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Oberbaumbrücke

Brücke über die Spree, zwischen Friedrichshain und Kreuzberg

Koordinaten: 52° 30′ 7″ N, 13° 26′ 44″ O

Oberbaumbrücke
Oberbaumbrücke
Nutzung Straßenverkehr, U-Bahn-Linie U1
Überführt Am Oberbaum
Querung von Spree
Ort Berlin, Ortsteile Friedrichshain und Kreuzberg
Konstruktion siebenbogige Steinbrücke
Gesamtlänge 150,00 m
Breite 27,90 m, davon 22 m Nutzbreite (Reparatur mittels eines Stahltragwerks)
Längste Stützweite 22,00 m
Konstruktionshöhe 1,08 m
Lichte Höhe 4,5 m
Fahrzeuge pro Tag ca. 60.000[1]
Baukosten ca. 2 Mio. Mark (1896);
ca. 70 Mio. DM für die Grundinstandsetzung (1995)
Baubeginn 1894, Wiederherstellung 1992
Fertigstellung 1895 (U-Bahn-Linie 1902), Wiedereröffnung am 9. November 1994; Hochbahnfertigstellung im April 1995
Planer Stadtbauinspektor Pinkenburg und Architekt Otto Stahn; Ergänzung fehlender Bauwerksteile 1992 durch Santiago Calatrava
Lage
Oberbaumbrücke (Berlin)
Oberbaumbrücke

Brückenfläche 1490 m²

Die Oberbaumbrücke in Berlin verbindet als Teil des Innenstadtrings die Ortsteile Kreuzberg und Friedrichshain über die Spree und liegt zwischen der Elsenbrücke und der Schillingbrücke. Sie ist das Wahrzeichen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.

Oberbaumbrücke und eine U-Bahn, 2014

Erste hölzerne Spreequerungen im 18. JahrhundertBearbeiten

 
Position im städtischen Umfeld um 1750 mit Akzisemauer am Südostrand der Stadtteile Luisenstadt und Stralauer Viertel (Stadtmodell im Märkischen Museum)

Eine erste hölzerne Brücke befand sich auf Höhe der früheren Stadtmauer, einige Kilometer weiter stromabwärts von der heutigen Brücke nahe der Spreeinsel. Die Spree wurde hier zu beiden Seiten bis auf einen schmalen Durchlass in der Mitte mit begehbaren Holzstegen versperrt, um Zölle eintreiben zu können. Nachts wurde der Durchlass mit einem dicken, mit Eisennägeln bewehrten Stamm verschlossen, dem sogenannten Baum. Neben dem Unterbaum im Westen der Stadt gab es im Osten den Oberbaum. Mit der Verlegung der Stadtgrenze und dem Bau der Berliner Zollmauer wurde 1723 auf königlichen Befehl anstelle des Oberbaums eine neue Brücke etwas weiter östlich aus Holz mit Klappen für den Schiffsverkehr errichtet. Hier stand das Stralauer Tor als Eingang nach Berlin.

Eine repräsentative Gewölbebrücke entstehtBearbeiten

 
Bau der Oberbaumbrücke, 1895
 
Ansicht der Oberbaumbrücke mit dem direkt anschließenden U-Bahnhof Stralauer Tor (später Osthafen)
 
Der Mitteltorturm in Prenzlau, das Vorbild der Brückentürme

Im Jahr 1893 hatte die Firma Siemens & Halske die Genehmigung zum Bau einer die Spree überquerenden Eisenbahnbrücke an dieser Stelle erhalten. Gleichzeitig entstanden Pläne für einen Ersatzbau der alten hölzernen Straßenbrücke. Ein „Besonderes Städtisches Brückenbaubüro“ unter Leitung des Stadtbauinspektors Georg Pinkenburg erstellte nach Entwürfen des Architekten Otto Stahn die Pläne für eine Brücke, die die frühere Torfunktion des Oberbaums in regionalhistorischer Form zum Ausdruck bringen sollte. Bevor beide Brücken begonnen wurden, einigten sich die zuständigen Verwaltungen auf die Errichtung einer kombinierten Eisenbahn-/Straßenbrücke auf der Grundlage der vorliegenden architektonischen Entwürfe. Zwischen 1894 und 1896 entstand ein neugotisches Bauwerk, das die Holzbrücke ersetzte und auf der oberen Ebene die 1902 in Betrieb genommenen Hochbahngleise der ersten Berliner U-Bahn-Linie (heute: Linie U1) über die Spree führt. Unter dem Bahnviadukt ist ein geschützter Fußgängerüberweg nach Art eines mittelalterlichen Kreuzgangs ausgeführt. Als Baumaterial für die Brückenpfeiler und Gewölbezwickel wählten die Ingenieure Beton, für alle anderen Bauteile herkömmliches, mit Stahleinlagen verstärktes Mauerwerk. Der Fluss wurde in sieben Gewölben überbrückt, deren Öffnungsbreiten 712, 16, 19, 22, 19, 16 und 712 Meter betrugen.

Der mittlere Brückenbogen wird von zwei je 34 Meter hohen Türmen geschmückt, die mit ihren auskragenden Wehrgängen dem Mitteltorturm der Stadtmauer in Prenzlau nachempfunden sind. Sie symbolisieren gleichzeitig die alte Funktion des Oberbaums als Berliner Wassertor. Ihre unterschiedlich gestalteten Turmspitzen tragen die Reliefs des Berliner Bären und des Brandenburgischen Adlers. Weitere schmückende Details der neuen Brücke waren die mit metallenen Flachreliefs, bunten glasierten Klinkern und Mosaiksteinchen gestalteten Sichtflächen, die neben Ornamenten auch die Wappen der märkischen Städte Küstrin, Stendal, Brandenburg an der Havel, Potsdam, Prenzlau, Frankfurt (Oder), Salzwedel und Neuruppin zeigten.

Zerstörung und NachkriegsgeschichteBearbeiten

In der Schlacht um Berlin zerstörten am 23. April 1945, dem Vortag der Besetzung des rechten Spreeufers durch die Rote Armee,[2] deutsche Truppen drei Fünftel des mittleren Gewölbebogens der Oberbaumbrücke durch eine Sprengung.[3] Dabei erlitten die Tortürme schwere Schäden. Dass durch die Sprengung des mittleren Gewölbebogens nicht die gesamte Brücke einstürzte, lag nur an den deutlich überdimensionierten angrenzenden Brückenpfeilern, die die Schubkräfte der benachbarten Gewölbebögen, einem Widerlager gleich, aufnahmen.[4] Durch Beschuss wurden weiterhin 15 Pfeiler des Hochbahn-Viadukts und zahlreiche Zierelemente beschädigt. Bald nach Kriegsende verkehrte über die instandgesetzte Brücke die U-Bahn der damaligen Linie B durchgehend zum Bahnhof Warschauer Brücke. Der zuvor auf Friedrichshainer Seite unmittelbar an das Brückenbauwerk angrenzende Hochbahnhof Osthafen wurde wegen seiner starken Beschädigungen abgebrochen.[5]

Seit der Ziehung der Sektorengrenzen in Berlin verband die zum Bezirk Friedrichshain gehörende Brücke den sowjetischen Sektor mit dem Bezirk Kreuzberg im amerikanischen Sektor. Am 31. Oktober 1948 kam es auf der Oberbaumbrücke zum ersten tödlichen Grenzzwischenfall nach der Teilung der Stadt in Ost- und West-Berlin, bei dem der Ost-Berliner Volkspolizist Fritz Maque getötet wurde. Während der Berliner Blockade hatte sich ein starker Schmuggelbetrieb von Ost- nach West-Berlin entwickelt, wo das Schmuggelgut für Westmark verkauft werden konnte. Bei einer Polizeikontrolle auf der Brücke versuchte Maque, einen aus Friedrichshain kommenden Lieferwagen anzuhalten. Der offenbar überraschte Kraftfahrer rammte Maque und fuhr in den Amerikanischen Sektor. Maque starb am 31. Oktober an seinen schweren Verletzungen.[6] Die Ermittler der Volkspolizei fanden weder einen Anhaltspunkt zur Identität des Täters noch zu dessen Motiv, sich der Kontrolle entziehen zu wollen. Dennoch machten die SED-Propaganda und die Geschichtswissenschaft der DDR für den Tod Maques „von Geheimdiensten angeworbene Provokateure“ oder „antisozialistische Organisationen und Gruppen“ verantwortlich. Am 17. Februar 1949 erschoss ein Ost-Berliner Polizist auf der Oberbaumbrücke den West-Berliner Pkw-Fahrer Helmut Ryll. Dieser war mit einem Begleiter nach Kreuzberg unterwegs. Bei der Kontrolle forderten ihn zwei Polizisten, die sich in sein Fahrzeug setzten, auf, zurück nach Ost-Berlin zu fahren. Stattdessen fuhr Ryll, am Steuer sitzend, in Richtung Westsektor weiter. Dabei erschoss ihn einer der Polizisten. Der führerlose Wagen prallte in der Falckensteinstraße gegen eine Laterne. Obwohl die West-Berliner Polizei einen der Ost-Polizisten festnehmen konnte, blieb der Fall ungeklärt.[7]

Später sperrten die Ost-Berliner Behörden die Oberbaumbrücke zunächst für den Kraftfahrzeug- und Straßenbahnverkehr. Im Dezember 1955 errichteten sie einen Bauzaun, der auch ihre Benutzung durch Motorrad- und Fahrradfahrer unmöglich machte.[8] Jedoch gab es bis zum Tag des Mauerbaus am 13. August 1961 regen Fußgängerverkehr von Besuchern und „Grenzgängern“ über die Brücke. Auf Kreuzberger Seite hatten sich zahlreiche Wechselstuben etabliert, die DM Ost in DM West tauschten. Kleinhändler boten den Besuchern aus Ost-Berlin Zeitungen, Südfrüchte, Kaugummis, Nylonartikel und andere Waren häufig auch für Ostgeld im Verhältnis 1:1 an.

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde die Oberbaumbrücke für den gesamten Verkehr einschließlich der U-Bahn gesperrt. In Einzelfällen diente sie der Ausreise freigekaufter politischer Gefangener aus der DDR.[9] Im Dezember 1963 öffnete das 1. Passierscheinabkommen sie für 14 Tage für West-Berliner Fußgänger. Bis zum Sommer 1966 folgten drei gleichartige kurze Öffnungen. Zu einer Daueröffnung für Fußgänger kam es ab 1972 durch das Viermächteabkommen über Berlin.[10] Ein Gebäude für die Ost-Berliner Kontrollorgane wurde direkt am Ostufer der Spree, neben der Oberbaumbrücke, quer über die Straße erbaut. Der die Stralauer Allee an der Brücke überquerende Teil des U-Bahn-Viadukts wurde vollständig abgebrochen. Die Türme wurden in den 1970er Jahren abgetragen.

Da die Grenze am Kreuzberger Ufer (Gröbenufer) der Spree verlief, ertranken an der Oberbaumbrücke bis zur Unterzeichnung des Abkommens über Rettungsmaßnahmen bei Unglücksfällen in den Berliner Grenzgewässern am 29. Oktober 1975 mehrere Kreuzberger Kinder, weil ihnen von der Westseite aus nicht geholfen werden konnte und dies von der Ostseite aus unterblieb.[11] 1976 wurde am südlichen Brückenkopf eine Notrufsäule installiert, nach deren Aktivierung Ertrinkenden Hilfe geleistet werden durfte.

Die Oberbaumbrücke, die seit 1991 im Friedrichshainer Wappen stand, wurde nach der Bezirksfusion auch in das Wappen des neuen Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg aufgenommen.

ErneuerungenBearbeiten

 
Oberbaumbrücke mit behelfsmäßiger Überbrückung der Fahrrinne, 1993
 
Arkadengang auf der Ostseite
 
Neues Mittelteil, entworfen von Santiago Calatrava

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Brücke für insgesamt 70 Millionen Mark umfassend instandgesetzt.[12][13] Für die Reparatur des zerstörten Mittelteils gab es einen internationalen Architektenwettbewerb, den Santiago Calatrava gewann. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen dem Architekten, Denkmalschützern sowie Vertretern der Schifffahrtsbehörde und der Bauämter der beiden damaligen Bezirke wurden die Pläne von Calatrava mehrfach überarbeitet. Der Kompromiss wurde bis 1995 umgesetzt, die Brücke erhielt ein neues Mittelteil. Seit 1995 wird die Oberbaumbrücke wieder für die U-Bahn und für den Straßenverkehr genutzt. Die Stadtplanungen der 1990er Jahre und Forderungen von Umweltverbänden führten zur Verlegung von Straßenbahngleisen in der Fahrbahndecke.[14] Bei der Wiederinbetriebnahme der Oberbaumbrücke gab es Demonstrationen für die Straßenbahn und gegen die Freigabe für den Autoverkehr. Offizielle Pläne zur Realisierung einer Straßenbahntrasse existieren wieder seit 2016, als die rot-rot-grüne Berliner Landesregierung eine Neubaustrecke zum Hermannplatz in ihr Programm zum Ausbau des Straßenbahnnetzes aufnahm.[15] Mit diesem Thema beschäftigten sich auch Verbände und Studenten.[16][17]

Die Berliner Verkehrsverwaltung teilte in der letzten Maiwoche 2019 mit, dass nach Jahren der stärksten Verkehrsbelastung die Fahrbahn auf der Brücke komplett erneuert werden müsse. Dazu wird ab 27. Mai anfangs je eine Fahrbahn pro Richtung komplett gesperrt. Die Radfahrenden müssen sich in Richtung Kreuzberg den verbleibenden Fahrstreifen mit dem Kraftverkehr teilen, in Richtung Friedrichshain wird ein Radfahrstreifen unter den Arkaden parallel zum Gehweg geführt. Die Bauarbeiten sollen bis November 2019 dauern.[18] In diesem Zuge wurden auch die zuvor nie befahrenen Straßenbahngleise abgebrochen[19] und die Fläche neu aufgeteilt. Die Fahrbahn sollte laut Angaben der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz von bisher sechs Meter auf insgesamt zwei Spuren in beiden Richtungen auf je 4,45 Meter beschränkt und die Radwege beidseitig auf jeweils zwei Meter verbreitert werden. Die neue Flächenaufteilung wurde insgesamt wie folgt angegeben:[20]

Gehweg Radfahrstreifen Sicherheitsstreifen Fahr­bahn Trennstreifen Fahr­bahn Sicherheitsstreifen Radfahrstreifen Gehweg
2,00 m 0,80 m 4,45 m 0,47 m 4,45 m 0,80 m 2,00 m

Kulturelles an der OberbaumbrückeBearbeiten

Die Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr veranstaltete 1996 einen künstlerischen Wettbewerb zur Markierung der sieben innerstädtischen Grenzübergänge. Mit seinem Entwurf des bekannten Kinderhandspiels Schere, Stein, Papier gewann der Berliner Thorsten Goldberg den Wettbewerb zum ehemaligen Grenzübergang Oberbaumbrücke. Dazu wurden zwei rechts und links des Mittelstückes sichtbare – je ein Meter große – Leuchtröhren angebracht. Die leuchtenden Umrisslinien der drei Handstellungen Schere, Stein und Papier wechseln zufallsgeschaltet alle sechs Sekunden und sind sowohl von der Wasserseite als auch von der Fahrbahn gut sichtbar. Dieses Glücksspiel soll die frühere politische Situation zeigen, nach welcher Entscheidungen eher zufällig und willkürlich erfolgten.[21]

Seit 1998 ist die Oberbaumbrücke traditionell einmal im Jahr Schauplatz der „Gemüseschlacht“ zwischen Friedrichshainern und Kreuzbergern, in der um die Vorherrschaft zwischen den beiden mittlerweile fusionierten Bezirken volksfestartig gestritten wird.

Der Stadtteilausschuss Kreuzberg e. V. organisiert seit 2003 alljährlich im Frühsommer die Open Air Gallery. An diesen offenen Kunstsonntagen kommen bis zu 30.000 Besucher auf die Brücke, die zu diesem Zweck für den Straßenverkehr gesperrt wird.[22]

Das Wandbild, auf das man beim Verlassen der Brücke in Richtung Kreuzberg zugeht, ist ein Werk des italienischen Streetart-Künstlers Blu aus dem Jahr 2007. Das großflächige, unübersehbare Wandbild zeigt einen pinkfarbenen Riesen und wird zumeist in Allegorie zur mythologischen Leviathan-Figur als Leviathan, gelegentlich auch als Pink Man oder nach dem Festival, auf dem es entstand, als Blus Backjump Mural bezeichnet.

Im international bekannten Film Lola rennt des Regisseurs Tom Tykwer rennt die Protagonistin unter dem Bahnviadukt den Fußgängerweg entlang.

RadverkehrBearbeiten

 
Neuaufteilung der Radspuren 2019

An der Oberbaumbrücke wurde 2015 eine von 17 in Berlin fest installierten automatischen Radzählstellen in die Fahrbahnoberfläche eingelassen. Unter allen mit einer Zählstelle versehenen Plätzen ist die Oberbaumbrücke der am stärksten vom Radverkehr frequentierte Ort.[23] Für die Fahrbahnsanierung im Jahr 2019 (siehe oben) wurde die Zählstelle entfernt.[24] Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz kündigte jedoch an, nach möglichen Anpassungen an der Fahrbahn, an einer anderen Stelle auf der Brücke, voraussichtlich im Jahr 2020 erneut eine Zählstelle, diesmal mit einem Display, installieren zu wollen.[25]

Der Radweg in Richtung Friedrichshain hatte zunächst eine Breite von 1,35 Meter und in Richtung Kreuzberg 1,60 Meter. Im Zuge der Erneuerungsarbeiten 2019, wurde angegeben, die Radfahrstreifen auf beiden Seiten auf zwei Meter zu verbreitern und mit einem zusätzlichen Sicherheitsstreifen mit 80 Zentimetern Breite in Form einer Doppellinie zu versehen.[20]

Für die auf fünf Monate angelegte Zeit während der Baustelle wurde die westliche Brückenseite gesperrt und eine Fahrbahn je Richtung eingerichtet. Der Radverkehr wurde zunächst bei reduzierter Geschwindigkeit über die gleiche Spur wie der motorisierte Verkehr geleitet. Von Polizei und Verkehrslenkung wurde dies jedoch als zu eng und gefährlich beurteilt und der Radverkehr anschließend angehalten abzusteigen und den Fußweg zu nutzen. Nach Kritik unter anderem von Changing Cities, dem Verein hinter der Initiative Volksentscheid Fahrrad, und dem ADFC Berlin sowie einem Protest mit Straßenblockade, wurde von der Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann und der Verkehrssenatorin Regine Günther eine Änderung der Baustellenführung bewirkt,[26] wonach dem Radverkehr beidseitig die Fußwege zugewiesen wurden.[27] Dafür fiel der Fußweg auf der Westseite vollständig weg und wurde auf der Ostseite vom Fußverkehr abgetrennt. Dies wurde wiederum von Fuß e. V., einem Verband für den Fußverkehr, kritisiert.[28]

Changing Cities kritisierte den Umbau nach der Fertigstellung als Verstoß gegen das Mobilitätsgesetz, da die Radstreifen zu schmal zum sicheren Überholen seien und nicht baulich vor dem Autoverkehr abgetrennt wurden.[29] Nachdem einige Tags später Widerspruch gegen die neue Aufteilung eingelegt wurde, gab die Verkehrsverwaltung bekannt, die Breite gegebenenfalls erneut anzupassen und Protektionselemente zu prüfen, die mit der denkmalgeschützten Brücke in Einklang gebracht werden können.[30]

Siehe auchBearbeiten

Weitere Brücken mit einem U-Bahn-Viadukt oberhalb der Straßenebene sind der Pont de Bercy und der Pont de Bir-Hakeim in Paris.

LiteraturBearbeiten

  • Annegret Burg (Bearb.): Oberbaumbrücke. Wiedereröffnung anläßlich des 5. Jahrestages des Mauerfalls. In: Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.): Sieben Brücken der Berliner Innenstadt. Beispiele für Konstruktion und Gestaltung., Berlin 1994.
  • Monika Ost, Wolfgang Kramer, Maria Deiters, Rudolf Eisenbach: Die Oberbaumbrücke – Restaurierung eines Baudenkmals. Senator für Bau- und Wohnungswesen, Berlin 1995 (= Berlin baut. Bd. 18.)
  • Karl Bernhard: Vom Bau der Oberbaumbrücke. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jahrgang 15 (1895), S. 527–528, Digitalisat opus.kobv.de.
  • Marina Heimann: Die Oberbaumbrücke. Im Wandel der Zeit. Pro Business Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-939430-91-9.
  • Barbara Hölkemann: Eine Einheit gegensätzlicher Bestimmungen. Die Oberbaumbrücke in Berlin. Deutscher Wissenschaftsverlag, Baden-Baden 2006, ISBN 3-935176-61-9.
  • Ingrid Nowel: Berlin. Die neue Hauptstadt. Architektur und Kunst, Geschichte und Literatur. Verlag Dumont, 2007, ISBN 3-7701-5577-7, S. 337–338 (Rund um die Oberbaumbrücke).
  • Eckhard Thiemann, Dieter Deszyk, Horstpeter Metzing: Berlin und seine Brücken. Jaron Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89773-073-1, S. 34–37.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Oberbaumbrücke (Berlin) – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Arbeiten an der Oberbaumbrücke erhitzen die Gemüter (Memento vom 1. April 2014 im Internet Archive)
  2. Zum Frontverlauf siehe Dieter Gaedke (Bearb.): Die Kämpfe in Berlin. In Gerd Heinrich (Hrsg.): Historischer Handatlas von Brandenburg und Berlin. Der militärische Zusammenbruch 1945. de Gruyter, Berlin / New York 1973, ISBN 3-11-004337-8. Bereits am 25. April hatte die Rote Armee die Spree überquert und Brückenköpfe an der Schilling- und der Oberbaumbrücke gebildet.
  3. Zum Schaden siehe Hölkemann (Lit.), S. 96 f.
  4. Die Oberbaumbrücke – Restaurierung eines Baudenkmals (= Berlin baut. Bd. 18.) Hrsg.: Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen, Berlin 1995, S. 21.
  5. Ulrich Lemke, Uwe Poppel: Die Berliner U-Bahn, S. 58
  6. Michael Stricker: Letzter Einsatz. Im Dienst getötete Polizisten in Berlin von 1918 bis 2010, Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt 2010, ISBN 3-86676-141-4, (= Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte, Bd. 11), S. 200–202
  7. Gerhard Sälter, Johanna Dietrich, Fabian Kuhn: Die vergessenen Toten. Todesopfer des DDR-Grenzregimes in Berlin von der Teilung bis zum Mauerbau (1948–1961). Ch. Links, Berlin 2016, ISBN 978-3-86153-933-9, S. 101 f.
  8. Hans J. Reichardt [u. a.]: Berlin. Chronik der Jahre 1955–1956. Herausgegeben im Auftrage des Senats von Berlin. Heinz Spitzing, Berlin 1971, S. 368
  9. Elke-Ursel Hammer: „Besondere Bemühungen“ der Bundesregierung. Band 1: 1962 bis 1969. Oldenbourg, München 2012, ISBN 3-486-70719-1, S. 28, abgerufen am 9. Juni 2013
  10. Maria Curter: Immer Grenze – Die Oberbaumbrücke. In: Berlinische Monatsschrift (Luisenstädtischer Bildungsverein). Heft 11, 1999, ISSN 0944-5560, S. 65–69 (luise-berlin.de).
  11. Cetin Mert. In: chronik-der-mauer.de. Abgerufen am 21. März 2016.
  12. Severin Weiland: Bauverwaltung wird bald entscheiden, ob der Entwurf von Calatrava für die Oberbaumbrücke verwendet werden kann. In: taz, 30. September 1992.
  13. Referenzliste (Memento vom 31. August 2004 im Internet Archive) (PDF) IB Jagels, abgerufen 11. Mai 2009.
  14. Straßenbahn soll über die Oberbaumbrücke fahren. In: Berliner Zeitung, 15. November 1994.
  15. Koaliationsvertrag Berlin 2016. Abgerufen am 29. März 2017.
  16. Vorschlag für die Straßenbahn über die Oberbaumbrücke von der Redaktion der Fachzeitschrift Signal. Abgerufen am 2. April 2009.
  17. Thomas Billik: Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/public.tfh-berlin.deDiplomarbeit an der TFH Berlin mit konkreten Vorschlägen einer Straßenbahnverlängerung von Friedrichshain bis zum Hermannplatz; abgerufen am 2. April 2009.
  18. Oberbaumbrücke wird teilweise gesperrt. In: Berliner Zeitung, 25./26. Mai 2019, S. 4.
  19. Kurzmeldungen – Straßenbahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 7, 2019, S. 143.
  20. a b Oberbaumbrücke bekommt breite, sichere Radwege. 17. Oktober 2019, abgerufen am 17. Oktober 2019.
  21. Stein – Papier – Schere. Homepage von Thorsten Goldberg mit Informationen und Abbildungen zum Projekt; abgerufen 18. Juli 2014
  22. Oberbaumbrücke Open Air Gallery bei yelp, abgerufen am 31. Mai 2014
  23. Verkehrserhebung Radzähler für Berlin: Wie viele Radfahrer sind unterwegs? Abgerufen am 5. Februar 2019.
  24. Die Radmessstelle musste für die Fahrbahnsanierung ausgebaut werden. Die Zählstelle wird erneuert. In: @SenUVKBerlin. Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr & Klimaschutz, 30. Oktober 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  25. Die Zählstelle kann nicht genau an der gleichen Stelle errichtet werden. Gleichzeitig müssen evtl. Anpassungen abgewartet werden. Zukünftig erhält die Zählstelle ein Display. Wir rechnen mit einem Aufbau 2020. Konkretes Datum wäre jetzt zu früh. In: @SenUVKBerlin. Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr & Klimaschutz, 30. Oktober 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  26. Radler-Demo auf Oberbaumbrücke - Senatorin sagt Hilfe zu. Abgerufen am 23. Oktober 2019.
  27. Oberbaumbrücke: Neue Lösung für den Rad- und Fußverkehr. 28. Mai 2019, abgerufen am 23. Oktober 2019.
  28. Fußgänger-Lobby kritisiert Umleitung auf "Ekelweg". Abgerufen am 23. Oktober 2019.
  29. Neuer Radweg an der Oberbaumbrücke sorgt für Ärger. Abgerufen am 23. Oktober 2019.
  30. Oberbaumbrücke wird erneut umgebaut. Abgerufen am 29. Oktober 2019.