Wilhelmshof (Stendal)

Ortsteil der Hansestadt Stendal

Wilhelmshof ist ein Ortsteil der Ortschaft Uchtspringe der Hansestadt Stendal im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt, (Deutschland).[3]

Wilhelmshof
Stadt Stendal
Koordinaten: 52° 34′ 9″ N, 11° 35′ 3″ O
Höhe: 69 m ü. NHN
Fläche: 27 ha[1]
Einwohner: 108 (31. Dez. 2021)[2]
Bevölkerungsdichte: 400 Einwohner/km²
Postleitzahl: 39576
Vorwahl: 039325
Wilhelmshof (Sachsen-Anhalt)

Lage von Wilhelmshof in Sachsen-Anhalt

GeographieBearbeiten

Wilhelmshof, eine kleine Ansiedlung, liegt inmitten eines Waldgebietes etwa 3 Kilometer nordwestlich von Uchtspringe und 20 Kilometer südwestlich von Stendal in der Gemarkung Uchtspringe-Deetz am westlichen Rand des Landkreises Stendal in der Altmark.[4]

GeschichteBearbeiten

Der Wilhelmshof wurde als Schäferei und Vorwerk 1808 vom Rittmeister Scheiter erbaut.[5] Im Jahre 1842 wurde vom Schäfereivorwerk Wilhelmshof mit einem Hof auf der Heide berichtet.[6]

Die Hofstelle mit einer Fläche von 110 Morgen wurde vom „Trinkerheilstättenverein für die Provinz Sachsen und das Herzogthum Anhalt“ angekauft und die „Trinkerheilstätte Kurhaus Wilhelmshof“ errichtet.[1] Am 21. Mai 1909 lud der Trinkerheilstättenverein zur Einweihung der neu gegründeten Trinkerheilstätte Wilhelmshof bei Uchtspringe.[7]

Zur Einweisung von Alkoholkranken war ein Aufnahmeantrag an den Vorstand des Trinkerheilstättenvereins oder an die Leitung des Wilhelmshofs zu richten.[7] Die Kosten für die Unterbringung betrugen für Patienten der ersten Klasse anfangs 5 Mark pro Tag, die der zweiten Klasse zahlten täglich 2 Mark. Da man der Überzeugung war, dass körperliche Beschäftigung ein Heilmittel sei, mussten sich die Insassen zur Arbeit verpflichten. Sie arbeiteten im Wald, auf dem Feld, im Garten, auf dem Hof, in Ställen und Scheunen sowie in Werkstätten (Schlosserei, Schuhmacherei, Schneiderei, Polsterei, Tischlerei und Korbflechterei). Ab 21 Uhr galt Bettruhe. An den Wochenenden fanden Andachten, alle 14 Tage ein Hauptgottesdienst statt.

Im Jahre 2015 kam der Ort bundesweit in die Schlagzeilen, weil ein Kind bei einer Feier am Grillplatz spurlos verschwand und seitdem vermisst wird.[8]

EingemeindungenBearbeiten

Das Vorwerk Wilhelmshof gehörte früher zur Gemeinde Deetz im Landkreis Gardelegen.[9] Im Jahre 1908 wurden Flächen vom Gemeindebezirk Deetz in den Gutsbezirk Uchtspringe umgegliedert,[10] zu denen das Vorwerk Wilhelmshof gehörte, das in der Folge in den Ortsverzeichnissen als Wohnplatz geführt wurde. Im Jahre 1986 wurde Wilhelmshof dann als Ortsteil der Gemeinde Uchtspringe geführt,[11] so auch im Jahre 2008.[12] Seit der Eingemeindung von Uchtspringe in die Hansestadt Stendal am 1. Januar 2010 gehört der Ortsteil Wilhelmshof zu Stendal und zur neuen Ortschaft Uchtspringe.[13]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1840 [0]009[6]
1871 [00]019[14]
2013 [00]123[15]
2014 [00]131[15]
Jahr Einwohner
2018 [00]120[16]
2019 [00]119[16]
2021 [0]108[2]

ReligionBearbeiten

Die Evangelischen aus Wilhelmshof gehören seit 1911 zur Kirchengemeinde Uchtspringe, die früher zur Pfarrei Uchtspringe gehörte. Vorher gehörten sie zur Kirchengemeinde Deetz und der Pfarrei Käthen.[17] Die Kirchengemeinde Uchtspringe wird heute betreut vom Pfarrbereich Kloster Neuendorf im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.[18]

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Anna in Stendal im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.[19]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

In Wilhelmshof betreibt das Diakonische Werk Mitteldeutschland das Diakoniewerk Wilhelmshof e.V. Dazu gehören Einrichtungen der Behindertenhilfe,[20] Werkstätten und Stallungen,[8] sowie eine christlich sozial-therapeutische Einrichtung für Alkoholabhängige und ein Seminar- und Gästehaus.[21]

VerkehrBearbeiten

Es verkehren Linienbusse und Rufbusse von stendalbus.[22]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 2262–2261, doi:10.35998/9783830522355.
  2. a b Donald Lyko: Und es werden immer weniger. In: Stendaler Volksstimme, Der Altmärker. 11. Januar 2022, DNB 1002381223, S. 13.
  3. Landkreis Stendal: Hauptsatzung der Hansestadt Stendal. In: Amtsblatt für den Landkreis Stendal. 28. Jahrgang, Nr. 37, 21. November 2018, ZDB-ID 2665593-7, S. 214–220 (landkreis-stendal.de [PDF; 4,4 MB; abgerufen am 3. November 2020]).
  4. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  5. Ernst Bauke, Bernd Plettke: Börgitz, Uchtspringe, Wilhelmshof, Schnöggersburg. Bilder erzählen aus vergangenen Tagen. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2008, ISBN 978-3-89570-524-3, S. 48.
  6. a b J. A. F. Hermes, M. J. Weigelt: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Topographischer Teil. Hrsg.: Verlag Heinrichshofen. Band 2, 1842, S. 403, 15. Deetz (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DHB4_AAAAcAAJ%26pg%3DPA403~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  7. a b Anke Kaline: „Alkoholnot in unserer Stadt!“ – Die Bekämpfung des Alkoholismus am Beispiel der Stadt Halle/Saale im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. 2008, DNB 994839197, S. 104 106.
  8. a b Matthias Fricke: Kriminologin spricht über den Fall Inga. In: Volksstimme Magdeburg. 2. Mai 2018 (volksstimme.de [abgerufen am 9. August 2020]).
  9. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 489, doi:10.35998/9783830522355.
  10. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1908, ZDB-ID 3766-7, S. 88, 309.
  11. Karla Balkow, Werner Christ: Ortslexikon der Deutschen Demokratischen Republik. Staatsverlag der DDR, 1986, ISBN 3-7685-2185-0, S. 335.
  12. Verzeichnis Gemeinden und Gemeindeteile. Gebietsstand: 1. Juli 2008 (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Verzeichnisse / 003. Nr. 2008). Halle (Saale) November 2008, S. 142 (destatis.de [PDF]).
  13. Landkreis Stendal: Gebietsänderungsvertrag über die Eingemeindung der Gemeinde Uchtspringe in die aufnehmende Stadt Stendal. In: Amtsblatt für den Landkreis Stendal. 19. Jahrgang, Nr. 20, 19. Oktober 2009, ZDB-ID 2665593-7, S. 277–279 (landkreis-stendal.de [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 9. August 2020]).
  14. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Sachsen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt vom Königlichen Statistischen Bureau. In: Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Band VI, 1873, ZDB-ID 1467440-3, S. 18 (Digitalisat – Nr. 20).
  15. a b Bernd-Volker Brahms: Erstmals seit der Wende ein Plus. In: Stendaler Volksstimme. 13. Januar 2015, S. 13.
  16. a b Donald Lyco: Nach zehn Jahren wieder unter 40.000. In: Stendaler Volksstimme. 10. Januar 2020, S. 13.
  17. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1908, ZDB-ID 3766-7, S. 84, Nr. 203.
  18. Pfarrbereich Kloster Neuendorf. Abgerufen am 9. August 2020.
  19. Bistum Magdeburg, Online-Bistumskarte. 2013, abgerufen am 14. August 2020.
  20. Bundesverband evangelische Behindertenhilfe: Diakoniewerk Wilhelmshof e.V. In: beb-ev.de. Abgerufen am 9. August 2020.
  21. Hansestadt Stendal: Ortschaften der Hansestadt Stendal. In: stendal.de. 9. Juli 2020, abgerufen am 3. August 2020.
  22. Fahrplan der Linie 940. In: Stendalbus. Abgerufen am 18. April 2021.