Anthony Frank „Tony“ Iommi (* 19. Februar 1948 in Birmingham, England)[1] ist ein britischer Gitarrist und Gründungsmitglied der Heavy-Metal-Band Black Sabbath. Iommi ist als einziger Musiker der Band niemals ausgestiegen, sodass er als die treibende Kraft von Black Sabbath angesehen wird.

Tony Iommi (2009)

Biografie Bearbeiten

Die Anfänge Bearbeiten

Iommi, Sohn italienischer Einwanderer, fing mit dem Gitarrespielen als Teenager an, inspiriert vor allem durch die bahnbrechende Instrumentalgruppe The Shadows mit ihrem Gitarristen Hank Marvin. Bald spielte er in etlichen Bluesrockbands. In der Gründungsphase von Black Sabbath, als diese sich noch Earth nannte, hatte er 1968 ein kurzes Engagement bei Jethro Tull, die er nach einem Auftritt wieder verließ. Mit Jethro Tull spielte Iommi auch beim Auftritt im Rolling-Stones-Film Rock and Roll Circus mit.

Arbeitsunfall Bearbeiten

Bei einem schweren Arbeitsunfall in einer Stahl- und Walzblechfabrik geriet die rechte Hand des damals 17-jährigen Iommi in eine Maschinenpresse, worauf er diese reflexartig zurückzog und die Fingerkuppen von Mittel- und Ringfinger abgetrennt wurden.[2][3] Da Iommi linkshändig Gitarre spielt (wie Jimi Hendrix), bedeutet ein derartiger Unfall der Greifhand normalerweise das Karriereende; dennoch machte Iommi weiter. Die Motivation dafür bezog er aus dem Hinweis eines Freundes auf Django Reinhardt, der sich trotz der Verkrüppelung von Ring- und kleinem Finger seiner linken Hand durch eine schwere Verbrennung zu einem der besten Jazzgitarristen aller Zeiten entwickelte.[2] Deshalb trägt Iommi Plastikfingerkuppen und verwendet nur sehr dünne Saiten, um überhaupt spielen zu können. Früher musste er sich seine Saitensätze aus dünnen Banjosaiten zusammensetzen. Zudem stimmte die Band Gitarre und Bass eine kleine Terz tiefer, um den Saitendruck zu verringern, woraus gleichzeitig der Bandsound mit grummeliger Tiefe von Black Sabbath entstand.[4]

Privatleben Bearbeiten

Iommi war bisher viermal verheiratet.[5] Anfang der 1970er Jahre heiratete er Susan Snowden, die Ehe hatte acht Jahre lang Bestand.[6]

1980 heiratete er ein Model namens Melinda[7], 1983 bekam sie sein einziges leibliches Kind, die Tochter Toni-Marie Iommi. Die Ehe hielt nur kurz, laut seiner Biografie verließ er sie, nachdem sie zu seinen Lasten mehr als hunderttausend Dollar an Kreditkartenschulden verursacht hatte. Sie ließen sich Mitte der 1980er Jahre scheiden. Iommi focht vor Gericht die Rechtmäßigkeit der Ehe an, da diese ohne Trauzeugen geschlossen worden war. Als Trauzeuge hatte – auf dem Papier – lediglich ein Teddybär agiert. Das Gericht erkannte aber die Rechtmäßigkeit an.[8]

1986 lernte er eine Engländerin namens Verlery kennen, die er sechs Jahre später heiratete. Sie brachte ihren Sohn mit in die Ehe, den Iommi als seinen Sohn bezeichnet. Die Ehe ging Ende der 1990er Jahre zu Ende.[6]

Seit 2005 ist er in vierter Ehe mit der Sängerin Maria Sjöholm von der ehemaligen schwedischen All-Female-Metalband Drain STH verheiratet.[9]

In der Mitte der 1980er Jahre hatte er eine Beziehung mit Lita Ford, mit der er später verlobt war. Laut ihrer 2016 erschienenen Biografie musste sie ihn verlassen, nachdem er sie fast totgeschlagen hatte. Die häufigen Gewaltausbrüche von Iommi schob Ford auf dessen sehr hohen Drogenkonsum. Sie bezeichnet Tony Iommi trotz allem immer noch als ihren Helden.[10]

Krankheit Bearbeiten

Am 9. Januar 2012 gab der Pressesprecher von Black Sabbath bekannt, dass bei Iommi ein malignes Lymphom im frühen Stadium („early stages of lymphoma“) diagnostiziert wurde,[11] das erfolgreich behandelt wurde. Die Tourdaten von Black Sabbath für 2013 wurden so arrangiert, dass es Iommi freistand, einmal alle sechs Wochen nach Großbritannien zurückzukehren, um sich Antikörper verabreichen zu lassen.[12] Im Januar 2014 kündigte Iommi in einer Neujahrsbotschaft an, dass er seine reguläre Behandlung in diesem Jahr beenden werde.[13] Ein paar Monate später gab Black Sabbath bekannt, dass sie aufgrund von Iommis Gesundheitsproblemen ihre letzte Tournee unternehmen würden.[14] Im August 2016 gab Tony Iommi bekannt, dass sein Krebs auf dem Rückzug sei.[15]

Musikalischer Einfluss Bearbeiten

 
Tony Iommi (2007)

Iommis kurze, düstere und prägnante Riffs in Molltonarten verbindet er mit für die damalige Zeit ungewöhnlichen Soli im Stile des Blues oder auch des Hard Rock. Für Black Sabbath komponierte und komponiert er weiterhin meistens die Musik. Die Texte verfasst in der Mehrzahl der Bassist Geezer Butler.

Der durch die tiefe Saitenstimmung entstehende Sound führte zusammen mit dem exzessiven Einsatz von Verzerrern zum charakteristischen vollen Klang der Musik von Black Sabbath; das Herunterstimmen der Gitarre wurde speziell in den 1990er Jahren zu einem wichtigen Markenzeichen moderner Metalbands.

Am 19. November 2013 verlieh die Coventry University Iommi einen Ehrendoktor der Künste für die Erfindung des Heavy Metal.[16]

Der Rolling Stone listete Iommi 2011 auf Rang 25 der 100 größten Gitarristen aller Zeiten. In einer Liste aus dem Jahr 2003 hatte er noch Rang 86 belegt.[17][18]

Soloalben Bearbeiten

Neben seiner Tätigkeit bei Black Sabbath, die seit 1985 teilweise schon als Solokarriere gelten kann, veröffentlichte Iommi 2000 sein selbstbetiteltes Debüt, auf dem er mit etlichen Gastmusikern (u. a. Ozzy Osbourne, Serj Tankian, Henry Rollins, Billy Corgan, Phil Anselmo, aber auch Billy Idol und Ian Astbury) größtenteils im Black-Sabbath-Stil der 70er Jahre musizierte. Die folgenden beiden Soloalben 1996 DEP Sessions und Fused spielte er zusammen mit dem Sänger und Bassisten Glenn Hughes ein.

Sein Markenzeichen war die schwarze „John Birch“-SG-Gitarre, die speziell für ihn mit Kreuzen als Inlays angefertigt wurde. Momentan spielt er Gibson –„Tony Iommi“-Signature-Modelle (SG mit Kreuzinlays) und verstärkt diese über einen Laney GH100TI Gitarrenverstärker, ebenfalls ein Signature-Produkt.

Trivia Bearbeiten

Eurovision Song Contest 2013 Bearbeiten

Tony komponierte den armenischen Beitrag Lonely Planet für die Band Dorians zum Eurovision Song Contest 2013 in Malmö. Sie konnte sich für das Finale qualifizieren und erreichte den 18. Platz.

Drepanoistodus Iommii Bearbeiten

Im Oktober 2021 haben skandinavische Paläontologen ein in Russland entdecktes Conodontenfossil, dessen Alter auf 469 Millionen Jahre bestimmt wurde, nach dem Black-Sabbath-Gitarristen benannt. Die Spezies wurde offiziell als Drepanoistodus iommii eingetragen. Expeditionsmitglied Mats E. Eriksson war für die Namensgebung verantwortlich. Er hatte schon andere Größen der Metal-Musik bei seinen Fossilfunden geehrt.[19]

Eröffnung der Commonwealth Games Bearbeiten

Im Jahr 2022 stand Tony Iommi auf dem Artist-Line-Up für die Eröffnung der Commonwealth Games in seiner Geburtsstadt Birmingham. Er performte dort zusammen mit dem Saxofonisten Soweto Kinch eine Interpretation des Titeltracks aus dem Film The Trial of the Chicago 7.[20]

Xerjoff Tony Iommi Monkey Special Bearbeiten

Im Jahr 2021 veröffentlichte der italienische Luxusparfümhersteller Xerjoff in Verbindung mit Tony Iommi ein Parfüm namens Tony Iommi Monkey Special.[21]

Solo-Diskografie Bearbeiten

Chart­plat­zie­rungen
Erklärung der Daten
Alben[22]
Seventh Star (mit Black Sabbath)
 DE5103.03.1986(4 Wo.)
 UK2701.03.1986(5 Wo.)
 US7829.03.1986(11 Wo.)
Iommi
 DE4313.11.2000(2 Wo.)
 US12904.11.2000(1 Wo.)
Fused (mit Glenn Hughes)
 DE9225.07.2005(1 Wo.)
Who Cares (mit Ian Gillan)
 DE6027.07.2012(1 Wo.)
Tracks: Gone; From Another World; Don’t You Tell Me; Don’t Drag The River; Fine; Time Is The Healer; I’m Not The Same Man; It Falls Through Me
Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1996, wurde jedoch nicht offiziell veröffentlicht. 1996/97 tauchten die Aufnahmen jedoch bereits als Bootleg unter dem Namen Eighth Star auf. 2004 entschied man sich daher, die Aufnahmen auch offiziell zu veröffentlichen, lediglich das Schlagzeug wurde neu eingespielt, da der damalige Schlagzeuger Dave Holland 2004 wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt worden war.
  • 2005: Fused (ebenfalls mit Glenn Hughes)
Tracks: Dopamine; Wasted Again; Saviour Of The Real; Resolution Song; Grace; Deep Inside a Shell; What You're Living For; Face Your Fear; The Spell; I Go Insane

Literatur Bearbeiten

  • Tony Iommi: Iron Man – Von Black Sabbath bis Heaven & Hell. Hannibal Verlag, Höfen 2012, ISBN 978-3-85445-383-3 (Originalausgabe: Iron Man)

Weblinks Bearbeiten

Commons: Tony Iommi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Black Sabbath - Uncensored On the Record. Coda Books Ltd, 2011, ISBN 978-1-908538-85-7 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b Music Week - Music Week - Music business magazine - Black celebration: the holy grail of Black Sabbath. 5. März 2012, abgerufen am 18. Mai 2024.
  3. Tony Iommi: Iron Man: My Journey through Heaven and Hell with Black Sabbath. Da Capo Press, Boston 2012, ISBN 978-0-306-82145-5.
  4. Frontmen - Die größten Rockstars aller Zeiten: Ozzy Osbourne - Black Sabbath (S01/E01) | ARD Mediathek. 1. Juni 2023, abgerufen am 18. Mai 2024.
  5. Iommi on Rockschool. YouTube, abgerufen am 5. August 2011.
  6. a b Tony Iommi: Iron Man: My Journey through Heaven and Hell with Black Sabbath. De Capo Press, S. 312.
  7. LunarMile's Biography at Myspace. In: Web. Abgerufen am 3. August 2011.
  8. Tony Iommi: Iron Man: My Journey through Heaven and Hell with Black Sabbath. De Capo Press.
  9. Aftonbladet puls: I stort sällskap. Abgerufen am 2. August 2021.
  10. Lita Ford: Living Like a Runaway: A Memoir.
  11. Andy Greene: Black Sabbath Guitarist Tony Iommi Diagnosed With Lymphoma, auf der Webseite des „Rolling Stone“. 9. Januar 2012. Abgerufen am 14. Januar 2012.
  12. News] Tony Iommi Updates Fans on Cancer Treatment. RockTransmission, archiviert vom Original am 21. Mai 2013; abgerufen am 18. Mai 2014.
  13. Tony Iommi To Finish Regular Cancer Treatment. In: planetrock.com. Abgerufen am 8. Mai 2018.
  14. OZZY OSBOURNE: 'It's The End Of BLACK SABBATH, Believe Me'. In: blabbermouth.net. 27. Oktober 2015, abgerufen am 8. Mai 2018.
  15. Jenni McKnight: Black Sabbath guitarist Tony Iommi wins battle with cancer In: Daily Mirror, 11. Mai 2016. Abgerufen am 26. April 2017 
  16. Tony Iommi: Tony Iommi: Ehrendoktor für Erfindung des Heavy Metal - Star-News - FOCUS Online - Nachrichten. 10. April 2014, abgerufen am 29. August 2023.
  17. 100 Greatest Guitarists of All Time. Rolling Stone, 18. Dezember 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Januar 2018; abgerufen am 8. August 2017 (englisch).
  18. 100 Greatest Guitarists of All Time – David Fricke’s Picks. Rolling Stone, 2. Dezember 2010, abgerufen am 8. August 2017 (englisch).
  19. Joe DiVita: 469 Million-Year-Old Fossil Named After Black Sabbath’s Tony Iommi. Loudwire, 8. Oktober 2021, abgerufen am 11. Oktober 2021.
  20. Matt Owen: Tony Iommi to perform at the 2022 Commonwealth Games opening ceremony. In: Guitarworld. 21. Juli 2022, abgerufen am 22. Juli 2022 (englisch).
  21. TONY IOMMI Monkey Special. Abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  22. Chartquellen: DE UK US