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Schalkhausen (Ansbach)

Ortsteil der Stadt Ansbach

Schalkhausen (umgangssprachlich: Schalháusen bzw. Schelháusn[2]) ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Ansbach in Mittelfranken.

Schalkhausen
Stadt Ansbach
Wappen von Schalkhausen
Koordinaten: 49° 18′ 4″ N, 10° 31′ 58″ O
Höhe: 413 (411–444) m ü. NHN
Einwohner: 1216 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91522
Vorwahl: 0981

GeografieBearbeiten

Das Pfarrdorf liegt am Onoldsbach, einem rechten Zufluss der Fränkischen Rezat, am Fürstengraben und am Hengstgraben, beides rechte Zuflüsse des Onoldsbachs. Nordwestlich ist der Ort vom Schönfeldwald umgeben. Unmittelbar nördlich liegt der Schalkhauser Mühlranken, in ca. 0,5 km der Bocksberg (480 m ü. NHN), im Westen der Finkenbuck und im Süden das Bergfeld.[3]

GeschichteBearbeiten

Am 18. Oktober 1144 wurde ein Geschlecht mit dem Namen „Scalchusen“ in einer Urkunde des Bischofs Embrico von Würzburg erstmals erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist wahrscheinlich Schalk (mhd. für einen Unfreien), bedeutet also zu den Häusern der Unfreien.[2] Bereits im 12. Jahrhundert gab es eine Wasserburg, von der noch die Rundanlage mit Wassergraben erhalten ist. Sie und das ganze Umland mit Liegenschaften waren ursprünglich in Besitz der Herren von Dornberg. Nach dem Aussterben dieses Adelsgeschlechts im Jahr 1288 kam die Burg an Ludwig von Oettingen, der mit einer Tochter von Wolfram von Dornberg verheiratet war. 1331 wurde dieser Besitz an Friedrich IV., dem damaligen Burggrafen von Nürnberg verkauft. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert bestand eine Kirche, die 1264 erweitert wurde, die heutige evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Nikolaus.

1455 wurde der Ort „Schallhausen“ genannt, im 17. und 18. Jahrhundert dann durchgängig „Schallhaußen“ (vgl. dazu auch die mundartliche Aussprache).[2]

Im Salbuch des Fürstentums Ansbach von 1684 werden für Schalkhausen 32 Mannschaften verzeichnet: 19 Anwesen unterstanden dem Hofkastenamt Ansbach, sieben Anwesen dem Stiftsamt Ansbach, ein Anwesen dem Bürgermeister und Rat zu Ansbach, ein Anwesen einem Herren von Mohr, ein Anwesen den Herren von Eyb und drei Anwesen der Pfarrei Schalkhausen. Außerdem gab es noch das Pfarrhaus, die Pfarrkirche und kommunale Gebäude (Schule, Hirtenhaus). Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach aus. Im Jahre 1686 wurden sechs Anwesen des Kastenamts an den Landrichter Johann Sigmund von Heßberg als freies Eigen samt Vogtei verkauft.[4]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Schalkhausen 42 Haushalte. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte weiterhin das Hofkastenamt Ansbach aus. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: 41 Anwesen dem Fürstentum Ansbach (Hofkastenamt Ansbach: 33, Stiftsamt Ansbach: sieben, Ansbacher Rat: eines) und ein Anwesen dem Rittergut Eyerlohe der Herren von Eyb. Neben den Haushalten gab es noch kirchliche Gebäude (Kirche, Pfarrhaus) und kommunale Gebäude (Schulhaus, Hirtenhaus, Brechhaus).[5]

Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1802) wird der Ort folgendermaßen beschrieben: „evangelisch-lutherisches Pfarrdorf, eine kleine Stunde von Ansbach; 39 Unterthanen gehören in das Oberamt Ansbach, 4 sind fremdherrisch. Noch ist ein Stück des Walls hier zu sehen, der eine Burg des ehemals berühmten Geschlechts der Grafen oder Advokaten von Dornberg umschloß.“[6]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 das Steuerdistrikt Schalkhausen gebildet, zu dem Dornberg, Geisengrund, Neudorf, Neudorfermühle[7], Neuses, Scheermühle, Schmalenbach, Schmalnbachermühle, Steinersdorf und Walkmühle, Wasserzell und Wasserzellermühle gehörten. Ab 1810 gehörte Neuses mit Schmalenbach, Schmalnbachermühle, Wasserzell und Wasserzellermühle nicht mehr zu diesem Steuerdistrikt und bildete einen eigenen Steuerdistrikt. Die Ruralgemeinde Schalkhausen wurde im Jahr 1811 gegründet[8] und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1920 in Finanzamt Ansbach umbenannt). Von 1862 an wurde Schalkhausen vom Bezirksamt Ansbach (1938 in Landkreis Ansbach umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1870 beim Landgericht Ansbach, 1870–1879 Stadt- und Landgericht Ansbach, seit 1880 Amtsgericht Ansbach.[9] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 8,031 km².[10] Im Zuge der Gebietsreform wurde Schalkhausen am 1. Juli 1972 in Ansbach eingemeindet.[11]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Nikolaus
  • Abgegangene Kapelle auf dem Kapellenbuck
  • Burgstall Schalkhausen, ein runder Turmhügel mit ehemaligem Wassergraben südlich der Schule. 1144 Sitz der Herren von Dornberg, später der Grafen von Oettingen; 1525 zerstört.
  • Haus Nr. 1 („Schlösschen“): Nach Grundstückskauf von 1733 von Ernst Christian Freiherr v. Lyncher unter dem Ansbacher Baudirektorium des Leopoldo Retti als Sommerwohnung erbaut. Zweigeschossiger Bau von 3 × 5 Achsen über etwa quadratischem Grundriss mit Mansarddach und Gauben. Leicht eingetiefte Rechteckfenster über Putzfeldern; rustizierte Ecklisenen. Rechteckportal mit leicht verkröpftem Gurtgesims als Verdachung. Treppenhaus mit Balusterbrüstung. Im Obergeschoss zwei Zimmer mit Stuck-Wandfeldergliederung. Moderner Veranden-Anbau an der Ostseite. Scheune des 18. Jahrhunderts mit Satteldach und Schleppgauben. Östlich des Schlösschens Park aus dem 18./19. Jahrhundert
  • Haus Nr. 9: Zweigeschossiger Bau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit Satteldach und Fachwerkgiebel; geohrtes Sandsteinportal mit Bügelverdachung und Oberlicht
  • Haus Nr. 34 (wohl ehemaliges Amtshaus): zweigeschossiger Bau des 18. Jahrhunderts mit Putzfeldergliederung, rustizierten Ecklisenen und Stichbogenportal mit gerader Verdachung
  • Grenzstein, bezeichnet „1786“ zwischen Kreisstraße und Scheerweiher

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Ansbach#Schalkhausen

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Schalkhausen

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 537 637 610 595 614 640 651 667 698 707 675 693 770 695 647 628 667 753 795 1187 1253 1198 1093 1214
Häuser[12] 103 121 120 125 125 124 149 209
Quelle [13] [14] [15] [15] [16] [15] [17] [15] [15] [18] [15] [15] [19] [15] [15] [15] [20] [15] [15] [15] [21] [15] [10] [22]

Ort Schalkhausen

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 263 319 307* 322 371 424 354 850 814 928 1216
Häuser[12] 44 57 62 59 64 90 146 327
Quelle [13] [14] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [10] [22] [1]
* inklusive Scheermühle

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Nikolaus (Schalkhausen) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach St. Ludwig (Ansbach)

BildungBearbeiten

Es bestehen an öffentlichen Einrichtungen ein evangelischer Kindergarten[23] und eine Grundschule.[24]

VerkehrBearbeiten

Der Ort ist durch die Staatsstraße 2246 mit Ansbach und Lengenfeld verbunden. Gemeindeverbindungsstraßen führen in die benachbarten Orte Steinersdorf, Geisengrund und Dornberg.

Söhne und TöchterBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Alexander Biernoth: 25 Jahre Eingemeindungen in die Stadt Ansbach. Ein Abriß der Ortsgeschichten von Bernhardswinden, Brodswinden, Claffheim, Elpersdorf, Hennenbach, Neuses und Schalkhausen. Ansbach 1997.
  • Johann Kaspar Bundschuh: Schalkhausen. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 5: S–U. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1802, DNB 790364328, OCLC 833753112, Sp. 70 (Digitalisat).
  • Elisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach. Inaugural-Dissertation. Erlangen 1955, DNB 480570132, S. 166–167.
  • Günther P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 2). Deutscher Kunstverlag, München 1958, DNB 451224701, S. 139–140.
  • Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 35). Band 2. Michael Laßleben, Kallmünz 2009, ISBN 978-3-7696-6856-8, S. 907–908, 1008–1009.
  • Karl Heinrich von Lang; Heinrich Christoph Büttner; Julius W. Schulz: Landgericht Ansbach. In: Historische und statistische Beschreibung des Rezatkreises. Nr. 1. Johann Lorenz Schmidmer, Nürnberg 1809, S. 25 f. (Digitalisat).
  • Konrad Rosenhauer u. a. (Hrsg.): Der Landkreis Ansbach. Vergangenheit und Gegenwart. Verl. f. Behörden u. Wirtschaft Hoeppner, Aßling-Pörsdorf/Obb. 1964, DNB 450093387, S. 192–193.
  • Gottfried Stieber: Schalckhaussen. In: Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. Johann Jacob Enderes, Schwabach 1761, S. 696–701 (Digitalisat).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 323 (Digitalisat).
  2. a b c E. Fechter, S. 166.
  3. Schalkhausen im BayernAtlas
  4. Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Salbuch 128, 3048. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 691.
  5. M. Jehle, Bd. 2, S. 907f.
  6. J. K. Bundschuh, Bd. 5, Sp. 70.
  7. Wird in den Statistiken nach 1885 nicht mehr als Ortsteil aufgelistet.
  8. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 961.
  9. M. Jehle, Bd. 2, S. 1008f.
  10. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 757–758 (Digitalisat).
  11. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 600.
  12. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  13. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 80 (Digitalisat). Für die Gemeinde Schalkhausen zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Dornberg (S. 19), Geisengrund (S. 28), Neudorf (S. 62), Scheermühle (S. 80), Steinersdorf (S. 89) und Walkmühle (S. 99).
  14. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 45 (Digitalisat).
  15. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 165, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  16. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 986, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  17. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1151, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  18. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1091–1092 (Digitalisat).
  19. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1156 (Digitalisat).
  20. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1193 (Digitalisat).
  21. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1030 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 167 (Digitalisat).
  23. http://www.kindergarten-schalkhausen.de/
  24. http://www.grundschule-schalkhausen.de/