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Denkmal eines Jakobspilgers in Bronze vor der St. Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber
Gemälde von Friedrich Herlin in der St. Jakobskirche in Rothenburg mit dem Titel: "Das Mahl der Compostela-Pilger", um 1466 n. Chr.
Die Jakobuskirche auf der Spitze des Hohenbergs ist eine weithin sichtbare Wallfahrtsstätte auf dem Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweg
Die evangelische Jakobuskirche in Sinabronn ist einer der Stationen der Wegführung auf der Schwäbischen Alb
Links im Bild die Jakobsstatue in der Sinabronner Kirche, links daneben befindet sich die Stempelstelle für Pilgerausweise

Der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg wurde 1999 als Verbindung des Fränkischen Jakobsweges von Würzburg[1] bzw. auch Nürnberg[2] über Rothenburg ob der Tauber und die Ostalb nach Ulm eingerichtet. Dort schließt er an den Oberschwäbischen Jakobsweg an, der vom Ulmer Münster an den Bodensee führt.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung im 20. JahrhundertBearbeiten

Maßgeblichen Anstoß für die neuzeitliche Ausgestaltung des Weges gaben zwei miteinander ökumenisch befreundete Theologen: Pfarrer Sieger Köder, der von 1975 bis 1995 Seelsorger der St. Jakobuspfarrei Hohenberg in der Gemeinde Rosenberg gewesen ist und Pfarrer Wolfgang Lipp. Lipp, angeregt durch Köder,[3] hat in einem langen Prozess des Sichtens und Sammelns viele alte Quellen ausgewertet, die einen wahrscheinlichen Wegverlauf historisch untermauern. Entstanden ist eine umfangreiche Studie zu den süddeutschen Jakobswegen und ihren Zubringern,[4] was nach und nach eine praktische Wegführung ermöglichte. Lipp betont aber: „Ein Jakobusweg im süddeutschen Raum kann nie die Eindeutigkeit haben, wie das in Frankreich der Fall ist. […] Auch ist nicht zu erwarten, dass die Stationen fest bestimmbar sind […] wie Perlen an einer Schnur. Die Jakobspilger nahmen [in Süddeutschland] die Einrichtungen wahr, die für alle Pilger und Wanderer zur Verfügung standen.“[5]

Dieter Klaschuweit und Wolfgang W. Meyer beschreiben diesen Weg ebenfalls ausführlich, gehen aber in ihrer Vorbemerkung davon aus, dass der „Übergang über die Alb keine Originalstrecke“ sein kann, „denn die Pilgerwanderer mieden größere Höhenunterschiede“.[6] Sie sind davon überzeugt, dass zahllose Pilgerwanderer „eher in die Täler ausgewichen“ sind und damals westwärts durch das Remstal Cannstatt zugestrebt sind.[7]

WegführungBearbeiten

Der heutige NormalwegBearbeiten

 
Der Flügelaltar von Scharenstetten, der – im aufgeklappten Zustand – rechts eine spätmittelalterliche Darstellung des Apostels Jakobus besitzt.

Der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg führt in seiner ausführlicheren Variante von Würzburg, in seiner knapperen Form jedoch in etwa acht Tagesetappen von Rothenburg ob der Tauber durch das Jakobstor nach Wallhausen nördlich von Crailsheim (29 km), von dort aus nach Frankenhardt-Oberspeltach, westlich Crailsheim (27 km), dann weiter auf den Hohenberg in der Gemeinde Rosenberg mit seiner weithin sichtbaren Jakobuskirche (18 km), von Hohenberg nach Abtsgmünd-Wöllstein (22 km), aus dem dortigen Kochertal hinüber ins Remstal nach Böbingen (18 km).

Von Böbingen im Remstal führt der Weg über Bargau steil auf die Schwäbische Alb hinauf zum Albtrauf und kreuzt dort den Schwäbische-Alb-Nordrand-Weg. Auf kurzer Strecke legt ein Pilger hier fast 300 Höhenmeter zurück, denn Bargau liegt 432 m, das sogenannte Himmelreich am Albtrauf schon 698 m über dem Meeresspiegel.

Der Jakobsweg führt weiter nach Böhmenkirch (24 km), von dort über die Hochfläche der Schwäbischen Alb nach Gussenstadt, Sontbergen, Zähringen, Ettlenschieß nach Lonsee (28 km). In einem weiteren Tagesmarsch führt der Weg über Scharenstetten, Temmenhausen, Bollingen, Mähringen, den Eselsberg nach Ulm (30 km).

Varianten, Abzweigungen und AnschlüsseBearbeiten

Es gibt auch noch andere Teile des Netzes der Jakobswege in Franken und Schwaben, die durch diese Wegführung nicht erfasst sind. So wurde 2008 ein Göppinger Jakobsweg beschildert, der den Fränkisch-Schwäbischen in Bargau schneidet. Von Osten wiederum „stößt in Rothenburg ob der Tauber der Mittelfränkische Jakobusweg hinzu, der in Nürnberg nach dortiger Aufnahme der Fernroute von Prag seinen Anfang nimmt“.[8] Ferner führt eine Route wohl auch schon ab Rothenburg ob der Tauber über Schwäbisch Hall nach Westen ins Neckartal.[9]

Der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg endet letztlich, gemeinsam mit dem Fränkischen Jakobsweg direkt aus Nürnberg, am Ulmer Münster und wird ab da fortgeführt als Oberschwäbischer Jakobsweg bis Konstanz am Bodensee.

Markierung und BeschreibungBearbeiten

Der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg ist fast durchgehend markiert mit einer weißen Jakobusmuschel auf blauem Grund. Er wird ausführlich beschrieben von Wolfgang W. Meyer.[10] An vielen Abbiegungen sind weiterführende Schilder angebracht, im Verlaufe dann auch Aufkleber und kleine Wandertafeln.

Entlang des Weges können die Pilger in verschiedenen Kirchen Stempel für den Pilgerausweis erhalten.

Stationen am StreckenverlaufBearbeiten

Mitten durch den westlichen Campus der Universität Ulm verläuft der Jakobsweg, bevor er dann nach rechts über den Oberberghof ins Ulmer Donautal hinabführt und ab dem Ulmer Münster als Oberschwäbischer Jakobsweg zum Bodensee weiterleitet.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Erich Baierl, Wolfgang Dettling, Peter Högler, Johann Rebele: Auf dem Jakobsweg von Würzburg über Rothenburg o.d.T. und Hohenberg nach Ulm. Seehars-Verlag, Uffenheim 2010, ISBN 978-3-927598-27-0
  • Wolfgang Lipp: Der Weg nach Santiago – Jakobswege in Süddeutschland, Ulm 1991, ISBN 3-88294-164-2
  • Wolfgang W. Meyer, Jakobswege. Württemberg – Baden – Franken – Schweiz. Tübingen 2006, 5. Auflage, ISBN 978-3-87407-726-2

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. so vor allem Dieter Klaschuweit und Wolfgang W. Meyer, Der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg, S. 189–227, in: Wolfgang W. Meyer, Jakobswege. Württemberg - Baden - Franken - Schweiz. Tübingen 2006, 5. Auflage, S. 190
  2. so eher Wolfgang Lipp, Der Weg nach Santiago, Jakobuswege in Süddeutschland, Ulm 1991, S. 128 u. a.
  3. Wolfgang Lipp, Der Weg nach Santiago, Ulm 1991, S. 11
  4. Wolfgang Lipp, Der Weg nach Santiago, Ulm 1991, 239 Seiten
  5. Wolfgang Lipp, Der Weg nach Santiago, Ulm 1991, S. 23
  6. Dieter Klaschuweit und Wolfgang W. Meyer, Der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg, S. 189–227, in: Wolfgang W. Meyer, Jakobswege. Württemberg - Baden - Franken - Schweiz. Tübingen 2006, 5. Auflage, S. 190
  7. Dieter Klaschuweit und Wolfgang W. Meyer, Der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg, S. 189–227, in: Wolfgang W. Meyer, Jakobswege. Württemberg - Baden - Franken - Schweiz. Tübingen 2006, 5. Auflage, S. 190
  8. Dieter Klaschuweit und Wolfgang W. Meyer, Der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg, S. 189–227, in: Wolfgang W. Meyer, Jakobswege. Württemberg - Baden - Franken - Schweiz. Tübingen 2006, 5. Auflage, S. 189
  9. Wolfgang W. Meyer, Jakobswege. Württemberg - Baden - Franken - Schweiz. Tübingen 2006, 5. Auflage, S. 28 und S. 190
  10. Wolfgang W. Meyer, Jakobswege. Württemberg - Baden - Franken - Schweiz. Tübingen 2006, 5. Auflage, ISBN 978-3-87407-726-2, S. S. 189–227