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VIAG AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 7. März 1923
Auflösung 2000
Auflösungsgrund Fusion
Sitz München

Die VIAG AG (ursprünglich Vereinigte Industrieunternehmungen AG) war ein zuletzt in München ansässiger börsennotierter Mischkonzern. Bis Mitte der 1990er Jahre war der aktive Sitz in Bonn und davor in Berlin. Im Jahr 2000 wurde die VIAG mit dem ähnlich strukturierten VEBA-Konzern zur E.ON fusioniert.

Gründung und Zeit bis zum Zweiten WeltkriegBearbeiten

Die VIAG wurde am 7. März 1923 in Berlin als Dachgesellschaft für bisher direkt gehaltene, industrielle Beteiligungen des Deutschen Reiches gegründet. Das staatliche Engagement war eine Folge der Kriegswirtschaft des Ersten Weltkriegs und wurde mit der damaligen Autarkiepolitik begründet.

Die ursprünglichen Geschäftsfelder der VIAG waren die Erzeugung von elektrischer Energie sowie deren industrielle Nutzung:

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden sowohl die Energieerzeugung als auch die Aluminiumproduktion massiv gesteigert, es wurden neue Kraftwerke und Aluminiumhütten (u. a. Mattigwerk in Ranshofen) errichtet. Dies lag auch an der Ausbeutung von tausenden Zwangsarbeitern. VIAG-Firmen wie die VAW bemühten sich auch aus Kostengründen intensiv um die Zuweisung von Zwangsarbeitern. Laut dem Historiker Manfred Pohl hatten die Firmen "einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Zwangsarbeitern".[1] Alleine in den Aluminiumhütten der VAW kamen rund 20.000 Zwangsarbeiter zum Einsatz.[2]

Eigentümer Bundesrepublik DeutschlandBearbeiten

Die Anteile an der VIAG gingen mit Inkrafttreten des Grundgesetzes gemäß Art. 134 GG auf die Bundesrepublik Deutschland über. Bis Mitte der 1980er Jahre konzentrierten sich die Beteiligungen weiterhin auf die industriellen Kernbereiche Energie, Aluminium und Chemie.

Die Holdingstrategie entsprach weitgehend einer risikovermeidenden Vermögensverwaltung. Zum VIAG-Konzern gehörten vor Beginn der Privatisierung über 100 Gesellschaften, sie erwirtschafteten 1986 einen konsolidierten Umsatz von über 8,6 Mrd. DM und erzielten einen Konzernjahresüberschuss von 164 Mio. DM. 1986 erfolgte der erste Schritt zu Privatisierung. Bei diesem Börsengang wurden 40 Prozent der Anteile zum Preis von 165,– DM/Stück veräußert. 1988 trennte sich die Bundesrepublik Deutschland über die Börse auch von den verbleibenden Aktien zum Preis von 210,– DM/Stück.

Nach der PrivatisierungBearbeiten

Um nach der Vollprivatisierung die Eigentümerstrukturen an dem Mischkonzern VIAG zu stabilisieren, erwarb das Bayernwerk, das damals zu 40 Prozent der VIAG und zu 60 Prozent dem Freistaat Bayern gehörte, über die Börse stufenweise eine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der VIAG. Das Ergebnis war eine minderheitliche Überkreuzbeteiligung von VIAG und Bayernwerk und in Folge eine gemeinsam abgestimmte Konzernpolitik.

Es wurde nun ein aktives Portfoliomanagement betrieben. Zahlreiche Beteiligungen wurden oft auch gemeinsam mit dem Bayernwerk in kurzer Zeit meist mehrheitlich erworben: Didier-Werke, Computer 2000, Klöckner & Co, Gerresheimer Glashütte, PWA, Schmalbach-Lubeca, Kühne + Nagel, Th. Goldschmidt, Isar-Amperwerke. Durch mehrere Kapitalerhöhungen wurde die Expansionsstrategie von der Börse wohlwollend begleitet. Bei der letzten Kapitalerhöhung 1996 wurden die neuen Aktien zu 490,– DM/Stück vom Markt aufgenommen. Ein Teil der Beteiligungen wurde allerdings nach wenigen Jahren aus Portfoliogründen wieder veräußert.

1994 übernahm die VIAG die Kapitalmehrheit am Bayernwerk vom Freistaat Bayern. Im Gegenzug erhielt der Freistaat eine 25-Prozent-Beteiligung an der VIAG sowie einen Barausgleich. Außerdem wurde der Sitz nach München verlegt. Mit einem konsolidierten Umsatz von 42 Mrd. DM zählte die VIAG im Folgejahr zu den zehn größten Industrieunternehmen Deutschlands.

1997 erhielt die VIAG die vierte deutsche Mobilfunklizenz, die unter dem Namen Viag Interkom (heute O2) vermarktet wurde.

Von 1998 bis 2003 war Gerald Hennenhöfer, der zuvor Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit des Bundesumweltministeriums gewesen war, Generalbevollmächtigter für Wirtschaftspolitik des Unternehmens. Für Viag führte er die Verhandlungen mit der rot-grünen Bundesregierung zum Atomausstieg und unterzeichnete die Verträge zum Atomkonsens.[3]

Fusion zur E.ONBearbeiten

Aus Sorge vor feindlichen Übernahmen mit anschließender Zerschlagung fusionierte die VIAG am 27. September 2000 mit der VEBA zur E.ON. Außerdem war es gemeinsames Ziel der beiden ähnlich strukturierten Fusionspartner, anstelle der beiden bisherigen Konglomeratkonzerne einen neuen, auch global marktstarken Energiekonzern zu formen und die übrigen Industrie-Geschäftsfelder zu veräußern. Die VIAG-Energiebeteiligungen sind heute ein Teil der E.ON und erhielten entsprechende neue Firmennamen. Die VAW wurde 2002 an Norsk Hydro verkauft. Die VIAG-Tochter SKW Trostberg wurde mit der damaligen VEBA-Tochter Degussa-Hüls zur „neuen Degussa“ verschmolzen, die heute Evonik Degussa lautet. Auch alle sonstigen in den Jahren zuvor erworbenen Industriebeteiligungen sind inzwischen von der E.ON wieder veräußert worden.

Literatur & WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Manfred Pohl: VIAG Aktiengesellschaft 1923-1998. Vom Staatsunternehmen zum internationalen Konzern. Piper, München 1998, ISBN 3-492-04036-5.
  2. Peter Belli: Der Fall VAW - Die Viag-Tochter schiebt die Verantwortung ab. In: Die Zeit. Nr. 48, 25. November 1999.
  3. Energie und Macht (Memento des Originals vom 19. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlinonline.de Berliner Zeitung vom 3. Juli 2007, abgerufen am 20. März 2011