Assenheim (Niddatal)

Stadtteil von Niddatal

Assenheim ist ein Stadtteil von Niddatal im hessischen Wetteraukreis. Zu Assenheim gehört die Siedlung Wickstadt.

Assenheim
Gemeinde Niddatal
Koordinaten: 50° 17′ 57″ N, 8° 48′ 54″ O
Höhe: 125 (119–141) m ü. NHN
Fläche: 12,64 km²[1]
Einwohner: 4139 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 327 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 61194
Vorwahl: 06034
Altes Rathaus im Ortskern

Geografische LageBearbeiten

Assenheim liegt in der Wetterau, sechs Kilometer südöstlich von Friedberg auf einer Höhe von 121 m über NN. Im Ort mündet die Wetter in die Nidda.

GeschichteBearbeiten

 
Blick auf Assenheim, um 1800

MittelalterBearbeiten

Die älteste erhaltene Erwähnung Assenheims stammt aus dem Jahr 1139. Zwischen 1179 und 1180 wurde hier eine Burg erbaut, von der heute kaum noch Reste zu sehen sind. Erstmals als Stadt wird das Dorf am 6. Januar 1277 bezeichnet. Im Alten Reich gehörte es zum Freigericht Kaichen. Kirchlich war Assenheim eine Tochterpfarrei von Ilbenstadt.

LandesherrschaftBearbeiten

Die Landesherrschaft wurde in einem Kondominat ausgeübt. Dabei waren die Rechte der einzelnen Anteilseigner an der Herrschaft folgendermaßen aufgeteilt:

NeuzeitBearbeiten

Im Jahr 1700 gab es 57 Handwerksmeister und 1727 wurden jährlich drei Märkte veranstaltet. 1806 bis 1810 war Assenheim französisch besetzt und wurde danach dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen, bei dem es auch nach dem Wiener Kongress verblieb.[2] Die standesherrlichen Privilegien bestanden aber zunächst weiter, insbesondere die standesherrliche Gerichtsbarkeit. Erst 1821 wurde das standesherrliche Amt Assenheim aufgelöst und es begann eine Serie wechselnder Zugehörigkeiten auf Kreisebene, die die verschiedenen Verwaltungsreformen beginnend beim Großherzogtums bis zum Landes Hessen in der Bundesrepublik Deutschland widerspiegeln.

1957 wurde Assenheim zur Stadt erhoben und am 1. April 1957 die gemeindefreie Gehöftgruppe Wickstadt eingegliedert. Am 1. Dezember 1970 fusionierten die Stadt Assenheim und die Gemeinden Bönstadt und Ilbenstadt im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur neuen Stadt Niddatal[3][4] und mit ihr kam Assenheim am 1. August 1972 zum Wetteraukreis. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Territorialgeschichte und Verwaltung im ÜberblickBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Assenheim lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[5][6][7]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

EinwohnerzahlenBearbeiten

Assenheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2020
Jahr  Einwohner
1834
  
929
1840
  
1.100
1846
  
1.149
1852
  
1.114
1858
  
1.215
1864
  
993
1871
  
939
1875
  
950
1885
  
943
1895
  
930
1905
  
1.150
1910
  
1.256
1925
  
1.336
1939
  
1.288
1946
  
2.027
1950
  
2.104
1956
  
2.084
1961
  
2.089
1967
  
2.408
1970
  
2.504
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2007
  
3.868
2011
  
3.882
2016
  
4.007
2020
  
4.139
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[5]; Stadt Niddatal[8]; Zensus 2011[9]

EinwohnerstrukturBearbeiten

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Assenheim 3882 Einwohner. Darunter waren 159 (4,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 735 Einwohner unter 18 Jahren, 1608 zwischen 18 und 49, 798 zwischen 50 und 64 und 738 Einwohner waren älter.[9] Die Einwohner lebten in 1656 Haushalten. Davon waren 450 Singlehaushalte, 471 Paare ohne Kinder und 576 Paare mit Kindern, sowie 135 Alleinerziehende und 24 Wohngemeinschaften. In 294 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1125 Haushaltungen lebten keine Senioren.[9]

ReligionBearbeiten

Die römisch-katholische Pfarrei St. Nikolaus in Wickstadt ist auch für die Ortsteile Assenheim und Bönstadt zuständig. Die Wallfahrt in die Kirche Maria Sternbach bei Wickstadt findet am Sonntag vor Christi Himmelfahrt, am Sonntag nach Mariä Heimsuchung und am Sonntag nach Maria Himmelfahrt statt. Das Marienbildnis (Gnadenbild) stammt wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert.[10]

Assenheim hat eine eigene evangelische Kirchengemeinde. Die Evangelische Kirche von 1785 ist ein protestantische Predigtkirche in Form einer Querkirche mit Westturm.

WappenBearbeiten

Im November 1950 wurde der Gemeinde Assenheim durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.[11]

Blasonierung: „In Silber ein roter Turm mit blau bedachtem breitem Untergeschoss und zwei Turmerkern, alle mit blauen Dächern und einem goldenen Kreuz auf dem Turmdach.“[12]

Der 1275 erstmals als Stadt erwähnte Ort führte wenig später ein Hauptsiegel mit der deutschen und auf den Stadtrang bezüglichen Umschrift ein, das als Bild schon den eigenartig geformten Turm zeigt. Dieser erscheint auch im Sekret[13] aus dem 14. Jahrhundert, im Wappenschild mit der Jahrzahl 1744 am Rathaus und in dem 1950 erneut bestätigten obigen Wappen. Angeblich war das Zeichen auch auf einer alten Stadtfahne abgebildet. Abweichend davon enthielt das Gerichtssiegel von 1597 den heiligen Dionysius, der sein Haupt auf der Hand trägt. Im 17. Jahrhundert benutzte man im Siegel einen geteilten Schild mit den Hanauer Sparren und dem Solmser Löwen.

Sehenswürdigkeiten und KulturBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Siehe auch Abschnitt Assenheim in Liste der Kulturdenkmäler in Niddatal

VereineBearbeiten

  • Dartclub (DC) Königsblau
  • Ewaldshof e. V.[15]
  • Freiwilliger Feuerwehrverein
  • Assenheimer Karnevalsgesellschaft Verein Humor 1914 e. V.
  • Kulturelles und Kommunales (KUK) Assenheim
  • Rhein-Main Patriots
  • Basarteam Assenheim e.V.
  • Schützenverein Assenheim 1921 e. V.
  • SV 1920 Assenheim e. V.
  • Theatergruppe Assenheim e. V.
  • TTC 1951 Assenheim
  • Turn-Verein Assenheim

Lokale BesonderheitenBearbeiten

Die Assemer Supp ist eine wohlschmeckende, kräftige und kräftigende Gemüsesuppe mit Fleisch und einer Einlage aus Gerstengraupen. Der Ursprung ist bei dem Bau der Eisenbahnbrücke in Assenheim zu finden. Die Arbeiter, die dieses Bauwerk errichteten, kamen nicht aus Niddatal und mussten daher mit Essen versorgt werden. Sie bevorzugten diese verhältnismäßig günstige Mahlzeit.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhof Assenheim (Oberhess), Richtung Friedberg

Im Ort treffen sich die Landesstraße 3187 und die Kreisstraße 239.

Der ÖPNV wird durch den Rhein-Main-Verkehrsverbund sichergestellt. Nördlich des Ortes befindet sich der Bahnhof Assenheim (Oberhess)[16] an der Bahnstrecke Friedberg–Hanau. Wegen dessen abseitiger Lage hat er eine nur geringe Verkehrsbedeutung. Früher wurden dort landwirtschaftliche Erzeugnisse verladen. Das Empfangsgebäude wurde 2007 privatisiert.[17]

Zahlreiche Radwanderwege kreuzen sich in Assenheim: Radfernweg R4, Apfelwein- und Obstwiesenroute, Keltenradroute, Rosenradweg.

Schulen und KindergärtenBearbeiten

In Assenheim gibt es zwei Kindergärten und die Geschwister-Scholl-Schule, eine Grund-, Haupt- und Realschule.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum = Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 46f.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 2. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 1995, ISBN 3-86134-228-6, S. 319.
  • Rudolf Lummitsch: Geschichte der Stadt Assenheim: Von der frühen Zeit bis zum 19. Jahrhundert. Niddatal, Stadt Niddatal, 1977.
  • Hans Georg Ruppel und Karin Müller: Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. Historischer Verein für Hessen, Darmstadt 1976, S. 51.
  • Heinz Wionski: Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis II: 1. Teil: Bad Nauheim bis Florstadt, 2. Teil: Friedberg bis Wöllstadt = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Braunschweig und Wiesbaden 1999, S. 820–844.
  • Ernst Julius Zimmermann: Hanau, Stadt und Land. Kulturgeschichte und Chronik einer fränkisch-wetterauischen Stadt und ehemal. Grafschaft. Mit besonderer Berücksichtigung der älteren Zeit. Vermehrte Auflage, Selbstverlag, Hanau 1919 (Unveränderter Nachdruck. Peters, Hanau 1978, ISBN 3-87627-243-2).
  • Literatur über Assenheim nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie

WeblinksBearbeiten

Commons: Assenheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. a b Stadtportrait. In: Webauftritt. Stadt Niddatal, abgerufen im Dezember 2021.
  2. Zimmermann, S. 767, 772.
  3. Zusammenschluss der Stadt Assenheim und die Gemeinden Bönstadt und Ilbenstadt im Landkreis Frieberg zur Stadt „Niddatal“ vom 11. November 1970. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 48, S. 2252, Punkt 2242 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,6 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 360.
  5. a b c Assenheim, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. November 2021). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  6. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  7. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (google books).
  8. Einwohnerzahlen aus Webarchiv: 2007, 2016, 2020
  9. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 54 und 108;.
  10. Wallfahrt in Maria Sternbach.
  11. Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Assenheim, Landkreis Friedberg vom 2. November 1950. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1950 Nr. 46, S. 470, Punkt 868 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,2 MB]).
  12. Klemens Stadler: Die Gemeindewappen des Landes Hessen. Neuausgabe des Sammelwerks Deutsche Ortswappen von Otto Hupp im Auftrage der HAG Aktiengesellschaft in Bremen, bearbeitet von Klemens Stadler, Zeichnungen von Max Reinhart (= Deutsche Wappen – Bundesrepublik Deutschland. Band 3). Angelsachsen-Verlag, Bremen 1967, S. 16.
  13. „Sekret“ im Sinne von „vertrauliche Mitteilung“, siehe Sekret(Wiktionary)
  14. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Amalienhof In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
  15. https://www.ewaldshof.de/
  16. 50° 18′ 17,6″ N, 8° 48′ 45,4″ O
  17. Bahnhof Assenheim (Oberhess)