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Böbingen an der Rems

Gemeinde in Deutschland

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Böbingen liegt im Remstal in 362 bis 472 Meter Höhe, etwa 15 km westlich der Kreisstadt Aalen. In Böbingen mündet der Klotzbach in die Rems.

NachbargemeindenBearbeiten

Die Gemeinde grenzt im Norden an Iggingen und Heuchlingen, im Osten an Mögglingen, im Süden an die Stadt Heubach und im Westen an die Stadt Schwäbisch Gmünd. Alle umgebenden Gemeinden liegen ebenfalls im Ostalbkreis.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde besteht aus den Dörfern Oberböbingen und Unterböbingen, dem Weiler Beiswang und den Höfen Birkhof, Braunhof, Gratwohlhof, Krausenhof und Windhof.[2] In einer Sitzung des Gemeinderats vom 8. Mai 1978 wurde entschieden, dass die Ortsteilbezeichnung Unter- und Oberböbingen offiziell aufgehoben sei.[3]

FlächenaufteilungBearbeiten

 

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[4]

GeschichteBearbeiten

Erste bekannte urkundliche ErwähnungBearbeiten

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung der Gemeinde Böbingen stammt aus dem Jahr 1291. Aus einer Urkunde vom 30. November 1291 geht hervor, dass das Kloster Gotteszell einen Hof in „Bebingen“ gekauft hat.

 
Die südöstliche Kastellecke des Römerkastells Unterböbingen

Die Geschichte Böbingens reicht jedoch viel weiter zurück als 1291. Der durch Böbingen verlaufende Limes, das Römerkastell Unterböbingen, viele historische Funde bei Ausgrabungen (z. B. alamannische Gräber) und die Michaelskirche in Oberböbingen sind Hinweise darauf. Der historische Flurname „Bürgle“ deutet auf die alte Befestigung an diesem Ort hin. Bei ersten Grabungen 1885/86 durch den pensionierten Generalstabschef des württembergischen Heeres, Generalmajor Eduard von Kallee, wurde Unterböbingen aufgrund militärstrategischer Überlegungen als Kastellplatz erkannt und 1892 durch Major Heinrich Steimle im Auftrag der Reichs-Limeskommission untersucht. Die römische Militär-Therme, das auch den zivilen Bewohnern des außerhalb des Kastells entstandenen Dorfes zur Verfügung stand, konnte 1978 nördlich des Kastells auf einer Hochterrasse am Remstalrand ausgemacht werden. Das Kastell Unterböbingen und die umliegenden Bodendenkmale sind als Abschnitt des Obergermanisch-Rätischen Limes seit 2005 Teil des UNESCO-Welterbes.

Das MittelalterBearbeiten

Im Mittelalter gehörte Oberböbingen zunächst Ulrich von Rechberg, danach dem Ritter Albrecht Hack. Im Jahr 1358 kamen umfangreiche Gebiete an das Kloster Königsbronn. Im 14. Jahrhundert gehörte Böbingen den unterschiedlichsten Grundherren. Darunter waren die Klöster Königsbronn, Gotteszell, das Augustinerkloster, das Spital sowie mehrere weltliche Grundherren.

Unterböbingen war zum Großteil im Besitz der Klöster von Schwäbisch Gmünd. Die Besitztümer des Klosters Königsbronn kamen 1556 an Herzog Christoph von Württemberg. Im Jahr 1803 kam der andere geistliche Besitz im Zuge der Mediatisierung an das Haus Württemberg.

Im Mittelalter bestand die Bevölkerung Böbingens hauptsächlich aus Bauern, die keinen eigenen Boden hatten und den wenigen Grundbesitzern Frondienste leisten mussten. Die Zeit der Reformation brachte auch für Böbingen gravierende Veränderungen mit sich. Beide Böbinger Kirchen wurden evangelisch, und so mussten auch die Untertanen den evangelischen Glauben annehmen. Nur wenige Bewohner, die auf den Höfen zur Freien Reichsstadt Gmünd gehörten, blieben katholisch.

Der Dreißigjährige KriegBearbeiten

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges verlor Unterböbingen sämtliche Einwohner. Der Grund dafür war, dass Unterböbingen direkt an der Heerstraße durch das Remstal lag und somit unmittelbar vom Krieg betroffen war.

Ab 1660 wurde Unterböbingen von Gmünd aus wieder besiedelt. Dadurch wurde die Bevölkerung katholisch. In Oberböbingen starben in dieser Zeit viele Bewohner an der Pest. Durch die Einquartierung ausländischer Truppen wurde in vielen Häusern geplündert und gemordet. Die Einwohner flohen in die angrenzenden Wälder.

18./19. JahrhundertBearbeiten

Das Leben im 18. Jahrhundert verlief in normalen Bahnen. Im 19. Jahrhundert lebten die Bewohner von Oberböbingen hauptsächlich von der Landwirtschaft. Das Gebiet kam 1818 zum Oberamt Gmünd, dem späteren Landkreis Schwäbisch Gmünd. Es gab wenig Handwerker und Kaufleute. In Unterböbingen gab es mehr Handwerker, welche auch Handel nach außen betrieben. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebte jedoch auch hier von der Landwirtschaft. Durch den Bau der Remstalbahn erhielt Unterböbingen eine schnelle Anbindung Richtung Osten (Aalen) und Westen (Stuttgart).

20./21. JahrhundertBearbeiten

Im 20. Jahrhundert wurde die Bahnstrecke Böbingen–Heubach gebaut, welche im Jahr 1920 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Im Jahr 1933 wurde das Oberböbinger Freibad eingeweiht. Im Jahr 1938 schlossen sich die beiden Gemeinden Unter- und Oberböbingen zu einer Gemeinde zusammen. Der Teilort Zimmern wurde hierbei ausgegliedert und zur damals selbstständigen Gemeinde Herlikofen eingemeindet, während von Bargau der Teilort Beiswang zu Böbingen kam.

Während des Zweiten Weltkrieges waren französische, russische und polnische Kriegsgefangene Zwangsarbeiter, die bäuerliche Tätigkeiten ausüben mussten und überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften in Heubach und Oberböbingen untergebracht waren. 1944 überflogen häufig schwere Bombergeschwader über Böbingen, bei dem es auch zu einem Luftkampf über dem Ort kam. Kurz vor Kriegsende im Jahr 1945 war die Umgebung des Unterböbinger Bahnhofs häufig Angriffsziel von feindlichen Jagdbombern. Trotzdem blieben die Schäden in Böbingen relativ gering. Am 22. April 1945 besetzten, trotz Panzersperren, amerikanische Soldaten um 13:45 Uhr Unterböbingen. Da sich beide Böbinger Bürgermeister sich als nicht im Amt befunden ansahen, schwenkte an der Eisenbahnbrücke Schwester Esperante, die Vorsteherin der Schwesternstation, mit einer Rot-Kreuz-Armbinde den Amerikanern ein weißes Tuch entgegen, wodurch ein Beschuss Unterböbingens verhindert wurde. Oberböbingen hingegen wurde am 23. April 1945 um 19:00 Uhr besetzt.[5]

1947 stellte Bargau den Antrag auf Rückgliederung von Beiswang, in einer Anhörung votierten die stimmberechtigten Beiswanger für den Verbleib bei Unterböbingen. Seit 1952 heißt die Gesamtgemeinde nach Gemeinderatsbeschluss offiziell nur Böbingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich in Böbingen viele Flüchtlinge aus dem Osten nieder. Durch die Erschließung zahlreicher Baugebiete hatte Böbingen einen überdurchschnittlichen Bevölkerungszuwachs. In einer Abstimmung 1971 entschieden sich die Stimmberechtigten für die Selbstständigkeit der Gemeinde und gegen eine Eingemeindung nach Heubach. 1973 kam der Ort zum neugebildeten Ostalbkreis.

Heute ist die Gemeinde überwiegend eine Wohngemeinde mit immer noch ländlichem Charakter.

ReligionenBearbeiten

Oberböbingen ist seit Einführung der Reformation überwiegend evangelisch geprägt, während in Unterböbingen die Katholiken dominieren. Heute gibt es auch eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde.

PolitikBearbeiten

VerwaltungsgemeinschaftBearbeiten

Die Gemeinde ist seit 1972 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein mit Sitz in Heubach.

GemeinderatBearbeiten

Gemeinderatswahl 2014
 %
50
40
30
20
10
0
40,5 %
33,1 %
26,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
+4,4 %p
-3,3 %p
-1,1 %p

Die Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 brachte folgendes Ergebnis:

  1. CDU 40,5 % (+4,4)– 6 Sitze (+1)
  2. FWG 33,1 % (-3,3) – 4 Sitze (-1)
  3. SPD/Unabhängige Bürger 26,4 % (-1,1) – 4 Sitze (+4)1
1 bis zur Kommunalwahl 2009 als SPD, Ergebnis 2004: 23,4 %; 3 Sitze

WappenBearbeiten

Blasonierung: In geteiltem Schild oben in Rot eine auf der Teilung stehende silberne Kapelle mit Dachreiter, unten in Grün eine schräglinke goldene Glocke.

Das Wappen wurde bereits 1930 von der Archivdirektion Stuttgart der ehemaligen Gemeinde Unterböbingen vorgelegt. Es zeigt oben die ehemalige Kolomanskapelle, die Glocke bezieht sich auf eine örtliche Sage, nach der Wildschweine eine vergrabene Glocke aus dem Boden gewühlt haben.

Die Gemeindeflagge ist schwarz-rot.[6][7][8]

PartnerschaftenBearbeiten

Böbingen unterhält seit 1971 partnerschaftliche Beziehungen zur Gemeinde Custines in der Nähe von Nancy.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Zwischen 1920 und 1975 existierte die Heubachbahn. Sie verband Böbingen, wo sie von der Remsbahn abzweigte, mit Heubach. Auf und neben der früheren Trasse wurde im Rahmen der Remstal Gartenschau 2019 der „Park am alten Bahndamm“ geschaffen.

Regional-Express-Züge auf der Remsbahn (StuttgartAalen) sowie die Bundesstraße 29 (WaiblingenNördlingen) verbinden Böbingen mit den überregionalen Verkehrslinien. Der nächste Autobahnanschluss ist die Anschlussstelle 115 (Aalen/ Oberkochen) der Bundesautobahn 7 in ca. 24 km Entfernung über die B29 Richtung Aalen und die L1084.

Bahn- und Buslinien des öffentlichen Personennahverkehrs können zu Tarifen der Verkehrskooperationen OstalbMobil wie auch zu den eigenen Tarifen des jeweiligen Verkehrsunternehmens benutzt werden.

RadfernwegeBearbeiten

Mehrere Radwanderwege durchqueren die Gemeinde:

BildungBearbeiten

Mit der Schule am Römerkastell verfügt Böbingen über eine Grund- und Hauptschule. Daneben gibt es zwei Kindergärten im Ort.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Böbingen liegt am Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweg.

Remstal-Gartenschau 2019Bearbeiten

 
Weißes Dach

Vom 10. Mai bis 20. Oktober 2019 findet [veraltet] im Remstal ein Grünprojekt des Landes Baden-Württemberg statt, an dem sich auch Böbingen beteiligt. Diese Remstal-Gartenschau 2019 gehört zu den „kleinen“ Gartenschauen, die sich jährlich mit den Landesgartenschauen abwechseln.

In diesem Zusammenhang wurde westlich der Landesstraße L1162 nach Heubach südlich des Rewe-Supermarktes der „Park am alten Bahndamm“ geschaffen. Er befindet sich auf und längsseits der früheren Trasse der Heubachbahn. In diesen fünf Hektar großen Park wurde auch der Bachlauf des Klotzbaches einbezogen, der etwas weiter nördlich in die Rems mündet. An den „16 Stationen“, dem Architekturprojekt der Gartenschau,[9] beteiligte sich Böbingen mit dem   „Weißen Dach“, das sich im Waldbereich des neuen Parks befindet und dort in den Bäumen zu schweben scheint.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

Bislang hat Böbingen lediglich einmal das Ehrenbürgerrecht verliehen, und zwar an Adolf Schneider († 1979).

Weitere mit Böbingen verbundene PersonenBearbeiten

  • Ferdinand Ludwig Immanuel Dillenius (1791–1871), evangelischer Geistlicher; war von 1817 bis 1824 Pfarrer in Oberböbingen
  • Uwe Ernst (* 1947), Maler und Zeichner; lebt und arbeitet seit 1989 in Böbingen
  • Karl Hilsenbek (* 1957), Politiker; war von 1986 bis 2003 Bürgermeister von Böbingen

LiteraturBearbeiten

  • Gemeinde Böbingen an der Rems (Hrsg.): Böbingen an der Rems. Porträt einer Gemeinde, Süddeutscher Zeitungsdienst, Aalen 1986.
  • Gemeinde Böbingen an der Rems (Hrsg.): 700 Jahre Böbingen/Rems 1291–1991. 20 Jahre Partnerschaft mit Custines 1971–1991, Wahl-Druck, Aalen 1991.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 728–730.
  3. Gemeinde Böbingen an der Rems (Hrsg.): Böbingen an der Rems. Porträt einer Gemeinde, Süddeutscher Zeitungsdienst, Aalen 1986, S. 33.
  4. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Böbingen an der Rems.
  5. https://www.boebingen.de/index.php?id=47 Geschichte Böbingens
  6. Gemeinde Böbingen an der Rems (Hrsg.): Böbingen an der Rems. Porträt einer Gemeinde, Süddeutscher Zeitungsdienst, Aalen 1986, S. 12.
  7. Heinz Bardua: Die kommunalen Wappen des Ostalbkreises. Ostalb-Einhorn 10 (1983), Seiten 75–88
  8. Heinz Bardua: Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg. Band 1: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.), Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1987, 158 Seiten, ISBN 3-8062-0801-8
  9. Architektur mit 16 Stationen auf remstal.de. Abgerufen am 21. Juni 2019.