Hauptmenü öffnen
Untersiggenthal
Wappen von Untersiggenthal
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Badenw
BFS-Nr.: 4044i1f3f4
Postleitzahl: 5417
UN/LOCODE: CH UGA
Koordinaten: 661418 / 261574Koordinaten: 47° 30′ 7″ N, 8° 15′ 14″ O; CH1903: 661418 / 261574
Höhe: 371 m ü. M.
Fläche: 8,36 km²
Einwohner: 7193 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 860 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
27,9 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.untersiggenthal.ch
Untersiggenthal

Untersiggenthal

Karte
Karte von Untersiggenthal
w

Untersiggenthal (schweizerdeutsch: ˈʊndərsɪɡəˌtɑːl, ˈʊndərsɪɡiˌtɑːl)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Baden und liegt rund drei Kilometer nordwestlich des Bezirkshauptorts im unteren Limmattal.

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde liegt in der Schotterebene östlich des Wasserschlosses der Schweiz, dem Zusammenfluss von Aare, Limmat und Reuss. Die zwei zusammengewachsenen historischen Ortsteile Untersiggingen (im Westen) und Obersiggingen (im Osten) liegen auf einer markanten Geländestufe, die zur Limmat hin abfällt. In den Flussschlaufen am nördlichen Ufer der Limmat haben sich die neuen Quartiere Ennetturgi und Wasserfallen entwickelt. Im Norden bildet der Siggenberg eine natürliche Begrenzung. Diese zum Tafeljura gehörende Erhebung bildet eine ausgedehnte Hochebene, die an ihrem westlichen Ende, am Iberig, steil und unvermittelt ins Aaretal abfällt. In der nordwestlichen Ecke des Gemeindegebietes, rund zwei Kilometer vom Zentrum entfernt, befindet sich im Aaretal die Ortschaft Siggenthal-Station, die rund um den dortigen Bahnhof entstanden ist.[4]

Die Fläche des Gemeindegebietes beträgt 828 Hektaren, davon sind 357 Hektaren bewaldet und 199 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf 590 Metern auf dem Siggenberg, der tiefste auf 325 Metern an der Aare. Nachbargemeinden sind Würenlingen im Norden, Obersiggenthal im Osten, Turgi und Gebenstorf im Süden sowie Brugg und Villigen im Westen.

GeschichteBearbeiten

Das Gebiet von Untersiggenthal war bereits während der Jungsteinzeit und der Bronzezeit besiedelt. Dies geht aus Ausgrabungen bei der «Heidenküche» auf dem Siggenberg im Gebiet «Bürgle» vom April 1937 hervor.[6] Die erste urkundliche Erwähnung von Sickinga erfolgte im Jahr 833. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Sikkingun und bedeutet «bei den Leuten des Sikko».[3] Grundbesitzer im Mittelalter waren das Fridolinsstift in Säckingen (seit dem 9. Jahrhundert), das Kloster Einsiedeln (seit dem frühen 11. Jahrhundert), das Kloster Sankt Blasien (seit dem 12. Jahrhundert), das Kloster Wettingen (seit 1245) und das Kloster Königsfelden in Windisch (seit 1337).

 
Luftansicht (1953)

Landesherren und Inhaber der Blutgerichtsbarkeit waren die Grafen von Kyburg, ab 1273 die Habsburger. Um 1250 entstand in der Freudenau gegenüber von Stilli eine Brücke über die Aare. Zu ihrem Schutz liessen die Kyburger die Burg Freudenau errichten. Plündernde Zürcher Truppen zerstörten einen Grossteil der Anlage bei einem Kriegszug im Jahr 1351. Weitere Teile fielen kurz nach 1400 einem Grossbrand zum Opfer, die restlichen Gebäude wurden verlassen und verfielen im Laufe der Jahrhunderte.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Siggenthal war nun Bestandteil des Siggenamts in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. 1504 ging die niedere Gerichtsbarkeit an den Landvogt über. Nach längeren Streitigkeiten wurde das Siggenamt im Jahr 1695 geteilt, als Kirchdorf und Nussbaumen die eigenständige Gemeinde Obersiggenthal bildeten. Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Untersiggenthal war zunächst eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden. 1799 legten die Truppen von Marschall André Masséna einen Teil von Untersiggingen in Schutt und Asche. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Ab dem 18. August 1859 führte die Eisenbahnlinie nach Waldshut durch das Gemeindegebiet von Untersiggenthal. Der drei Jahre vorher eröffnete Bahnhof Turgi lag für die meisten Einwohner jedoch bedeutend näher. Nachdem zuvor zahlreiche Einwohner Arbeit in den Fabriken von Turgi gefunden hatten, entstand 1869 mit der Zwirnerei Stroppel die erste Fabrik auf Untersiggenthaler Boden (Produktion bis 1990). Seit 1900 stieg die Einwohnerzahl um mehr als das Sechsfache und Untersiggenthal entwickelte sich zu einem Teil der Agglomeration Baden.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Ruine Freudenau
 
Römisch-katholische Kirche in Untersiggenthal

Die Burg Freudenau wurde um 1240 zum Schutz der damals über die Aare gebauten Brücke errichtet.

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot zwei gekreuzte weisse Schlüssel.» Das zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingeführte Wappen ist vermutlich vom Attribut des Kirchdorfer Kirchenpatrons Petrus hergeleitet. Die zwei Schlüssel weisen auf Ober- und Untersiggingen hin.[7]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[8]

Jahr 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 558 989 1073 1637 1890 2868 3854 4597 5424 6128 6692

Am 31. Dezember 2018 lebten 7193 Menschen in Untersiggenthal, der Ausländeranteil betrug 27,9 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 39,9 % als römisch-katholisch und 19,7 % als reformiert; 40,4 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 82,9 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 3,6 % Italienisch, 2,8 % Albanisch, 2,3 % Serbokroatisch, 1,3 % Französisch, 1,0 % Türkisch, 0,9 % Portugiesisch, 0,8 % Englisch und 0,7 % Spanisch.[10]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Baden zuständig. Untersiggenthal gehört zum Friedensrichterkreis III (Baden).[11]

WirtschaftBearbeiten

In Untersiggenthal gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 2850 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 68 % in der Industrie und 30 % im Dienstleistungsbereich.[12] Die Gemeinde zählt noch ein Dutzend Landwirtschaftsbetriebe, am sonnigen Südhang des Siggenbergs wird etwas Weinbau betrieben. Es gibt insgesamt 300 kleinere und mittlere Betriebe. Unter anderem hat die ABB hier eine Zweigstelle. An der Limmat befinden sich die Kraftwerke Schiffmühle und Stroppel. In Ennetturgi und bei der Bahnstation Siggenthal-Würenlingen gibt es jeweils eine Gewerbezone. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der nahe gelegenen Stadt Baden.

VerkehrBearbeiten

Durch Untersiggenthal führt die viel befahrene Kantonsstrasse 295, die von Baden nach Siggenthal-Station führt und dort auf die Hauptstrasse 5 nach Koblenz trifft. Drei Brücken führen über die Limmat nach Gebenstorf und Turgi, eine weitere Brücke über die Aare nach Stilli. Untersiggenthal ist Endstation von zwei Buslinien der Gesellschaft RVBW: Die Linie 2 fährt über Obersiggenthal, Ennetbaden, den Bahnhof Baden und Killwangen nach Spreitenbach. Die Linie 6 fährt über Obersiggenthal, Baden und Dättwil nach Rütihof. Eine Postautolinie von Gebenstorf nach Würenlingen verbindet die Gemeinde mit den Bahnhöfen Siggenthal-Würenlingen und Turgi. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Baden nach Würenlingen.

BildungBearbeiten

Es gibt je vier Kindergärten und Schulhäuser, in denen die Primarschule, die Sekundarschule und die Realschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann in Turgi oder Obersiggenthal besucht werden. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Kantonsschule Baden und die Kantonsschule Wettingen.

SportBearbeiten

Im Ortsteil Siggenthal-Station steht die im Jahr 2016 eröffnete GoEasy Arena, wo der Handball-Verein TV Endingen seine Heimspiele austrägt.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Untersiggenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 444–445.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 8. Juni 2019.
  6. Eine prähistorische Siedelung im Siggenthal, Badener Neujahrsblätter 1937.
  7. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 303.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 8. Juni 2019.
  9. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 8. Juni 2019.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 8. Juni 2019.
  11. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 19. Juni 2019.
  12. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 8. Juni 2019.