Elsenbrücke

Straßenbrücke über die Spree in Berlin

Die Elsenbrücke in Berlin ist eine im Jahr 1968 eröffnete Straßenbrücke, die die beiden Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick miteinander verbindet. Benannt wurde sie nach der Elsenstraße, die ursprünglich bis an die Brücke heranführte. Flussaufwärts befinden sich neben der Elsenbrücke drei weitere Brücken, die Ringbahnbrücke Oberspree für den S-Bahnverkehr und die Treptower Eisenbahnbrücke für den Regionalbahnverkehr mit der Parkwegbrücke für Fußgänger. Im Sommer 2018 wurden an dem Bauwerk erhebliche Schäden festgestellt, so dass die Brücke abgerissen und voraussichtlich bis zum Jahr 2028 neu errichtet wird.[3]

B96a Elsenbrücke
Elsenbrücke
Die Elsenbrücke
Nutzung Straßenverkehr
Überführt Bundesstraße 96a
Querung von Spree
Ort Berlin-Friedrichshain
Konstruktion dreifeldrige Spannbetonbrücke in zwei getrennten Brückenüberbauten
Gesamtlänge 185 m
Breite 34,6 m
Längste Stützweite 65,0 m
Lichte Höhe 4,25 m
Fahrzeuge pro Tag 1.990 Lkw[1]
51.400 Kfz[2]
Baubeginn 1966
Fertigstellung 1968
Eröffnung 4. Oktober 1968
Lage
Koordinaten 52° 29′ 45″ N, 13° 27′ 47″ OKoordinaten: 52° 29′ 45″ N, 13° 27′ 47″ O
Elsenbrücke (Berlin)

Lage und NamensgebungBearbeiten

Im Ortsteil Alt-Treptow mündet die Elsenbrücke in die Straße An den Treptowers, ursprünglich ein Teil der weiterführenden Elsenstraße. Auf Friedrichshainer Seite läuft sie auf die Kreuzung zwischen der Stralauer Allee, dem Markgrafendamm und der Straße Alt-Stralau zu. Die von 1964 bis 1968 erbaute neue Straßenbrücke durchschneidet das Gelände des Osthafens auf der Friedrichshainer Seite. Das ehemalige Kraftwerk des Hafens liegt auf der Ostseite, während der Rest des Hafens auf der Westseite liegt. Die Elsenbrücke bildet die östliche Grenze des Areals des Investorenprojektes Mediaspree, das sich im Westen bis zur Jannowitzbrücke erstreckt.

Der Name Elsenbrücke wurde 1968 bei der Baufertigstellung nach der damals über das Bauwerk verlaufenden Elsenstraße vergeben.

GeschichteBearbeiten

 
Stralauer Brücke – Vorläufer der heutigen Elsenbrücke

Die erste Brücke, die Alt-Treptow mit Friedrichshain verband, war eine Eisenbahnbrücke für die 1871 eröffnete Neue Verbindungsbahn, die spätere Ringbahn. Die um 1915 eröffneten Vorortstrecken der Ring- beziehungsweise Stadtbahn führten beim Ausbau der Ringbahnbrücke Oberspree zu einer doppelten Eisenbrücke, die in der Berliner Denkmalliste enthalten ist.[4] Beide sind unterschiedlich gekrümmte einbogige Eisenkonstruktionen, die inzwischen mehrfach saniert wurden und noch immer in Benutzung sind. Beim Ausbau der Brücke 1914–1921 erhielt diese auf der Ostseite einen zusätzlichen zwei Meter breiten Steg, der Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung stand und von Stralau direkt in den Treptower Park führte.

Eine Straßenverbindung über die Spree wurde lange Jahre nicht für nötig erachtet. Dafür gab es ab 1899 den unterirdischen Versuchstunnel zwischen dem Treptower Park und der Halbinsel Stralau, der im Zusammenhang mit der Berliner Gewerbeausstellung 1896 angelegt wurde. Der Tunnel wurde bis 1932 von der Straßenbahn befahren und brachte die erholungssuchenden Berliner schnell in den Treptower Park oder den Plänterwald. In den Jahren 1936 und 1937 wurde der Tunnel während der Olympischen Spiele beziehungsweise der 700-Jahr-Feier Berlins für den Fußgängerverkehr freigegeben und während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzbunker genutzt. Durch Bombentreffer beschädigt, lief der Tunnel zum Ende des Krieges mit Wasser voll und ist seitdem ungenutzt, in Teilen auch zugeschüttet.

 
Elsenbrücke im Jahr 1968

Eine erste 210 m lange Straßenbrücke auf Holzunterbau, mit den Zufahrten insgesamt 540 Meter lang, entstand 1951 östlich neben der Ringbahnbrücke, die Stralauer Brücke. Sie sollte eine Verbindung zu den südöstlich gelegenen Ortsteilen des sowjetischen Sektors herstellen und dafür die Durchquerung des amerikanischen Sektors weitgehend überflüssig machen. 430 Pfähle zwischen 12 und 16 Metern Länge wurden in den Spreeboden gerammt. Die Fahrbahnbreite betrug 9 Meter, die Tragfähigkeit 12 Tonnen. Die Fahrbahndecke bestand aus Stahlbetonplatten, auf denen Asphalt aufgebracht wurde. Nach einer Bauzeit von sieben Monaten wurde die Brücke am 20. Juli 1951 eingeweiht.[5] Wegen ihrer zahlreichen Holzjoche hieß sie bei den Berlinern auch der „Tausendfüßler“.

Der Bau der Berliner Mauer führte zu einer Unterbrechung der ursprünglichen Verbindung vom Berliner Stadtzentrum in die südöstlichen Stadtteile über die Schlesische Straße/Puschkinallee, da der in West-Berlin liegende Bezirk Kreuzberg nicht mehr durchquert werden konnte. Dieser Fakt und die starke Zunahme des Verkehrs erforderten eine leistungsfähige neue Spreequerung in Treptow. Ein Ideenwettbewerb lieferte schließlich die Pläne für den Bau der heutigen Elsenbrücke. Im Juni 1964 begannen die Gründungsarbeiten der neuen Straßenbrücke, die westlich der Ringbahnbrücke und in einigem Abstand zur weiterhin in Nutzung befindlichen Holzkonstruktion errichtet wurde. Die im Oktober 1968 eingeweihte Brücke ist eine wichtige Verbindung zwischen dem Berliner Stadtzentrum und dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Die alte Stralauer Brücke wurde 1970 abgetragen.

 
Elsenbrücke wird saniert.

Ab 2006: Sanierung, Sperrung, Abriss und NeubauBearbeiten

Die jahrzehntelange Nutzung der Elsenbrücke hatte zu Schäden an den Fahrbahnen, an der Abdichtung und an den Widerlagern geführt. Zwischen 2006 und 2009 ließ die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung deshalb umfangreiche Sanierungsarbeiten durchführen, die zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen führten.[6]

Im 30. August 2018 wurde bei einer Routineuntersuchung ein 28 Meter langer und bis zu 14 Zentimeter tiefer Riss im Beton in der Unterseite der östlichen Brücke festgestellt, welcher durch einen Spannstahlbruch (Riss eines Stahlseil(-bündel)s) (welches vermutlich durch die Sommerhitze 2018 hervorgerufen wurde) in der Hohlkastenkonstruktion ausgelöst wurde. Daraufhin ließ der Senat am 31. August 2018 die in Süd-Nord-Richtung führenden Fahrspuren für den Kraftfahrzeugverkehr komplett sperren.[7] Zudem wurde ein Mess- und Alarmsystem zur Früherkennung von Bewegungen und Rissbildung in der westlichen Brücke installiert.

Eine Reparatur wurde von Brückenbauingenieuren aufgrund der Konstruktionsweise und des hohen Schadens ausgeschlossen, weshalb der Senat Anfang November 2018 beschloss, die Elsenbrücke abzureißen. Für die Bauphase entsteht bis zum Jahr 2022 eine Behelfsbrücke aus einzelnen Stahlfertigteilen mit zwei Fahrstreifen. Mit der Fertigstellung der Behelfsbrücke sollte die alte Brücke schrittweise abgetragen werden. Bis zum Jahr 2025 soll der Überbau Nordwest der neuen Elsenbrücke fertiggestellt sein, die komplette Brücke frühestens 2028.[8][9][10][11]

Am Morgen des 13. Dezembers 2021 wurde die Brücke komplett gesperrt, nachdem in der Nacht die Sensoren des Frühwarnsystems zur Überwachung der Tragfähigkeit eine starke Veränderung im Spannbeton gemeldet hatten. Dort kam es zu einer 8,2 Millimeter großen Betondurchbiegung, die, wie 2018 bei der östlichen Brücke, mutmaßlich durch einen Spannstahlbruch in der Hohlkastenkonstruktion verursacht wurde. Dies wurde auch durch das ebenfalls installierte Schallakustikmesssystem gemeldet. Die Brücke und die Spree wurden wegen drohender Einsturzgefahr bis auf Weiteres für den Kraftfahrzeug-, Rad-, Fuß- und Schiffsverkehr gesperrt. Es wird eine schnellere Freigabe der Behelfsbrücke geprüft.[12][13] Am 14. Dezember hat die Senatsverwaltung die Brücke für Fußgänger und Radfahrer sowie für den Schiffsverkehr wieder freigegeben. Es ist kein Stahlseil eingerissen, sondern handelt sich um eine temperaturbedingte Durchbiegung. Trotzdem soll der Ersatzbau schneller benutzt werden können.[14] Am Folgetag durfte dann auch wieder der Kraftfahrzeugverkehr die Brücke passieren.

Technische Daten (Auswahl)Bearbeiten

Die dreifeldrige Konstruktion aus Spannbeton besteht aus zwei parallel errichteten getrennten Brückenüberbauten, deren gemittelte Länge 185 m beträgt. Das größte Feld überspannt 65 m und liegt rund 4,25 m über dem Wasserspiegel (lichte Höhe), die seitlichen Felder überbrücken jeweils 45 m. Die Gesamtbreite beider Brückenüberbauten liegt bei 35 m. Von der Konstruktion her ist sie eine gevoutete Balkenbrücke.[15]

Die im Spannkasten eingelagerten 512 Spannstähle (Litzen) aus dem Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf waren – nach dem im Jahr 2018 ausgewerteten Bautagebuch – nicht wie nach Standard vorgeschrieben 14 Tage nach ihrer Einbringung betoniert worden – sondern erst mehr als sechs Monate später. So konnte sich Feuchtigkeit einlagern und den Stahl angreifen. Das wird von den Gutachtern als eine wesentliche Ursache der Rissbildung – neben dem Einsatz eines kalihaltigen Kieses für den Beton – im Jahr 2018 angesehen.[9]

Sehenswürdigkeiten nahe der ElsenbrückeBearbeiten

 
Blick von der Elsenbrücke flussabwärts. Links ist die Skulptur Molecule Man und auf der rechten Seite der Osthafen erkennbar.

Unmittelbar hinter dem S-Bahnhof Treptower Park befindet sich der Liegeplatz der Ausflugsschiffe der Stern und Kreisschiffahrt. Daran schließt sich der Treptower Park mit der Archenhold-Sternwarte und dem sowjetischen Ehrenmal an. Auf der Westseite der Brücke am Treptower Ufer ragt die Skulptur Molecule Man aus der Spree hervor, und am Ufer sind die Treptowers zu sehen, die 1998 auf dem Gelände der Elektro-Apparate-Werke Berlin errichtet wurden. Auf der Friedrichshainer Seite befindet sich der stillgelegte Osthafen, dessen denkmalgeschützte Gebäude[16] schrittweise neueren Nutzungen zugeführt werden. Direkt an der Brücke steht das historische Pumpenhaus des Hafens, das einige Jahre nach der Wende von der Redaktion der Tageszeitung Neues Deutschland genutzt worden war. Nach deren Auszug ist derzeit (Herbst/Winter 2021) keine öffentliche Nutzung erkennbar.

LiteraturBearbeiten

  • Eckhard Thiemann, Dieter Deszyk, Horstpeter Metzing: Berlin und seine Brücken. Jaron Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89773-073-1, S. 100–101.

WeblinksBearbeiten

Commons: Elsenbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Verkehrsmengen LKW 2014. Straßenverkehrszählung 2014 mit Stand 16. Oktober 2015 (pdf)
  2. Verkehrsstärkenkarte DTV 2014: Kfz in 24 Stunden
  3. Entscheidung gefallen: Elsenbrücke wird abgerissen auf www.tagesspiegel.de.
  4. Baudenkmalkomplex: Ringbahnbrücke Oberspree mit Bahndamm-Mauer
  5. Tausend Holzfüße. auf fhzz.de.
  6. Christian van Lessen: Die Elsenbrücke wird zum Engpass. Artikel im Tagesspiegel vom 22. Dezember 2007; abgerufen am 27. März 2009
  7. Team News, Carola Tunk, Peter Neumann, Christian Gehrke: Elsenbrücke einsturzgefährdet: Bleibt die Spreequerung bis 2022 gesperrt? Abgerufen am 13. Dezember 2021.
  8. Jörn Hasselmann: Entscheidung gefallen: Elsenbrücke wird abgerissen.
  9. a b Peter Neumann: Abrissreif. In Berliner Zeitung, 21. November 2018, S. 9 (Printausgabe).
  10. Ulrich Paul, Peter Neumann: Elsen- und Mühlendammbrücke – Abriss. Das Berliner Brückenchaos geht weiter. Berliner Zeitung, (online-Ausgabe), 22. November 2018.
  11. Ersatzneubau der Elsenbrücke. Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, abgerufen am 6. Januar 2020.
  12. Team News, Carola Tunk, Peter Neumann, Christian Gehrke: Elsenbrücke einsturzgefährdet: Bleibt die Spreequerung bis 2022 gesperrt? Abgerufen am 13. Dezember 2021.
  13. Elsenbrücke gesperrt auf viz.berlin.de, Dez. 2021. [1] abgerufen am 13. Dezember 2021
  14. Pressemitteilung vom 14. Dezember 20201: Elsenbrücke für Fuß- und Rad- sowie Schiffsverkehr wieder freigegeben, abgerufen am 14. Dezember 20201.
  15. Angaben gemäß Structurae.
  16. Baudenkmalkomplex: Osthafen