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Retzendorf (umgangssprachlich: Retsndorf[2]) ist ein Ortsteil der Stadt Windsbach im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Retzendorf
Stadt Windsbach
Koordinaten: 49° 14′ 34″ N, 10° 50′ 14″ O
Höhe: 379 (377–391) m ü. NHN
Einwohner: 59 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91575
Vorwahl: 09871
Retzendorf (im Vordergrund)
Retzendorf (im Vordergrund)
Haus Nr. 12: Ehemaliges Hopfenbauernhaus

GeografieBearbeiten

Durch das Dorf fließt der Schwalbenbach, der 0,5 km südlich in die Fränkische Rezat mündet. Ca. 0,5 km nordöstlich erhebt sich der Petersberg (413 m ü. NHN), ca. 0,75 km östlich erhebt sich der Adenberg (412 m ü. NHN), dahinter im Wald befindet sich ein Burgstall.[3]

NachbarorteBearbeiten

Windsbach Moosbach Wolfsau
Ismannsdorf   Hergersbach
Speckheim Elpersdorf Untereschenbach

GeschichteBearbeiten

Der Ort wurde erstmals 1278 unter dem Namen „Rezenstorff“ urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Rezo, Razo oder Razi, der als Gründer des Ortes anzunehmen ist.[2]

Im burggräflichen Urbar von 1361/64 werden für Retzendorf eine Untertansfamilie verzeichnet, die dem Amt Windsbach unterstand.[4] Der Hauptmannschaft Hergersbach der Reichsstadt Nürnberg unterstanden 1529 3 Untertansfamilien im Ort.[5]

Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 werden für Retzendorf 11 Mannschaften verzeichnet: 2 Köblergüter gehörten dem Kastenamt Windsbach, 1 Köblergut dem Rat zu Windsbach, 3 Höfe und 3 Köblergüter der Reichsstadt Nürnberg, 1 Hof dem Spital Schwabach und 1 Köblergut dem Rittergut Sommersdorf. Daneben gab es ein kommunales Hirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.[6]

In den Oberamtsbeschreibungen des Fürstentums Ansbach von Johann Georg Vetter aus dem Jahr 1732 wird der Ort folgendermaßen beschrieben:

„Rezendorf, Weyler, 2 Höfe nach Windsbach, hievon ein Zednitz, dann Lentersheim 1621. Eva Seckendorff hat von ihrem Bruder von Zedwitz zwei Hintersassen, einen in Untereschenbach, den anderen in Rezendorf, Hütlein und ein Weiher. Dann ein Stiftgütlein nach Windspach, ein nach Schwabach, ein Deutsch Herrn Orden, vier Nürnberger Almosenrecht, ein Nürnberger Landpflegerstift, ein Adelig Crailsheimer.“

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Retzendorf 12 Haushalte. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: 5 Anwesen dem Fürstentum Ansbach (Kastenamt Windsbach: 3, Spitalstiftung Schwabach: 2), 5 Anwesen der Reichsstadt Nürnberg (Pflegamt Lichtenau: 1, Landesalmosenamt: 4), 1 der Deutschordenskommende Nürnberg und 1 Anwesen dem Rittergut Sommersdorf der Herren von Crailsheim. Neben den Haushalten gab es noch das Hirtenhaus, das ein kommunales Gebäude war.[7]

Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1801) wird der Ort folgendermaßen beschrieben: „Weiler im Ansbachischen Amte Windsbach mit 5 dahin gehörigen Unterthanen; 7 sind fremdherrisch.“[8]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Retzendorf dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Mitteleschenbach zugeordnet. Es gehörte auch der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Mitteleschenbach an.[9] Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) löste sich Retzendorf mit Hölzleinsmühle und Wolfsau von Mitteleschenbach und bildete eine Ruralgemeinde.[10] Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Wenig später reichte Wolfsau ein Gesuch ein, mit der Hölzleinsmühle eine eigene Gemeinde zu bilden. Dies wurde jedoch nicht genehmigt.[11] Von 1862 bis 1879 wurde Retzendorf vom Bezirksamt Heilsbronn verwaltet, seit 1880 vom Bezirksamt Ansbach (1938 in Landkreis Ansbach umbenannt) und dem Rentamt Heilsbronn (1920–1929: Finanzamt Heilsbronn, ab 1929: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Heilsbronn, 1880–1956 Amtsgericht Heilsbronn, seit 1956 Amtsgericht Ansbach.[12] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 3,652 km².[13] Im Zuge der Gebietsreform kam die Gemeinde am 1. Januar 1972 nach Windsbach.[14]

Bau und BodendenkmälerBearbeiten

  • Haus Nr. 12: ehemaliges Hopfenbauernhaus, ein eingeschossiges Gebäude mit Steildach und Quergiebel, 18./19. Jahrhundert
  • Unmittelbar neben dem Dorf finden sich Überreste von Hügelgräbern aus der Bronzezeit. Des Weiteren finden sich Keramik-, Rand- und Wandscherben aus der Urnenfelderzeit und einige Silices aus vorgeschichtlicher Zeit.[15]

Siehe auch: → Liste der Baudenkmäler in Windsbach

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Retzendorf

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 101 112 114 119 129 126 111 111 108 104 101 109 103 94 81 88 102 94 80 155 135 133 110 95
Häuser[16] 18 18 20 19 19 18 17 19
Quelle [17] [18] [19] [19] [20] [19] [21] [19] [22] [23] [22] [22] [24] [22] [22] [22] [25] [22] [22] [22] [26] [22] [13] [27]

Ort Retzendorf

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 74 71 92 79 77 71 65 93 84 71 59
Häuser[16] 13 13 14 14 13 12 14 17
Quelle [17] [18] [20] [21] [23] [24] [25] [26] [13] [27] [1]

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Margareta (Windsbach) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach St. Bonifatius (Windsbach).

VerkehrBearbeiten

Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Windsbach und Elpersdorf jeweils zur Staatsstraße 2223.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Retzendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 333 (Digitalisat).
  2. a b E. Fechter, S. 158.
  3. Retzendorf im BayernAtlas
  4. M. Jehle, Bd. 1, S. 501.
  5. F. Eigler, S. 347.
  6. Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 13. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 732.
  7. M. Jehle, Bd. 2, S. 901f.
  8. J. K. Bundschuh, Bd. 4, Sp. 292.
  9. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 963.
  10. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 44 (Digitalisat).
  11. M. Jehle, Bd. 2., S. 964.
  12. M. Jehle, Bd. 2, S. 1006f.
  13. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 757 (Digitalisat).
  14. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 421.
  15. M. Jehle, Bd. 1, S. 22f.
  16. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  17. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 75 (Digitalisat). Für die Gemeinde Retzendorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Hölzleinsmühle (S. 42) und Wolfsau (S. 105).
  18. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 151 (Digitalisat).
  19. a b c d Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 174, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  20. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1043, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  21. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1209, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  22. a b c d e f g h i j Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 165, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  23. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1095 (Digitalisat).
  24. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1160 (Digitalisat).
  25. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1197 (Digitalisat).
  26. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1030 (Digitalisat).
  27. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 172 (Digitalisat).