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Tatort: Der oide Depp

Episode der Fernsehserie Tatort

Der oide Depp ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom Bayerischen Rundfunk produzierte Beitrag wurde am 27. April 2008 im Ersten Programm der ARD erstgesendet. Batic und Leitmayr rollen den über 40 Jahre zurückliegenden Mord an zwei Animierdamen wieder auf. Die moderne forensische Technik ermöglicht es ihnen, einen der berühmtesten Fälle der bayerischen Kriminalgeschichte neu zu untersuchen.

Folge der Reihe Tatort
OriginaltitelDer oide Depp
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
Bayerischer Rundfunk
AltersfreigabeFSK 12[1]
EinordnungFolge 696 (Liste)
Erstausstrahlung27. April 2008 auf Das Erste
Stab
RegieMichael Gutmann
DrehbuchAlexander Adolph
MusikRainer Michel
KameraKay Gauditz
SchnittDirk Göhler
Besetzung

HandlungBearbeiten

Als der ehemalige Unterweltkönig Robert „Roy“ Esslinger sein Auto ohne Parkschein abstellt, wird es prompt abgeschleppt. Die Polizei findet darin die Tatwaffe zu einem ungeklärten Doppelmord: einen Dolch. Batic und Leitmayr sollen die alten Fälle neu bearbeiten. Dabei wird ihnen Kommissar Sirsch zur Unterstützung zugeteilt, ein grantiger, älterer Beamter, der behauptet, nicht einmal einen Computer bedienen zu können und kein Vergleich ist zu ihrem ehemaligen Kollegen Carlo Menzinger.

Die Ermittler informieren Esslinger von dem Fund der Mordwaffe, der diese Neuigkeit gelassen aufnimmt. Man hat ihm im Laufe seiner Aktivitäten im Münchner Rotlichtmilieu schon öfter Straftaten nachweisen wollen. Zudem hat er 1965 selber ein Kopfgeld auf den Mörder ausgesetzt, da die Ermordeten seine Angestellten waren. Als die Kommissare im Begriff sind zu gehen, erhält Esslinger einen Anruf, der ihn sichtlich beunruhigt. Kurz darauf wird er bewusstlos geschlagen und ins Krankenhaus eingeliefert. Leitmayer vermutet, dass der Anschlag mit den Ereignissen von 1965 zu tun hat.

Die Münchner Beamten durchforsten in mühsamer Kleinarbeit die verstaubten Aktenordner der Vergangenheit. Dabei finden sie heraus, dass Gina Echsner, eines der Mordopfer, ein Jahr vor ihrem Tod jemanden anzeigen wollte, sich es dann aber doch anders überlegt hatte. Möglicherweise galt ihre Anzeige ihrem späteren Mörder. Weiterhin stellen die Ermittler fest, dass Johanna Wiesnet, das andere Mordopfer, ein Jahr nach ihrer Kollegin Gina Echsner und nach genau dem gleichen Tatmuster ermordet worden ist, aber zu ihrem Fall kaum Ermittlungsunterlagen existieren. Leitmayr fährt mit Sirsch zu Johannas Mutter, wo Batic schon auf sie wartet. Johannas Mutter erinnert sich, dass Gina auch mit ihrem Freund Leonhard, einem Polizisten, bei ihr war. Die Ermittler vermuten, dass dieser Polizist massiv in den Fall verstrickt ist.

Bei ihrer Recherche stoßen sie immer wieder auf fehlerhafte und unvollständige Ermittlungsakten, so können sie auch keinen Polizisten mit dem Namen „Leonhard“ finden. Der alte Polizeibeamte Hubert Würzbauer, der damals mit dem Mordfall zu tun hatte, wird befragt und erinnert sich nur noch, dass er an dem Abend allein auf Streife war. Als sie den damaligen Polizeipräsidenten Dr. Landgräber befragen, gesteht dieser ein, dass ihm bewusst war, dass es sich bei beiden Morden um Sexualdelikte handelte. Doch sehr viel ergiebiger war die Befragung nicht, und so vermuten Batic und Leitmayr, dass Esslinger und Landgräber einen Deal miteinander gehabt haben könnten. Durch seinen hinterhältigen Charme hatte es der millionenschwere Zyniker damals immer verstanden, auch mit den Spitzen der Stadt zu kooperieren.

Den Ermittlern fällt das merkwürdige Verhalten ihres Mitarbeiters Sirsch auf, der sich in bestimmten Situationen zurückhält und bei anderen wieder seltsam aktiv wird. Bei einer eher zufälligen Rückfrage bei der letzten Einsatzstelle von Sirsch ergibt sich, dass da etwas absolut nicht stimmen kann – u. a. gilt Sirsch als IT-Fachmann. Sie sehen sich in Sirschs Wohnung um und finden dort umfangreiche Unterlagen zum Fall Echsner. Als sie dann auch noch ein Foto von Sirsch und Gina finden, wird ihnen klar, dass Sirsch ihr gesuchter „Leonhard“ sein muss. Sie gehen davon aus, dass er auch der Attentäter von Esslinger ist und versuchen, Esslinger vor ihm zu schützen.

Als sie ihn in seiner Villa aufsuchen, ist jedoch auch schon Sirsch dort. Mit einem entsicherten Gewehr bewaffnet, fordert er Esslinger auf, den Mord an den beiden Frauen zu gestehen. Sirsch war es, der sich damals in die überaus attraktive Gina verliebt hatte, als sie seinerzeit die Anzeige im Revier aufgeben wollte. Nun sollte Esslinger endlich zugeben, dass er die Beherrschung verloren hatte, als ihm Gina mitteilte, dass sie kündigen wollte, um ihren Freund Sirsch zu heiraten. In Wahrheit hat jedoch nicht Esslinger sich an Gina vergriffen, sondern Sirschs Kollege Hubert Würzbauer. Esslinger kannte die Polizeibeamten, da auch sie in seinen Lokalen verkehrten, und er wusste, dass Würzbauer im Grunde pervers war und alles tat, was Esslinger von ihm forderte. Auch die verschleppten Ermittlungen waren den von Esslinger gekauften Zeugen und dem bestochenen Polizeipräsidenten zu verdanken. So verhinderte ein „Stillhaltepakt“ die Aufklärung der Morde. Dank Sirschs frisierten Ermittlungsberichten und der untergeschobenen Tatwaffe konnten die Fälle nun möglicherweise zu Ende gebracht werden.

Aufgrund der Bedrohung von Sirsch erleidet Esslinger einen akuten Herzanfall. Während Batic und Leitmayr sich um ihn kümmern, fährt Sirsch umgehend zu Würzbauer, um ihn zur Rede zu stellen. Der ersticht ihn jedoch kurzerhand mit einem Messer. Als die Polizei eintrifft, lässt Würzbauer sich gewaltlos festnehmen.

HintergrundBearbeiten

Unter dem Arbeitstitel „Dickschädel“ wurde der Tatort in München und Umgebung gedreht.[2] Regisseur Michael Gutmann arbeitete über den gesamten Film in schwarz-weiß gedrehte Rückblicke ein, die dem Zuschauer die Geschichte von damals erzählen. Für dieses Stilmittel verwendete er auch alte Archivaufnahmen aus der Polizeiserie Funkstreife Isar 12 von Michael Braun.[3] Dem entgegen stand eigentlich eine interne Anordnung des ARD-Programmdirektors Günter Struve, nach der bei Eigenproduktionen schwarz-weiß zu vermeiden sei. Das Budget für die Dreharbeiten war höher als üblich, so dass für den Nachtclub und das Polizeirevier der 1960er Jahre neue Filmsets angefertigt werden konnten. Die Rückblenden wurden auf Schwarzweiß-Negativfilm gedreht und orientieren sich auch an den damaligen Stilmitteln wie z. B. lange Einstellungen.[4]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

  Dieser Abschnitt besteht nur aus einer listenhaften Sammlung von Zitaten aus Filmkritiken. Stattdessen sollte eine zusammenfassende Darstellung der Rezeption des Films als Fließtext erfolgen, wozu auch markante Zitate gehören können, siehe dazu auch die Ausführungen in der Formatvorlage Film.

„Es ist die zeitlose Geschichte um Liebe, Sex, Leidenschaft, Macht und unterdrückte Triebe – eine klassische Tragödie mit großartigen Schauspielern und einem mitreißendem Drehbuch, die genauso gut auf der Kinoleinwand stattfinden könnte.“

Kathrin Buchner: Stern[5]

„Ein kleines Meisterwerk ist das geworden, das geschickt mit verschiedenen Zeitebenen spielt und ein unglaubliches Ensemble brillieren lässt. [...] Das Spiel der Darsteller ist so eindringlich, dass man sich fragt, ob der Verzicht auf Farbe den Blick auf die Charaktere schärft.“

Michael Seewald: faz.net[4]

„[E]s sind vor allem die Rückblicke, die den Film zu einem überragenden Teil der Tatort-Reihe machen. Die Filmerzählung springt immer wieder zwischen der Jetzt-Zeit und 1965 und die schwarz-weiß Szenen wirken dabei so, als seien sie Szenen eines verloren gegangenen Films. [...] Der oide Depp ist ein ganz außergewöhnlicher Tatort. Mit dem Stilmittel der Rückblende und der Aufklärung eines über vierzig Jahre zurückliegenden Mordfalles greift der Film zwar scheinbar eine gängige Idee amerikanischer TV-Serien wie Bones und anderer Ermittlungsserien zurück, doch wird das Stilmittel hier perfektioniert. Was in 45-Minuten-Serien oft sehr gestelzt wirkt, wird hier in 90-Minuten langsam entwickelt und geschickt auserzählt. Das liegt natürlich auch an der hervorragenden Besetzung von Jörg Hube als fiesem Zuhälter-Mops, an Fred Stillkrauth als knorrigem alten Polizisten-Kauz und an Muriel Roth als zuckersüßer Edelnutte Gina. Sie geben dem Film die nötige Tiefe.“

Franz Solms-Laubach: Die Welt[3]

„Die Bayern liefern eine Folge, die mit Gewohnheiten bricht. Eine Sternstunde des Fernsehens. [...] Streng-ästhetische Bilder, dicht erzählte Milieu-Szenen ziehen den Zuschauer in die Mordfälle an zwei Prostituierten hinein. Auch weil die Zeitschichten kunstvoll ineinander verschränkt sind, auch weil die Doppelbesetzung der Schauspieler perfekt funktioniert. [...] Das kluge Buch von Alexander Adolph und die feine Regie von Michael Gutmann spinnen eine zweite Erzählebene. Auf die sind große Menschheitsthemen gepackt: Scham, Schuldgefühl, Angst und der Schmerz über die Liebe, die verloren ist. Oder unerfüllt. Die Rückschau zwingt die Figuren, die gut verschlossenen Türen zu den Kammern ihrer unschönen Erinnerungen aufzubrechen. Wir sehen Tragödie. Und Katharsis. Nicht weniger. München leuchtet. Und dieser „Tatort“ aus München überstrahlt vieles, was im deutschen Fernsehen läuft.“

Carin Pawlak: Focus.de[6]

„Großartige Idee, komplexes Buch, stilvolle Inszenierung, tolle Urgesteine. [...] Dieser „Tatort“ zeigt, dass die erwünschte Aufmerksamkeit am Sonntagabend sich nicht nur mit gesteigerter Brutalität und sozialen Reizthemen erzielen lässt, sondern auch mit Intelligenz, Einfallsreichtum und Rück-Sicht. Dass „Der oide Depp“ ein echtes TV-Schmuckstück geworden ist, überrascht kaum. Regisseur Gutmann, alles andere als ein Fernsehkrimi-Routinier, schrieb die Bücher zu den Kino-Erfolgen „Nach fünf im Urwald“, „Crazy“ und „Lichter“. Auch Alexander Adolph ist ein verdienter Kollege – mit zwei Grimme-Preisen und einem Deutschen Fernsehpreis innerhalb der letzten fünf Jahre.“

Rainer Tittelbach: Tittelbach.tv[7]

„Mit eleganten Schnitten springt die Story von Alexander Adolph (verantwortlich für den irren „Gisbert-Engelhardt-Fall“ von Ende 2012) ins alte Münchner Rotlichtmilieu. In schwarz-weißen Rückblenden entfaltet sich eine zunehmend tragische Geschichte; im farbigen Hier und Jetzt setzen Stillkrauth und Hube komödiantische Spitzen.“

EinschaltquotenBearbeiten

Die Erstausstrahlung von Der oide Depp am 27. April 2008 wurde in Deutschland von 7,52 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 22,8 % für Das Erste.[9]

AuszeichnungenBearbeiten

Die Folge wurde für den Grimme-Preis nominiert.[10]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Tatort: Der oide Depp. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Dezember 2011 (PDF; Prüf­nummer: 130 901 V).
  2. Der oide Depp. Tatort-Fundus, abgerufen am 26. Mai 2013.
  3. a b Der Hurenmord von München kehrt zurück. In: welt.de, abgerufen am 18. August 2013.
  4. a b Michael Seewald: Herausgefallen aus Zeit und Farbe, faz.net vom 27. April 2008.
  5. Kathrin Buchner: Die ermordeten Nutten von damals. Stern, 28. April 2008, archiviert vom Original am 26. März 2016; abgerufen am 23. Oktober 2018: „Ein bayerischer Krimi in Kinoqualität rund um Sex, Leidenschaft, Macht und fatale Triebe“
  6. „Tatort“ - München leuchtet. Und wie!, focus.de vom 28. April 2008.
  7. Reihe „Tatort – Der oide Depp“ auf tittelbach.tv
  8. Kritik von tvspielfilm.de
  9. Manuel Weis: Primetime-Check: Sonntag, 27. April 2008. Quotenmeter.de, 28. April 2018, abgerufen am 12. Juni 2018.
  10. Nominierte Fiktion 2009. Adolf-Grimme-Institut, archiviert vom Original am 1. Februar 2009; abgerufen am 12. Juni 2018.