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Oudenaarde (französischer Name: Audenarde, deutsch selten auch Oudenarde) ist eine Stadt in der belgischen Provinz Ostflandern, südlich von Gent, am Fluss Schelde. Die Stadt zählt 31.132 Einwohner (Stand 1. Januar 2018). Oudenaarde wird manchmal das „Juwel der Flämischen Ardennen“ genannt. Oudenaarde besitzt ein prachtvolles Rathaus im brabantischen spätgotischen Stil, das vom Brüsseler Architekten Hendrik van Pede zwischen 1527 und 1530 erbaut wurde, und das wegen seiner Verdüren berühmt ist.

Oudenaarde
Oudenaarde wapen.svg Flag of Oudenaarde.svg
Oudenaarde (Provinz Ostflandern)
Oudenaarde
Oudenaarde
Staat: Belgien
Region: Flandern
Provinz: Ostflandern
Bezirk: Oudenaarde
Koordinaten: 50° 51′ N, 3° 36′ OKoordinaten: 50° 51′ N, 3° 36′ O
Fläche: 68,06 km²
Einwohner: 31.132 (1. Jan. 2018)
Bevölkerungsdichte: 457 Einwohner je km²
Postleitzahl: 9700
Vorwahl: 055
Bürgermeister: Marnic De Meulemeester (Open VLD)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Administratief Centrum
Tussenmuren 17
9700 Oudenaarde
Website: www.oudenaarde.be

GeschichteBearbeiten

 
Rathaus Oudenaarde

1030 proklamierte hier der Graf von Flandern, Balduin IV., den göttlichen Frieden und veranlasste den Bau eines Schlosses. 1189 erhielt Oudenaarde das Stadtrecht. Die Verstärkungen der Stadt wurden 1214, nach der Schlacht bei Bouvines, entfernt. Oudenaarde war im Mittelalter ein bedeutender Stützpunkt der Grafen von Flandern, so für Ludwig von Male in seinem Kampf gegen die flandrischen Bürger unter Führung Gents. Dabei wurde es 1383 von den Gentern eingenommen.

Oudenaarde wurde auch dank Kaiser Karl V. bekannt, der hier 1521 mit der laut der Überlieferung verführerischen Weberstochter Johanna van der Gheynst ein Kind, die spätere Margarethe von Parma, zeugte, die 1559 Landvogtin der spanischen Niederlande wurde und Halbschwester von Philipp II. war. 1582 eroberte Alexander Farnese die Stadt.

1658 wurde Oudenaarde von den Franzosen eingenommen, im Pyrenäenfrieden jedoch den Spaniern wieder abgetreten. Ludwig XIV. eroberte Oudenaarde 1667 und verbesserte die Festungswerke nach der Manier Vaubans. Durch den Frieden von Aachen (1668) wurde die Stadt förmlich an Frankreich abgetreten, von den Spaniern 1674 vergeblich belagert, aber ihnen schon 1678 durch den Frieden von Nimwegen erneut zurückgegeben.[1] Die Franzosen bombardierten 1684 Oudenaarde und legten dadurch die halbe Stadt in Asche.

Am 11. Juli 1708 erlitt das französische Heer unter dem Herzog von Vendôme und dem Herzog von Burgund in der im Verlauf des Spanischen Erbfolgekriegs ausgetragenen Schlacht bei Oudenaarde eine verheerende Niederlage gegen Prinz Eugen und Marlborough. Nach dem Utrechter Frieden (1713) kam Oudenaarde an das Haus Österreich. Der Brunnen vor dem Rathaus von Oudenaarde ist ein Überbleibsel aus der Periode der französischen Herrschaft; er wurde – für die Tränke der Pferde der Soldaten – im Auftrag des Sonnenkönigs errichtet. Dieser Brunnen ist noch immer in Betrieb.

Im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde Oudenaarde am 16. Juli 1745 von den Franzosen unter dem Grafen Ulrich von Löwendal durch 22 Bataillone und drei Eskadrone, die von der Hauptarmee detachiert waren, vollständig eingeschlossen. Am 17. Juli traf die nötige Artillerie ein, und in der Nacht vom 18. zum 19. Juli wurden die Laufgräben eröffnet, auch sieben Batterien (30 Geschütze) aufgestellt. Ungeachtet heftigen Widerstands gelang es den Belagerern, in den beiden nächsten Nächten die zweite Parallele zustande zu bringen und die detachierten Werke der Festung anzugreifen. Am Abend des 22. Juli kapitulierte der Kommandant, General von Makuo. Die Sieger fanden in der Festung 24 Geschütze und bedeutende Vorräte; die aus 1070 Mann bestehende Garnison geriet in Kriegsgefangenschaft.[2]

Während der österreichischen Besetzung im späten 18. Jahrhundert wurde Oudenaarde vom Edelareberg herab mit Kanonen beschossen. Nach dem Volksglauben verzweigt sich das Edelarefort, das viele unterirdische Gänge beherbergt, bis unter den Marktplatz, und gabelt sich auch seitwärts zum Stadtpark; dies ist jedoch nicht der Fall, und die Gänge, welche im Kriege als Unterschlupf und Zufluchtsort benutzt wurden, dienen heute als Brutplatz für Fledermäuse.

Am 24. Juni 1794 warf die Avantgarde der französischen Maas-Schelde-Armee unter Pichegru die vor Oudenaarde stehenden Vorposten der Armee des Herzogs von York nach einem heftigen Gefecht in die Stadt zurück, ließ auf diese ein Geschützfeuer eröffnen und den Kommandanten auffordern, den Platz (nur gegen den ersten Ansturm befestigt) zu übergeben. Die Aufforderung blieb erfolglos; der Herzog verstärkte die Truppen in der Stadt, ließ die Avantgarde bis Neukirchen vorrücken und die Ufer der Schelde besetzen. Aus dieser Maßregel entspannen sich bis zum 30. Juni fortdauernde Geschützgefechte, die der Kommandant durch Soutiens unterstützte. Am 30. Juni zogen die Franzosen ab; die Avantgarde verfolgte sie vier Stunden lang. Mit der bald darauf erfolgten Einnahme von Gent fiel jedoch auch Oudenaarde in die Hände der Franzosen.[2]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Das Ortsbild von Oudenaarde wird vom 90 m hohen Turm der Anfang des 17. Jahrhunderts gebauten Walburgakirche geprägt.

In Kerselare befindet sich ein Wallfahrtsort, in dem eine jährliche Kirmes stattfindet, auf der das örtliche Naschwerk ’Lekkies’, sowie Merlan, verkauft wird.

Da Oudenaarde an der Schelde liegt, zählt die Stadt vier Brücken, worunter eine Zugbrücke nahe dem Zentrum, eine Radfahrer- und Fußgängerbrücke und die Ohiobrücke in Nederename, die vom Staat Ohio als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg verwüstete ursprüngliche Brücke errichtet wurde. An den beiden Seiten der Brücke stehen jeweils zwei Statuen von Bisons. Andere Kriegsdenkmäler sind eine Gedenksäule für kanadische Infanteriesoldaten, die im Ersten Weltkrieg die Schelde überquerten, und das Denkmal von Tacambaro auf dem gleichnamigen Platz, errichtet zur Erinnerung an mehrere Oudenaarder, die im Mexikanischen Befreiungskrieg ums Leben kamen, und das aus einer liegenden, gen Mexiko blickenden Frau besteht.

Kürzlich wurde ein Brunnen aus der Zeit Napoleons, nach ungefähr dreißig Jahren Restauration wiederhergestellt. Er steht auf dem Gentiel-Antheunis-Platz, in der Nähe des kulturellen Zentrums und des Theaters.

Der Maler Adriaen Brouwer war aus Oudenaarde gebürtig, und das jährliche Oudenaard’sche Bierfest heißt die „Adriaan Brouwer-Bierfeste“. Sonstige wichtige Künstler aus Oudenaarde waren der Dichter Jotie ’t Hooft und der Komponist Robert Herberigs. Der evangelische Dichter Abraham Hans, dem ein Museum in Horebeke gewidmet ist, verlieh seinen Namen einer lokalen Schule.

 
Werktuigendagen-Gelände, im Hintergrund der Turm der St.-Walburgakirche

Seit Ende des 20. Jahrhunderts finden in der Oudenaarder Teilgemeinde Heurne alle zwei Jahre die Werktuigendagen statt. 2009 wurde die agrartechnische Fachmesse von über 80.000 Personen besucht.[3] Alle zehn Jahre findet außerdem ein großes Gartenfestival statt, wobei der Markt, der zu den größten Flanderns gehört, gänzlich mit Blumen bedeckt wird.

Oudenaarde ist daneben für sein dunkles Bier und wegen der Flandernrundfahrt bekannt. Die Stadt besitzt ein Radfahrmuseum.

Isidoor Teirlinck, der Vater des Schriftstellers Herman Teirlinck, beschrieb den Dialekt der Oudenaardschen Umgebung in einem Süd-Westflämischen Mundartenwörterbuch.

BilderBearbeiten

InfrastrukturBearbeiten

Gesetzlich und polizeilich bildet Oudenaarde eine selbständige Einheit; die Stadt besitzt einen Justizpalast und ein Gefängnis sowie ihre eigene Staatsanwaltschaft.

Oudenaarde hat zwei Bahnhöfe und liegt an der N60, der Verbindung zwischen Ronse und Gent. Die Straßenbahn verschwand in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts aus der Stadt.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Es bestehen mehrere Städtepartnerschaften. Seit 1972 ist Oudenaarde Partnergemeinde der deutschen Stadt Coburg. 1986 kamen die niederländische Gemeinde Bergen op Zoom und das italienische Castel Madama hinzu. 1990 folgte die französische Stadt Arras und 1991 Hastings in Großbritannien sowie Buzău in Rumänien. Für ihre Leistungen bei der Verbreitung des europäischen Einigungsgedankens erhielt die Stadt Oudenaarde im Jahr 2004 den Europapreis.

PersönlichkeitenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Horst Lademacher: Geschichte der Niederlande. Politik – Verfassung – Wirtschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, ISBN 3-534-07082-8, S. 153.
  2. a b Benicken: Oudenaarde, In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, 3. Sektion, 8. Teil (1836), S. 3.
  3. Werktuigendagen 2009. Nabeschouwingen. (Nicht mehr online verfügbar.) werktuigendagen.be, archiviert vom Original am 18. Januar 2011; abgerufen am 6. November 2010.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.werktuigendagen.be

WeblinksBearbeiten

  Commons: Oudenaarde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien