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Gemünden (Wohra)

hessische Stadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Gemünden liegt ca. 30 km nordöstlich von Marburg am westlich angrenzenden Burgwald und am sich nordöstlich erhebenden Kellerwald. Der Ort wird von der Wohra durchflossen. Die Holzbach mündet hier in die Schweinfe und die Schweinfe in die Wohra.

NachbargemeindenBearbeiten

Gemünden grenzt im Norden an die Gemeinde Haina (Landkreis Waldeck-Frankenberg), im Osten an die Gemeinde Gilserberg (Schwalm-Eder-Kreis), im Süden an die Gemeinde Wohratal (Landkreis Marburg-Biedenkopf) sowie im Westen an die Stadt Rosenthal (Landkreis Waldeck-Frankenberg).

StadtgliederungBearbeiten

Die Stadt besteht aus den Ortsteilen Ellnrode, Gemünden, Grüsen, Herbelhausen, Lehnhausen, Schiffelbach und Sehlen.

GeschichteBearbeiten

 
Evangelische Stadtpfarrkirche von 1435–1485

Gemünden soll aus sieben Dörfern entstanden sein: Holzbach, Giebelingsbach, Burghardshausen, Ernstdorf, Steigershausen, Osterbach und Katzbach.

Die ersten urkundlichen Nennungen noch unter der Bezeichnung „Zegemunde“ stammen aus den Jahren 750–779. Die zweite urkundliche Erwähnung war 1223 zu verzeichnen. Im Jahre 1253 wurde Gemünden erstmals als Stadt erwähnt. In dieser Zeit gehörte Gemünden den Grafen von Ziegenhain. Diese Zugehörigkeit kommt auch in dem Stadtwappen zum Ausdruck: In einem weißen Feld ist ein rotbewehrter schwarzer Hahn mit Ziegenkopf dargestellt; unter den Flügeln des Wappentieres sind zwei sechsstrahlige Sterne angebracht. Als das Ziegenhainer Grafengeschlecht 1450 im Mannesstamm ausstarb, fiel die Grafschaft Ziegenhain und mit ihr Gemünden an die Landgrafschaft Hessen,

Im 16. Jahrhundert erlebte die Stadt eine größere Blütezeit: 1523 wurde ein großer Brunnen gebaut, 1541 wurde die Schule errichtet, 1564 wurde ein Rathaus auf dem Marktplatz gebaut, und 1587 wurde die erste Wasserleitung aus Holzrohren gebaut. Aus dieser Zeit stammt auch der jüdische Friedhof, welcher auch von benachbarten jüdischen Gemeinden, wie z. B. der in Rosenthal, genutzt wurde.

Die Katastrophen vom späten 16. bis zum 18. Jahrhundert forderten schwere Opfer. Der Brand von 1583 richtete große Schäden an, die Pest von 1584 raffte ⅔ der Bevölkerung dahin. Auch der Dreißigjährige Krieg und der Siebenjährige Krieg forderten von den Bürgern das Äußerste durch Einquartierung und finanzielle Leistungen. Nicht zuletzt dadurch kam es in dieser Zeit wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen dem Stadtrat und der übrigen Bürgerschaft um Fragen des örtlichen Haushalts.

1714 wurde auf Veranlassung von Landgraf Karl eine reformierte Mutterkirche in Gemünden eingerichtet, wo eine reformierte Gemeinde im Jahre 1689 entstanden war.[2]

Im napoleonischen Königreich Westphalen war die Stadt Verwaltungssitz des Kantons Gemünden.

Nach dem Deutschen Krieg 1866 wurde Gemünden mit dem ehemaligen Kurfürstentum Hessen-Kassel Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Von 1909 bis 1914 wurde die Wohratalbahn gebaut, der Wasserleitungszweckverband gegründet (Gemünden erhält eine neue modernere Wasserversorgung), und eine neue Schule entstand. Die Wasserversorgung der Stadt und der Dörfer Altenhaina, Halgehausen, Bockendorf, Sehlen und Grüsen beruht auf der 1910/11 durch den Wasserleitungszweckverband Gemünden-Bunstruth gebauten Wasserleitung von der Kirschgartenquelle nach Gemünden und der 1967 gebauten Pumpstation in Kirschgarten.[3]

1933 bis 1943 war die Stadt Sitz des Amtsgerichtes Gemünden (Wohra).

1972 wurde der Personenverkehr durch die Bahn eingestellt. Im Winter 1980/81 folgte die Einstellung des Güterverkehrs sowie der Rückbau der Gleisanlagen. Das Bahnhofsgebäude ist erhalten und heute ein gastronomisch genutztes Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

EingemeindungenBearbeiten

Am 31. Dezember 1971 wurden im Zuge der hessischen Gebietsreform die bis dahin selbständigen Gemeinden Grüsen, Herbelhausen, Lehnhausen und Sehlen eingegliedert.[4] Am 1. Januar 1974 kamen Ellnrode und Schiffelbach (Landkreis Marburg) kraft Landesgesetz hinzu.[5][4] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

1834 1885 1910 1925 1933 1939 1950 1961 1970[4] 2009[7] 2019[8]
Gemünden-Kernstadt 1309[9] 1315[9] 1599 1715[9] 1781 1753[9] 2813[9] 2351[9] 2467 3209 2918
Ellnrode 77[10] 55[10] 54 47[10] 57 49[10] 74[10] 54[10] 38 39 26
Grüsen 288[11] 328[11] 292 299[11] 303 290[11] 429[11] 336[11] 373 365 320
Herbelhausen 148[12] 126[12] 134 127[12] 126 107[12] 171[12] 117[12] 123 92 77
Lehnhausen 166[13] 164[13] 128 135[13] 133 144[13] 218[13] 130[13] 108 110 96
Schiffelbach 356[14] 335[14] 336 298[14] 326 321[14] 455[14] 344[14] 347 296 249
Sehlen 272[15] 224[15] 239 225[15] 270 250[15] 365[15] 250[15] 287 257 246
gesamt 2616 2547 2742 2846 2846 2921 4525 3582 3743 4364 3932

PolitikBearbeiten

Das Wappen zeigt den Ziegenkopfadler.

StadtverordnetenversammlungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[16] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[17][18]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
   
Insgesamt 23 Sitze
  • SPD: 5
  • CDU: 9
  • B.L.: 9
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 41,3 9 39,5 9 56,2 13 49,6 11
B.L. Bürgerliste 38,4 9 36,3 8 14,9 3 8,2 2
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 20,3 5 24,2 6 28,9 7 37,5 9
FWG Freie Wählergemeinschaft Gemünden 4,7 1
Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 52,1 56,7 53,2 58,5
 
Das Rathaus aus dem Jahr 1824

BürgermeisterBearbeiten

Frank Gleim wurde im Juli 2014 mit 72,9 % der Stimmen im Amt bestätigt.[19]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Im Jahr 1975 hat sich die Stadt Gemünden dem europäischen Gedanken verpflichtet und folgende Städtepartnerschaften geschlossen:

Seit dem Schließen dieser Partnerschaften wurden auf Vereinsebene zahlreiche gegenseitige Besuche durchgeführt, welche dazu führten, dass die partnerschaftlichen Beziehungen von der Bevölkerung Gemündens getragen wird.

SehenswertesBearbeiten

Die Stadtmauer und der HexenturmBearbeiten

1253 wurden Gemünden die Stadtrechte verliehen und man vermutet, dass zu diesem Anlass eine hohe steinerne Ringmauer inklusive vier Halbschalentürme zur Sicherung der Stadt gebaut wurde. Durch die Weiterentwicklung von Waffen im 16. Jahrhundert verloren Mauern, Tore und Türme ihre eigentliche Funktion. Auf sie verzichtet werden könnte jedoch nicht, da sie vor umherziehenden Räubern und Bettlern Schutz boten. 1818 kam es zu einem großen Brand in Gemünden nach welchem weite Teile der steinernen Ringmauer abgetragen und zum Wiederaufbau genutzt wurden. Der einzige Turm der erhalten blieb, war der Hexenturm, der als Wachturm und als Gefängnis diente. Der Hexenturm befindet sich auf dem Gelände des evangelischen Pfarrhauses.

Die evangelische StadtkircheBearbeiten

Die Gemündener Stadtkirche entstand in ihrem Kern zwischen 1432 und 1485 als spätgotische Hallenkirche. 1803–1806 wurde das Langhaus der Kirche aufgrund von Baufälligkeit gründlich umgebaut und es entstand ein klassizistischer Saalbau. Bei diesem Umbau fanden Altar und Kanzel ihren Platz in der Mitte des Langhauses, während man die Orgel an die Ostempore stellte. Von 1886 bis 1952/53 platzierte man den Altar unter die Orgel an die Ostseite des Gebäudes, doch in 1952/53 kam es zu einer Rückverlegung des Altars in die Mitte des Langhauses. Der Kirchturm befindet sich an der Westseite des Langhauses und ist 52 Meter hoch. Am Hauptportal befinden sich sogenannte Teufelskrallen über deren Ursprung man sich unterschiedliche Geschichten erzählt. Wie es in mittelalterlichen Städten üblich war, befand sich auf dem Gelände um die Kirche der städtische Friedhof. Die Begräbnisstätte mitten in der Stadt wurde im 18. Jahrhundert allerdings zur Belastung für die Bewohner und daher verlegt.

Das ehemalige reformierte PfarrhausBearbeiten

Nach dem Stadtbrand von 1583 entstand das beeindruckende Fachwerkhaus, das heute zu den ältesten Gebäuden der Stadt Gemünden zählt. Die Gemeinde erwarb das Gebäude an der Kirchhofstreppe im Jahre 1721 und für 213 Jahre bewohnte der reformierte Pfarrer das Anwesen. Bis 1838 war auch die reformierte Elementarschule in diesem Gebäude untergebracht.

Das RathausBearbeiten

Das Rathaus der Stadt Gemünden wurde 1823 errichtet und unterschied sich in seiner Bauart und Farbgebung deutlich von der übrigen Bebauung. Die klar gegliederte und großzügig durchfensterte, auf Türmchen und aufwendige Schmuckwerke verzichtende Fachwerkkonstruktion verdeutlichte den bewussten Bruch mit der Fürstenherrschaft und die Hinwendung zu einer bürgerlichen Gesellschaft. Das Rathaus wurde zum Mittelpunkt der städtischen Verwaltung. Ab 1834 fanden sich der neu geschaffene Gemeindeausschuss und der Stadtrat hier zusammen, um mit dem Bürgermeister an der Spitze über die Geschicke der Stadt zu beraten und zu beschließen. Das Rathaus war ein multifunktionales Gebäude. Die Gerätschaften zur Brandbekämpfung wurden dort gelagert und im Rathaussaal wurden Hochzeiten gefeiert und der jährliche Bürgerball abgehalten. Auch Gericht gehalten wurde im Rathaus. Das Gebäude war Zentrum des örtlichen Geschehens. Heute bestehen diese unterschiedlichen Nutzungen nicht mehr. Das Rathaus ist ein reines Verwaltungsgebäude und Amtssitz des Bürgermeisters.

Der alte BahnhofBearbeiten

1911 wurde im Norden der Stadt der Bahnhof gebaut, durch welchen der Haltepunkt mit dem Namen „Bahnhof Süd“ entstand. Mit dem Bau dieser Bahnverbindung waren damals große Hoffnungen in die Entwicklung der Stadt verbunden, da Güter und Personen schneller und auch kostengünstiger transportiert werden konnten. Die Postzustellung verbesserte sich ebenfalls. Allerdings erfüllten sich die Erwartungen in die Wirtschaftlichkeit der Bahn nicht und der Personenverkehr wurde im Jahre 1972 wieder eingestellt. Der Güterverkehr endete im Winter 1980/1981 und der Abbau der Gleisanlagen folgte. Geblieben sind das Gebäude des Haltepunkts Gemünden Süd und der Gemündener Bahnhof, in dem eine Gaststätte für das Wohl ihrer Gäste sorgt.[20]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gemünden (Wohra) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. David Mayes: Kommunale Konfessionalisierung im ländlichen Oberhessen während der Regierung des Landgrafen Karl 1677-1730; S. 132
  3. Gemünden: Wasserleitung erlöste Frauen vom Joch, in: Waldeckische Landeszeitung – Frankenberger Zeitung, 29. August 2010
  4. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 389–390.
  5. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Frankenberg und Waldeck (GVBl. II 330-23) vom 4. Oktober 1973. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 25, S. 359, § 9 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  6. Hauptsatzung. (PDF; 873 kB) §; 6. In: Webauftritt. Stadt Gemünden (Wohra), abgerufen im Februar 2019.
  7. Gemeinde Gemünden (Hrsg.): Einwohner. Bestandsstatistik. 15. Januar 2009 (HTML [abgerufen am 9. Mai 2011]).
  8. Informationen vom Einwohnermeldeamt in Gemünden (Wohra)
  9. a b c d e f Gemünden (Wohra), Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 9. Mai 2011.
  10. a b c d e f Ellnrode, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  11. a b c d e f Grüsen, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  12. a b c d e f Herbelhausen, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  13. a b c d e f Lehnhausen, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  14. a b c d e f Schiffelbach, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  15. a b c d e f Sehlen, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  16. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  17. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  18. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  19. https://www.wlz-online.de/frankenberg/frank-gleim-gewinnt-729-prozent-5583852.html
  20. http://www.gemuenden-wohra.de/city_info/webaccessibility/index.cfm?item_id=851447
  21. Else Wissenbach wurde am 2. Februar 1898 in Gemünden (Wohra) geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Frankfurt am Main. In den Jahren 1921 bis 1933 war sie Leiterin des Amtes für Jugend und Wohlfahrt in Diez. Mit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus wurde sie als frühe Gegnerin aus dem Amt entlassen. Ein Italienaufenthalt zum Studium der Sprache und Kunstgeschichte war ebenso eine Station ihres Lebens. Im Jahr 1936 kehrte sie in ihren Geburtsort Gemünden zurück. Als Lyrikerin verfasste sie zwei Gedichtbände und ist Autorin des Buches über die Geschichte der Stadt Gemünden „Vom Dorf zur Stadt“. Das Buch erschien 1953 aus Anlass der 700-Jahr-Feier der Stadt Gemünden. Am 2. Februar 1978 erwarb Frau Wissenbach das Ehrenbürgerrecht der Stadt Gemünden. Ein Jahr später verstarb sie am 16. Februar 1979 in Hannover. (https://www.hna.de/lokales/frankenberg/gemuenden-wohra-ort305246/gemuenden-neuer-treffpunkt-entstanden-am-else-wissenbach-platz-10343786.html)