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Das hessische Dorf Kaichen ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Niddatal im hessischen Wetteraukreis.

Kaichen
Gemeinde Niddatal
Koordinaten: 50° 15′ 19″ N, 8° 50′ 15″ O
Höhe: 151 (149–171) m ü. NHN
Fläche: 7,7 km²[1]
Einwohner: 1093 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 142 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 61194
Vorwahl: 06187
Darstellung der Ortschaft im Salbuch des Klosters Naumburg (1514), im Vordergrund Landscheider mit ihrem Werkzeug, im Hintergrund die Ortschaft mit der alten Kirche vor dem Neubau des 18. Jahrhunderts.

GeographieBearbeiten

Kaichen liegt in der südlichen Wetterau in einer reizvollen Landschaft mit Wäldern, Wiesen und Ackerflächen (naturräumliche Teileinheit Heldenbergener Wetterau). nördliche Nachbarn sind Ilbenstadt und Assenheim. Im Süden liegt Heldenbergen. Der alte Ortskern mit z. T. noch historischen Fachwerkgebäuden liegt abseits im Westen der Bundesstraße 45. Ruhig und kaum von Erschließungsverkehr belastet spiegelt der Ortskern noch zahlreiche Elemente einer intakten dörflichen Struktur.

GeschichteBearbeiten

Mit der Erwähnung eines Anshelmus de Cochene 1231 wurde Kaichen erstmals urkundlich erwähnt.[2] Das Dorf Kaichen gehörte zum gleichnamigen Freigericht Kaichen, das im 15. Jahrhundert unter die Herrschaft der Burggrafschaft Friedberg kam. Mit diesem fiel es 1806 an Hessen-Darmstadt. Bereits um 1400 wurde eine Kirche erbaut. Ein Neubau folgte 1737.

Am 31. Dezember 1971 wurde Kaichen in die gerade ein Jahr alte Stadt Niddatal eingegliedert.[3]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

  • 1961: 735 evangelische (= 76,32 %), 214 katholische (= 22,22 %) Einwohner
Kaichen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
602
1840
  
671
1846
  
772
1852
  
726
1858
  
644
1864
  
626
1871
  
545
1875
  
520
1885
  
542
1895
  
551
1905
  
576
1910
  
586
1925
  
660
1939
  
640
1946
  
961
1950
  
1.002
1956
  
957
1961
  
963
1967
  
975
1970
  
1.027
2005
  
1.079
2011
  
1.073
2015
  
1.081
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4][1]

ReligionBearbeiten

Der größte Teil der Ortsbevölkerung bekennt sich zum evangelischen Glauben. Die Pfarrei umfasst neben Kaichen auch Bönstadt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist katholisch und wird von dem katholischen Priester des nahegelegenen Ilbenstadt betreut.

WappenBearbeiten

Am 10. Januar 1967 wurde der Gemeinde Kaichen im damaligen Landkreis Friedberg ein Wappen genehmigt.[5]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Bekanntestes Kulturdenkmal des Ortes ist das Freigericht zu Kaichen. Es wird im Volksmund auch als der Steinerne Tisch bezeichnet. Hier wurde noch bis ins 18. Jahrhundert Gericht gehalten über Verbrechen, die nur mit dem Tod des Angeklagten geahndet werden konnten. Die Urteile wurden im nahen Galgengrund (Galgenfeld) oder auf dem Richtblock vollstreckt. Die ehemaligen Hinrichtungsstätten existieren nur noch als Gemarkungsbezeichnungen.

Im Süden des Ortes befinden sich die Reste einer römischen Ansiedlung. Der so genannte Römerbrunnen ist noch heute als Rest einer römischen Villa Rustica auf dem Gelände eines Modellflugplatzes sichtbar.

Die ansehnliche evangelische Kirche des Ortes bildet zusammen mit dem Alten Schulhaus und der Weed am Dorfplatz den historischen Ortskern. Die aktuell durchgeführte Restaurierung des Dorfbrunnens, der Weed, steht am Anfang weiterer umfassender Restaurierungsmaßnahmen, welche den gesamten Ortskern umfassen sollen. Als umfangreichstes Projekt gilt dabei das Amthaus der Burg Friedberg aus dem Jahre 1782, das aufgrund seiner späteren Nutzung „Altes Schulhaus“ genannt wird.

Östlich der Bahnstrecke Friedberg–Hanau erstreckt sich das idyllische Naturschutzgebiet Krebsbachtal mit der am Fuß einer bewaldeten Anhöhe gelegenen Hainmühle. Auf der Anhöhe thront das historische Schloss Naumburg.

Im Juni 2012 wurde ein von der Dorfentwicklung Kaichen initiierter und ausgewiesener "Historischer Rundgang" eingeweiht, der zunächst ca. ein Dutzend historischer Sehenswürdigkeiten umfasst.

VereineBearbeiten

  • Dorfentwicklung Kaichen e.V.
  • Fußballclub 1963 Kaichen e.V.
  • Freiwillige Feuerwehr Kaichen e.V. (FF Kaichen)
  • Gesangverein EINTRACHT Kaichen 1888 e.V.
  • Gesangverein EINIGKEIT Kaichen e.V.
  • Modellfluggruppe Kaichen e.V.
  • Weiberfassenacht Kaichen 1973 e.V.
  • Turngemeinschaft 1988 Kaichen

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

 
ehem. Haltepunkt Erbstadt-Kaichen

Mit dem Auto ist Kaichen über die Bundesstraße 45 gut angeschlossen. Nördlich führt die B 45 nach Nieder-Wöllstadt (6 km), von wo über die B 3 Frankfurt (27 km) und Friedberg (8 km) erreichbar sind. Südlich führt die B 45 nach Heldenbergen (4 km), von wo Frankfurt (23 km) und Hanau (15 km) gut erreichbar sind. Die nächstgelegenen Autobahnanschlüsse sind Friedberg (A 5) im Westen und Altenstadt (A 45) im Osten. Der Haltepunkt Erbstadt-Kaichen an der Bahnstrecke Friedberg–Hanau ist seit den 1990er Jahren stillgelegt. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Heldenbergen (5 km) (siehe: Bahnhof Nidderau) an der Bahnstrecke Friedberg–Hanau sowie der Bahnstrecke Bad Vilbel–Glauburg-Stockheim und Nieder-Wöllstadt (7 km) an der Main-Weser-Bahn. Von Heldenbergen ist Hanau in unter 20 Minuten erreichbar. Von Wöllstadt nach Frankfurt beträgt die Fahrzeit rund 30, nach Friedberg etwa 5 Minuten. Außerdem ist Kaichen über die Buslinien FB 06 Kaichen-Wöllstadt-Friedberg und 5902 Nidderau-Kaichen-Hanau angebunden.

Lokale InfrastrukturBearbeiten

Die örtliche Infrastruktur ist entsprechend der Größe und der ländlichen Lage. Im Ort selber gibt es einen Kindergarten, eine Metzgerei, einen Frisör und ein Nahversorgungsgeschäft für Dinge des täglichen Bedarfs. Das Bürgerhaus bietet neben Veranstaltungsräumen eine Kegelbahn sowie eine Gaststätte. Ein Sportplatz, zwei Kinderspielplätze und ein öffentlicher Grillplatz runden das lokale Freizeitangebot zusammen mit über 10 aktiven Vereinen ab.

Größere Einkaufsmöglichkeiten, eine umfassende ärztliche Versorgung, ein Freibad, ein Großkino und zahlreiche Gastronomieangebote befinden sich in Heldenbergen (4 km). Weitere Einkaufsmärkte, medizinische Einrichtungen und Gastronomiebetriebe gibt es in Assenheim (5 km) und Ilbenstadt (4 km). Die Grundschulen in Ilbenstadt und Assenheim sowie eine Ganztagsschule mit Haupt- und Realschulzweig in Assenheim gewährleisten die schulische Grundversorgung.

PersönlichkeitenBearbeiten

Von einem ortsansässigen Züchter wurde eine international Anerkennung findende Lilie nach dem Ort benannt.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kaichen (Niddatal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Einwohner und Flächen. In: Internetauftritt. Stadt Niddatal, archiviert vom Original; abgerufen am 14. Juni 2018. (Daten aus Web-Archiv)
  2. Beleg zur ersten Erwähnung auf der Webseite der Stadt Niddatal (Memento vom 2. Februar 2009 im Internet Archive)
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 360.
  4. a b Kaichen, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Kaichen, Landkreis Friedberg, Regierungsbezirk Darmstadt vom 10. Januar 1967. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1967 Nr. 5, S. 154, Punkt 109 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).