Maryanne Trump Barry

US-amerikanische Anwältin und Richterin
Maryanne Trump Barry 1992

Maryanne Trump Barry (* 5. April 1937 in New York) ist eine US-amerikanische Juristin. Sie ist emeritierte Richterin am Berufungsgericht des 3. Bundesgerichtskreis der USA. Ihr jüngerer Bruder ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten und Immobilienmagnat, Donald Trump.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und AusbildungBearbeiten

Ihre Eltern waren Fred C. Trump und Mary MacLeod Trump. Maryanne war das erste Kind der Familie, das ein College besuchte.[1][2]

Barry studierte Politikwissenschaften am Mount Holyoke College (B.A. 1958)[3]. Nach 13 Jahren als Hausfrau und Mutter schloss sie 1962 ein Jurastudium ab, einen M.A. an der Columbia University.[1] Sie promovierte 1974 an der Hofstra University School of Law. Vor ihrer Ernennung zum Richteramt war sie unter anderem bei der Staatsanwaltschaft in New Jersey tätig[4]. Sie gehört der Republikanischen Partei an.

RichteramtBearbeiten

Präsident Ronald Reagan[5] schlug sie 1983 als Richterin am United States District Court für den Bezirk von New Jersey vor, als Nachfolgerin auf dem Sitz Henry Curtis Meanors. Sie wurde vom US-Senat am 6. Oktober 1983 bestätigt. Thomas Kean, der damalige Gouverneur, hatte sie (als Maryanne Barry) empfohlen bekommen und vorgeschlagen. Der NYT zufolge hatte Donald Trump insgeheim seinen damaligen Anwalt (Roy Cohn) veranlasst, Edwin Meese (der damals im Weißen Haus als Berater arbeitete) auf seine Schwester aufmerksam zu machen. Unterstützung durch ihren Bruder spielte laut Barry selbst durchaus eine Rolle. [5]

1992 veröffentlichte sie ein Schulungsvideo für angehende Strafrichter.[6] 1993 entschied sie im Falle Piscataway School Board v. Taxman - es ging um zwei am selben Tag eingestellte gleich qualifizierte Lehrerinnen, eine schwarz, eine weiß. Die Entscheidung, die Weiße aufgrund von Diversity zu entlassen, wurde von einer Regierungsbehörde angefochten. Trump Barry bestätigte die Anfechtung. Race könnte bei freiwilligen Programmen zur affirmative action nur eine Rolle spielen, wenn es darum gehe, vergangene Diskriminierung auszugleichen oder Minderheiten aktuell unterrepräsentiert seien, was nicht der Fall gewesen sei.[7] Die Entscheidung bei dem landesweit diskutierten Fall blieb endgültig, da die beteiligten Bürgerrechtsgruppen Taxman lieber eine Abfindung finanzierten, als das Risiko einer Grundsatzentscheidung des Supreme Courts gegen Affirmative Action einzugehen.[8]

Chief Justice Rehnquist empfahl sie für den Vorsitz des Criminal Law Committee der Judicial Conference of the United States, den sie 1994 bis 1996 innehatte. Präsident Bill Clinton schlug sie 1999 für das Berufungsgericht des 3. Bundesgerichtskreis (vgl. United States Court of Appeals) der USA vor. Im Vorfeld hatte Clinton Schwierigkeiten gehabt, seine Kandidaten im republikanisch dominierten Senat durchzusetzen. Senator Robert G. Torricelli empfahl ihm Trump Barry. Donald Trump selbst unterstützte damals noch die Demokraten.[5]

Bei der Debatte zu ihrer Kandidatur wurden im US Congress unter anderem ein Urteil im Interesse New Jerseys gegen Umweltverschmutzung aus der New Yorker Mülldeponie Fresh Kills Landfill angeführt, ebenso die vielbeachtete Entscheidung, den Versicherungsträger Blue Cross zur Übernahme der Kosten einer Knochenmarktransplantation bei einer jungen Frau zu verpflichten. Es wurde auch erwähnt, dass sie während ihrer Dienstzeit bei der Staatsanwaltschaft die höchstrangige Frau in einem solchen Amt in den Vereinigten Staaten war.[9] Sie übernahm das Amt von H. Lee Sarokin und war Clintons zweite Nominierungswahl, nachdem die Nominierung von Robert Raymar nicht vom Justizausschuss angehört wurde. Der Senat bestätigte Barry einstimmig und im September 1999 trat sie ihr Amt an.[5][10]

Im Jahr 2000 kritisierte sie ein Gesetz, das in New Jersey Abtreibungen in einem späten Schwangerschaftsstadium verbieten sollte, als schlecht formuliert und zu vage. Bei dem zugehörigen Fall (Planned Parenthood of Central New Jersey v. Farmer) formulierte sie das Mehrheitsvotum und brachte das Gesetz so mit zu Fall.[11]

Sie gilt als durchsetzungsfähige Richterin, die ihren Gerichtssaal im Griff hat.[5] 1989 lehnte sie einen Kompromissvorschlag einer untergeordneten Instanz ab, was zur Verurteilung zweier Polizisten wegen Drogenhandel führte. Sie saß auch der Verurteilung von Louis Manna vor, einem einer Mordverschwörung gegen John Gotti angeklagten Mafiaboss der Genovese-Familie.[5]

2011 erreichte Barry den sogenannten Seniorstatus. Dieser ermöglicht ihr (vgl. Emeritierung) nach wie vor Recht zu sprechen, der Sitz bei Gericht kann aber neu besetzt werden. Ihre Nachfolgerin ist Patty Shwartz.

Öffentliche RolleBearbeiten

Sandra Day O'Connor zeichnete sie mit einem nach O'Connor benannten Preis der Seton Hall University School of Law für Frauen in der US-Justiz aus. Barry wandte sich an die anwesenden Frauen und wies auf die Hürden, die Day O'Connor überwinden musste und die seither erzielten Fortschritte. [5]

Die Fairfield University verlieh ihr 2011 einen Ehrendoktor. 2016 stiftete Trump Barry der katholischen Privatuniversität 4 Millionen Dollar für ein Zentrum für jesuitische Spiritualität. Barry ist evangelisch und gehört den Presbyterianern an, war aber Pater von Arx, dem Präsidenten von Fairfield, verbunden.[12] Trump gilt als moderat-konservativ.[13] Sie hat die Heimat ihrer Mutter, Mary Anne MacLeod Trump, die schottische Insel Lewis and Harris mehrmals besucht. 2015 spendete sie 210.000 Euro für ein Pflegeheim und ein Hospiz in Stornoway.[14]

Während den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl 2016 hatte Donald Trump sich bei Nachfolgefragen zu Bundesrichtern nicht festgelegt und seine über 70-jährige Schwester ausweichend bzw. scherzhaft als mögliche Kandidatin für den US Supreme Court genannt. Unter anderem im sehr konservativen American Spectator war dies heftig kritisiert worden. [15] Ted Cruz und Marco Rubio, beide zeitweise Konkurrenten ihres Bruders bei den parteiinternen Vorwahlen, nahmen ihre Entscheidung und die Nennung durch Trump zum Anlass, Donald Trumps Haltung zu Abtreibungsthemen in Frage zu stellen und diesen als nicht in Übereinstimmung mit republikanischen Positionen zu kritisieren.

Cruz hatte während seiner Kampagne versucht, Donald Trump als langjährigen "Liberal" (US-Linken) und Abtreibungsbefürworter zu charakterisieren, der mit der tiefkonservativen und religiösen Wählerschaft nicht in Übereinstimmung sei. [16] Nach dem Tod von Richter Antonin Scalia 2016 kam unter anderem bei der Vorwahl in South Carolina die Frage der Nachfolgekandidaten wieder auf. Cruz ging soweit, Trumps Schwester als linke, entschiedene pro-Abtreibungs-Richterin (wörtlich "hard-core pro-abortion liberal judge"[17]) und Extremistin[11] zu beschimpfen.[1] Rubio verwies auf die Rolle Bill Clintons bei ihrer Nominierung und warf ihr (ebenso) Extremismus in Sachen Abtreibung vor.[13] Präsident Trump schlug schließlich am 31. Januar 2017 Neil Gorsuch als Richter für den Supreme Court vor.

PersönlichesBearbeiten

Trump Barry war 1960 bis 1980 mit David Desmond, einem Offizier der United States Air Force, verheiratet.[18] 1982 heiratete sie John Joseph Barry, wie sie Jurist in New Jersey.[5][19] Ihr zweiter Ehemann starb 2000.[20][21] Aus der ersten, geschiedenen Ehe hat sie einen Sohn, David William Desmond (* 1960), der als Psychologe arbeitet.[22][23] Trump Barry wohnt in Philadelphia, Pennsylvania[24] und hat ein Appartement in der Fifth Avenue in New York.[5]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c So tickt Donald Trumps Schwester. In: tagesanzeiger.ch/. Abgerufen am 3. Dezember 2016.
  2. Jenna Johnson: Donald Trump says his older sister isn't interested in becoming a Supreme Court judge. In: Washington Post. 11. Oktober 2015.
  3. At the Bar. In: The New York Times. 4. Dezember 1992.
  4. History of the Federal Judiciary. Federal Judicial Center.
  5. a b c d e f g h i Jason Horowitz, "Familiar Talk on Women, From an Unfamiliar Trump", New York Times, 18. August 2015.
  6. Maryanne Trump Barry, Federal Judicial Center, Publications and Media Division: Criminal trial procedure. Publications and Media Division, Federal Judicial Center ; National Audiovisual Center [distributor], 1. Januar 1992, abgerufen am 4. Dezember 2016 (englisch).
  7. Richard F. Tomasson, Faye J. Crosby, Sharon D. Herzberger: Affirmative Action: The Pros and Cons of Policy and Practice. Rowman & Littlefield, 2001, ISBN 978-0-7425-0210-9, S. 162 (google.de [abgerufen am 4. Dezember 2016]).
  8. Biskupic, Joan. "Rights Groups Pay To Settle Bias Case", The Washington Post, November 22, 1997, p. A01 . Accessed June 19, 2007.
  9. Congressional Record: Proceedings and Debates of the 106th Congress, First Session Vol. 145 Part 15. Government Printing Office, S. 21247 (google.de [abgerufen am 4. Dezember 2016]).
  10. Al Kamen, "When President Clinton did a very nice thing for Donald Trump", The Washington Post (30.7.2015).
  11. a b Matt Flegenheimer: Ted Cruz Calls Donald Trump's Sister, a Judge, an 'Extremist'. In: The New York Times - First Draft. 15. Februar 2016, abgerufen am 3. Dezember 2016.
  12. Jim Shay: Trump’s sister gives $4M to Fairfield University. In: Connecticut Post. 2016 (ctpost.com [abgerufen am 3. Dezember 2016]).
  13. a b Joel Mathis: 4 Things to Know About Donald Trump's Federal Judge Sister. In: Philadelphia Magazine. 2016 (phillymag.com [abgerufen am 3. Dezember 2016]).
  14. Deutsche Welle (www.dw.com): Trumps vergessene schottischen Wurzeln | Aktuell Europa | DW.COM | 31.05.2016. In: DW.COM. Abgerufen am 4. Dezember 2016.
  15. Who Would Donald Trump Appoint to the Supreme Court? | The American Spectator. In: spectator.org. Abgerufen am 3. Dezember 2016.
  16. Katie Glueck: Cruz skewers Trump’s sister in Supreme Court debate. In: POLITICO. 2016 (politico.com [abgerufen am 4. Dezember 2016]).
  17. Meet Donald Trump’s sister, the tough, respected federal judge Ted Cruz called a ‘radical pro-abortion extremist’. In: Washington Post. Abgerufen am 3. Dezember 2016.
  18. David Desmond Sr. | WikiTree: The FREE Family Tree.
  19. MARYANNE DESMOND WEDS JOHN BARRY. In: The New York Times, 27. Dezember 1982. 
  20. John Barry, 60, Trial and Appellate Lawyer. In: The New York Times, 18. April 2000. 
  21. John Barry death notice, The New York Times, April 18, 2000
  22. Lisa Aitken, David Desmond. In: The New York Times. 31. Mai 1992.
  23. Gwenda Blair, The Trumps, Simon & Schuster, 2015, S. 609.
  24. Wills Robinson: Now Trump’s older sister gets threatening letter. In: Daily Mail Online. 2016 (dailymail.co.uk [abgerufen am 4. Dezember 2016]).