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Sisimiut

die zweitgrößte Stadt Grönlands

Sisimiut [siˈsimiutˢʰ] (dänisch Holsteinsborg) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Sisimiut in der Qeqqata Kommunia. Sie ist Hauptort des Distrikt und der Kommune und mit etwa 5500 Einwohnern zudem die zweitgrößte Stadt Grönlands.

Sisimiut (die Einwohner des Fuchsbaus)
Holsteinsborg (Holsteinburg)
Sisimiut
Blick über Sisimiut aus der Luft (2006)
Blick über Sisimiut aus der Luft (2006)
Kommune Qeqqata Kommunia
Distrikt Sisimiut
Geographische Lage 66° 56′ 9″ N, 53° 40′ 3″ WKoordinaten: 66° 56′ 9″ N, 53° 40′ 3″ W
Sisimiut (Grönland)
Sisimiut
Einwohner 5.509
(1. Januar 2019)
Gründung 1756/1764
Zeitzone UTC-3

LageBearbeiten

 
Der über der Stadt thronende Nasaasaaq (2010)

Sisimiut liegt an der Westküste Grönlands, etwa 50 Kilometer nördlich des Polarkreises und auf halbem Weg zwischen Nuuk und der Diskobucht.

Die Stadt liegt an der Spitze Halbinsel zwischen den beiden Fjorden Kangerluarsuk Tulleq im Norden und Amerloq im Süden. Hinter der Stadt thront der Hausberg Nasaasaaq (Kællingehætten), der mit 784 Metern Höhe einen Riegel zwischen der Stadt und dem Rest der Halbinsel bildet. Die Bucht Kangerluarsunnguaq teilt die Stadt. Vor der Stadt liegen zudem zahlreiche Inseln, von denen Qeqertarmiut die größte ist.[1]

Die Stadt ist Endpunkt (häufigere Gehrichtung) oder Anfangspunkt des in der Trekkingszene bekannten Arctic Circle Trails, der zwischen Sisimiut und Kangerlussuaq den westgrönländischen Küstenstreifen an seiner breitesten Stelle durchläuft.

GeschichteBearbeiten

 
Sisimiut (um 1900)

Die ältesten Spuren von Besiedlung gehen auf das Jahr 2500 v. Chr. zurück und stammen von Angehörigen der der Saqqaq-Kultur. Anschließend war die Gegend von der Dorset-Kultur bewohnt. Im 15. Jahrhundert gelangten europäische Walfänger in die Gegend und trieben Handel mit den mittlerweile ansässigen Inuit.[2]

Nachdem Hans Egede 1721 seine Missionsstation auf Håbets Ø gegründet hatte, versuchte man 1724 eine weitere Siedlung zu gründen. Dieser war der Ort Nipisat 15 km südlich des heutigen Sisimiut. Die Handelsstation wurde bereits 1725 von holländischen Walfängern niedergebrannt. 1729 baute man die Handelsstation erneut auf, verließ sie 1731, woraufhin die Walfänger sie erneut abbrennen ließen.[3] Die Walfänger nutzten den Ort Ukiivik 33 km nördlich des heutigen Sisimiut für den Tauschhandel mit den Kalaallit.[4] 1756 gründete man hier die Handelsstation Sydbay, die schließlich 1764 wegen der schlechten Fang- und Handelsmöglichkeiten an die Stelle der heutigen Stadt verlegt wurde und Holsteinsborg genannt wurde, benannt nach Johan Ludvig von Holstein, dem Vorsitzenden des Missionskollegiets, das für die Dänische Mission in Grönland zuständig war.[2]

Im Folgenden wuchs die Bevölkerungszahl rasch, aber bei einer Pockenepidemie starben 1801 etwa 400 Menschen. Doch die Stadt erholte sich schnell und wuchs das ganze 19. Jahrhundert hindurch.[5] Anfang des 20. Jahrhunderts begann man mit der Umstellung von Walfang auf Fischerei und Fischverarbeitung, sodass 1924 die erste Fischfabrik Grönlands in Sisimiut errichtet wurde. Sieben Jahre später wurde auch die erste Werft des Landes hier errichtet.[2]

Als man in den 1960er-Jahren begann, Grönländer aus den kleinen Dörfern in die Städte umzusiedeln, wuchs Sisimiut auf seine heutige Größe an. Im Zuge dieser Entwicklung wurde das Stadtbild immer stärker von großen Plattenbauten geprägt.[5] Heute versucht man, diese Plattenbauten in gutem Zustand zu erhalten, und streicht sie immer wieder farbenfroh.

Sisimiut war bis 2009 Hauptort der Gemeinde Sisimiut, zu der auch Itilleq, Sarfannguit und seit 2002 Kangerlussuaq gehörten, bevor die Gemeinde im Zuge der Verwaltungsreform mit der Gemeinde Maniitsoq zur Qeqqata Kommunia zusammengelegt wurde.[6]

WirtschaftBearbeiten

 
Die Stadt mit dem Hafen (2010)

Anfangs dominierte der Walfang in Sisimiut, wovon noch heute die beiden Walknochen in der Dorfmitte zeugen. Sisimiut war Anfang des 20. Jahrhunderts der erste Ort Grönlands mit einer Fischindustrie. Heute überwiegt die Garnelenproduktion in der Stadt, aber auch der Fang von Seehasen, Kabeljau, Gestreiftem Seewolf sowie Weißem und Schwarzem Heilbutt spielt eine Rolle. Die größte Fischfabrik des Landes liegt heute in Sisimiut. Die Stadt ist außerdem Hauptsitz des Handelsunternehmens KNI. Sisimiut ist zudem ein beliebtes Touristenziel und eines der bedeutendsten Bildungszentren des Landes mit zahlreichen Bildungseinrichtungen.[7][6]

Infrastruktur und VersorgungBearbeiten

Sisimiut hat ein großes Hafenareal, das mittels mehrerer Kaie über eine Anlegelänge von 1,3 km verfügt. Dazu kommt noch ein weiter östlich gelegener Freizeithafen für private Boote mit acht Stegen. Es besteht für die Zukunft zudem die Möglichkeit einen noch größeren Hafen etwa 8 km nordwestlich der Stadt am Kangerluarsuk Tulleq zu errichten.[8] 1998 wurde der Flughafen Sisimiut auf dem Gebiet der früheren Siedlung Asummiut angelegt. Eine Straße verbindet Sisimiut mit dem 3 km nordwestlich gelegenen Flughafen.[7] Insgesamt verfügt Sisimiut über ein ausgebautes Straßennetz.

Nukissiorfiit sichert die Stromversorgung über ein Wasserkraftwerk und ein Notfalldieselkraftwerk. Die Trinkwasserversorgung erfolgt über mehrere Seen, deren Wasser im Wasserwerk im Osten der Stadt aufbereitet wird. Der Müll der Stadt wird deponiert und anschließend verbrannt. Zwei Drittel der Häuser sind an das Abwassersystem angeschlossen. Die Abwässer werden meist ins Meer geleitet.[8]

Drei Brugseni-Filialen, eine von Pisiffik, drei von Spar, eine von Torrak, eine von JYSK und eine von Pisattat versorgen die Bewohner mit Gütern und Waren.

BebauungBearbeiten

 
Alte und neue Kirche (2008)
 
Das historische Zentrum von Sisimiut mit der neuen Kirche darüber (2016)

Sisimiut besteht aus mehreren Teilen. Der älteste Teil der Stadt liegt südlich des Hafens. Hier befindet sich die 1775 errichtete Bethelkirche, die älteste Holzkirche in Grönland. Sie und das gesamte Gebiet darum mit zahlreichen bis zu 250 Jahre alten Koloniegebäuden sind heute Teil des Sisimiut-Museums.

Wohngebiete finden sich südlich des historischen Stadtzentrums, nordöstlich dessen, im Osten der Stadt und westlich des historischen Gebiets auf der Tømmermandsøen (Zimmermannsinsel). Das jüngste Wohngebiet entsteht auf der anderen Seite der Bucht auf dem Weg zum Flughafen und soll in den nächsten Jahren um Hunderte Häuser nach Osten hin ausgebaut werden.

 
Das Kulturhaus Taseralik (2017)

In Sisimiut gibt es Kindergärten für etwa 430 Kinder. Die beiden Volksschulen der Stadt unterrichten zusammen etwa 790 Schüler. Es gibt zudem eine Privatschule und eine Sonderschule in Sisimiut. Die Stadt beherbergt zudem ein Gymnasium (GUX), das einzige Technische Gymnasium des Landes (THX), die Sanaartornermik Ilinniarfik (Bau- und Anlageschule), die zusammen mit der in Nuuk stehenden Saviminilerinermik Ilinniarfik (Eisen- und Metallschule) und der ebenfalls in Sisimiut befindlichen Rohstoffschule die Teknikimik Ilinniarfik (KTI) bildet. Die Außenstelle ARTEK von Danmarks Tekniske Universitet befindet sich ebenfalls in Sisimiut. 1962 wurde in Sisimiut mit der Knud Rasmussens Højskole die erste Hochschule des Landes eröffnet, die heute neben der Sulisartut Højskoliat eine der beiden grönländischen Hochschulen ist. Dazu kommen eine Sprachschule und die aus der KRH herausgelöste Kalaallisuuliornermik Ilinniarfik, die die Herstellung der Nationaltracht unterrichtet. In der Stadt gibt es zudem ein Altenheim und zahlreiche altengerechte Wohnungen.

Östlich der Stadt liegt ein großes Skigebiet, das eine Rolle für den Tourismus der Stadt spielt. Sisimiut hat zudem das einzige Freibad des Landes. In der Stadt befinden sich zudem ein Versammlungshaus, eine Sporthalle und das Kulturhaus Taseralik.

Dutzende Gebäude in Sisimiut sind erhaltenswürdig oder stehen unter Denkmalschutz.[8]

KlimaBearbeiten

In Sisimiut herrscht maritim-subpolares Klima vor mit einer Durchschnittstemperatur von −3,8 °C, womit es vor allem im Winter etwas kälter, aber auch das ganze Jahr über deutlich trockener als in Nuuk ist. Durch die Polartage und -nächte sind die Sommer sonnenscheinreich, während sie im Winter kaum aufgeht.

Sisimiut
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
19
 
-9
-16
 
 
20
 
-10
-18
 
 
22
 
-10
-18
 
 
28
 
-4
-11
 
 
18
 
3
-3
 
 
30
 
7
1
 
 
44
 
10
3
 
 
52
 
9
3
 
 
51
 
6
1
 
 
37
 
1
-4
 
 
38
 
-3
-9
 
 
23
 
-7
-13
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Dänisches Meteorologisches Institut (DMI) und DMI-Daten ab Jan. 2000.
Klimatabelle für Sisimiut (1961–1990)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −9,4 −10,2 −10,1 −3,6 2,9 6,8 9,8 9,3 5,8 0,7 −3,2 −6,9 Ø −0,6
Min. Temperatur (°C) −16,3 −17,7 −18,0 −10,9 −3,2 0,8 3,3 3,3 0,7 −4,4 −8,7 −13,3 Ø −7
Temperatur (°C) −12,8 −13,9 −14,0 −7,1 −0,2 3,6 6,3 6,1 3,2 −1,9 −5,9 −10,1 Ø −3,8
Niederschlag (mm) 19 20 22 28 18 30 44 52 51 37 38 23 Σ 382
Sonnenstunden (h/d) 0,13 1,89 4,65 6,5 7,26 7,9 8,29 5,81 4,57 2,39 0,67 0,04 Ø 4,2
Regentage (d) 5 5 6 5 5 6 7 8 8 8 8 6 Σ 77
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−9,4
−16,3
−10,2
−17,7
−10,1
−18,0
−3,6
−10,9
2,9
−3,2
6,8
0,8
9,8
3,3
9,3
3,3
5,8
0,7
0,7
−4,4
−3,2
−8,7
−6,9
−13,3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
19
20
22
28
18
30
44
52
51
37
38
23
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Die Bevölkerungszahl von Sisimiut stieg lange an und liegt seit etwa zehn Jahren konstant bei rund 5500 Einwohnern.[9]

 

PanoramaBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sisimiut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b c History bei greenland-guide.dk
  3. Nipisat in Den Store Danske
  4. Sydbay in Den Store Danske
  5. a b Sisimiut bei groenlandkreuzfahrt.de
  6. a b Qeqqata Kommunia in Den Store Danske
  7. a b Sisimiut in Den Store Danske
  8. a b c Sisimiut bei qeqqata.odeum.com
  9. Einwohnerzahl Sisimiut 1977–2019 bei bank.stat.gl