Schenkenhorst (Gardelegen)

Ortsteil von Gardelegen

Schenkenhorst ist ein Ortsteil der gleichnamigen Ortschaft der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.[3]

Schenkenhorst
Hansestadt Gardelegen
Koordinaten: 52° 36′ N, 11° 24′ OKoordinaten: 52° 36′ 13″ N, 11° 23′ 45″ O
Höhe: 32 m ü. NHN
Fläche: 7,37 km²[1]
Einwohner: 139 (31. Dez. 2022)[2]
Bevölkerungsdichte: 19 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 2009
Postleitzahl: 39638
Vorwahl: 03907
Schenkenhorst (Sachsen-Anhalt)
Schenkenhorst (Sachsen-Anhalt)

Lage von Schenkenhorst in Sachsen-Anhalt

Kirche in Schenkenhorst
Kirche in Schenkenhorst
Lage der Ortschaft Schenkenhorst in Gardelegen

Geografie Bearbeiten

Schenkenhorst, ein Straßendorf mit Kirche, liegt rund elf Kilometer nördlich der Altstadt von Gardelegen an der Milde in der Altmark und ist über die B 71 und die Kreisstraße 1085 zu erreichen.[1][4]

Nachbarorte sind Engersen und Klein Engersen im Nordwesten, Kremkau im Nordosten, Algenstedt im Osten, Lüffingen im Süden und Estedt im Südwesten.[4]

Geschichte Bearbeiten

Mittelalter bis Neuzeit Bearbeiten

Die erste urkundliche Erwähnung von Schenkenhorst stammt aus dem Jahre 1420 als vor dem dorfe schenkenhorst, als berichtet wurde, dass dem Bürger Hans Ludeke im Jahre 1416 eine Kuh vor dem Dorf gestohlen worden war.[5] Weitere Nennungen sind 1473 Schenckenhorst und 1687 Schenckenhorst.[1]

Der Gutshof gehörte zu einem Rittergut, das vor 1842 dismembriert wurde.[6]

Eingemeindungen Bearbeiten

Ursprünglich gehörte das Dorf zum Salzwedelischen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Zwischen 1807 und 1810 lag es im Kanton Zichtau auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Ab 1816 gehörte die Gemeinde zum Kreis Gardelegen, dem späteren Landkreis Gardelegen.[1] Ab dem 25. August 1952 gehörte sie zum Kreis Kalbe (Milde). Nach dessen Auflösung wurde sie am 1. Januar 1988 in den Kreis Gardelegen umgegliedert. Seit dem 1. Juli 1994 gehört Schenkenhorst zum Altmarkkreis Salzwedel.[7]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Schenkenhorst am 11. Dezember 2008, dass die Gemeinde Schenkenhorst in die Hansestadt Gardelegen eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Juli 2009 in Kraft.[8][9]

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Schenkenhorst wurde Schenkenhorst Ortsteil der Hansestadt Gardelegen. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Schenkenhorst und künftige Ortsteil Schenkenhorst wurde zur Ortschaft der aufnehmenden Hansestadt Gardelegen. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Schenkenhorst wurde ein Ortschaftsrat mit acht Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung Bearbeiten

Jahr Einwohner
1734 145
1772 143
1789 161
1798 234
1801 236
1818 188
Jahr Einwohner
1840 226
1864 279
1871 302
1885 289
1892 [00]253[10]
1895 258
Jahr Einwohner
1900 [00]261[10]
1905 280
1910 [00]257[10]
1925 254
1939 242
1946 413
Jahr Einwohner
1964 304
1971 426
1981 242
1993 221
2006 180
2012 [0]154[11]
Jahr Einwohner
2017 157
2021 [0]138[2]
2022 [0]139[2]

Quelle, wenn nicht angegeben, bis 2006:[1]

Religion Bearbeiten

Die evangelischen Christen der Kirchengemeinde Schenkenhorst, die früher zur Pfarrei Estedt gehörte,[12] werden heute betreut vom Pfarrbereich Estedt im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.[13]

Politik Bearbeiten

Ortsbürgermeister Bearbeiten

Der Ortsbürgermeister der Ortschaft Schenkenhorst ist Fabian Krüger.[14][15]

Ortschaftsrat Bearbeiten

Die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker des Schenkenhorster Ortschaftsrats wurden im Jahre 2016 landesweit bekannt, als sie sich gemeinsam mit anderen Politikern gegen die Abschaffung der Ortschaftsräte in Ortschaften mit weniger als 300 Einwohnern einsetzten.[16] So wird seit der Änderung des Kommunalverfassungsgesetzes im Jahr 2018 von einer Gemeinde per Beschluss einer Ortschaftsverfassung (die in der Hauptsatzung veröffentlicht wird) entschieden, ob ein Ortschaftsrat oder ein Ortsvorsteher gewählt wird.[17] Ein Ortschaftsrat hat ein Vorschlagsrecht in allen Angelegenheiten, die die Ortschaft betreffen.

Bei der Ortschaftsratswahl am 26. Mai 2019 errang die „Wählergruppe Schenkenhorst“ alle 7 Sitze, konnte aber nur 6 Kandidaten aufstellen und besetzen.[18]

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

  • Die evangelische Dorfkirche Schenkenhorst wurde 1872 als neoromanischer Bau auf den Resten eines Vorgängerbaus aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet[14] und 1875 geweiht. Zu den interessantesten Teilen ihrer Ausstattung gehören Reste eines mittelalterlichen Altarschreins, die darauf hindeuten, dass es hier bereits Anfang des 16. Jahrhunderts einen Vorgängerbau gegeben haben könnte. Die Orgel der Kirche wurde 1881 von Orgelbaumeister August Troch aus Neuhaldensleben gebaut.[19]
  • Auf dem Gelände des denkmalgeschützten Ritterguts steht das Gutshaus derer von Alvensleben aus dem Jahre 1705. Es war einst eine Art Wasserschloss.[14]
  • Neben der Kirche befindet sich der Ortsfriedhof mit einem Park, der unter Denkmalschutz steht.[4]
  • In der Ortsmitte steht ein Ehrenmal für die Opfer beider Weltkriege.[20]

Literatur Bearbeiten

  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1936–1940, doi:10.35998/9783830522355 (E-Book zur zweibändigen Druckausgabe).
  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC 614308966, S. 207 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege).
  • J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W. Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC 1071081004, S. 413–414, 76. Schenkenhorst (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks Bearbeiten

Commons: Schenkenhorst – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. a b c d e Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1936–1940, doi:10.35998/9783830522355 (E-Book zur zweibändigen Druckausgabe).
  2. a b c Elke Weisbach: Die Kurve zeigt wieder nach oben. In: Gardelegener Volksstimme, Gardelegener Kreisanzeiger. 24. Januar 2022, DNB 1047268027, S. 13.
  3. Hansestadt Gardelegen. Der Bürgermeister.: Hauptsatzung der Hansestadt Gardelegen. 27. August 2019, abgerufen am 1. März 2022.
  4. a b c Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 3. Band 3. Berlin 1846, S. 335 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001006~SZ%3D00345~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W. Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC 1071081004, S. 413–414, 76. Schenkenhorst (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 360.
  8. Altmarkkreis Salzwedel: Gebietsänderungsvertrag über die Eingemeindung der Gemeinde Schenkenhorst in die Hansestadt Gardelegen mit Genehmigung des Altmarkkreises Salzwedel vom 21. Januar 2009. In: Amtsblatt Altmarkkreis Salzwedel. 15. Jahrgang, Nr. 2, 18. Februar 2009, S. 48–50 (altmarkkreis-salzwedel.de [PDF; 388 kB; abgerufen am 23. August 2021]).
  9. StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009
  10. a b c Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC 614308966, S. 207 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege).
  11. Einwohnerentwicklung 2012 in den Ortsteilen. In: Volksstimme Magdeburg. 1. Mai 2013 (volksstimme.de [abgerufen am 20. Februar 2022]).
  12. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 61 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  13. Pfarrbereich Estedt. Abgerufen am 25. November 2018.
  14. a b c Schenkenhorst. In: gardelegen.de. Hansestadt Gardelegen, Januar 2023, abgerufen am 5. Februar 2023.
  15. Elke Weisbach: Ortsbürgermeister mit 19 Jahren. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Gardelegen. 26. Juli 2019 (volksstimme.de [abgerufen am 5. Februar 2023]).
  16. Dörfer erkämpfen Räte. In: Volksstimme Magdeburg. 5. Juni 2016 (volksstimme.de [abgerufen am 5. Februar 2023]).
  17. Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (KVG LSA) Vom 17. Juni 2014. GVBl. LSA 2014, 288, § 81 Bildung von Ortschaften (sachsen-anhalt.de [abgerufen am 5. Februar 2023]).
  18. Donald Lyko: Sechs von vier Ratssitze in Jeseritz besetzt. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Gardelegen. 27. Juli 2012 (volksstimme.de [abgerufen am 5. Februar 2023]).
  19. Donald Lyko: Troch-Orgel bald wieder mit vollem Klang. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Gardelegen. 27. Juli 2012 (volksstimme.de [abgerufen am 5. Februar 2023]).
  20. Schenkenhorst, Stadt Gardelegen. In: denkmalprojekt.org. Onlineprojekt Gefallenendenkmäler, April 2011, abgerufen am 2. Oktober 2022.