süden an die Gemeinde Haina, sowie im Westen an die Stadt Frankenberg (alle im Landkreis Waldeck-Frankenberg).

StadtteileBearbeiten

Kernstadt Frankenau, Allendorf, Altenlotheim, Dainrode, Ellershausen und Louisendorf.

GeschichteBearbeiten

Die Entstehung von Frankenau und der Nachbarstadt Frankenberg geht vermutlich bis in die Frankenzeit zurück. Die Besiedlung des Gebiets erfolgte durch die Chatten. Der eigentliche Ort Frankenau soll als Grenzfeste gegen die Sachsen errichtet worden sein. Vermutungen gehen von einer Gründung um 500 nach Chr. bzw. 750 nach Chr. aus. Stadtrechte erhielt Frankenau vermutlich im Jahre 1242 von Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen. Die älteste vorhandene Urkunde über Frankenau wurde am 4. April 1266 durch Landgraf Heinrich I. ausgefertigt und beinhaltet die Bestätigung der Stadtrechtsverleihung.

Frankenau war über Jahrhunderte ein armes Ackerbürgerstädtchen. Ein besonders schwerer Schicksalsschlag ereilte die Bewohner am 22. April 1865, als nahezu die gesamte Stadt einem Feuer zum Opfer fiel. Durch die enormen Leistungen der damaligen Bewohner konnte der Ort wieder neu aufgebaut werden.

Heute ist Frankenau als anerkannter Erholungsort eines der Ferienzentren im Landkreis Waldeck-Frankenberg, Tor zum Nationalpark Kellerwald-Edersee und Hauptort der seit Anfang der 1970er Jahre bestehenden Großgemeinde Frankenau.

Jüdische GemeindeBearbeiten

Jüdische Einwohner sind erstmals im Jahre 1659 belegt, als ein „Schutzjude“ mit zwei Familienangehörigen bekundet ist. 1671 ist dann eine zweite jüdische Familie am Ort vermeldet. Im 18. Jahrhundert begann ein allmähliches Wachstum, und 1785 werden sieben „Schutzjuden“ genannt. Die jüdische Gemeinde war nie sehr groß: sie erreichte mit 70 Personen und 7,1 % der Gesamtbevölkerung von 980 im Jahre 1905 ihren Höhepunkt. Die kleine Gemeinde hatte eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Die Synagoge wurde 1867 erbaut, nach dem großen Stadtbrand von 1865.

Im Jahre 1933 lebten 65 jüdische Einwohner in der Stadt. Danach nahm ihre Zahl durch Ab- und Auswanderung schnell ab. Die letzte Familie meldete sich am 28. März 1939 aus Frankenau ab. 1938 war abzusehen, dass eine Kehillah zur Abhaltung von Gottesdiensten bald nicht mehr zusammenkommen würde, und im Frühjahr oder Sommer 1938 wurde die Synagoge an einen Nachbarn verkauft. Wegen Schwammbefalls wurde das Gebäude schließlich abgerissen. Der Sockel mit dem Kellerraum war 1949 noch vorhanden. Auf dem Grundstück (Rieschstraße 6) wurde später ein neues Gebäude errichtet.

Am 17. Juni 1992, anlässlich der 750-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte, wurde an der Grundstücksgrenze zwischen der ehemaligen Synagoge und der evangelischen Kirche ein Gedenkstein für die ermordeten und vertriebenen jüdischen Einwohner errichtet.

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden auf freiwilliger Basis eingegliedert: Am 1. Februar 1971 die bis dahin selbständige Gemeinde Allendorf.[2] Am 31. Dezember 1971 kam Louisendorf hinzu. Altenlotheim und Ellershausen folgten am 1. Juli 1972.[3] Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Dainrode am 1. Januar 1974 kraft Landesgesetz abgeschlossen.[4][5] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

• 1577: 115 Haushaltungen
• 1747: 145 Haushaltungen
Frankenau: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
963
1840
  
999
1846
  
1.037
1852
  
1.023
1858
  
1.045
1864
  
1.092
1871
  
1.002
1875
  
1.002
1885
  
995
1895
  
944
1905
  
982
1910
  
1.006
1925
  
1.071
1939
  
1.123
1946
  
1.450
1950
  
1.437
1956
  
1.328
1961
  
1.331
1967
  
1.405
1972
  
2.815
1976
  
3.023
1984
  
3.102
1992
  
3.692
2000
  
3.700
2010
  
3.369
2015
  
2.900
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [7]; 1972:[8]; 1977:[9]; 1984:[10]; 1992:[11]; 2000, 2015:[12]; 2010:[13];
Die Zahlen ab 1970 enthalten die im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

• 1885: 939 evangelische (= 94,37 %), 2 katholische (= 0,20 %), 54 jüdische (= 5,43 %) Einwohner

PolitikBearbeiten

StadtverordnetenversammlungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[14] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[15][16]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
    
Insgesamt 15 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 55,0 8 55,9 13 56,0 13 50,1 12
FB Freie Bürger 27,9 4 27,7 6 24,6 6 29,7 7
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 13,4 2 13,7 3 19,4 4
PIRATEN Piratenpartei Deutschland 3,7 1 2,7 1
BF Bürgerbündnis Frankenau 20,2 4
Gesamt 100,0 15 100,0 23 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 56,6 58,7 51,7 62,1

BürgermeisterBearbeiten

Im Juli 2015 wurde Bürgermeister Björn Brede wiedergewählt.[17]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Richard Huelsenbeck (1892–1974), Schriftsteller, Lyriker, Essayist, Dramatiker, Arzt und Psychoanalytiker, geboren in Frankenau
  • Jakob Hesse (1881–1966), deutscher Maurer und Abgeordneter (USPD), geboren in Frankenau

LiteraturBearbeiten

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I, Regierungsbezirke Gießen und Kassel, begründet vom Tag der Denkmalpflege 1900, fortgesetzt von Ernst Gall, bearbeitet von Folkhard Cremer, Tobias Michael Wolf und anderen, 2008, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin, ISBN 978-3-422-03092-3
  • Erich Keyser: Hessisches Städtebuch, Stuttgart 1957. S. 117–118.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 142.
  • Literatur über Frankenau in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

  Commons: Frankenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Frankenau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20. Januar 1971. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 6, S. 248, Abs. 8 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,2 MB]).
  3. Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Juni 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 28, S. 1197, Punkt 851; 2. Abs. 10. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,4 MB]).
  4. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Frankenberg und Waldeck (GVBl. II 330-23) vom 4. Oktober 1973. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 25, S. 359, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 389–390.
  6. Hauptsatzung. (PDF; 175 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Frankenau, abgerufen im März 2019.
  7. a b c Frankenau, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 4. August 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  9. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1977; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 15. Dezember 1976. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1976 Nr. 52, S. 2283, Punkt 1668 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 10,3 MB]).
  10. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1985; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 30. Oktober 1984. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1984 Nr. 46, S. 2175, Punkt 1104 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).
  11. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1993; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 21. Oktober 1992. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1992 Nr. 44, S. 2766, Punkt 935 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).
  12. Gemeindedatenblatt: Raunheim. (PDF; 222 kB) In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH;
  13. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 30. Juni 2010. (PDF; 552 kB) Hessisches Statistisches Landesamt, S. 58, archiviert vom Original am 7. Februar 2018; abgerufen im November 2018.
  14. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  15. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  16. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  17. Frankenaus Bürgermeister Björn Brede wiedergewählt. In: Portal der Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) vom 15. Juli 2015.