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Stadtgemeinde
Pulkau
Wappen Österreichkarte
Wappen von Pulkau
Pulkau (Österreich)
Pulkau
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Hollabrunn
Kfz-Kennzeichen: HL
Fläche: 36,72 km²
Koordinaten: 48° 42′ N, 15° 51′ OKoordinaten: 48° 42′ 0″ N, 15° 51′ 0″ O
Höhe: 289 m ü. A.
Einwohner: 1.548 (1. Jän. 2019)
Bevölkerungsdichte: 42 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3741
Vorwahl: 02946
Gemeindekennziffer: 3 10 35
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
3741 Pulkau
Website: www.pulkau.gv.at
Politik
Bürgermeister: Leo Ramharter (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(19 Mitglieder)
14
4
1
14 
Insgesamt 19 Sitze
Lage von Pulkau im Bezirk Hollabrunn
Alberndorf im PulkautalGöllersdorfGrabernGuntersdorfHadresHardeggHaugsdorfHeldenbergHohenwarth-Mühlbach am ManhartsbergHollabrunnMailbergMaissauNappersdorf-KammersdorfPernersdorfPulkauRavelsbachRetzRetzbachSchrattenthalSeefeld-KadolzSitzendorf an der SchmidaWullersdorfZellerndorfZiersdorfNiederösterreichLage der Gemeinde Pulkau im Bezirk Hollabrunn (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Das Rathaus von Pulkau
Das Rathaus von Pulkau
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Pfeiler des ehemaligen Markttors.
Der Hauptplatz ist von zahlreichen historischen Gebäuden geprägt
Der „Rote Hof“, ein Renaissancebau aus dem späten 16. Jahrhundert
Chronos-Fragment im Pöltingerhof

Pulkau ist eine Stadtgemeinde im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich mit 1548 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019).

GeografieBearbeiten

Pulkau liegt im nördlichen Weinviertel in Niederösterreich im Tal der Pulkau. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 36,72 Quadratkilometer. 25,33 Prozent der Fläche sind bewaldet.

GemeindegliederungBearbeiten

Das Gemeindegebiet umfasst folgende sechs Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2019[1]):

  • Groß-Reipersdorf (147)
  • Leodagger (94)
  • Passendorf (10)
  • Pulkau (1012) samt Bründltal und Pulkautal
  • Rafing (156)
  • Rohrendorf an der Pulkau (129)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Großreipersdorf, Leodagger, Passendorf, Pulkau, Rafing und Rohrendorf.

GeschichteBearbeiten

Die erste Besiedelung mit fränkischen Siedlern erfolgte unter Kaiser Karl dem Großen zwischen 791 und 796 n. Chr., die Grundherrschaft lag 1055 in den Händen der Grafen von Hardegg.

1080 wird die Pfarre das erste Mal urkundlich erwähnt und seit 1216 ist der Weinbau amtlich bestätigt.

In den Jahren dazwischen war der Baubeginn der St. Michaelskirche (1155). Zu dieser Zeit erhielt auch das Schottenstift in Wien das Patronatsrecht über die Pfarre.

1308 erhielt Pulkau das Marktrecht. 1437 verlieh Herzog Albrecht V. das Marktsiegel und das Wappen. Seit diesem Jahr bis 1790 finden sich hier ein Richter und ein Marktrat.

Ein christlicher Mesner half 1338 angeblich Juden bei der Schändung einer Hostie. Daraufhin brach in weitem Umkreis von Pulkau eine Judenverfolgung aus.[2]

Die gotische Heiligblutkirche wurde in den Jahren 1400 bis 1422 erbaut. 1425 wurde Pulkau – so wie Schrattenthal und Retz – von den Hussiten verwüstet.

1486 besetzten die Truppen von Matthias Corvinus – im Gegensatz zum benachbarten Schrattenthal – Pulkau.

Von aufständischen Bauern wurde Pulkau 1597 besetzt und auch während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Markt immer wieder besetzt. Unter den Schweden 1645 ging Pulkau in Flammen auf.

In Pulkau und Umgebung brach die Pest aus. Die Pfarrchronik verzeichnete am 13. Dezember 1680 600 Tote. Um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern, wurde der Markt gesperrt.

Am 25. Jänner 1712 wurde Kaiser Karl VI. auf seiner Krönungsreise nach Prag hier von den niederösterreichischen Ständen empfangen (eine weitere Station war Langau im Bezirk Horn).

1724 ließ Abt Karl Fetzer die steinerne Bründlkapelle errichten, die heute noch steht. Dreißig Jahre später (1742) besetzten im 2. Schlesischen Krieg die Preußen Pulkau. 1805 und 1809 folgten ihnen die Franzosen.

Weitaus friedlicher verlief der Besuch in Pulkau durch Kaiser Franz I. und seine Gemahlin Karoline Auguste am 8. Oktober 1833. Im Jahr 1845 waren Kaiser Ferdinand I. und der Thronfolger Franz Joseph zu Gast.

1850 wurde auch aus Pulkau eine von der Grundherrschaft befreite Gemeinde.

Schwere Zeiten waren der Erste Weltkrieg sowie der Zweite Weltkrieg mit den darauf folgenden zehn Jahren sowjetischer Besatzung. Eine der aktivsten Widerstandsgruppen entstand in Pulkau im Sommer 1943. Jugendliche, vorwiegend der Jahrgänge 1927 und 1928, die ihre erste politische Prägung in den ständestaatlichen Jugendorganisationen „Jung-Österreich“ und „Jung-Vaterland“ im Sinne des österreichischen Patriotismus erfahren hatten und ihre Gruppe Ewig treu mein Österreich bezeichneten, entfalteten eine rege antinazistische Tätigkeit. Ziele der Jugendlichen, die sich auch Schlurfs nannten, waren – laut Gerichtsurteilen – die Beseitigung des Bürgermeisters und der Politischen Leiter der NSDAP in Pulkau und darüber hinaus die „gewaltsame Lostrennung der Alpen- und Donaureichsgaue vom Großdeutschen Reich“, also die Wiederherstellung Österreichs. Insgesamt wurden vierzehn Personen von der Gestapo in Haft genommen; je fünf Angeklagte wurden vom Oberlandesgericht Wien und vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat abgeurteilt. Die einzige ältere Beteiligte, Anna Goldsteiner, wurde zum Tode verurteilt und am 5. Juli 1944 hingerichtet.

Die Fusionierung von Großreipersdorf, Passendorf, Pulkau und Rafing zu Pulkau erfolgte am 1. Jänner 1968, die Eingemeindungen von Leodagger und Rohrendorf an der Pulka folgten mit 1. Jänner 1971.[3]

Seit dem Ende der 1960er-Jahre wird viel für ein neues, moderneres Pulkau getan (Waldbad, neue Hauptschule, Trinkwasserversorgung und Kanalisation mit Kläranlage). Am 22. Februar 1985 wurde Pulkau das Stadtrecht verliehen.[3]

Im Jahre 1985 organisierte Hermann Maurer im Auftrage der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit der Universität Prag eine Niederösterreichtagung in Pulkau. Dazu erschienen als wissenschaftliche Veröffentlichungen der Ergebnisse zwei Tagungsbände.

Das Kulturzentrum Pöltingerhof wurde eröffnet, Hauptplatz und Rathausplatz neu gestaltet, der neue Kindergarten und die Volksschule folgten. 2000 folgte die Eröffnung des Europahauses im Pfarrhof, für das sich der aus Radio und Fernsehen bekannte Kaplan August Paterno sehr engagierte.

Am 2. August 2005 wurde August Paterno vom Pulkauer Bürgermeister und den Stadt- und Gemeinderäten die Ehrenbürgerschaftsurkunde für besondere Verdienste um Pulkau verliehen.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

 

Seit 1981 blieb die Bevölkerungszahl fast konstant, da sich die negative Geburtenbilanz und die positive Wanderungsbilanz beinahe aufhoben.[4]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Filialkirche hl. Blut mit dem spätgotischen Pulkauer Flügelaltar

Siehe auch: Liste der Kellergassen in Pulkau

Regelmäßige Veranstaltungen

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Im Jahr 2010 gab es 80 land- und forstwirtschaftliche Betriebe (1999 gab es 167), davon waren 42 Haupterwerbsbetriebe.[5] Im Produktionssektor beschäftigten 21 Betriebe 97 Arbeitnehmer, überwiegend im Bau (60) aber auch mit der Herstellung von Waren (33). Der Dienstleistungssektor gab in 83 Betrieben 262 Menschen Arbeit. Etwa die Hälfte ist in sozialen und öffentlichen Diensten beschäftigt, etwa ein Viertel im Handel (Stand 2011).[6][7]

VerkehrBearbeiten

BildungBearbeiten

In der Stadtgemeinde gibt es einen Kindergarten, eine Volksschule und eine Neue Mittelschule.[9]

GesundheitBearbeiten

Für die Gesundheit der Bevölkerung stehen in Pulkau mehrere praktische Ärzte und ein Zahnarzt zur Verfügung. In der Stadt gibt es eine Apotheke.[10]

PolitikBearbeiten

Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder.

Bürgermeister
  • von 1995 bis 2019 Manfred Marihart (ÖVP)[16]
  • seit 28. Juni 2019 Leo Ramharter (ÖVP)

SonstigesBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Ehrenbürger der Gemeinde
  • Ernest Hauswirth (1818–1901), Abt des Schottenstiftes Wien
  • Josef Reither (1880–1950), österreichischer Politiker, Landeshauptmann
  • Karl Buresch (1878–1936), Rechtsanwalt, österreichischer Politiker der Christlichsozialen Partei, Landeshauptmann
  • Engelbert Dollfuß (1892–1934), österreichischer Politiker, Bundeskanzler
  • Hermann Peichl (1887–1966), Abt des Schottenstiftes Wien
  • Engelbert Heilinger, Chronist und Komponist
  • Rudolf Hirsch (Politiker) (1903–1984), österreichischer Politiker (ÖVP), Landeshauptmannstellvertreter
  • Erwin Pröll (* 1946), österreichischer Politiker (ÖVP), Landeshauptmann von Niederösterreich von 1992–2017
  • Kaplan August Paterno (1935–2007), Kaplan, Autor, österreichischer Fernsehkaplan, Gründer des Europahauses in Pulkau
  • Friedrich Kirch, Uhrmachermeister, Altbürgermeister
  • Karl Paul, Altbürgermeister
Söhne und Töchter der Gemeinde
Personen mit Bezug zur Gemeinde
  • Franz Schneider (Organist) (1737–1812), Komponist, Musiker, Orgelvirtuose, Organist in Pulkau und später in Stift Melk
  • Wolfgang Adam Gotthard, Kanonikus des Wiener Neustädter Bistums
  • Josef Columbus (1804–1877), Dekan der theologischen Fakultät und Leiter der Burgpfarre des kaiserlichen Hofes in Wien
  • Franziska Gering (1863–1950), österreichische Schriftstellerin
  • Engelbert Heilinger (1876–1961), österreichischer Chronist und Komponist
  • Josef Pazelt (1891–1956), Autor und Nationalratsabgeordneter, unterrichtete von 1914 bis 1923 in Pulkau
  • Alois Puschnik (1922–2007), österreichischer Heimatforscher (sakrale Flurdenkmale, Familienforschung), wohnte in Groß-Reipersdorf bei Pulkau
  • Christian Nebehay (1909–2003), österreichischer Kunsthändler, Kunstsammler und Autor
  • Renee Nebehay (1916–2004), österreichische Autorin britischer Herkunft
  • Heinrich Tahedl (1907–1985), österreichischer Maler und Grafiker, lebte ab 1969 in der „Kranzlmühle“ in Leodagger
  • Alois Vogel (1922–2005), österreichischer Schriftsteller, lebte ab 1976 in Pulkau

WeblinksBearbeiten

  Commons: Pulkau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2019 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2019), (CSV)
  2. Friedrich Lotter: Hostienfrevelvorwurf und Blutwunderfälschung bei den Judenverfolgungen von 1298 (‚Rintfleisch‘) und 1336–1338 (‚Armleder‘). In: Fälschungen im Mittelalter, Teil 5: Fingierte Briefe, Frömmigkeit und Realienfälschungen. Monumenta Germaniae Historica, Band 33.5, Hannover 1988, S. 533–583.
  3. a b Gemeindeänderungen ab 1945 (Vereinigungen, Teilungen, Namens- u. Statusänderungen). Statistik Austria, S. 30, 57, 163, abgerufen am 11. Februar 2019.
  4. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Pulkau, Bevölkerungsentwicklung. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  5. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Pulkau, Land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  6. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Pulkau, Arbeitsstätten. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  7. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Pulkau, Beschäftigte. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  8. OpenStreetMap, Pulkau. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  9. Bürgerservice, Schule und Kindergarten. Stadtgemeinde Pulkau, abgerufen am 8. Oktober 2019.
  10. Gesundheit und Soziales. Stadtgemeinde Pulkau, abgerufen am 8. Oktober 2019.
  11. a b Wahlergebnis Gemeinderatswahl 1995 in Pulkau. Amt der NÖ Landesregierung, 30. März 2000, abgerufen am 11. Februar 2019.
  12. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2000 in Pulkau. Amt der NÖ Landesregierung, 4. Februar 2005, abgerufen am 11. Februar 2019.
  13. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2005 in Pulkau. Amt der NÖ Landesregierung, 4. März 2005, abgerufen am 11. Februar 2019.
  14. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2010 in Pulkau. Amt der NÖ Landesregierung, 8. Oktober 2010, abgerufen am 11. Februar 2019.
  15. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Pulkau. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 11. Februar 2019.
  16. Franz Enzmann: Bürgermeister-Abschied mit „Rafinger Linsen“. In: noen.at. 27. Juni 2019, abgerufen am 26. August 2019.
  17. 1. Drehtag in Passendorf Abgerufen am 2. November 2009