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GeografieBearbeiten

Das altmärkische Dorf Miesterhorst, ein Straßenangerdorf mit Kirche,[1] liegt 11 Kilometer nordöstlich von Oebisfelde im Niederungsgebiet des Naturparks Drömlings im Naturschutzgebiet Ohre-Drömling. Im Nordosten fließt der Bullengraben, im Südosten der Wilhelmskanal nach Süden zur Ohre.[2]

OrtschaftsgliederungBearbeiten

Zur Ortschaft Miesterhorst[3] gehört der Ortsteil Miesterhorst mit dem Wohnplatz Am Bahnhof , der frühere Bahnhof Miesterhorst, dem Wohnplatz Birkhorst, die frühere Kolonie Birkhorst,[4] und die Kolonie Miesterhorst, drei Kilometer östlich des Dorfes.[5] Der Gardelegener Ortsteil Taterberg gehört wahrscheinlich auch zur Ortschaft Miesterhorst, da er früher zur Gemeinde Miesterhorst gehörte.[6]

GeschichteBearbeiten

Miesterhorst entstand vermutlich um das Jahr 1000 als Kolonie von Mieste und ist auf einem der Horste im Drömling errichtet worden. Miesterhorst ist im Jahre 1367 in Verbindung mit einem Knüppeldamm erwähnt worden, der in westlicher Richtung über den Taterberg nach Bergfriede führte.[7]

Der Historiker Peter P. Rohrlach führt als erste urkundliche Erwähnung von Miesterhorst als Horst das Jahr 1541 an. 1554 heißt es das Dorff Horst, erst 1687 heißt es Miesterhorst.[1]

1725 wurde die Kirche im Kern des Dorfes erbaut. Das Postgebäude entstand 1928, in dem sich bis zur Eingemeindung das Gemeindebüro befand. Die Kindertagesstätte wurde 1993 ausgebaut. Die Entwicklung des Dorfes wird ausführlich von Ingeborg Engelien in ihrer Dissertation betrachtet.[7] Der Männergesangverein 1853 e.V. Miesterhorst wurde 2011 aufgelöst.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Januar 2011 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde mit dem Ortsteil Taterberg sowie den Wohnplätzen Bahnhof Miesterhorst, Kolonie Birkhorst und Kolonie Miesterhorst zusammen mit 17 weiteren Gemeinden per Gesetz in die Hansestadt Gardelegen eingemeindet.[8][9] Die Gemeinde hatte vor der Eingemeindung 695 Einwohner (Stand 31. Dezember 2009) und eine Fläche von 22,64 km², davon betrug der Anteil an forstwirtschaftlicher Fläche 3,14 km².

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1734 184
1774 185
1789 290
Jahr Einwohner
1798 274
1801 283
1818 267
Jahr Einwohner
1840 366
1864 583
1871 500
Jahr Einwohner
1885 584
1895 608
1905 720
Jahr Einwohner
1900 711
1910 830
1925 942
Jahr Einwohner
1939 864
1946 1253
1964 1016
Jahr Einwohner
1971 803
1981 803
1993 738
Jahr Einwohner
2006 721

ReligionBearbeiten

Die evangelische Kirchengemeinde Miesterhorst gehörte früher zusammen mit Mieste und Sichau zur Pfarrei Mieste.[10] Im Jahre 2003 wurden die Kirchengemeinden mit Dannefeld zum Kirchspiel Mieste zusammengelegt, das heute zum Pfarrbereich Mieste[11] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gehört.

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Die letzte ehrenamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde war Edith Dreher.[12] Seit 2014 ist Grit Oelze die Ortsbürgermeisterin der Ortschaft Miesterhorst.[13]

Wappen und FlaggeBearbeiten

Das Wappen wurde am 7. Juli 1997 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Silber auf grünem Rasen über blauem Wellenschildgrund eine grüne Eiche mit acht goldenen Früchten, der Stamm beseitet von zwei aufrechten, einander zugekehrten grünen Ähren mit schwarzen Grannen und je zwei Blättern am Halm.“

Die Farben Miesterhorsts sind Grün-Silber (Weiß).

Der grüne Schildfuß und die grünen Ähren symbolisieren die Weiden, Wiesen und Wälder der Miesterhorster Umgebung und den ländlichen Charakter der Gemeinde, die fruchttragende Eiche die “Friedenseiche” des Ortes und der blaue Wellenschildgrund steht für die vielen Flüsse und Kanäle des Drömlings.

Das Wappen wurde von der Magdeburger Heraldikerin Erika Fiedler gestaltet.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Bahnhof Miesterhorst

Der Bahnhof Miesterhorst liegt an der Bahnstrecke Berlin–Lehrte und wird meist im Stundentakt von Regionalbahnen der RB 35 der Abellio Rail Mitteldeutschland in Richtung Stendal und Wolfsburg mit Alstom Coradia LINT Zügen bedient.

Miesterhorst liegt an der Bundesstraße 188 (BurgdorfWolfsburgStendalRathenow). Der Mittellandkanal liegt in der Nähe, die nächste Umschlagsstelle befindet sich in Calvörde, 19 Kilometer entfernt. Die in Salzwedel ansässige Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel mbH (PVGS) betreibt den öffentlichen Linienverkehr in der Kernstadt Gardelegen und dem Ortsteil Miesterhorst.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Die evangelische Dorfkirche Miesterhorst besteht aus einem Fachwerklanghaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und einem Backsteinturm von 1926.[14]
  • In der Ortsmitte von Miesterhorst steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, des Krieges 1870/71 und für einen Gefallenen aus den napoleonischen Kriegen. An Kirche steht eine Namenstafel mit den Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges.[15]
  • Der Friedhof des Dorfes befindet an nordwestlichen Ortsausgang.

VereineBearbeiten

  • FSV 77 Miesterhorst e. V.
  • Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Miesterhorst e. V.
  • Jagdgesellschaft Miesterhorst e. V.
  • Ländlicher Reit- und Fahrverein Miesterhorst e. V.

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1478–1481.
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. Hauptsatzung der Hansestadt Gardelegen (PDF; 39 kB)
  4. Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt (Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile), Gebietsstand Januar 2014, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2016
  5. Top50-CD Sachsen-Anhalt, 1.50000, Landesamt für Landesvermessung und Geoinformation, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2003
  6. Franz Mertens: Heimatbuch des Kreises Gardelegen und seiner näheren Umgebung. Hrsg.: Rat des Kreises Gardelegen. Gardelegen 1956, DNB 1015184308, S. 208.
  7. a b Ingeborg Engelien: Preußische Kolonisations– und Sozialpolitik in der Altmark von 1740 bis 1850 im Spannungsfeld von Staatsräson und Bauernwiderstand am Beispiel des Drömlings. Bonn 2007 (PDF; 32,4 MB [abgerufen am 30. Mai 2018]).
  8. Gemeindeneugliederungsgesetz für den Altmarkkreis Salzwedel
  9. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2011
  10. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 63 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 3. Juni 2018]).
  11. Pfarrbereich Mieste. Abgerufen am 3. Juni 2018.
  12. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Gemeinde Miesterhorst - Altmarkkreis Salzwedel, Bürgermeisterwahl am 6. Mai 2001
  13. Ortschaftsrat der Ortschaft Miesterhorst. Abgerufen am 27. März 2019.
  14. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 675 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  15. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. Miesterhorst auf www.denkmalprojekt.org. April 2011, abgerufen am 3. Juni 2018.