Militärflugplatz Dübendorf

Der Militärflugplatz Dübendorf (ICAO-Code LSMD) befindet sich auf dem Gebiet der gleichnamigen Schweizer Stadt Dübendorf sowie der Gemeinden Volketswil und Wangen-Brüttisellen nordöstlich der Stadt Zürich. Er wird von Helikoptern, Flächen- und Spezialflugzeugen der Schweizer Luftwaffe, aber nicht mehr von Kampfjets genutzt und beherbergt die operative Führung der Schweizer Luftwaffe.

Militärflugplatz Dübendorf
Dübendorf Flugplatz.jpg
Kenndaten
ICAO-Code LSMD
Koordinaten

47° 23′ 55″ N, 8° 38′ 54″ OKoordinaten: 47° 23′ 55″ N, 8° 38′ 54″ O

Höhe über MSL 448 m (1470 ft)
Basisdaten
Eröffnung 1910
Fläche 167[1] ha
Start- und Landebahnen
11/29 2355 m × 40 m Asphalt
11R/29L 650 m × 30 m Gras

Der 1910 für zivile Zwecke angelegte Flugplatz wird gemäss geltendem Konzept des Bundesrates vom 3. September 2014 gemischt zivil und militärisch genutzt. Der Bund gab der Flugplatz Dübendorf AG den Auftrag, den Betrieb eines künftigen zivilen Flugfeldes zu organisieren.[2][3] Diesen zivilaviatischen Plänen des Bundes wird aus der Region und dem Kanton Zürich Widerstand geleistet.[4][5] So machen sich die Standortgemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen gemeinsam für ein Konzept eines historischen Flugplatzes mit Werkflügen stark, welcher die Anzahl Flugbewegungen beschränkt und insbesondere auf die Klein- und Sportfliegerei sowie auf Flüge ausserhalb der Bürozeiten verzichtet. Die Stimmberechtigten der drei Gemeinden haben diesem Konzept am 26. November 2017 mit grosser Mehrheit zugestimmt.[6] Auf einer Fläche von 71 Hektar wird ein «nationaler Innovationspark» eingerichtet.[7]

GeschichteBearbeiten

Frühe Jahre mit gemischter NutzungBearbeiten

 
Flugzeuggeschwader im Ersten Weltkrieg
 
Flugzeug in einem Holzhangar, ca. 1918

Im Jahre 1909 fand der französische Aviatiker Reynold Jaboulin auf der Suche nach einem geeigneten Startplatz für seine Demonstrationsflüge mit einer «Flugmaschine» die Ebene zwischen Wangen und Dübendorf, damals noch urtümliches Riedland mit schilfbestandenen Tümpeln.[8]

Am 14. März 1910 wurde bereits ein Pachtvertrag zur Errichtung eines zivilen Flugfeldes abgeschlossen. Im August 1910 begannen die Meliorationsarbeiten unter Jaboulins Leitung, und am 1. Oktober 1910 wurde die «Genossenschaft Aérodrom Dübendorf» gegründet. Bereits am 22. Oktober 1910 konnte in Dübendorf ein grosses Flugfest gefeiert werden.[9] Dies nach anfänglichen Wirren um den definitiven Standort des Flugplatzes, denn zwischenzeitlich war der Schweizerischen Flugplatz-Gesellschaft (SFG) trockenes, sofort betriebsbereites Terrain auf dem Gebiet der Aargauer Gemeinde Spreitenbach zu viel billigeren Bedingungen offeriert worden. Am 28. September 1910 hatte die Gesellschaft denn auch verzichtet, in den Vertrag mit Dübendorf einzutreten. An der Generalversammlung der SFG vom 20. Februar 1911 wurde das Eintreten in den Pachtvertrag mit der Genossenschaft Oberried-Dübendorf beschlossen.[10]

1912 war das Geld ausgegangen und aus Hangars wurden Scheunen. 1914 wählte der Bund Dübendorf als Standort für einen Militärflugplatz. Das Gelände wurde vorerst gepachtet. Am 27. November 1918 kaufte der Bund das ganze Areal für 380'000 Franken.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden ab Zürich-Schwamendingen und ab der Wasserflugzeugstation am Zürichhorn lokaler Luftverkehr aufgenommen. Später wurde Dübendorf zum Hauptflugplatz erklärt, von wo aus auch internationale Personenflüge aufgenommen wurden.[11]

 
Auguste Piccards Ballonkugel 1932 vor dem Hangar in Dübendorf

Dübendorf wurde zur Wiege der Schweizer Luftfahrt, sowohl in zivilaviatischer als auch in militärischer Hinsicht. Teile der Schweizerischen Fliegertruppe (heute Luftwaffe) sind seit 1914 bis heute hier aktiv. Flugpioniere wie Oskar Bider, welcher hier tödlich verunglückte, Alfred Comte, Walter Mittelholzer, einer der Mitbegründer der Swissair haben den Flugplatz für ihre fliegerischen Aktivitäten genutzt. Am 18. August 1932 stieg Auguste Piccard mit dem belgischen Physiker Max Cosyns (1906–1998) von Dübendorf zum zweiten Mal mit einem Gasballon auf. Sie stellten mit 16.940 Metern (geometrische Messung, barometrisch 16.201 Meter) einen neuen Weltrekord auf.[12]

Am Flugplatz Dübendorf wurden bereits früh neue Kommunikationstechnologien eingesetzt. Die Funktechnik wurde hier für die Flugsicherung verwendet und sowohl für die Zivilluftfahrt als auch fürs Militär genutzt. Eine erste Funkstation nahm bereits 1919 ihren Betrieb auf. Für den ab 1922 internationalen Flugbetrieb wurden Erweiterungen durchgeführt. Am 1. Juni 1922 eröffnete Henry Pillichody die erste schweizerische zivile Luftverkehrslinie: Mit einer vierplätzigen Junkers J 13 der Ad Astra Aero bot er einen flugplanmässigen Doppelkurs Genf – Dübendorf – Fürth/Nürnberg und zurück an. Da der kommerzielle Flugbetrieb eines Nachrichtenmittels bedarf, das schneller ist als das Flugzeug selber, bediente man sich seither der Funkstation Dübendorf/Kloten auch für den zivilen Flugverkehr.[13]

Am 14. September 1930 verwarf das Zürcher Stimmvolk einen Kredit von 3,5 Millionen Franken für die Erstellung von Hochbauten auf dem Flugplatz. Das Eidgenössische Luftamt stellte daraufhin für einen Zollflugplatz erster Klasse zwei bis am 1. Mai 1931 zu erfüllende Forderungen: Den Bau eines Abfertigungsgebäude mit allen technischen und dienstlichen Einrichtungen und zweitens die Errichtung eines Hangars für zwei Grossflugzeuge mit 40 Metern Torweite sowie eines weiteren Hangars für gewerbsmässigen Verkehr. Der Regierungsrat legte darauf eine Vorlage vor, welche den Bau der grossen Halle für einen in der Kompetenz des Kantonsrats liegenden Betrag von 500'000 Franken vorsah.[14] Die Konzentration des Flugzeugunterhalts der neugegründeten Swissair mit bis zu 70 Mechanikern war ebenfalls an der misslichen Verhältnissen in Dübendorf gescheitert, weshalb Basel den Bau einer heizbaren Werfthalle angeboten hatte. Am 22. Mai 1931 fand die Gründungsversammlung für eine Genossenschaft statt, welche zahlreiche Interessengruppen und Verbände umfasste. Ziel war eine "einfache, aber für einige Jahre ausreichende ausbaufähige Anlage". Auf Studienreisen wurden Anlagen in Stuttgart besichtigt sowie die nicht in Frage kommende "imposante" Anlage in München. Das Bauprojekt der Firma Kündig und Dietiker wurde mehrfach geändert und neu berechnet: Die private aber nicht gewinnorientierte Gesellschaft sollte auf privatwirtschaftlicher Basis die Hochbauten erstellen zu den vom Kanton zu erstellenden Tiefbauten. Die Bauten müssten dann vom Kanton als Betreiber des Flugplatzes gemietet werden mit einem Heimfallrecht. Ohnehin mussten die bisherigen Betriebsräumlichkeiten auf Anweisung des Militärflugplatzes bis 1. Januar 1932 geräumt werden[15].

 
Gebäude des Überwachungsgeschwaders (ehemaliges Swissair-Terminal) im Jahr 2011
 
Ankunft von Reisenden im Jahr 1937

Die Swissair war von 1932 bis 1948 und ihre Vorgängerin Ad Astra Aero ab 1919 in Dübendorf beheimatet. Im Jahre 1932 wurde auf der zivilen Seite des Flugplatzareals das neue Abfertigungsgebäude eröffnet. In diesem unter Schutz gestellten Gebäude ist noch ein Wandmosaik mit dem damaligen Streckennetz der Swissair erhalten.[16] Ein 1939 gedrehter Film mit dem Titel „Der schönste Tag meines Lebens“ informierte über den Flugbetrieb in Dübendorf und die Entwicklung der Swissair.[17]

Folgende Flugzeugtypen wurden von der Swissair ab Dübendorf eingesetzt:

Nach der 1939 erfolgten vorsorglichen Aufkündigung der gemeinsamen Nutzung des Flugplatzes durch den Bund entschied der Kanton Zürich 1943, einen rein zivilen Flugplatz in Kloten zu bauen. Der Umzug der Swissair von ihrem damaligen Heimatflughafen Dübendorf-Wangen auf den neu erstellten interkontinentalen Flughafen Zürich-Kloten begann im Juni 1948 mit Inbetriebnahme der Westpiste und wurde mit Inbetriebnahme der Blindlandepiste im November 1948 vollzogen. Am 30. April 1949 wurde die Flotte der Motorfluggruppe Zürich von der damaligen Sportflugzeug-Halle in einem Staffelflug nach Kloten verlegt. Nachdem auch die verbliebenen technischen Abteilungen der Swissair Ende April 1949 ebenfalls nach Kloten verlegt worden waren, wurde der bisher gemischtaviatisch genutzte Flugplatz zum reinen Militärflugplatz.

Militärflugplatz der Schweizer LuftwaffeBearbeiten

 
Piste in Richtung Dübendorf gesehen, im Hintergrund der Turm des Glattzentrums

Seit Hauptmann Theodor Real 1914 mit seiner Fliegertruppe, deren Piloten zum Teil ihre privaten Flugmaschinen mitbrachten, auf dem Flugplatz Einzug hielt, hat sich viel verändert. Besonders die Flugzeuge wurden stetig weiterentwickelt: Aus den zerbrechlichen «Kisten» der Anfänge wurden hochmotorisierte und wendige Jagdflugzeuge. Den «Häfelis», «Dewoitines» und «Fokkers» folgten die «Moranes», «Messerschmitts» und «Mustangs». Mit den «Vampires» und etwas später den «Venoms» folgten die ersten Jagdflugzeuge mit Düsenantrieb (Jets). Nachfolger waren die Hawker Hunter, die beim Publikum durch ihren Einsatz bei der Patrouille Suisse hohe Publizität genossen. Letztere war von ihrer Gründung am 22. August 1964 bis 1994 auf dem Flugplatz stationiert. Die Anschaffung der Mirage III S und Mirage III RS war mit der Mirage-Affäre verbunden.

Parallel dazu wurde auch die Infrastruktur des Flugplatzes immer weiterentwickelt und ausgebaut. Das Pistensystem wurde mit einer Verlängerung auf effektiv 2750 m zeitgemässen Ansprüchen angepasst und ein hochwertiges Instrumentenlandesystem (ILS) wurde installiert, welches Landungen auch bei schlechter Sicht erlaubt. Der Militärflugplatz Dübendorf war auch die Haupteinsatzbasis des Militär-Helikopter-Rettungsdienstes. Der Höhepunkt der Aktivitäten wurde gemäss der Bewegungsstatistik LENK im Jahr 1985 mit insgesamt 46'484 Flugbewegungen erzielt, wovon 31'174 Jetflugbewegungen von Mirages, Tigers, Hunters und Vampires waren.

 
Eine F/A-18 «Hornet» im Sommer 2003 auf dem Flugplatz

„Beim Militärflugplatz Dübendorf handelt es sich um den zweitwichtigsten Flugplatz unserer Luftwaffe.“

Adolf Ogi, Vorsteher VBS (2000)[18]

Das Überwachungsgeschwader (UeG) war von seiner Gründung im Jahre 1941 bis zu seiner Auflösung am 31. Dezember 2005 in Dübendorf im ehemaligen Swissair-Terminal stationiert. Das Personal des UeGs wurde in das neu gebildete Berufsfliegerkorps übergeführt. Auch die Luftaufklärung war in Dübendorf stationiert und flog bis 18. Dezember 2003 ab Dübendorf mit der Mirage lll RS.[19]

Der Flugplatz wurde am Schluss der Jetfliegerei insbesondere von der Fliegerstaffel 11 mit Kampfflugzeugen vom Typ McDonnell Douglas F/A-18 bis 16. Dezember 2005 genutzt. Die an beiden Pistenenden vorhandene, 2005 entfernte Fangseilanlage für F/A-18 und F-5 war bündig in der Piste versenkbar, damit sie kein Hindernis für Kleinflugzeuge darstellte.

Im Rahmen eines neuen Stationierungskonzeptes der Schweizer Armee aus dem Jahr 2005 sollte der Flugplatz Ende 2010 (mit Option 2014) geschlossen werden. Der Jetflugbetrieb mit dem Typ F/A-18 wurde aus personellen Gründen Mitte August 2005 beendet. Am 16. Dezember 2005 wurde in Dübendorf der Jetflugbetrieb auch offiziell eingestellt. Die bis dato letzte Landung eines Kampfflugzeugs war am 1. April 2016, als die F-5F J-3202 als Leihgabe der Luftwaffe ins Flieger-Flab-Museum transferiert wurde.

Nutzung nach Abzug der KampfjetsBearbeiten

Der Schliessungsentscheid des VBS führte zu jahrelangen Diskussionen um die künftige Nutzung des weitläufigen Areals an zentraler Lage in der Zürcher Agglomeration. Im März 2008 teilte der Regierungsrat des Kantons Zürich dem VBS mit, dass er erwarte, dass von der bestehenden Option Gebrauch gemacht würde und der Flugplatz nicht vor 2014 geschlossen werde. Schon vorher hatten Parlamentarier eine Motion eingereicht und verlangt, dass das Stationierungskonzept der Luftwaffe überprüft werden soll. Am 9. Mai und 13. Oktober 2008 kommunizierte das VBS, dass das Standortkonzept betreffend Dübendorf überprüft werde. Ab 2008 war der Militärflugplatz dem Flugplatzkommando Alpnach unterstellt.[20]

Im Februar 2013 erklärte der Bundesrat, dass der Betrieb der Piste aus finanziellen Gründen nach 2014 rein militärisch nicht weiter aufrechterhalten werde. Das VBS suche einen Partner, welcher den Flugplatz für 20 Jahre bei ziviler Mitbenutzung betreiben könnte.[21] Das VBS will den Flugplatz nur noch als Helikopterbasis nutzen.[22]

Während der Diskussionszeit wurden mehrere Interessensgruppen formiert, die sich für den Erhalt des Flugplatzes in der einen oder anderen Form einsetzen. Einige Gegner der Pläne des Bundesrats befürchten eine Zunahme des Flugverkehrs.[23] Andere Interessensgruppen fordern den Erhalt des Flugplatzes Dübendorf für weitere aviatische Nutzung. Die Forderungen reichen von der Richtplaneintragung als Luftfahrtinfrastruktur bis zur Erhaltung als kantonales Kulturgut des „ältesten als ziviler Flugplatz gegründeten sowie nahezu vollständig erhaltenen ehemaligen Verkehrsflugplatzes Europas“, wenn möglich sogar als UNESCO-Weltkulturerbe,[24][25][26] was vom Bundesrat abgelehnt wurde.[27] In der Diskussion war der Regierungsrat des Kantons Zürich generell gegen eine zivile Nutzung des Flugplatzes mit einer Verlagerung des Geschäftsflugverkehrs von Kloten nach Dübendorf.[28][29] Die Gemeinden wollten sich zudem gegen den Lärm des Heliports wehren.[29][30] Der Zürcher Kantonsrat hatte noch im Juni 2015 im Kantonalen Richtplan die Piste gar nicht eingezeichnet[31]. Anfang September 2016 lösten sich jedoch die Gemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen von ihrer Maximalforderung, gar keine Aviatik mehr zuzulassen. Sie wollen aber weiterhin keinen Geschäftsflugverkehr.[32] Dazu wurde in den drei Standortgemeinden im November 2017 eine sowohl gemäss Präsidenten der FDP-Ortspartei Dübendorf als auch Kommentar in der NZZ gegen Grundsätze eines Rechtserlasses verstossende Volksabstimmung zu einem Alternativ-Konzept durchgeführt.[33][34] Auch nach der Zustimmung in allen drei Gemeinden war unklar, wie weit dies den vom Bund geplanten Betrieb beeinflussen könnte.[35]

Heutige NutzungBearbeiten

Im September 2014 hatte der Bundesrat entschieden, den Militärflugplatz künftig als «ziviles Flugfeld mit Bundesbasis» nutzen zu wollen, wodurch die «die grösste strategische Landreserve des Bundes» erhalten bliebe, und auf dem Areal den Bau eines Innovationsparks durch den Kanton Zürich zu ermöglichen. Die Luftwaffe werde den Flugplatz während einer mehrjährigen Übergangsphase weiterhin als Standort nutzen.[36][29]

Die vorgesehene Dreifachnutzung besteht aus

  • dem Innovationspark im nordwestlichen Bereich. In welcher Form der Innovationspark, in dem sich verschiedenste Firmen einmieten können und der bis zu 5000 zusätzliche Arbeitsplätze generieren soll, gebaut wird, muss noch bestimmt werden. Im Frühling 2017 zog als erstes ETH-Spinoff die Aerotrain AG in der bestehenden Halle 3 des Flughafens ein. Die Firma entwickelt eine Zeppelin-Drohne. Weitere 3 Professuren der ETH planten, zusätzliche Forschungsplätze einzurichten.[37]
  • einem zivilen Flugplatz für Geschäftsfliegerei, historische Fliegerei und Unterhaltsbetriebe auf der westlichen (Dübendorfer) Seite. Linien- und Charterflüge sind ausdrücklich nicht vorgesehen. Seit 2003 befindet sich in diesem Areal die Helikopter-Basis Rega 1 der Schweizerischen Rettungsflugwacht. Dazu kommt die Nutzung durch Polizeihelikopter. Als Betreiberin des zivilen Flugplatzes wurde die Flugplatz Dübendorf AG ausgewählt. Sie erhielt 2016, nach der Anpassung des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt, den Auftrag, auf dem Areal die Bauten zu erstellen und 30 Jahre zu betreiben. Der Sieger eines Architekturwettbewerbs wurde im November 2017 bekannt gegeben.[38] Mit dem Beginn einer baulichen Umsetzung auf der zivilen Dübendorfer Seite ist nicht vor 2023 zu rechnen.[39]
  • der „Bundesbasis Dübendorf“ mit dem Flugsicherungszentrum der Skyguide wo seit 2009[40] die zivilen und militärischen Flugsicherungsdienste unter einem Dach zusammengeführt sind, sowie dem Helikopter (Flugbetrieb mit Super Puma und Eurocopter EC 635) Standort der Luftwaffe auf der nordöstlichen Wangener Seite. Ebenfalls dort sind der Lufttransportdienst des Bundes sowie die Spezialflugzeuge für Vermessungsflüge des Bundesamts für Landestopografie angesiedelt.[41] Die Flächenflugzeuge Pilatus PC-6 Porter für Fallschirmaufklärer und PC-7 für Schulungen und Verbindung sollen auf andere Militärflugplätze verlegt werden, der Platz war aber nebst Locarno auch der Hauptflughafen des PC-7 Teams.[42] Trotzdem bleibt die Bundesbasis Dübendorf auch in Zukunft ein verfügbarer Standort für gelegentliche Einsätze aller Luftfahrzeuge (ausgenommen Kampfjets) der Luftwaffe, von Armasuisse und des BAZL. Im Komplex befindet sich die operative Führung der Luftwaffe mit der Operationszentrale (AOC, Air Operations Center) sowie Kompetenzzentren.[20]

Eine Attraktion ist das «Air Force Center», das Flieger-Flab-Museum, welches sich auf der nunmehr «zivilen» Seite befindet. Ab 1983 führte die im «Air Force Center» angesiedelte Ju-Air mit ihren Oldtimer-Flugzeugen Junkers Ju-52 Rund- und Charterflüge ab Dübendorf durch, welche ab Frühjahr 2021 wieder aufgenommen werden sollen. Auf diesem Areal wurde zur Zeit auch ein Nachbau der Junkers F 13 montiert; am 9. September 2016 fand der Erstflug statt, am 15.9. wurde die Maschine erstmals dem Publikum vorgeführt.[43][44]

Weitere NutzungenBearbeiten

 
Solar Impulse wird aus der B-747F ausgeladen
 
Parabelflugzeug Zero-G
 
Airliner abgestellt in LSMD wegen CV-19

Die Universität Zürich bzw. der UZH Space Hub führen regelmässig Forschungsmissionen von Dübendorf aus: Dazu gehören Parabelflüge[45] für Forschung und Testung, die gemeinsam mit der NASA durchgeführten AVIRIS-NG-Missionen[46] sowie das LNAS Projekt[47] der SkyLab. Regelmässiger Verkehr von grossen Passagierflugzeugen ist nicht vorgesehen.

Besondere EreignisseBearbeiten

Seit 1995 findet jeweils am ersten Mai-Sonntag auf dem Gelände der Love Ride Switzerland statt. Der Flugplatz wird dann von bis zu 8000 Motorradfahrern in Beschlag genommen. Diese Benefiz-Veranstaltung wird zugunsten von muskelkranken Kindern durchgeführt. Am 5. August 2006 fand auf dem Gelände des Flugplatzes ein Konzert der Rolling Stones vor 65'000 Zuschauern statt, und am 30. August 2008 trat Madonna vor 73'000 Zuschauern auf.

Der Prototyp (HB-SIA) des Solarflugzeugs Solar Impulse machte am 3. Dezember 2009 am Flugplatz Dübendorf seinen Erstflug von 350 Meter Länge. Das Flugzeug mit 63,40 Meter Spannweite war ab Juni 2007 im Hangar des Flugplatzes gebaut worden. Das grösste Flugzeug, das jemals auf dem Flugplatz Dübendorf landete, war ein Frachter des Typs B-747 mit 64,40 Meter Spannweite der Cargolux, welcher am 5. August 2013 die Solar Impulse 1 aus den USA zurück in die Schweiz gebracht hatte.[48]

Im September 2015 startete zum ersten Mal von Schweizer Boden aus ein Grossflugzeug für ZERO-G-Parabelflüge. Diese erfolgten im Auftrag der Universität Zürich für wissenschaftliche Experimente.[49][50] Der allererste öffentliche Parabelflug in der Schweiz mit der ZERO-G-Maschine, bei dem bezahlende Passagier ohne Bezug zu Experimenten teilnehmen konnten, hob im Oktober 2016 in Dübendorf ab.[51][52]

Am 22. November 2016 wurde die Solar Impulse 2 in Abu Dhabi zerlegt, in den Frachtraum einer Boeing 747-400 der Cargolux verladen und zum Militärflugplatz Dübendorf gebracht. Die Solar Impulse 2 ist auf dem Militärflugplatz Dübendorf bis auf weiteres eingelagert.

Vom 19. März 2020 an wurden auf dem Militärflugplatz Dübendorf aufgrund der Coronavirus-Krise Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge der Swiss, Edelweiss Air und Helvetic Airways abgestellt.[53][54]

LiteraturBearbeiten

  • David Külling, Manfred Hildebrand, Maurice Lovisa: Militärische Denkmäler im Bereich der Luftwaffe. VBS 2008, ar.admin.ch (PDF)
  • Peter Bosshard, Donat Achermann: Menschen, Maschinen Missionen. Geschichten vom Militärflugplatz Dübendorf 1914–2014. FO-Fotorotar, Egg 2014, ISBN 978-3-03304653-5.
  • Sandro Fehr: Die Erschliessung der dritten Dimension. Entstehung und Entwicklung der zivilen Luftfahrtinfrastruktur in der Schweiz, 1919–1990. Chronos Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-0340-1228-7.
  • Benedikt Meyer: Im Flug: Schweizer Airlines und ihre Passagiere, 1919-2002. Chronos Verlag, Zürich 2015, ISBN 978-3-0340-1238-6.
  • Ernst Frei: Erlebter Aktivdienst, 1939–1945. Auszüge aus dem Tagebuch eines Angehörigen der Fliegertruppe. 4. Auflage, Novalis, [Schaffhausen] 2010, ISBN 978-3-907160-54-1.
  • Fliegermuseum Dübendorf. VFMF, Dübendorf 1989.
  • Max Hügli: Fliegermuseum – Verzeichnis der Dokumentation, BAMF, Dübendorf 1981.

WeblinksBearbeiten

Commons: Flugplatz Dübendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 167 Hektar umzäunte Fläche gemäss Der Flugplatz Dübendorf – Factsheet. (PDF) In: Forum Flugplatz Dübendorf. Abgerufen am 24. November 2015.;
    gemäss Bundesrat Ueli Maurer sind es sogar 230 Hektar, vgl. Johanna Wedl: Streit um Landreserve: In Dübendorf wird weiter geflogen. In: nzz.ch. Neue Zürcher Zeitung, 3. September 2014, abgerufen am 6. September 2014: „«Es geht um 230 Hektaren an bester Lage, und die ganze Welt will sie gratis benützen können», sagte Bundesrat Ueli Maurer (svp.) am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Bern.“
  2. Über uns. In: Flugplatz Dübendorf. Abgerufen am 27. Februar 2019.
  3. Ecoplan, Bächtold & Moor: Flugplatz Dübendorf – Beurteilung des Vorschlags «Historischer Flugplatz mit Werkflügen». Fachliche Beurteilung und Prüfung anhand der strategischen Oberziele des Bundes. Altdorf, Bern 16. März 2017, S. 6 (admin.ch [PDF; abgerufen am 27. Februar 2019]).
  4. Walter Bernet: Flugbetrieb mit finanziellem Risiko: Die Flugplatzgemeinden wollen selber ans Steuer | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. Juni 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 10. Oktober 2017]).
  5. Stefan Hotz: Flugplatz Dübendorf: Kehrtwende der Regierung | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. Januar 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 10. Oktober 2017]).
  6. Stefan Hotz: Dübendorf: Anwohner erteilen Business-Airport eine Absage | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 26. November 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 25. Januar 2018]).
  7. Flugplatz Dübendorf. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Flugplatz Dübendorf AG. Archiviert vom Original am 24. November 2015; abgerufen am 23. November 2015.
  8. Fritz Käser: ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES FLUGPLATZES DÜBENDORF VON 1909 BIS 1914. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) 20. April 1979, archiviert vom Original am 6. Juli 2011; abgerufen am 8. Oktober 2016.
  9. Bearbeitet und herausgegeben von Walter Dürig: Dokumentation zur Entstehung des Flugplatzes Dübendorf (German, PDF) 30. Juni 2010. Abgerufen am 8. Oktober 2016.
  10. Neue Zürcher Zeitung, 21. Februar 1911, Seite C2
  11. Walter Jäggi: Wie der Nationalflughafen in Kloten landete. In: Tages-Anzeiger. 21. Oktober 2015, abgerufen am 23. November 2015.
  12. Erich Tilgenkamp: Reisen in ungewöhnliche Räume. Eine autorisierte Biographie. Verlag neues Leben, Berlin 1956
  13. Walter Dürig (Hsg), Max Unterfinger, Josef Baumgartner: 20 Jahre Funkstation Dübendorf: 1919 – 1939 (Memento vom 8. September 2017 im Internet Archive)
  14. Neue Zürcher Zeitung, 30. Oktober 1930, Blatt 5, Mittagsausgabe Nr. 2096
  15. NZZ, 1. September 1931, Seite d2
  16. Pit Wyss: Aufnahmegebäude des ehemaligen Zivilflugplatzes Dübendorf-Wangen – Inventarisationsbericht. (PDF) In: skzs.ch. 14. Juni 1996, abgerufen am 14. Februar 2016.
  17. Der schönste Tag meines Lebens auf YouTube, abgerufen am 25. Juni 2019 (Schweizer Kurzfilm, Swissair, DC-3, 1939).
  18. Zitat des Bundespräsidenten in der Fragestunde im Nationalrat am 19. Juni 2000, zitiert in: 1162. Anfrage (Zivile Nutzung des Militärflugplatzes Dübendorf); KR-Nr. 197/2000. (DOC) Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich. In: Kantonsrat Zürich. 19. Juli 2000, abgerufen am 11. März 2016.
  19. Karussell: „Flug im Vampire von Süd nach Nord“. In: srf.ch. SRF, 6. Februar 1988, abgerufen am 10. Februar 2016 (Fernsehsendung).
  20. a b Militärflugplatz Dübendorf. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Schweizerische Luftwaffe. Archiviert vom Original am 10. Juni 2014; abgerufen am 24. November 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lw.admin.ch
  21. Bundesrat prüft Dübendorf zivilaviatisch weiter zu nutzen. Medienmitteilung. In: news.admin.ch. Schweizerische Bundeskanzlei, 28. Februar 2013, abgerufen am 24. November 2015.
  22. Neues Stationierungskonzept der Armee. Medienmitteilung. (Nicht mehr online verfügbar.) In: VBS. 26. November 2013, archiviert vom Original am 24. November 2015; abgerufen am 24. November 2015.
  23. Flugplatz Dübendorf – der Absturz ist programmiert! (PDF) Forum Flugplatz Dübendorf, abgerufen am 28. März 2016.
  24. Flugplatz Dübendorf als Unesco-Weltkulturerbe? 20min.ch, abgerufen am 31. März 2016.
  25. Militärflugplatz als Unesco-Weltkulturerbe. In: Aargauer Zeitung. 17. März 2016, abgerufen am 2. Mai 2016.
  26. Einzelinitiative betreffend «Kulturgüter». (PDF) In: Kantonsrat Zürich. Abgerufen am 28. März 2016.
  27. Unesco Welterbe Liste indicative Schweiz. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Bundesrat. Archiviert vom Original am 20. Dezember 2016; abgerufen am 17. Dezember 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bak.admin.ch
  28. Andreas Schürer: Strittige Nutzung des Flugplatzes Dübendorf: Zürcher Regierung schwächelt. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. November 2015, abgerufen am 24. November 2015.
  29. a b c Johanna Wedl: Streit um Landreserve: In Dübendorf wird weiter geflogen. In: nzz.ch. Neue Zürcher Zeitung, 3. September 2014, abgerufen am 6. September 2014.
  30. Stefan Hotz: Querelen um den Flugplatz Dübendorf: Heliport beschäftigt das Bundesgericht. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. August 2015, abgerufen am 24. November 2015.
  31. Der Innovationspark erhält Konturen, NZZ, 30. Juni 2015
  32. Jetzt geht es um die Business-Jets, NZZ, 1. September 2016
  33. Der Gegenvorschlag ist demokratiepolitisch bedenklich@1@2Vorlage:Toter Link/zarchiv.zueriost.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , Seite 26, Glattaler, 10. November 2017
  34. Andreas Schürer: Durchsichtiges Störmanöver, NZZ, 10. November 2017, Seite 11; "Nun wird den Anwohnern vorgegaukelt, dass ein Ja an der Urne noch eine Wende bringen kann. Das ist demokratiepolitisch fragwürdig (...). So erzeugt man Politikverdrossenheit."
  35. Abstimmungsvorlage zum Konzept "Historischer Flugplatz mit Werkflügen". Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  36. Dübendorf: Innovationspark und ziviles Flugfeld mit Bundesbasis. Medienmitteilung. Bundesrat, 3. September 2014, abgerufen am 24. November 2015.
  37. Erstes Startup hebt in Dübendorf ab, NZZ, 18. Mai 2017, S. 20
  38. Studienauftrag / Architekturwettbewerb: Das zukünftige zivile Flugfeld in Dübendorf nimmt Gestalt an, Medienmitteilung Flugplatz Dübendorf AG, 9. November 2017
  39. SIL Dübendorf, Skynews
  40. Geschichte - skyguide. Abgerufen am 13. Januar 2018 (deutsch).
  41. Flugplatz Dübendorf Masterplan
  42. lw.admin.ch (Memento des Originals vom 20. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lw.admin.ch
  43. Julian Fricker: Rimowa: Legendäre Junkers F13 fliegt bald wieder. In: aero Telegraph. 23. November 2015, abgerufen am 24. November 2015.
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  48. Solar Impulse im Bauch: Hier hebt der Riesenvogel in Dübendorf ab. In: 20 Minuten. 5. August 2013, abgerufen am 24. November 2015.
  49. Alois Feusi: Erster Zero-G-Flug von der Schweiz aus: Von Dübendorf in die Schwerelosigkeit. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. September 2015, abgerufen am 24. November 2015.
  50. Schwerelos über Dübendorf. In: Zürcher Oberländer. 21. September 2015, abgerufen am 24. November 2015.
  51. https://www.travelnews.ch/reiseanbieter/1255-astronaut-fuer-einen-tag-so-fuehlt-sich-schwerelosigkeit-an.html
  52. Welche Experimente geplant sind
  53. Stefan Eiselin: Corona-Krise: Swiss muss Flugzeuge in Dübendorf abstellen. In: aeroTELEGRAPH. 18. März 2020, abgerufen am 19. März 2020.
  54. Christian Brändli: Der Dübendorfer Abstellplatz. In: zueriost.ch. 12. April 2020, abgerufen am 12. April 2020.